Das 05-Kalenderblatt: 31.3. bis 3.4.

Christian Karn. Mainz.
Die nullfünfMixedZone hat wieder in der Vereinschronik gekramt, in den Annalen geblättert und nachgeschaut, welche Jubiläen in diesen Tagen anstehen, was es an Besonderheiten und Ergebnissen gegeben hat, was um diese Jahreszeit so alles bei den 05ern passiert ist. In der zweiten Hälfte dieser Woche geht es um eine Reihe großer Torjäger und einen Abwehrchef, den Darmstädter Torwart und ein Phantomtor gegen Frankenthal.

31. März  

Eine Rarität: Jürgen Wegmann im 05-Trikot. Der Ex-Torjäger stand nur sehr kurz bei den 05ern unter Vertrag.Die Kobra wird heute 52 Jahre alt, Jürgen Wegmann, der Torjäger, der am Ende seiner Karriere sehr, sehr kurz für Mainz 05 spielte. Wegmann war ein Stürmer, dessen Revier eher der Fünfer als der Strafraum war, nicht sonderlich groß, dank guter Technik und guten Timings trotzdem ein exzellenter Kopfballspieler, fußballerisch nur Durchschnitt, aber mit einem überragenden Torinstinkt, auf dem Höhepunkt seiner Laufbahn Deutscher Meister 1989 mit Bayern München. Im Winter 1995/96 sollte der Altstar, der längst in der Regionalliga gelandet war, in den vergangenen vier Jahren nur 30 Mal gespielt hatte, die 05er aus dem Zweitliga-Abstiegskampf schießen. Der Stürmer riss sich jedoch schon im ersten Testspiel das Kreuzband, der Vertrag wurde wieder aufgelöst.

Vor 42 Jahren erfuhr Wormatia Worms Gerd Kliers Unverwüstlichkeit: Beim 5:1 der 05er schoss der Mittelstürmer in der 41. Minute, zwei Minuten nur nach seinem ersten Treffer, eher zufällig das 3:1. Der Befreiungsschlag des gefürchteten Wormatia-Verteidigers Walfried Günther traf den Mainzer Mittelstürmer aus kurzer Entfernung im Gesicht. Der Abpraller ging ins Tor, Klier etwas später mit immer noch blutender Nase und Ohrenschmerzen in die Pause. Zwischendrin allerdings hatte Klier noch ein weiteres Kopfballtor nachgelegt - das wegen Foulspiels nicht zählte.

Fünf Jahre später revanchierten sich die 05er für eine ihrer größten Blamagen. Im November 1978 hatten sie als aktueller Südwestmeister beim weit abgeschlagenen Tabellenletzten, dem SV Speicher, der aus den vorherigen zehn Spielen nur einen Punkt geholt hatte, 0:4 verloren. 05-Trainer Horst Hülß wollte zurücktreten, wurde zum Weitermachen überredet. Das Rückspiel gegen Speicher, am 31. März 1979, gewannen die 05er 10:0, zu den Toren von Ali Oehrlein (2), Sigi Iser (2), "Bimbo" Bopp, Rainer Krönung, Rudi Collet (2) und Manfred Nimführ kam ein Eigentor. Trotz der zehn Gegentreffer war Speichers Torhüter Dieter Urbatzka einer der besten Spieler auf dem Platz; mit einer normalen Torwartleistung wäre das Ergebnis noch viel extremer geworden. Für die 05er war es der erste zweistellige Sieg in einem Ligaspiel; vierzehn Monate später gab es ein weiteres 10:0 gegen die SG Ellingen-Bonefeld. Auch diese hatten das Hinspiel gewonnen, allerdings nur 3:2.

In Mainz kam Christian Mathenia nicht an Loris Karius vorbei. In Darmstadt wurde er Bundesliga-Stammtorwart.Christian Mathenia wird 24 Jahre alt. Der gebürtige Mainzer, der zwischendrin in Bingen spielte, mit 14 Jahren aber zu den 05ern kam, hatte im Herbst 2013 seinen Schlüsselmoment in Mainz und verlor: Als die 05er ihre Torhüter neu sortierten, Heinz Müller und Christian Wetklo ausmusterten, war er einer von zwei Kandidaten für die Nachfolge; ausgewählt wurde der andere, der gut ein Jahr jüngere Loris Karius. Mathenia blieb Nummer 1 der Regionalligamannschaft, wechselte dann zum SV Darmstadt 98, war sofort Stammspieler, stieg in die Bundesliga auf, ist auch dort ein sicherer Rückhalt bei den überraschend starken "Lilien".

18 Jahre alt wird schließlich Tim Geller, der in der vergangenen Saison unregelmäßig für die U17 verteidigte.

Weitere Ergebnisse am 31. März:

1929: FSV Mainz 05 - VfL Neu-Isenburg 4:2  
1957: FV Speyer - FSV Mainz 05 3:0  
1968: FSV Mainz 05 - TuS Neuendorf 1:0  
1979: FSV Mainz 05 - SV Speicher 10:0  
1982: FC 08 Homburg/Saar - FSV Mainz 05 3:2  
1984: Südwest Ludwigshafen - FSV Mainz 05 1:1  
1985: FSV Mainz 05 - FSV Salmrohr 1:1  
1996: FSV Mainz 05 - Hertha BSC 0:0  
2002: FSV Mainz 05 - 1. FC Saarbrücken 2:1  
2007: FSV Mainz 05 - Bayer 04 Leverkusen 1:3  
2012: Werder Bremen - FSV Mainz 05 0:3  
 

1. April  

Werner Sommer (rechts) und der am Freitag vor 92 Jahren geborene Fritz Kleemann beobachten die Kollision von Fritz Walter mit 05-Torwart Otto Schedler und Franz Mattes.Am Freitag vor 92 Jahren kam Fritz Kleemann zur Welt. Der Sachse war schon relativ alt, 32 Jahre, als er 1956 aus Bad Homburg zu den 05ern wechselte, begann als Mittelfeldspieler, schloss dann die Lücke, die sich durch den Abgang von Walter Sonnenberger und einige Verletzungen aufgetan hatte, und war Abwehrchef von 1957 bis Anfang 1959. Wegen einer Lungenentzündung verpasste der Verteidiger große Teile der Rückrunde, schon vorher war der fast 35-Jährige nicht mehr in Bestform. Nach jener Saison verließ Kleemann die 05er; 72 Mal hatte er für sie gespielt, bei eienm 1:0-Sieg gegen den FV Speyer per Elfmeter sein einziges Tor geschossen.

Weitere Geburtstagskinder am Freitag: André Häuser...André Häuser wird am Freitag 51 Jahre alt. Häuser kam 1982 als 17-jähriger Außenstürmer von der TSG Planig zu den 05ern, debütierte lange vor der Volljährigkeit als Einwechselspieler in einem ohnehin verlorenen Spiel, schnappte sich mit 18 den Platz auf der rechten Außenbahn und gab ihn jahrelang nicht mehr her. Der Kreuznacher war ein guter Techniker, ein Ballschlepper, ein solider Mann, hatte in allen Aspekten des Fußballs seine Fähigkeiten, wenn er auch in keinem herausragte. Erst nach dem Aufstieg in die 2. Bundesliga verlor Häuser den Stammplatz, nach dem Wiederabstieg 1989 wechselte er zurück an die Nahe, zu Hassia Bingen. In 187 Spielen für die 05er hatte er 25 Tore geschossen.

...und Sebastian Polter.25 Jahre alt wird Sebastian Polter. Der Mann von der Nordseeküste - in der Jugend mal Torwart gewesen, im Profifußball ein Stürmer - kam 2013 vom VfL Wolfsburg nach Mainz; zuvor war er an den 1. FC Nürnberg ausgeliehen. Polter hinterließ zwar in der Vorbereitung mit einigen Toren einen guten Eindruck, setzte sich in der Bundesliga aber schließlich nicht durch; technisch reichte es nicht. In 38 Spielen für Wolfsburg und Nürnberg hatte er immerhin sieben Tore geschossen, für die Mainzer - die ihn meist nur einwechselten und schließlich ab und an auf der rechten Außenbahn einsetzten - gelang ihm kein einziges. 2014/15 liehen die 05er Polter in die 2. Liga aus, wo er besser zurecht kam: Für Union Berlin schoss er 14 Saisontore. Genug, um für die Berliner unerschwinglich zu werden; im vergangenen Sommer wechselte Polter für eine ordentliche Ablöse zu den Queens Park Rangers. Mit sechs Treffern ist Polter aktuell der drittbeste Torschütze des Londoner Zweitligisten.

Ergebnisse am 1. April:

1928: VfL Neu-Isenburg - FSV Mainz 05 2:2  
1956: FSV Mainz 05 - Wormatia Worms 1:2  
1962: FSV Mainz 05 - FK Pirmasens 4:5  
1973: FSV Mainz 05 - Borussia Neunkirchen 4:2  
1990: FSV Mainz 05 - Wormatia Worms 3:1  
1995: Fortuna Düsseldorf - FSV Mainz 05 1:0  
2001: SSV Ulm 1846 - FSV Mainz 05 0:2  
2006: 1. FC Nürnberg - FSV Mainz 05 3:0  

2. April  

Am höchsten springt das Känguruh: Félix Borja schoss beim 6:1 gegen den SC Paderborn 07 drei Tore - ein viertes zählte zu Unrecht nicht. Foto: imagoEin nur kurzzeitig großer Torjäger wird am Samstag 33 Jahre alt: Félix Alejandro Borja Valencia, das "Känguruh", der lustige Spaßvogel aus Ecuador. Borja war bei CD El Nacional aus Quito ein sehr erfolgreicher Stürmer, bei Olympiakos Piräus 2006/07 weniger, wechselte daraufhin zum Bundesliga-Absteiger Mainz 05. Und war ein Volltreffer, schoss auf Anhieb 17 Saisontore; im Mainzer Profifußball hatte das seit 1990 außer Andrey Voronin keiner mehr geschafft.

Das Repertoire des Stürmers war vor dem Tor schier unerschöpflich; am deutlichsten zeigte er das in Aachen. "Torschütze: Wie gehabt Félix Borja" verkündete der Stadionsprecher in der 74. Minute. "Er ist Aachens schlimmster Nightmare", sagte 05-Kollege Neven Subotic. Im Abschluss hatte der kleine, aber ungeheuer sprunggewaltige Ecuadorianer alles gezeigt: einen Kopfball zum 1:0, wie man ihn seit Kalle Riedle nicht mehr gesehen hatte. Einen entschlossenen, leichtfüßigen Sprint mit Torschuss zum 2:0. Und einen Außenristkracher zum 3:0.

Die Herrlichkeit währte aber nur ein Jahr. Dann kam Aristide Bancé und Borjas Platz war besetzt. Der Stürmer schoss nur noch sechs Saisontore (zwei als Joker gegen den FC St. Pauli), war dann lange verletzt, kam nicht mehr aufs nötige Niveau. Taktisch war der Ecuadorianer ohnehin nicht besonders gut ausgebildet worden; nach dem Bundesliga-Aufstieg konnte Thomas Tuchel nicht viel mit Borja anfangen.

Ergebnisse am 2. April:

1933: FSV Frankfurt - FSV Mainz 05 3:0  
1967: Borussia Neunkirchen - FSV Mainz 05 2:1  
1978: Eintracht Bad Kreuznach - FSV Mainz 05 1:0  
1983: FC St. Wendel - FSV Mainz 05 3:2  
1988: SV Leiwen - FSV Mainz 05 0:3  
1989: FSV Mainz 05 - SG Wattenscheid 09 1:1  
1991: FSV Mainz 05 - 1. FC Saarbrücken 1:0  
1994: Wuppertaler SV - FSV Mainz 05 1:3  
2000: Alemannia Aachen - FSV Mainz 05 1:0  
2005: Hansa Rostock - FSV Mainz 05 2:0  
2011: FSV Mainz 05 - SC Freiburg 1:1  

3. April  

Am Sonntag vor 91 Jahren kam Willi Petrauschke zur Welt. Der Berliner kam über die Stationen Augsburg, Ulm, Bergisch-Gladbach, Nordhorn und Concordia Hamburg schließlich 1950 zu Mainz 05, etablierte sich zunächst im linken Mittelfeld, verlor aber in der Rückrunde seinen Platz und zog 1951, nach 16 Spielen und vier Toren für die 05er, wieder weiter, zurück nach Berlin.

Kapitän Karl-Heinz Wettig (vorne links) führt die 05er zum Jubiläumsspiel gegen Manchester City auf den Bruchweg-Rasen. Der Torjäger würde am Sonntag 89 Jahre alt werden.Viel bedeutender für die 05er war Karl-Heinz Wettig, der am Sonntag vor 89 Jahren geboren wurde. Der als "ausgemachtes Schlitzohr" charakterisierte Stürmer kam 1945 vom MTV 1817 zu den 05ern. Zweimal ging er weg: 1950 zum 1. FC Kaiserslautern; bei 7:1 in Mainz schoss er drei Tore, dann wurde er vom jungen Horst Eckel verdrängt und wechselte zu Phönix Ludwigshafen. Und 1956 nach einem nicht näher beschriebenen Eklat in einer Spielersitzung zu Wormatia Worms. Zweimal kam er wieder, 1952 und 1958. Ab 1959 beendete Wettig seine Karriere als Spielertrainer bei Neuchâtel Xamax in der Schweiz. 1958 war er in Köln gemeinsam mit dem langjährigen Frauen-Bundestrainer Gero Bisanz und der Bundesliga-Legende "Tschik" Cajkovski zum Trainer ausgebildet worden.

Insgesamt soll Wettig in 432 Spielen für den FSV Mainz 05 249 Tore geschossen haben; angesichts der großen Zahl an nicht dokumentierten Freundschaftsspielen lässt sich das nicht überprüfen. In Pflichtspielen ist er mit 82 Toren in 207 Oberligapartien nach "Bimbo" Bopp, Charly Mähn, Gerd Klier und Paul Lipponer senior der fünftbeste Torjäger der 05er, in der Oberliga mit Abstand der erfolgreichste Stürmer. Wettig, im Alltag städtischer Beamter, war ein hochtalentierter Dribbler, ein variabler Angreifer, der zunächst als Mittelstürmer eingesetzt wurde, bereits ab 1949 fast nur noch auf den Flügeln. Die rechte Seite war seine Stammposition, bei den 05ern spielte Wettig jedoch ab 1953 jahrelang als Linksaußen, um rechts Platz für Bernd Christ zu schaffen.

Als sich die 05er im März 1968 unter merkwürdigen Umständen von ihrem Trainer Erich Bäumler trennten, wurde Wettig dessen Nachfolger. Bis zum Saisonende gewann er vier von sieben Spielen und verlor nur eins, verpasste aber schließlich die Bundesliga-Aufstiegsrunde. Im folgenden Jahr steckte Wettig mit den 05ern tief in der Krise: Teils unfreiwillig hatte der Verein die Mannschaft deutlich verjüngt: Wichtige Spieler hatten die 05er verlassen, andere waren lange verletzt. Für gleichwertigen Ersatz war kein Geld da. Nach einem missratenen Start mit drei Niederlagen sah sich der Verein in einer latenten, jedoch nie so wirklich akuten Abstiegsgefahr: Weil andere Klubs monatelang überhaupt nicht in die Gänge kamen, hatten die 05er die ganze Saison über drei bis fünf Punkte Vorsprung auf die Abstiegsränge. Richtig bedrohlich wurde es nie. Nach der Saison wurde Wettig durch Erich Gehbauer abgelöst. Vorher und nachher war Wettig Trainer bei weiteren Mainzer Klubs, unter anderem beim damals noch hochklassigen SV Weisenau. 1977 beendete Wettig auch seine Trainerkarriere. Am 17. April 2015, genau zwei Wochen nach seinem 88. Geburtstag, verstarb der langjährige 05er.

Vor genau 50 Jahren endete ein Heimspiel gegen den VfR Frankenthal im Chaos. Eine Halbziet lang war gar nichts passiert, dann ging es auf einmal rund: Führung für den VfR durch ein Eigentor von Heinz Wassermann (46.). Ausgleich durch Günther Dutinés Foulelfmeter (47.). Führung für die 05er durch Charly Tripp (50.). Ausgleich durch einen weiteren Foulelfmeter (84.), noch ein Elfmetertreffer von Dutiné. Dann die Schlusssekunden. Freistoß für den VfR, Kurt Planitzer war noch nicht bereit, Willi Wesselowsky schoss, am Ende lag der Ball im Tor, der Schiedsrichter pfiff ab und verschwand, ließ Mannschaften und Publikum im Unklaren über das Ergebnis. Erst mit der Zeit stellte sich heraus, dass das vermeintliche 3:3 - warum auch immer - nicht zählte.

Weitere Ergebnisse am 3. April:

1927: FSV Mainz 05 - SpVgg Fürth 1:5  
1932: 1. FC Saarbrücken - FSV Mainz 05 5:2  
1949: TuS Neuendorf - FSV Mainz 05 3:1  
1955: FSV Mainz 05 - FK Pirmasens 1:2  
1960: TuRa Ludwigshafen - FSV Mainz 05 4:1  
1969: SpVgg Weisenau - FSV Mainz 05 2:1  
1976: Jahn Regensburg - FSV Mainz 05 3:3  
1977: FSV Mainz 05 - Wormatia Worms 1:4  
1982: Röchling Völklingen - FSV Mainz 05 0:1  
1985: FSV Mainz 05 - Südwest Ludwigshafen 0:0  
1992: FSV Mainz 05 - SV Darmstadt 98 1:0  
1993: FSV Mainz 05 - Chemnitzer FC 1:2  
2009: MSV Duisburg - FSV Mainz 05 0:1  
2010: 1. FC Nürnberg - FSV Mainz 05 2:0  

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