Das 05-Kalenderblatt: 4. bis 6. April

Christian Karn. Mainz.
Die nullfünfMixedZone hat wieder in der Vereinschronik gekramt, in den Annalen geblättert und nachgeschaut, welche Jubiläen in diesen Tagen anstehen, was es an Besonderheiten und Ergebnissen gegeben hat, was um diese Jahreszeit so alles bei den 05ern passiert ist. Heute geht es unter anderem um zwei der großen 05-Legenden und eine vom SC Neukirchen, um einen Verteidiger, der in den Urlaub durfte, einen Stürmer, vor dem sich der Hertha-Torwart erschrak, und den Meistertrainer von 1973.

4. April  

Eine der großen Legenden des FSV Mainz 05 wird heute 53 Jahre alt - wobei Michael Müller gar kein so großer 05er hätte werden dürfen: Eigentlich gehörte der Mann in die Bundesliga. Und wäre wohl auch früh in der Bundesliga angekommen, hätte er sich dafür nicht von seinem sicheren Job bei der Polizei trennen müssen; das wollte Müller nicht.

Im überragenden Transfersommer 1985, als mit Michael Schmitt, Hendrik Weiß, Micky Becker und dem Rückkehrer Charly Mähn vier weitere langjährige Leistungsträger kamen, hatte der 21-jährige Müller den kürzesten Weg: Zuvor hatte er für den DJK/BSC Mainz gespielt, hinter dem Bruchweg auf dem Platz der Kirche, in etwa dort, wo heute die Kunstrasenplätze der 05-Junioren liegen. Beim Debüt war das junge Talent noch Stürmer (und bereitete beim 2:0 in Worms das Führungstor vor), schnell aber war Müller Stammspieler in der Innenverteidigung, zunächst meist als Manndecker neben Libero Bernd Münch, nach dessen verletzungsbedingtem Karriereende Anfang 1990 selbst dauerhaft als freier Mann; lediglich Vlado Kasalo verdrängte Müller 1992 vorübergehend.

Geburtstagskinder am Dienstag: Michael Müller, Jürgen Losekam und Marcel Kärcher.In der Oberliga war Müller sowieso ein absoluter Ausnahmekicker, aber auch nach dem Zweitliga-Aufstieg einer der herausragenden Spieler auf seiner Position. Erst 1995 ging seine Ära langsam zu Ende; die Hinrunde verpasste Müller komplett, in der Rückrunde dagegen schaffte er es mit Anfang 30 noch mühelos, sich auf den neuen Viererketten-Fußball von Wolfgang Frank einzustellen und die Saison fest als rechter Innenverteidiger zu Ende zu spielen. Nach 352 Pflichtspielen (übertroffen nur von Dimo Wache) und 44 Toren (darunter einigen Elfmetern und Freistößen - dreimal traf Müller so 1990 beim 3:2 gegen den VfL Osnabrück) verließ der langjährige Abwehrchef 1996 die 05er; nach jeweils einem Jahr als Spieler und als Co-Trainer beim SV Wehen kam er 1998 noch einmal zurück, um mit den 05-Amateuren in die Oberliga aufzusteigen. Erst 2000 beendete Müller als 36-Jähriger seine aktive Laufbahn. Sein Sohn Tim findet derweil gerade bei der Mainzer U23 den Weg in den Erwachsenenfußball.

51 Jahre alt wird heute Jürgen Losekam, ein solider Manndecker, der in den 1990ern beim SC Neukirchen als selbstbewusster Anführer eine ähnliche Bedeutung hatte wie Müller bei den 05ern, selbst aber in Mainz nicht zurecht kam. Losekam war schon 29 Jahre alt, als Horst Franz ihn 1995 nach Mainz holte, zu alt, um den Sprung in den Profifußball noch zu schaffen. Bis zum siebten Spieltag war der Neuzugang auf der linken Abwehrseite mehr oder weniger gesetzt - einmal wurde er eingewechselt -, dann wurde Franz entlassen und Interimstrainer Manfred Lorenz musterte Losekam schon wieder aus. Bald spielte dieser wieder für Neukirchen.

23 Jahre alt wird schließlich Marcel Kärcher, der von 2010 bis 2013 für die U17, U19 und U23 der 05er stürmte, dabei großes Verletzungspech hatte und schließlich zurück zu seinem Stammklub FSV Frankfurt wechselte.

Ergebnisse am 4. April:

1954: Borussia Neunkirchen - FSV Mainz 05 1:1  
1957: FSV Mainz 05 - FK Pirmasens 1:1  
1965: FSV Mainz 05 - Saar 05 Saarbrücken 0:1  
1971: FSV Mainz 05 - Röchling Völklingen 0:1  
1988: Borussia Neunkirchen - FSV Mainz 05 0:1  
1997: FSV Mainz 05 - VfB Lübeck 1:1  
1999: Hannover 96 - FSV Mainz 05 3:2  
2003: FSV Mainz 05 - Wacker Burghausen 2:0  
2015: Werder Bremen - FSV Mainz 05 0:0  

5. April  

Am Mittwoch wird Markus Ott 53 Jahre alt. Der Offensivspieler rückte 1981 aus dem eigenen Nachwuchs in die erste 05-Mannschaft auf und setzte sich im Herbst 1982 im Alter von gerade mal 18 Jahren auf der rechten Seite durch. 1983/84 war er mit zwölf Saisontoren der zweitbeste 05-Torjäger hinter dem gleichaltrigen Armin Maier; die beiden jungen Torjäger sowie die 18-jährigen Guido Schäfer und André Häuser bildeten die talentierte Offensive, die Mainz 05 auf dem Tiefpunkt der Vereinsgeschichte vor noch größerem Unheil bewahrte.

1984 versuchte Ott den Sprung in Richtung Bundesliga; das funktionierte aber nicht: Bei Eintracht Frankfurt spielte der Offensivmann keine Rolle. Daher kam er 1985 schon wieder zurück, musste aber eine lange Wechselsperre absitzen und schaffte es nicht mehr an während seiner Abwesenheit verpflichteten Michael Schuhmacher, Micky Becker und Charly Mähn vorbei. 1986 verließ Ott die 05er nach 86 Oberligaspielen und 19 Toren endgültig.

Geburtstagskinder am Mittwoch: Markus Ott, Mike Duhaney und Adriano Grimaldi43 Jahre alt wird Mike Duhaney. Der Linksverteidiger aus San Diego, durchaus ein erfahrener Spieler in der Major League Soccer für die Tampa Bay Mutiny, die NY/NJ Metro Stars und Columbus Crew, kam 2002 als 28-Jähriger nach Mainz, machte beim 2:1 gegen Rot-Weiß Oberhausen und beim 1:3 gegen die SpVgg Greuther Fürth keinen ganz schlechten Eindruck, wurde aber ansonsten einfach nicht gebraucht. Marco Rose, ebenfalls neu, war Stammspieler, Duhaney letztlich wohl einfach nicht gut genug für die Zweitliga-Spitze.

26 Jahre alt wird schließlich ein talentierter Mittelstürmer, dessen Revier aber wohl doch eher zwischen der zweiten und dritten Liga lag. Adriano Grimaldi kam 2009 als 18-Jähriger von Sachsen Leipzig, wurde auch direkt in die Bundesliga geworfen, sorgte dort beim Debüt schon nach Sekunden für Aufsehen: In einem gewohnt trüben Heimspiel gegen Hertha BSC stemmten sich die 05er nicht mal mit aller Gewalt gegen die Heimniederlage; der junge Italiener aus Göttingen aber, ein bemerkenswert athletischer Hüne, stürmte von der Seitenlinie auf Jaroslav Drobny zu, nötigte den Hertha-Torwart zum Abschlag ins Seitenaus, weckte damit die Mannschaft, die das Spiel schließlich 2:1 gewann; dabei holte Grimaldi noch den Elfmeter zum Ausgleich heraus. Meistens aber spielte der Mittelstürmer doch in der zweiten Mannschaft, zweimal gar noch in der U19. 2011 gaben die 05er Grimaldi in untere Profiligen ab; bei Fortuna Düsseldorf und beim SV Sandhausen spielte er keine Rolle, in Osnabrück (2012-14) schon eher. Im Januar 2016 wechselte Grimaldi vom 1. FC Heidenheim, wo er vor allem Einwechselspieler war, zum Drittligaklub Preußen Münster.

Ergebnisse am 5. April:

1953: Borussia Neunkirchen - FSV Mainz 05 0:3  
1959: FSV Mainz 05 - Spfr. Saarbrücken 4:2  
1964: FSV Mainz 05 - TuRa Ludwigshafen 2:0  
1970: Saar 05 Saarbrücken - FSV Mainz 05 0:3  
1975: FSV Mainz 05 - SV Darmstadt 98 1:0  
1981: FSV Mainz 05 - Hassia Bingen 3:1  
1986: TuS Mayen - FSV Mainz 05 0:2  
1987: Südwest Ludwigshafen - FSV Mainz 05 1:0  
1994: FSV Mainz 05 - FC St. Pauli 0:1  
1998: FSV Mainz 05 - SG Wattenscheid 09 1:3  
2004: Energie Cottbus - FSV Mainz 05 0:0  
2014: Eintracht Frankfurt - FSV Mainz 05 2:0  

6. April  

Mainz 05 1945 - hinten mit in doppeltem Wortsinne hoher Stirn der Defensivallrounder Erich Reith.Am Donnerstag vor 96 Jahren kam Erich Reith zur Welt. Der große, massive, kantige Postbeamte gehörte zur ersten Nachkriegsgeneration der 05er; als Abwehrchef oder im linken defensiven Mittelfeld, 1950/51 sogar als allerdings weiterhin defensiv denkender Halbstürmer, schließlich nach Gerd Higis Karriereende als Linksverteidiger war Reith bis 1952 ein wichtiger Leistungsträger der 05er. Erst 1953 verließ Reith im Alter von 32 Jahren nach 150 Spielen und für einen Defensivspieler dieser Zeit bemerkenswerten dreizehn Toren die Oberliga; im letzten Jahr war er nicht mehr regelmäßig gebraucht worden. Sein vorletztes Tor, bereits Ende 1949, brachte ihm gar eine Urlaubsreise ein; ein Mainzer Reisebüro hatte dem ersten Torschützen im Spiel gegen den FK Pirmasens acht Tage Ferien in den Alpen ausgelobt und als binnen zweier Minuten erst Josef Meinhardt und dann Reith die Tore zum 2:0-Sieg schossen, bezahlte der Sponsor kurzerhand beiden den Urlaub.

Otto Freitag, lange Jahre Abwehrchef und Vereinswirt der 05er.Am Donnerstag vor 35 Jahren verstarb einer der ganz großen 05er. Otto Freitag, geboren im Mai 1897 in Berlin, war mit seinem älteren Bruder Willi und weiteren Spielern 1919 vom Mainzer Fußballpionier Hugo Ries aus der Hauptstadt an den Rhein gelockt worden und war bis zu seiner Verletzung im August 1930 als vorbildlicher Kämpfer mit überragendem Stellungsspiel ein wichtiger Leistungsträger in der Abwehr. Bereits als Aktiver übernahm der jüngere Freitag das Vereinslokal der 05er, das er jahrzehntelang führte.

Und vor genau einem Jahr verstarb ebenfalls am 6. April der Mainzer Meistertrainer Bernd Hoss, der 1971 im Alter von 32 Jahren bei den 05ern Nachfolger von Erich Gehbauer wurde. Dieser hatte eigentlich mittelfristig den Bundesliga-Aufstieg angehen sollen, konnte aber als Beamter der Bundesbahndirektion die 05er nicht hauptamtlich betreuen. Der neue Mann, zuvor Trainer des Schwarzwälder Amateurligisten FV Ebingen, hätte die Mission zwei Jahre später beinahe erfüllt.

Hoss hatte einen luxuriösen Kader, den besten, den die 05er bis dahin je zusammengekauft hatten. Das Geld des neuen Sponsors Blendax ermöglichte die Verpflichtung des Bundesligastürmers Gerd Klier (HSV), der Nürnberger Willi Löhr (Manndecker/Libero) und Herbert Renner (Außenstürmer), des Bornheimer Spielmachers Gerd Schmidt, des Braunschweiger Außenstürmers Manfred Kipp, des dänischen Nationalspielers Torben Nielsen für die Defensive - zusammen mit den lokalen Topspielern Wolfgang Kneib und Herbert Scheller, Jürgen Janz und Jürgen Richter sowie mit Peter Scherer und Paul Göppl, der aus Ebingen mitgekommen war, bildeten die Profis ein Topteam der Regionalliga Südwest.

Bernd Hoss, der Mainzer Meistertrainer in der Regionalligasaison 1972/73, verstarb am Donnerstag vor einem Jahr.Schon 1972 hatten die 05er die Aufstiegsrunde zur Bundesliga lange in Reichweite. 1972/73 ergab sich schließlich der spannende Zweikampf mit Röchling Völklingen. Die Saarländer hatten meistens einen geringen Vorsprung, den sie am Saisonende verloren. Im letzten Spiel, dem direkten Duell, reichte den 05ern ein Unentschieden zur Südwestmeisterschaft - für die Aufstiegsrunde hätte auch der zweite Platz genügt. Vor 18.000 Zuschauern ging Völklingen kurz vor der Pause in Führung. Die herausragende Abwehr, die bis dahin 15 Mal zu Null gespielt und in den restlichen Partien erst 18 Tore kassiert hatte, hielt den Vorsprung der Saarländer bis in die 86. Minute. Dann glich die beste Offensive der Liga aus.Peter Scherer schoss die 05er zur Südwestmeisterschaft.

In der Aufstiegsrunde landeten die beiden Südwestteams wie immer in unterschiedlichen Gruppen. Die Völklinger hatten das Pech, Rot-Weiss Essen zum Gegner zu haben. Das Team um "Ente" Lippens wurde der Favoritenrolle vollends gerecht, die anderen vier Teams der Gruppe 2 hatten keine Chance. Die 05er galten zumindest zum Mitfavoriten neben Fortuna Köln und spielten auch so. Am fünften Spieltag ging die Schere auseinander: In einem turbulenten Spiel verloren die 05er 0:3 gegen den Hauptkonkurrenten. In der hitzigen Atmosphäre der 28.000 Zuschauer in der Müngersdorfer Radrennbahn gerieten vor der Pause Herbert Scheller und der Kölner Gerd Zimmermann aneinander. "Beide sind zum Ball gegangen. Hinterher haben beide auf der Erde gelegen. Der Schiedsrichter hat mit der Roten Karte herumhantiert und niemand wusste, was Sache war", erklärte Kapitän Löhr. Zimmermann war draußen, so viel war klar. "Und ich?", muss Scheller seinen Kapitän gefragt haben. Dessen Antwort: "Spiel weiter." Erst vor seinem Anpfiff zur zweiten Hälfte merkte der Schiedsrichter, dass die Mainzer immer noch zu elft waren. Scheller flog endgültig aus dem Spiel und wurde lange gesperrt. Die Kölner schafften schließlich den Aufstieg.

1974 wollten die 05er Hoss nicht mehr. In einer etwas turbulenteren Qualifikationssaison zur neuen 2. Bundesliga waren sie knapp hinter Völklingen und wieder mit der besten Offensive der Liga Fünfter geworden, das reichte. Hoss trainierte fortan unter anderem den FK Pirmasens, Wormatia Worms, den Karlsruher SC. Mit Blau-Weiß 90 Berlin stieg er 1986 überraschend in die Bundesliga auf, wo er unter anderem den jungen Karlheinz Riedle trainierte. 1990 beendete Hoss nach 34 Erst- und 394 Zweitligaspielen seine Karriere. Am 6. April 2016 verstarb Bernd Hoss nach langer Krankheit in Freiburg.

Ergebnisse am 6. April:

1952: VfR Kaiserslautern - FSV Mainz 05 2:2  
1985: FSV Mainz 05 - ASC Dudweiler 2:0  
1991: Blau-Weiß 90 Berlin - FSV Mainz 05 2:1  
1996: 1. FC Nürnberg - FSV Mainz 05 1:2  
2008: FSV Mainz 05 - SV Wehen 3:0  

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