Das 05-Kalenderblatt: 4. bis 7. Oktober

Christian Karn. Mainz.
Die nullfünfMixedZone hat wieder in der Vereinschronik gekramt, in den Annalen geblättert und nachgeschaut, welche Jubiläen in diesen Tagen anstehen, was es an Besonderheiten und Ergebnissen gegeben hat, was um diese Jahreszeit so alles bei den 05ern passiert ist. Diesmal geht es um frühe Liveübertragungen, schnelle Tore und späte Schützenfeste, fremde Aufstiegshelden, kleine Techniker und große Torjäger. Aber auch um eine Tragödie.

4. Oktober  

Damir Vrancic wird heute 32 Jahre alt.Am 26. Dezember 1952 wurde erstmals ein Fußballspiel live im deutschen Fernsehen übertragen, nämlich das 3:4 des FC St. Pauli gegen Hamborn 07 im Achtelfinal-Wiederholungsspiel des ersten deutschen Nachkriegs-Pokalwettbewerbs. Ein Dreivierteljahr später, heute vor 64 Jahren, sollte das Oberligaspiel des Südwest-Sechsten FSV Mainz 05 gegen FV Speyer live im Fernsehen gezeigt werden. Obwohl aber die Probeaufnahmen beim Freitagstraining einwandfrei verliefen, wurde die Übertragung des Spiels kurzfristig abgesagt, weil während der Partie der Sender auf dem nahen Erbenheimer Militärflugplatz in Betrieb war und das Signal zu sehr störte. Daher sahen nur die 3.000 Zuschauer am Bruchweg das 6:0 durch Tore von Jupp Amadori, zweimal Werner Sommer, Josef Meinhard, Georg Hagen und Karl-Heinz Wettig.

Damir Vrancic wird heute 32 Jahre alt. Vrancic war einer der Spitzenspieler im ersten U19-Bundesligateam der Mainzer und arbeitete sich bis in den Profikader vor; für die 05er spielte der Bosnier sechsmal in der Bundesliga und nach dem Abstieg 17 Mal in der 2. Liga. Der Mittelfeldspieler war ein blendender Techniker, ein Stratege mit gutem Auge, auch ein gefährlicher Freistoßschütze; ein Spieler mit seinen Fähigkeiten hätte wahrscheinlich in den 70ern oder 80ern eine große Karriere gemacht. Für den modernen Fußball fehlte dem topseriösen Fußballer jedoch das Tempo. Von 2009 an spielte Vrancic sieben Jahre bei Eintracht Braunschweig; in drei verschiedenen Ligen stand er häufig auf dieser oder jener Seite der Schwelle zwischen Bank und Startelf. Mit dem Siegtor gegen den FC Ingolstadt 04, einem Freistoß tief in der Nachspielzeit, machte der bosnische Nationalspieler 2012 den Aufstieg der Braunschweiger in die Bundesliga klar.

Weitere Ergebnisse am 4. Oktober:

1925: FSV Mainz 05 - TSG Höchst 2:1  
1931: FVgg Kastel 06 - FSV Mainz 05 2:1  
1936: VfB Unterliederbach - FSV Mainz 05 3:2  
1964: FSV Mainz 05 - Wormatia Worms 0:1  
1970: FSV Mainz 05 - Südwest Ludwigshafen 1:0  
1975: FSV Mainz 05 - Jahn Regensburg 3:3  
1980: FC Augsburg - FSV Mainz 05 2:0 (DFB-Pokal)
1981: FSV Mainz 05 - FSV Salmrohr 1:1  
1998: FC Gütersloh - FSV Mainz 05 6:1 
 

5. Oktober  

Horst Lebefromm, mit 21 Saisontoren der Mainzer Rekordhalter in der ganz alten Oberliga Südwest, kam morgen vor 91 Jahren zur Welt.Morgen vor 91 Jahren kam in Schlesien ein großer Torjäger zur Welt. Horst Lebefromm gehörte bis 1945 dem VfB Liegnitz aus dem heute polnischen Legnica an, kam nach dem Krieg ins Rhein-Main-Gebiet und 1950 als 23-Jähriger zusammen mit dem vier Jahre älteren Mittelläufer Alfred Schöppler vom Zweitligisten FC Rödelheim zu den 05ern. Lebefromm hatte zunächst Mühe, auf Oberliganiveau zu kommen: Als Mittelstürmer war er von Anfang an gesetzt, aber er traf zu selten - erst in der Schlussphase der Saison schoss er sieben Tore in vier Spielen. Das letzte war das 1:2 beim 1:7 gegen den 1. FC Kaiserslautern, die anderen sechs bedeuteten die drei Siege, mit denen die 05er am fünft-, viert- und drittletzten Spieltag vorzeitig den Abstieg verhinderten und sich die Niederlagen gegen die Spitzenteams aus Kaiserslautern und Neuendorf leisten konnten. 

Und Lebefromm blieb der Torjäger, schoss in seiner zweiten Saison in Mainz in 26 Einsätzen 21 Tore, die allerdings nicht immer etwas brachten - jeweils drei beim 3:5 bei TuRa Ludwigshafen, beim 4:2 gegen Borussia Neunkirchen und beim 5:0 gegen den VfL Neustadt, außerdem zwei beim 3:4 gegen Eintracht Bad Kreuznach. In der Oberligazeit der 05er von 1945 bis 1963 hält Lebefromm mit diesen 21 Saisontoren den Vereinsrekord.

Nach jenem Jahr verloren die 05er ihren Mittelstürmer, der sich dem Aufsteiger Saar 05 Saarbrücken anschloss und für diesen sowie später für Waldhof Mannheim weiterhin eine Menge Tore schoss.

34 Jahre alt wird morgen der Verteidiger Marc Kroeg, der von 2001 bis 2003 19 Mal im Mainzer Oberligateam spielte.

Ergebnisse am 5. Oktober:

1958: FSV Mainz 05 - Phönix Ludwigshafen 2:3  
1969: FSV Mainz 05 - Wormatia Worms 1:2  
1974: SV Darmstadt 98 - FSV Mainz 05 1:2  
2003: Wacker Burghausen - FSV Mainz 05 2:0  
2013: FSV Mainz 05 - TSG Hoffenheim 2:2  
2014: Borussia Mönchengladbach - FSV Mainz 05 1:1  
 

6. Oktober  

Ein kleiner, technisch brillanter, aber letztlich nicht wirkungsvoller Ex-05er wird am Freitag 62 Jahre alt. Nenad Salov war ein jugoslawischer Spielmacher alter Schule, langjähriger Leistungsträger bei Hajduk Split, dreimaliger jugoslawischer Meister, viermaliger Pokalsieger mit den Kroaten. Mit 30 Jahren durfte Salov in den Westen wechseln; über die Zweitligisten Viktoria Aschaffenburg und Darmstadt 98 und den südbadischen Oberligisten Spfr. DJK Freiburg landete er schließlich 1989 beim FSV Mainz 05. Es hätte klappen können, grundsätzlich spielte Salov wunderbare Pässe aus dem linken Mittelfeld, aber letztlich war er verschenkt. Ein bisschen zu routiniert, überqualifiziert für die Oberliga Südwest, andererseits unterambitioniert in einer für diese Liga überragenden Mannschaft. Salov war sicher der beste Kicker im Kader, aber am Ende seiner Karriere waren das läuferische und kämpferische Vermögen nicht mehr so ausgeprägt. Daher reichte es nur für 18 Einsätze und drei Tore.

Guido Erhard hätte am Freitag seinen 48. Geburtstag.Die wohl tragischste Figur des FSV Mainz 05 hätte am Freitag den 48. Geburtstag, erlebt diesen aber nicht. Guido Erhard hat sich schon 2002 das Leben genommen. Erhard war kein schlechter Mittelstürmer, hatte für den TSV München 1860 ein paar Bundesligatore geschossen, hatte aber schon keine ernsthafte Chance mehr, als er 1996 zu den 05ern wechselte. Erhard litt unter schweren Depressionen. In Mainz präsentierte er sich durchaus noch als ein Stürmer mit Torjäger-Instinkten, traf zwar in 23 Spielen nur viermal, kam aber oft auch nur als Joker auf den Platz. Gleichzeitig drängte seine Erkrankung immer mehr in den Vordergrund. Die 05er hielten das unter Verschluss, mussten den Spieler aber im Sommer 1997 aus dem Kader nehmen. Erhard ging in Therapie, lief unter Aufsicht Platzrunden am Bruchweg, um den Kontakt zur Mannschaft nicht zu verlieren. Sein ausgelaufener Vertrag wurde 1998 nicht mehr verlängert.

Es sah so aus, als könne Erhard die Krankheit überwinden. In der Bezirksliga spielte er wieder Fußball, unter seinem ehemaligen 05-Mitspieler Lars Schmidt wurde er Co-Trainer der U19 der Offenbacher Kickers. Im Februar 2002 beging er Suizid.

Und bis zuletzt hing in Christian Heidels Büro in der 05-Geschäftsstelle ein Plakat mit einer alten Autogrammkarte von Guido Erhard im karierten 05-Trikot, einem Portraitfoto in Alltagsklamotten und einer langen handgeschriebenen Nachricht von seiner Mutter, ein Dank für die Unterstützung, die Mainz 05 geleistet hat. Zwischen den professionellen Hochglanzfotos der Coface Arena wirkt es fast unpassend. "Das begleitet mich von Büro zu Büro", sagte Heidel mal. "Ich kann es nicht abhängen."

Ergebnisse am 6. Oktober:

1935: Germania Okriftel - FSV Mainz 05 3:3  
1957: Eintracht Bad Kreuznach - FSV Mainz 05 1:3  
1963: FSV Mainz 05 - VfR Kaiserslautern 2:1  
1968: FC Homburg/Saar - FSV Mainz 05 2:1  
1985: FSV Mainz 05 - Eisbachtaler Sportfreunde 5:0  
1990: FSV Mainz 05 - 1. FC Schweinfurt 05 2:0  
1991: Chemnitzer FC - FSV Mainz 05 1:0
1996: Waldhof Mannheim - FSV Mainz 05 2:2  
2002: SpVgg Greuther Fürth - FSV Mainz 05 2:0  
2008: FSV Mainz 05 - SV Wehen 5:0  
2012: FSV Mainz 05 - Fortuna Düsseldorf 1:0  

7. Oktober  

Richard Schiffmann, der Schütze des schnellsten Mainzer Tors.Am Samstag vor 61 Jahren fiel das schnellste dokumentierte Tor des FSV Mainz 05: Mit der zweiten Ballberührung des Spiels gegen Wormatia Worms schickte Linksaußen Franz Mattes den Steilpass nach vorne, Wormatia-Verteidiger Oskar Schweizer rutschte aus und der Halblinke Richard Schiffmann traf nach fünf Sekunden zum 1:0. Durch weitere Tore von Rechtaußen Erwin Gsimbsl und Mittelstürmer Wolfgang Elze - ebenfalls nach Pass von Mattes - gewannen die 05er das Derby 3:0.

17 Jahre später ereignete sich der höchste Mainzer Zweitliga-Sieg - durchaus unerwartet, denn zur Halbzeit stand es gegen die Eisbachtaler Sportfreunde nur 1:0 durch ein frühes Tor von Gerd Klier. Erst nach der Pause ging es Schlag auf Schlag: Herbert Scheller verwandelte zwei Foulelfmeter (48., 53.), Paul Göppl traf ebenfalls zweimal (50., 58.), dann erst gelang den Westerwäldern das Anschlusstor (65.). Erwin Hohenwarter (71., 83.), Torben Nielsen (88.) und noch einmal Klier (89.) schossen die restlichen Tore zum 9:1. Und dennoch leisteten sich die 05er eine kleine Blamage mit ihrem dritten Elfmeter. Nach dem Vorbild von Johan Cruijff wollte Gerd Klier den Strafstoß indirekt schießen, schob den Ball nur einen halben Meter nach vorne, um dem heranstürmenden Gerd Schmidt den Schuss aufs leere Tor zu überlassen - und der Spielmacher schoss vorbei.

Sicherlich einer der feinsten Kicker, die je für Mainz 05 in der 2. Bundesliga gespielt haben: Sirous Dinmohammadi wird am Samstag 47 Jahre alt. Foto: imagoSchließlich hat ein Spieler Geburtstag, der aus mehreren Gründen in Mainz gescheitert ist, ohne dass er hätte scheitern müssen. Wie Salov zehn Jahre zuvor war auch Sirous Dinmohammadi in der Saison 1999/00 der beste Spieler im Mainzer Kader, ebenfalls ein kleiner Techniker, ebenfalls einer, der mit seinem linken Fuß die feinsten Pässe spielte, dabei mit 29 Jahren im besten Alter. Jedoch fand der introvertierte Iraner nie den Zugang zur fremden deutschen Kultur. Im Mainzer Kader war er nie richtig integriert, immer ein bisschen ein Fremdkörper. Auch die Verpflichtung seines zugänglicheren (und sportlich kaum brauchbaren) Landsmanns Serjik Teymourian löste den Kulturschock nicht auf. Dinmohammadi konnte alles, hätte es auch gern gezeigt, hätte gern die 05er wesentlich weitergebracht, aber diese mussten schließlich festhalten: Es passt nicht. Nach nur einem Jahr mit 28 Einsätzen und als Höhepunkt dem Pass zu Marcio Rodrigues' 2:1 in der Pokalschlacht gegen Hertha BSC wechselte der asiatische Fußballer des Jahres 1999 zurück nach Teheran. Am Samstag wird Dinmohammadi 47 Jahre alt.

Weitere Ereignisse am 7. Oktober:

1928: TG Höchst - FSV Mainz 05 0:4  
1934: SV Wiesbaden - FSV Mainz 05 5:2  
1951: FSV Mainz 05 - Eintracht Trier 3:0  
1962: 1. FC Saarbrücken - FSV Mainz 05 3:1  
1978: FSV Saarwellingen - FSV Mainz 05 2:2  
1979: FSV Salmrohr - FSV Mainz 05 1:1  
1984: FSV Mainz 05 - SC Birkenfeld 2:2  
2007: FSV Mainz 05 - Erzgebirge Aue 4:1 

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