Das 05-Kalenderblatt: 5. bis 7. Februar

Christian Karn. Mainz.
Die nullfünfMixedZone hat wieder in der Vereinschronik gekramt, in den Annalen geblättert und nachgeschaut, welche Jubiläen in diesen Tagen anstehen, was es an Besonderheiten und Ergebnissen gegeben hat, was um diese Jahreszeit so alles bei den 05ern passiert ist. In der zweiten Hälfte dieser Woche geht es um eine Regellücke und ein großes Comeback, um zwei Zehner, die sich (bisher) nicht durchgesetzt haben, um einen afghanischen Nationalspieler, den Mainzer mit der kürzesten Profikarriere, um einen Neuzugang von den Bayern und einen von Bayer 04.

5. Februar  

Gut waren die Bedingungen nicht beim 05-Spiel in Ludwigshafen, heute vor 60 Jahren. Die Mainzer aber hatten die bessere Ausrüstung, daher feierten Torwart Otto Schedler, Abwehrchef Heinz Kirchner (in Schedlers Schwitzkasten) und die 05-Legende Walter Sonnenberger (Bildmitte) den höchsten 05-Sieg, den es je an der Mundenheimer Straße gab.Am Freitag vor 60 Jahren spielten die 05er bei Phönix Ludwigshafen, waren eine Woche nach ihrem 1:10 gegen den 1. FC Saarbrücken nicht gerade Favorit, gewannen aber 6:2 durch Tore von Lothar Buchmann, Richard Schiffmann, Willi Hollerbach (2), Bernd Christ und Seppel Meinhardt. Sie hatten ihre Lehren aus dem Fiasko gegen den FCS gezogen, ebenso wie die Saarländer diesmal selbst mit spitzen Metallstollen gespielt, die Abwehrchef Franz Mattes unter der Woche an seinem Arbeitsplatz im Mombacher Panzerwerk vorbereitet hatte. Auf dem vereisten Spielfeld hatte der Phönix keine Chance gegen die viel standfesteren Mainzer. Wenig später verbot der DFB die spitzen Stollen - die Verletzungsgefahr war dem Verband viel zu hoch.

Chinedu Ede wird 29 Jahre alt. Der offensive Mittelfeldspieler aus Berlin, der vor allem bei Hertha BSC zum Bundesligaspieler ausgebildet wurde, kam 2012 mit der Empfehlung einer ausgezeichneten Zweitligasaison mit Union Berlin zu den 05ern. In Mainz setzte Ede sich nicht durch. Fußballerisch war er sicherlich gut genug für die Bundesliga, allerdings nicht dominant genug für einen Zehner und nicht schnell genug für die Flügel. Letztlich scheiterte der talentierte Sänger und Songwriter an einem Aspekt, der zeigt, wie schwierig es ist, Erstligaspieler zu werden. Wie so vielen fehlte ihm die absolute Besessenheit. Nach neun Spielen und einem Tor liehen die 05er Ede zunächst an den 1. FC Kaiserslautern aus, wo er gar nicht auf die Beine kam, dann nach Zypern zu Anorthosis Famagusta. Nach seiner Rückkehr im vergangenen Sommer war Ede zunächst ein wertvoller Spieler für die Mainzer Drittligamannschaft, in die er sich sofort integrierte; nach vier Spieltagen wechselte er zu Twente Enschede, wo er durchaus eine Rolle spielt.

Giulio Donati wird am Freitag 26 Jahre alt. Den erst vor einer gut einer Woche verpflichteten italienischen Rechtsverteidiger haben wir in der 05MixedZone erst vorgestellt. Donati wartet noch auf sein Bundesligadebüt für die 05er, gegen Gladbach saß er auf der Bank.

25 Jahre alt wird Mounir Bouziane. Der Angreifer aus Saint-Louis - nicht in Missouri, sondern in Frankreich, direkt angrenzend an die schweizer Metropole Basel - war in der U19 und U23 des SC Freiburg ein Torjäger, bei Mainz 05 II ab 2013 eher ein Einwechselspieler, der nicht oft traf. Und ein Aufstiegsheld: In den Relegationsspielen gegen die TSG Neustrelitz (2:0 und 3:1) schoss Bouziane das 1:0 bzw. 2:0. Seit vergangenem Sommer spielt der Franzose für Energie Cottbus.

Weitere Ergebnisse am 5. Februar:

1928: VfL Neckarau - FSV Mainz 05 4:6  
1950: FSV Mainz 05 - VfR Kaiserslautern 1:1  
1961: Eintracht Trier - FSV Mainz 05 2:2  
1972: Pegulan Frankenthal - FSV Mainz 05 0:0  
2005: FSV Mainz 05 - Hertha BSC 0:3  
2011: FSV Mainz 05 - Werder Bremen 1:1  

6. Februar  

Am Samstag vor 82 Jahren kam der erste Spieler zur Welt, der von Bayern München direkt zu den 05ern wechselte. Freilich war Seppel Niedermaier kein Weltklassespieler, sondern nur ein zwischen Startelf und Tribüne pendelnder Linksaußen, der bei seinem Debüt im Frühjahr 1955 bereits als Absteiger aus der Oberliga feststand, immerhin mit dem kleineren Münchner Klub direkt zurückkam und 1957, vor seinem Wechsel zu den 05ern, sogar beim einzigen Verein der bayerischen Hauptstadt in der höchsten Liga spielte - während die Bayern sich anschickten, aus der 2. Liga Süd zurückzukommen, stiegen die 60er ebenfalls ab.

In Mainz schloss Niedermeier eine Lücke, die die Saison 1956/57 ruiniert hatte: Weil Werner Sommer im Mittelfeld gebraucht wurde, Willi Hollerbach un dBernd Christ lange verletzt waren, hatte es erst in der Rückrunde feste Außenstürmer gegeben, einen klaren Halblinken nie, und die 05er hatten die zweitschwächste Offensive der Liga. Der Neuzugang aus Bayern löste die Probleme nicht unmittelbar, wurde aber halblinks Stammspieler, eine Konstante in einem wieder klarer besetzten Angriff, gelegentlich auch ein Torschütze.

Eine Ära Niedermeier gab es nicht. Bereits nach einem Jahr wollte der Angreifer zur TuS Neuendorf wechseln, bekam keine Freigabe, aber Stammspieler war er auch nicht mehr. Nach zwei Saisons, 34 Spielen und fünf Toren verließ er die 05er 1959 wieder.

29 Jahre alt wird ein großes Talent, das tragischerweise nie im Profifußball ankam und doch heute A-Nationalspieler ist. Khaibar Amani überzeugte 2004/05 schon im jüngeren U19-Jahrgang als ungeheuer geschickter, ungeheuer intelligenter Torjäger, der dennoch den Abstieg der Mainzer Nachwuchsmannschaft nicht verhindern konnte. Die Regionalliga Südwest schoss Amani in Grund und Boden: Sechs Tore beim 10:1 in Neunkirchen, vier beim 8:1 beim Ludwigshafener SC und beim 6:1 gegen den SV Gonsenheim, drei jeweils beim 7:0 gegen TuS Mayen, beim 10:1 gegen Phönix Schifferstadt, beim 4:1 gegen Hassia Bingen... 35 Tore in 16 Saisonspielen. Mehr wurden es nicht, weil sich Amani beim zweiten Spiel im Erwachsenenfußball, der Oberligapartie der 05-Amateure gegen die des 1. FC Saarbrücken, ohne gegnerische Einwirkung schwer am Knie verletzte. Erst nach über einem Jahr schaffte Amani sein Comeback, in der Oberligasaison 2007/08 war er nochmal ein ordentlicher Torjäger, für die Profis jedoch spielte er nur ein einziges Mal, im Sommer 2009 im Testspiel gegen die SG Guldental schoss er auch prompt das 11:0. Über den SV Jügesheim und Rot-Weiß Hadamar landete Amani inzwischen bei Hessen Dreieich in der Oberliga Hessen - und seit vergangenem Herbst in der afghanischen Nationalmannschaft, für die er mit fünf Toren in neun Spielen ebenfalls ein ordentlicher Knipser ist.

Richard Weil, zweieinhalb Jahre lang ein wichtiger Führungsspieler der Mainzer U23 in der Regionalliga und 3. Liga und seit vergangenem Sommer bei den Würzburger Kickers am Ball, wird schließlich 28 Jahre alt.

Ergebnisse am 6. Februar:

1927: FSV Mainz 05 - VfL Neckarau 2:3  
1955: TuRa Ludwigshafen - FSV Mainz 05 2:1  
1966: FSV Mainz 05 - Eintracht Trier 1:1  
1977: FSV Mainz 05 - FK Clausen 2:2  
1983: Hassia Bingen - FSV Mainz 05 1:1  
1993: FSV Mainz 05 - SpVgg Unterhaching 0:0  
2002: Karlsruher SC - FSV Mainz 05 1:4  

7. Februar  

Am Sonntag vor 13 Jahren gab es zum (bisher) letzten Mal das gefürchtete Rhein-Neckar-Derby: Waldhof Mannheim gegen Mainz 05. Die 05er lagen schon in der zweiten Minute mit 0:1 zurück, schlugen aber hart zurück: Michael Thurk, Mimoun Azaouagh und Benjamin Auer trafen gegen den Waldhof, Niclas Weiland bei seinem Comeback nach einer Verletzungspause von sechs Monaten gar zweimal. Das 5:1 war der höchste 05-Auswärtssieg seit dem 13. August 1991 und wurde seither nur durch das 6:2 in Bochum am 30. April 2005 übertroffen.

Drei aktuelle oder Talente haben am Sonntag Geburtstag: Fabian Liesenfeld wird 30 Jahre alt; der gebürtige Mainzer, der in Guldental, Bad Kreuznach und Bingen ausgebildet wurde, spielte von 2005 bis 2008 im offensiven Mittelfeld der Oberligamannschaft der 05er und könnte der Spieler mit der kürzesten 05-Profikarriere sein: Beim 1:1 im Zweitligaspiel in Koblenz zum Rückrundenauftakt 2008/09 wurde er in der 91. Minute eingewechselt.

23 Jahre alt wird Todor Nedelew, ein durchaus sehr talentierter Fußballer, der wie Ede an einer gewissen Genügsamkeit scheitern könnte. Der bulgarische Nationalspieler kam im Winter 2013/14 von Botew Plowdiw nach Mainz, hatte dort anfangs Schwierigkeiten, sich in die fremde Umgebung zu integrieren, bekam diese einigermaßen in den Griff, hatte Verletzungsprobleme, hatte zuletzt nach einer sehr guten Sommervorbereitung das Pech, dass die Mannschaft, insbesondere Yunus Malli, ebenfalls stärker geworden ist. Seit Januar ist Nedelew als Leihspieler wieder bei Botew, ob er jemals im deutschen Profifußball ankommen kann, ist fraglich.

20 Jahre alt wird schließlich Aaron Seydel. Der lange Stürmer, der als Neunjähriger vom FSV Oppenheim zu den 05ern kam, schickt sich gerade an, sich in der Drittligamannschaft durchzusetzen, wurde bereits neunmal eingewechselt und saß am vergangenen Wochenende nach einer längeren Verletzung erstmals wieder auf der Bank.

Weitere Ergebnisse am 7. Februar:

1932: FSV Mainz 05 - VfL Neckarau 4:2  
1954: FV Speyer - FSV Mainz 05 2:1  
1960: FSV Mainz 05 - Eintracht Trier 3:1  
1971: FSV Mainz 05 - Borussia Neunkirchen 1:3  
1982: FSV Mainz 05 - SpVgg EGC Wirges 4:1  
2006: FSV Mainz 05 - Arminia Bielefeld 1:1  
2010: FSV Mainz 05 - Borussia Mönchengladbach 1:0  
2015: FSV Mainz 05 - Hertha BSC 0:2  

 

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