Das 05-Kalenderblatt: 5. bis 8. Januar

Christian Karn. Mainz.
Die nullfünfMixedZone hat wieder in der Vereinschronik gekramt, in den Annalen geblättert und nachgeschaut, welche Jubiläen in diesen Tagen anstehen, was es an Besonderheiten und Ergebnissen gegeben hat, was um diese Jahreszeit so alles bei den 05ern passiert ist. In dieser Woche geht es um zwei große und den größten Torjäger, einen sinnlosen Rekord, einige verletzte Mittelfeldspieler und einen ungewöhnlichen Derbysieger.

5. Januar  

Herbert Burkhardt würde heute 109 Jahre alt werden. Der Torjäger kam 1931 in der ersten Mannschaft der 05er an und war sofort ein Teil im gefürchteten Innensturm mit dem Halblinken Karl Scherm (24 Tore in 32 Spielen), dem Sturmführer Otto Engel (16 Tore) und eben dem Halbrechten Burkhardt (18 Tore). Diese überragende Quote konnte Burkhardt auf Dauer nicht halten; er blieb aber jahrelang ein wichtiger Torschütze, blieb auch nach dem Abstieg 1934 bei den 05ern und entwickelte sich im in vielen Bereichen zerbrechenden Verein zu einem der letzten erfahrenen Führungsspieler. Bis die Berichterstattung über die 05er 1937 abbrach, schoss er in insgesamt 109 Spielen 52 Tore. Irgendwann nach 1937 spielte Burkhardt noch für den 1. FC Idar.

Herbert Burkhardt, Eugen Gopko und Julian Derstroff hatten und haben am 5. Januar Geburtstag.26 Jahre alt wird heute Eugen Gopko. Der gebürtige Ukrainer galt um 2008 herum als eins der größten Talente der 05er, debütierte bereits als A-Junior in der Bundesliga, schaffte es aber letztlich nur auf zwei Einwechslungen und eine Wieder-Auswechslung, immerhin 72 Erstliga-Minuten in zwei Spielen. Seit 2012 spielt der Mittelfeldmann und Rechtsverteidiger für Wormatia Worms; die vergangene Saison verpasste er nach einem Kreuzbandriss komplett, in diesem Jahr ist Gopko wieder Stammspieler in der Regionalliga.

Julian Derstroff wird 25 Jahre alt. Der Linksaußen hatte sich beim 1. FC Kaiserslautern schon vom E-Junior zum Erstligaspieler entwickelt, kam dann im Sommer 2015 von der zweiten Mannschaft Borussia Dortmunds ins Mainzer Drittligateam und schickt sich zwischenzeitlich an, nochmal in der Bundesliga anzukommen. In der zweiten Mannschaft beeindruckte Derstroff mit seiner Beschleunigung: Der Tempodribbler wurde tatsächlich mit jedem Meter noch schneller, konnte mit seinen Sprints in die Tiefe eine Drittliga-Abwehr einfach überrennen. Das Bundesligadebüt im Mainzer Trikot kam letztlich jedoch nicht zustande; Derstroff saß lediglich bei den Heimsiegen gegen Wolfsburg und Leverkusen auf der Bank. Inzwischen spielt Derstroff für den Zweitligaklub SV Sandhausen, bei dem er nach einer längeren Verletzung gerade den Anschluss findet.

Ergebnisse am 5. Januar:

1936: FVgg Mombach 03 - FSV Mainz 05 2:1  
1958: 1. FC Saarbrücken - FSV Mainz 05 5:2  
1964: TSC Zweibrücken - FSV Mainz 05 1:2  

6. Januar  

Mainz 05 anno 1960. Zweiter von links in der hinteren Reihe: Der Ex-Nationalspieler und spätere 05-Trainer Erich Bäumler.Erich Bäumler würde am Freitag 87 Jahre alt werden, ist aber bereits am 18. September 2003 verstorben. Der Oberpfälzer, der 1956 in seinem einzigen A-Länderspiel, einem 3:1 gegen Norwegen, ein Tor geschossen hatte, war 1960 als 30-Jähriger von Eintracht Frankfurt zu den 05ern gekommen; ein Jahr zuvor hatte er mit der Eintracht deren einzige Deutsche Meisterschaft gewonnen. Horst Hülß, der später unter dem Trainer Bäumler für Mainz 05 spielte, charakterisierte ihn als einen "erstklassigen Außenstürmer. Er war schnell, trickreich und konnte Tore machen" - im ersten Jahr allerdings mangels Alternativen auf dieser Position fast nur als Mittelstürmer. Bäumler traf 13 Mal, wurde dann nach der Verpflichtung Erwin Baders mal ins offensive Mittelfeld zurückgezogen, mal wieder rechtsaußen aufgestellt, und schoss weitere zwölf Tore.

1962 wechselte Bäumler zu Opel Rüsselsheim, wo er 1964 Trainer wurde. 1967 holten ihn die 05er zurück. Und obwohl mal wieder kein Geld da und von der großen Pokalmannschaft der Saison 1964/65 nur noch eine Handvoll Spieler übrig war, hatte Bäumler eine herausragende Mannschaft zur Verfügung: Im Tor Kurt Planitzer, vor ihm Libero Carlo Storck, Vorstopper Helmut Müllges, die Außenverteidiger Heinz Wassermann und Horst Schuch, die Läufer Richard Klauss und Horst Klinkhammer, Halbstürmer Horst Hülß und die Spitzen Georg Tripp, Charly Tripp und "Bimbo" Bopp. Eine Mannschaft, die zum dritten Mal in Folge zur Spitzengruppe der Liga zählte, dicht an der Aufstiegsrunde dran war und trotzdem mittlerweile in Vergessenheit geraten ist. Warum Bäumler nach 23 Spielen gehen musste, wusste keiner so genau. "Im Nachhinein habe ich mir Vorwürfe gemacht, dass ich in dieser Situation nicht stärker aufgetreten bin", sagte Jahrzehnte später der damalige 05-Kapitän Hülß. "Das Unternehmen hatte ja einen sehr guten Anfang genommen." Karl-Heinz Wettig, die Nachkriegs-Stürmerlegende, brachte die Saison zu Ende und wurde mit vier Punkten Rückstand Vierter.

Philipp Schildge entschied am Freitag vor 82 Jahren trotz einer Verletzung das Derby gegen den SV Wiesbaden.Am Freitag vor 82 Jahren schlugen die 05er den SV Wiesbaden 2:1. Die Infrastruktur am Fort Bingen war an jenem Sonntag hoffnungslos überlastet: Hunderte Zuschauer waren beim Anpfiff des Spitzenspiels noch nicht im Stadion. Kurios: Der 05-Mittelfeldspieler Philipp Schildge verletzte sich schon nach wenigen Minuten bei einem Pressschlag. Einwechslungen waren noch lange nicht erlaubt, daher musste Schildge durchhalten und schaffte das nur bis kurz vor der Halbzeit. Dann gab er zunächst auf, kam später als Statist auf dem linken Flügel zurück - und entschied das Spiel mit einem Kopfballtor zum Ausgleich und dem Pass zu Paul Schatz' Siegtor.

17 Jahre später unterlagen die 05er dem 1. FC Kaiserslautern 1:4 - ein achtbares Ergebnis gegen die kommenden Weltmeister. 16.000 Zuschauer stellten einen Rekord am Bruchweg auf - aber obwohl die 05er mit einem 1:1 in die Halbzeit gingen, waren viele bei Wiederanpfiff schon auf dem Heimweg: Im dichten Nebel hatten sie kaum etwas vom Spiel sehen können.

Rekordtorjäger und Legende: "Bimbo" Bopp wird am Freitag 68Jahre alt.Eine Mainzer Fußball-Legende wird am Freitag 68 Jahre alt: Gerhard, genannt "Bimbo" Bopp. Bopp war ein Phänomen. Ein ungeheuer geschickter Angreifer - dass er nicht sonderlich schnell war, selten ganz austrainiert wirkte, hat ihm nie geschadet. Auf verschiedenen Offensivpositionen, ursprünglich links außen, später als verkappter Mittelstürmer, eine Mischung aus Spielmacher und Angreifer, hatte Bopp alles, was ein Torjäger brauchte: Komplette Abschlusstechnik, mit dem Kopf und mit den Füßen. Schnelle Ballverarbeitung, volley und mit Ballannahme. Und eine Chancenverwertung wie wenige andere bei Mainz 05. Bopp hätte sicherlich als ein Spieler wie Dieter Weinkauff oder Lorenz Horr in der Bundesliga eine Rolle spielen können, wurde aber nie entdeckt. Vielleicht hängt das auch damit zusammen, dass Bopp nie vor Ehrgeiz brannte. Er war eine fröhliche Natur und hatte einfach Spaß am Fußball, lebte immer von seiner puren Spiellust.

Als 18-Jähriger tauchte der gebürtige Mainzer 1967 in der ersten 05-Mannschaft auf. Schon im zweiten Spiel schoss er sein erstes Tor, fünf waren es insgesamt in der ersten Saison, sieben jeweils in der zweiten und dritten. Dann verließ Bopp die 05er bereits, tourte ein paar Jahre durch die Regionalliga Süd, schoss viele Tore für Opel Rüsselsheim, weniger für den TSV München 1860, einige für Jahn Regensburg und in der neu gegründeten 2. Bundesliga für die SpVgg Fürth, bis er im Winter 1975/76 zurück nach Mainz kam.

Im Amateurfußball wurde "Bimbo" Bopp der 05-Rekordmann: 29 Tore in der Saison 1976/77, 39 gar 1977/78, dann 27, dann 17. Dann wechselte Bopp auf die andere Rheinseite zu Kastel 06, wo der reiche Mäzen Walter Schütter wieder mal viel Geld in den Klub steckte und den Zweitliga-Aufstieg anstrebte, aber nach einem Jahr war der Torjäger wieder bei den 05ern, für die er in vier Jahren noch 33 Mal traf. Stammspieler war er am Ende nicht mehr; mit 36 Jahren verabschiedete sich "Bimbo" Bopp schließlich als Mainzer Rekordtorjäger mit 177 Toren in 331 Liga- und Pokalspielen aus dem höherklassigen Fußball; wahrscheinlich wird er diesen Titel bis in alle Ewigkeit behalten.

Weitere Geburtstagskinder am Freitag: Francis Laurent und Daniel Davari.Francis Laurent wird 31 Jahre alt. Der große, bullige rechte Läufer aus Paris spielte 2007/08 in der Mainzer Oberligamannschaft, wurde im Zweitligateam ab und an eingewechselt und schoss im DFB-Pokal-Derby gegen Wormatia Worms sogar ein Tor für die 05-Profis. Fußballerisch war der Franzose mit afrikanischen Vorfahren allerdings zu schlecht für die 2. Liga. Seine weitere Karriere spielte sich in den unteren Ligen Englands, Frankreichs und Belgiens ab.

Ein erfolgreicher Schüler der oft unterschätzten Stephan-Kuhnert-Torwartschule wird am Freitag 29 Jahre alt. Daniel Davari kam einst als 16-Jähriger vom Gießener Stadtteilklub TSG Wieseck zu den 05ern und war auf seinem bisherigen Karrierehöhepunkt WM-Teilnehmer in Brasilien - allerdings ohne Einsatz im Turnier. Der große, stämmige Deutsch-Iraner war 2006/07 Stammtorwart der 05er in der U19-Bundesliga, anschließend zunächst Oberliga-Ersatzkeeper hinter dem vier Jahre älteren Rainer Adolf, 2008/09 die Nummer 1 im Mainzer Regionalligateam. Weil in der Profimannschaft der 05er kein Platz für ihn war, wechselte Davari 2009 zu Eintracht Braunschweig; auch bei den Niedersachsen wurde er nach dem Aufstieg in die 2. Bundesliga Stammtorwart und iranischer Nationalspieler. Insgesamt bestritt er für die Eintracht 92 Spiele in den drei höchsten deutschen Ligen. Nach dem Abstieg aus der Bundesliga verließ Davari Deutschland; weder beim Grasshopper-Club Zürich noch nach seiner Rückkehr beim Zweitligisten Arminia Bielefeld setzte er sich seither durch.

Weitere Ergebnisse am 6. Januar:

1929: VfR Mannheim - FSV Mainz 05 2:1  
1952: FSV Mainz 05 - 1. FC Kaiserslautern 1:4  
1957: Eintracht Trier - FSV Mainz 05 0:0  
1974: VfB Theley - FSV Mainz 05 3:2  

7. Januar  

Mainz 05 im Jahre 1954. Vorne links: Hans Nebelung.Der Samstag wäre der 93. Geburtstag eines der Lieblingsspieler der 05-Freunde in den 1950ern: Hans Nebelung, der allerdings schon 2005 verstarb. Der aus dem heutigen Sachsen-Anhalt stammende Spieler kam 1954 über den TSV Goslar und den VfB Lübeck nach Mainz. Dort war der fast zwei Meter lange Mann eigentlich für die linke Angriffsseite vorgesehen, wurde aber bald Nachfolger des Nürnberger Altmeisters "Schorsch" Hagen im linken Mittelfeld, später Mittelläufer - heute würde man ihn "Sechser" nennen. Nach anfänglichen Schwierigkeiten wurde der erfahrene, bereits 30 Jahre alte Nebelung immer stärker und wichtiger. Die Mainzer waren daher erleichtert, dass der VfB Lübeck 1955 den Wiederaufstieg verpasste; Nebelung hätte sich sonst wieder seinem alten Verein angeschlossen. Jedoch fiel wenige Wochen später, bereits am dritten Spieltag der Saison 1955/56, der neue Stammtorwart Otto Schedler bei einem Eckball so unglücklich auf das Knie seines Mittelläufers, dass diesem der Meniskus riss. Ein erster Comebackversuch Nebelungs im folgenden Sommer scheiterte. Erst nach zweieinhalbjähriger Verletzungs- und Aufbauphase nahm der Stopper im März 1958 mit 34 Jahren wieder das Training auf. In die Mannschaft kam er nicht mehr zurück. Daher spielte Nebelung nur 31 Mal für die 05er, dabei schoss er ein Tor.

Eckhart Mayer wird am Samstag 68 Jahre alt. Der Mittelfeldspieler wurde 1975/76 zweimal ins Mainzer Zweitligateam eingewechselt. Und 19 Jahre alt wird Linus Wimmer, Offensivspieler im aktuellen U19-Kader der 05er.

Weitere Ereignisse am 7. Januar:

1934: Offenbacher Kickers - FSV Mainz 05 3:1  
1951: VfR Kaiserslautern - FSV Mainz 05 3:1  
1961: FK Pirmasens - FSV Mainz 05 8:1  
1962: FSV Mainz 05 - Eintracht Trier 3:0  
1973: FC Homburg/Saar - FSV Mainz 05 2:2  

8. Januar  

Für den FC Basel hat Fabian Frei schon gegen die prominentesten Fußballer gespielt. Als Mainzer gehört er fest zum 18er-Kader, hat aber den großen Durchbruch noch nicht geschafft. Foto: imagoAm Sonntag wird Fabian Frei 28 Jahre alt. Der Schweizer kam im vergangenen Sommer als Nachfolger für Johannes Geis nach Mainz, sollte ein Leistungsträger im Mittelfeld werden, fiel aber bereits am dritten Spieltag wegen einer langwierigen Verletzung aus dem Kader, wurde von Danny Latza abgehängt und schaffte es auch während dessen langer Verletzung nicht mehr in eine Hauptrolle. In eineinhalb Jahren schaffte Frei immerhin 34 Pflichtspiele, die meisten von Anfang an, und zwei Tore im DFB-Pokal gegen unterklassige Gegner; für eine Vielleicht ist der durchaus lauf- und spielstarke Stratege nicht temperamentvoll, nicht fanatisch genug fürs defensive und nicht torgefährlich genug fürs offensive Mittelfeld. Seine großen Fähigkeiten hatte er vor seinem Wechsel nach Mainz bereits mehrmals bewiesen: In 31 Champions-League- und 26 Europa-League-Spielen für den FC Basel, mit dem er von 2012 bis 2015 jedes Jahr Meister wurde, hat er bereits zweimal gegen Chelsea, gegen die Bayern, gegen Manchester United und den Liverpool FC gewonnen, als 05er immerhin bei den Bayern.

22 Jahre alt wird am Sonntag der Deutsch-Finne Matti Steinmann. Der als HSV-Talent bereits einmal in der Bundesliga eingesetzte Sechser sollte in dieser Saison mit Daniel Bohl das zentrale Mittelfeld der Mainzer U23 bilden, musste die meiste Zeit wegen dessen schwerer Verletzung aber ohne seinen kampfstarken Nebenmann auskommen. In 18 Drittligaspielen schoss Steinmann bisher zwei Tore.

Ergebnisse am 8. Januar:

1933: Eintracht Frankfurt - FSV Mainz 05 2:1  
1950: VfR Kirn - FSV Mainz 05 1:3  
1956: SpVgg Andernach - FSV Mainz 05 0:0  
1967: VfR Frankenthal - FSV Mainz 05 0:2  
1978: FSV Mainz 05 - Südwest Ludwigshafen 1:1  

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