Das 05-Kalenderblatt: 5. bis 8. November

Christian Karn. Mainz.
Die nullfünfMixedZone hat wieder in der Vereinschronik gekramt, in den Annalen geblättert und nachgeschaut, welche Jubiläen in diesen Tagen anstehen, was es an Besonderheiten und Ergebnissen gegeben hat, was um diese Jahreszeit so alles bei den 05ern passiert ist. In der zweiten Hälfte dieser Woche geht es unter anderem um einen total und einen kaum torgefährlichen Stürmer, den langjährigen Mainzer Libero, zwei Zuschauerrekorde und ein Rekordergebnis. Und leider auch um Politik.

5. November  

Heute vor 82 Jahren verwischten im Fort Bingen die Grenzen zwischen Sport und Politik: Am 5. November 1933 veranstalteten die 05er anlässlich des Gauligaspiels gegen Borussia Neunkirchen eine "Saar-Kundgebung", eine in jener Zeit im ganzen Reich populäre, deutschnational geprägte Propagandaveranstaltung, in der die Solidarität mit der Bevölkerung des seit 1920 autonomen und von Frankreich verwalteten Saargebiets demonstriert wurde. Diese strebte schon seit Jahren eine Wiedervereinigung mit Deutschland an; zumindest die linksorientierten Parteien allerdings lehnten dies nach dem Wahlsieg der NSDAP Anfang 1933 ab. Als schließlich Fußball gespielt wurde, schlugen die 05er die Borussia durch Tore von Herbert Burkhardt und Heinrich Decker 2:1.

Thomas Wex wird heute 54 Jahre alt. Der Mittelfeldspieler absolvierte 1984/85 elf Oberligaspiele für die 05er, die Mehrzahl als Joker.

Eigentlich ein guter Fußballer, aber für die Bundesliga viel zu ungefährlich: Ranisav Jovanovic, der hier in der Mauer des FCK eine Schussbahn für Elkin Sotos legendären Freistoß freisperrt, wird heute 35 Jahre alt. Foto: imagoEin Stürmer, der sich auf seine alten Tage tatsächlich noch zum Torjäger entwickelt, wird heute 35 Jahre alt. Ranisav Jovanovic war nach dem ersten Mainzer Bundesliga-Aufstieg einer der namenlosen Neuzugänge. Benjamin Weigelt verschwand schnell wieder in der Dritt- bis Viertklassigkeit, Conor Casey nach Amerika. Nikolce Noveski wurde eine 05-Legende. Und Jovanovic hat es immerhin geschafft, im Profifußball eine gewisse Rolle zu spielen.

Mit 23 Jahren war der talentierte Berliner, den die 05er von Dynamo Dresden holten, nicht mehr ganz jung. Jovanovic war ein großer, schlaksiger Stürmer mit einem wunderbaren linken Fuß, aber ohne die vollendete Bundesliga-Härte. Seinen größten Moment hatte er schon in seinem dritten Spiel: Am 16. Oktober 2004 schlugen die 05er durch seine Flanken in der 83. und 90. Minute den Deutschen Meister Werder Bremen 2:1. Dieser Samstagnachmittag war der Durchbruch - nicht für Jovanovic, der weiterhin nur sporadisch spielte, sondern für seinen Verein, der sich von da an als Bundesligist fühlte.

Jovanovic konnte letztlich nicht mithalten mit den Pressingspezialisten Niclas Weiland und Michael Thurk hinter Benjamin Auer. Vor allem war er überhaupt nicht torgefährlich. Der Berliner konnte sich durch die Abwehr schlängeln, Chancen sich erarbeiten, aber sie nicht nutzen. Immer mal wieder hatten die 05er die Hoffnung, dass Jovanovic noch einmal kommt, aber er kam nicht. In 44 Bundesligaspielen wurde er 38 Mal eingewechselt, dabei schoss er nur zwei Tore. Bei Fortuna Düsseldorf und dem SV Sandhausen spielte und spielt er dagegen eine ordentliche Rolle in der 2. Bundesliga; die Sandhäuser freuen sich bisher über elf Zweitligatore von Jovanovic.

Weitere Ereignisse am 5. November:

1950: FSV Mainz 05 - ASV Landau 1:3  
1961: Wormatia Worms - FSV Mainz 05 8:1  
1967: FSV Mainz 05 - SC Friedrichsthal 1:1  
1972: Borussia Neunkirchen - FSV Mainz 05 2:3  
1978: SV Speicher - FSV Mainz 05 4:0  
1989: SV Leiwen - FSV Mainz 05 0:1  
2005: Hannover 96 - FSV Mainz 05 2:2  

6. November  

Der ehemalige 05-Abwehrchef Alfred Schöppler kam am Freitag vor 93 Jahren zur Welt.Zwei frühe Nachkriegsspieler der 05er wurden am 6. November geboren: Am Freitag vor 95 Jahren kam der offensive Mittelfeldspieler Walter Marx zur Welt, der 1948/49 in 18 Spielen für die 05er ein Tor schoss. Der exakt zwei Jahre jüngere Frankfurter Alfred Schöppler war 1950/51 in 22 Spielen meist Abwehrchef der 05er. 

Ebenfalls am Freitag haben zwei Spieler der 1960er Geburtstag; beide spielten jedoch keine große Rolle: Der vor 72 Jahren geborene Helmut Hasshoff aus der zweiten Mannschaft wurde 1962/63 zweimal in der Oberliga eingesetzt, der vier Jahre jüngere Alfred Seilheimer 1966/67 gar nur einmal in der Regionalliga.

Lange vor den Spielen der beiden erlebten die 05er ein ganz besonderes Spiel: Am Freitag vor 60 Jahren drehten sie durch ein gegnerisches Eigentor in der 86. und einen Treffer von Karl-Heinz Wettig in der 87. Minute den Rückstand bei Saar 05 Saarbrücken zu einem 2:1-Sieg. 30.000 Zuschauer sahen die beiden Tore, für die 05er eine Zuschauerzahl, die erst 1993 in Leipzig überboten wurde. Die Wenigsten interessierten sich freilich für das Duell zwischen dem Tabellenvierzehnten und dem Neunten, die lediglich das Vorspiel für die Spitzenpartie zwischen dem 1. FC Saarbrücken und dem 1. FC Kaiserslautern war; bei Anpfiff der Mainzer Partie waren immerhin schon 8.000 Zuschauer am Ludwigspark.

An der Eckfahnengitarre: André Schürrle, der Mainzer Torjäger der Rekordsaison. Foto: imagoDer Mainzer Weltmeister wird am Freitag 25 Jahre alt: André Schürrle, bislang das größte Talent, das Mainz 05 in den Profifußball gebracht hat, der 05er, der bis heute die gewaltigsten Ablösesummen generiert. Groß geworden ist Schürrle in der renommierten Jugendabteilung des Ludwigshafener SC. Nach elf Jahren beim Klub seiner Heimatstadt wechselte der damals 15-Jährige 2006 in die Mainzer U17, die damals noch in der Regionalliga spielte. Schon in jener Saison war man sich sicher: Dieser Spieler wird es in den Profifußball schaffen. 

2009 wurde Schürrle Deutscher U19-Meister; in 44 Ligaspielen für die A-Junioren hatte der Linksaußen und Zehner 21 Tore geschossen und 18 vorbereitet, im Halbfinale zwei der drei Tore geschossen, mit denen die 05er die 0:1-Hinspielniederlage gegen Werder Bremen drehten. Für die U23 spielte Schürrle hingegen nie; er hatte das doppelte Glück, dass am Ende seiner Juniorenzeit sein Meistertrainer Thomas Tuchel zu den Profis befördert wurde und im Trainingslager Srdjan Baljak vom Fahrrad fiel und mit Schlüsselbeinbruch lange fehlte. Weil auch Aristide Bancé nicht fit war, hatte Tuchel keine Alternativen, musste Schürrle (zunächst als Mittelstürmer) aufstellen und behielt ihn (als Linksaußen) in der Startelf, als Bancé zurückkam.

Als einziger Ex-Mainzer ist Schürrle - hier gegen den aktuellen 05er Pierre Bengtsson - eine feste Größe in der deutschen A-Nationalmannschaft geworden. Und Weltmeistertorvorbereiter. Foto: imagoIn seinem dritten Bundesligaspiel bereitete Schürrle sein erstes Tor vor, das 1:0 beim 2:1 gegen Bayern München. Im sechsten Spiel traf er doppelt, seine Tore drehten einen 1:2-Rückstand beim VfL Bochum zum 3:2-Sieg. Die ganz große Bilanz hatte der junge Angreifer dennoch nicht in seiner Debütsaison. Die kam im zweiten Jahr, in dem die 05er mit ihrer spektakulären Offensive um Schürrle, Lewis Holtby, Adam Szalai, Andreas Ivanschitz, Sami Allagui und Christian Fuchs die Liga in Grund und Boden schossen, den Startrekord von sieben Siegen einstellten und an jedem einzelnen Spieltag auf einem Europapokalplatz standen. Mit 15 Toren und fünf Vorlagen in einer Saison ist Schürrle Mainzer Bundesliga-Rekordhalter, je nach Definition knapp vor Shinji Okazaki oder gleichauf mit dem Japaner, der vor zwei Jahren ebenfalls 15 Tore schoss, aber nur eins vorbereitete. Schürrles typisches Tor war (und ist heute noch) der schnelle Sololauf über die linke Seite mit einem Haken am Strafraum, um den entgegenkommenden Verteidiger loszuwerden, und dem Schuss ins lange Eck. Zwar kennt diesen Angriff mittlerweile jeder, unterbinden kann man ihn trotzdem kaum.

Für die Mainzer Rekordablöse von 8 Millionen Euro plus diverse Bonuszahlungen wechselte "Schü" nach zwei Bundesligajahren zu Bayer Leverkusen. Nach 65 Spielen und 18 Toren für Bayer 04 - in Mainz waren es 66/20 - für über 20 Millionen nach Chelsea, was den 05ern nochmal einen dicken Nachschlag einbrachte. Zwischenzeitlich war Schürrle - noch als 05er - A-Nationalspieler geworden; sein bisheriger Karrierehöhepunkt ist die Nachspielzeit des WM-Finales, in der er Mario Götzes Weltmeistertor vorbereitete.

Ein halbes Jahr nach der WM wechselte Schürrle für gewaltige 32 Millionen Euro zum VfL Wolfsburg. Der ist mit dem Nationalspieler bislang nicht so recht glücklich, Schürrle sucht noch seine Form. Immerhin gewann er mit dem VfL bereits seinen ersten Vereinstitel im Profifußball, den DFB-Pokal 2015. Auch als englischer Meister 2015 wird Schürrle geführt, allerdings in Abwesenheit; er hat Chelsea ja schon nach der halben Saison verlassen.

Weitere Ereignisse am 6. November:

1927: SV Darmstadt 98 - FSV Mainz 05 3:3  
1932: FVgg Kastel 06 - FSV Mainz 05 0:3  
1949: ASV Oppau - FSV Mainz 05 3:1  
1960: FSV Mainz 05 - 1. FC Kaiserslautern 1:1  
1966: FSV Mainz 05 - Borussia Neunkirchen 1:2  
1977: VfR Frankenthal - FSV Mainz 05 2:3  
1983: FSV Mainz 05 - 1. FC Kaiserslautern (A) 2:0  
1993: FSV Mainz 05 - Chemnitzer FC 5:1  
1994: 1. FC Nürnberg - FSV Mainz 05 1:1  
2004: FSV Mainz 05 - Borussia Mönchengladbach 1:1  

7. November  

Am Samstag vor 45 Jahren verloren die 05er ihren Präsidenten. Emil Enderle, spätestens 1950 in den Vorstand gewählt, 1956 als Nachfolger des verstorbenen Walter Strutz zum Vorsitzenden aufgerückt und regelmäßig wiedergewählt, hatte die 05er 14 Jahre lang angeführt, in den frühen und späten 1960ern die großen Löcher in der Vereinskasse immer wieder aus seinem Privatvermögen gestopft. Wie seine Vorgänger Strutz und Charly Armbrüster verstarb Enderle im Amt.

Zwei Vereinsrekorde stellten die 05er am Samstag vor 39 Jahren auf. Gegen den völlig überforderten FV Speyer, der schließlich mit einem Punkt und 183 Gegentoren aus 36 Spielen abstieg, schossen Mittelstürmer Gerd Klier (3x), Rechtsaußen Bimbo Bopp (3x), Linksaußen Wilfried Eifinger (2x) und der eingewechselte Peter Hermonies die Tore zum 9:0, das ist der höchste Mainzer Auswärtssieg - vor gerade mal 50 Zuschauern (bis heute und vielleicht bis in alle Ewigkeit 05-Pflichtspiel-Minusrekord).

Außerdem haben am Samstag zwei 05-Talente Geburtstag, die es nicht zu den Profis geschafft haben. Der Stürmer Gregory Strohmann, einst Jugendspieler bei den Mainzern, später unter anderem in Bad Kreuznach, Oggersheim und Saarbrücken aktiv, wird 36 Jahre alt, Pierre Kleinheider, der einmal in der zweiten Liga und achtmal in der Bundesliga als Ersatztorwart auf der Mainzer Bank saß, 26 Jahre.

Weitere Ereignisse am 7. November:

1948: ASV Oppau - FSV Mainz 05 1:1  
1954: VfR Frankenthal - FSV Mainz 05 2:1  
1965: VfR Frankenthal - FSV Mainz 05 3:1  
1971: SpVgg Andernach - FSV Mainz 05 2:2  
1982: Eisbachtaler Sportfreunde - FSV Mainz 05 1:1  
1997: FSV Mainz 05 - VfB Leipzig 2:1  
1999: Rot-Weiß Oberhausen - FSV Mainz 05 0:0  
2003: FSV Mainz 05 - SpVgg Greuther Fürth 1:3  
2006: FSV Mainz 05 - VfL Wolfsburg 1:2  
2009: FSV Mainz 05 - 1. FC Nürnberg 1:0  
2010: SC Freiburg - FSV Mainz 05 1:0  

8. November  

Der langjährige 05-Libero Bernd Münch (links) wird am Sonntag 51 Jahre alt.Bernd Münch wird am Sonntag 51 Jahre alt. Der 1,94 Meter große Verteidiger kam Anfang 1984 aus der eigenen Jugend als Einwechselspieler ins Mainzer Oberligateam, etablierte sich schnell auf der linken Seite, mal als Außenverteidiger, mal im defensiven Mittelfeld, und löste schließlich 1986 (nach ein paar Spielen von "Schorsch" Müller auf dieser Position) Dirk Scherrer als 05-Libero ab. In dieser Rolle war Münch bis zu seinem Karriereende unumstritten.

Dieses kam früher als erwartet. Im Winter 1989/90 wurde Münch ein Knorpelschaden im Knie diagnostiziert. Drei Monate Pause wurden in Aussicht gestellt, aber der 26-Jährige kam nicht mehr zurück in den Leistungssport. Die 05er verloren einen guten Techniker, der im Kopfball nahezu unüberwindbar war, eher einen Ausputzer, einen defensiv denkenden Libero als einen verkappten Spielmacher, einen ihrer wichtigsten Spieler. Der in 193 Einsätzen - 155 in der Oberliga, 34 in der 2. Bundesliga - beachtliche 23 Tore geschossen hatte.

Weitere Ereignisse am 8. November:

1925: FSV Mainz 05 - SV Wiesbaden 4:3  
1931: SV Darmstadt 98 - FSV Mainz 05 2:4  
1936: FSV Mainz 05 - FV Geisenheim 3:1  
1953: FSV Mainz 05 - Wormatia Worms 0:0  
1964: SV Weisenau - FSV Mainz 05 1:0  
1970: FSV Mainz 05 - Saar 05 Saarbrücken 4:2  
1975: FSV Mainz 05 - Bayern Hof 0:1  
1981: Eintracht Bad Kreuznach - FSV Mainz 05 1:1  
1986: FSV Saarwellingen - FSV Mainz 05 1:0  
1987: FSV Mainz 05 - VfL Hamm/Sieg 1:0  
1998: Fortuna Köln - FSV Mainz 05 2:0  
2014: Bayer Leverkusen - FSV Mainz 05 0:0  

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