Das 05-Kalenderblatt: 6. bis 8. Juni

Christian Karn. Mainz.
Die nullfünfMixedZone hat wieder in der Vereinschronik gekramt, in den Annalen geblättert und nachgeschaut, welche Jubiläen in diesen Tagen anstehen, was es an Besonderheiten und Ergebnissen gegeben hat, was um diese Jahreszeit so alles bei den 05ern passiert ist. Diesmal geht es unter anderem um den letzten überragenden Freistoßkünstler, den Zweitkontakt mit einem Volkshelden, die Rückkehr in den Profifußball, hingegen nicht um den Bundesliga-Aufstieg und auch nicht um einen legendären Braunschweiger Torjäger.

6. Juni  

Heute wird Nihat Kaplan 43 Jahre alt, der 1989 als 16-Jähriger von Nassau Wiesbaden zu den 05-Junioren kam und von 1992 bis 1994 siebenmal in der zweiten Liga spielte. Später setzte der Mittelfeldspieler seine Karriere im hessischen Amateurfußball bei Eintracht Frankfurt, der SG Egelsbach und der TSG Wörsdorf fort.

Vier Jahre jünger ist Akin Kilic. Der türkische Stürmer, der in der Jugend von Borussia Mönchengladbach spielte und im Westerwald seine ersten Oberligatore schoss, kam 2002 zu den 05-Amateuren, bei denen er zunächst nur Joker war und sich am siebten Spieltag in Eisbachtal bei seinem ersten Startelf-Einsatz schwer am Knie verletzte - der Schaden war ähnlich groß wie vor gut einem Jahr bei Elkin Soto. Kilic schaffte ein bemerkenswert schnelles Comeback, etablierte sich aber nicht mehr im Team und verließ die 05er im Sommer wieder.

Noch ein Jahr jünger ist der Wiesbadener Christian Berger, der von 2002 bis 2004 in drei Oberligapartien und einem halben Regionalligaspiel im Tor der 05-Amateure stand.

Vorgestern und heute vor genau 26 Jahren begegnete der FSV Mainz 05 zum ersten und zweiten Mal einem jungen Stürmer namens Jürgen Klopp. Gegen sein Team, Rot-Weiß Frankfurt, schafften die 05er den vorzeitigen Wiederaufstieg in die 2. Bundesliga.An jenem Tag, an dem Kaplan zur Welt kam, am 6. Juni 1973, fand in der Müngersdorfer Radrennbahn eins der größten Skandalspiele der 05er statt. Die Partie zwischen Fortuna Köln und den 05ern war das Spitzenspiel der Bundesliga-Aufstiegsrunde. In der hitzigen Atmosphäre entwickelte sich ein chaotisches Spiel, das kurz vor der Halbzeit eskalierte: Der Mainzer Libero Herbert Scheller und der riesige Kölner Vorstopper Gerd Zimmermann rasselten ineinander; wahrscheinlich hat einer den anderen umgetreten, aber so genau wurde das nie aufgeklärt. "Beide sind zum Ball gegangen. Hinterher haben beide auf der Erde gelegen. Der Schiedsrichter hat mit der Roten Karte herumhantiert und niemand wusste, was Sache war", kommentierte der 05-Kapitän Willi Löhr die Szene. Scheller jedenfalls fragte Löhr, ob nur Zimmermann heruntergeflogen sei oder auch er selbst, worauf der Kapitän sagte: Spiel weiter. Erst in der Halbzeit merkte der Schiedsrichter, dass die Mainzer noch zu elft waren; Scheller wurde daraufhin lange gesperrt. Und da die Fortuna dieses vorentscheidende Spiel 3:0 gewann, verpassten die 05er den Aufstieg.

17 Jahre später, längst in der Drittklassigkeit gelandet, empfingen die 05er am Bruchweg in der Aufstiegsrunde zur 2. Bundesliga die SG Rot-Weiß Frankfurt. Zwei Tage vorher hatten sie das Hinspiel in Frankfurt 2:1 gewonnen. Ein Frankfurter Stürmer urteilte damals: "Schade war's. Wir haben zwei dumme Tore kassiert. Die Mainzer waren doch nur optisch die bessere Mannschaft. Im Rückspiel schlagen wir sie und dann steigen wir als Zweiter auf." Der Name des schlecht gelaunten, aber zweckoptimistischen Angreifers: Jürgen Klopp. Am 6. Juni 1990 gewannen die 05er das Rückspiel 3:1. Bereits nach 48 Sekunden lief Charly Mähn in einen zu kurzen Rückpass und schoss mit einem Heber an den Innenpfosten das 1:0. Weitere Tore von Olaf Kirn und Norbert Hönnscheidt sicherten den Mainzern bereits im vierten von sechs Aufstiegsrundenspielen die Rückkehr in die 2. Bundesliga.

Heute vor 16 Jahren schließlich verstarb im Alter von 83 Jahren der ehemalige 05-Trainer Georg Bayerer. Der Münchner war 1952 Nachfolger von Hans Geiger als 05-Trainer, wurde mit seinem defensiv orientierten Spiel immerhin Achter in der Oberliga, wechselte nach nur einem Jahr in Mainz zurück in die Heimat und übernahm den FC Bayern.

Ein weiteres Ergebnis am 6. Juni:

1993: VfB Leipzig - FSV Mainz 05 2:0  
 

7. Juni  

Helmut Wagner, der am Dienstag 57 Jahre alt wird, war in den frühen 1980ern ein wichtiger Offensivspieler der 05er.Am Dienstag haben drei Ex-05er Geburtstag. Bereits 57 Jahre alt wird Helmut Wagner, einst ein torgefährlicher Techniker, der 1981 vom FK Pirmasens in die neue Mainzer Spitzenmannschaft kam, 1982 im Endspiel um die Deutsche Amateurmeisterschaft (3:0 gegen die Amateure Werder Bremens) das 1:0 vorbereitete und auch nach dem Jughard-Skandal und dem Zusammenbruch des neuen Reichtums blieb. In den drei Jahren bis zu seinem Wechsel zu Borussia Neunkirchen schoss der flexible Offensivmann in 94 Oberligaspielen 19 Tore.

Vier Jahre jünger ist Bernd Gersdorf - allerdings handelt es sich nicht um den großen Braunschweiger Torjäger Gersdorff, der einst in einer halben Saison für die Eintracht 35 Tore schoss, sondern um einen annähernd gleichnamigen Angreifer vom TSV Mommenheim, der 1989 zu den 05ern wechselte, in der Hinrunde dreimal spielte und sich im Winter wieder seinem Ex-Verein anschloss.

Vor diesem Moment fürchteten sich die gegnerischen Torhüter: Daniel Gunkel schießt einen Freistoß. Nikolce Noveski und Milorad Pekovic lassen es sich nicht anmerken, aber wahrscheinlich wissen sie schon: Auch René Adler hat keine Chance. Foto: imagoGrößeren, aber ebenfalls flüchtigen Erfolg bei den 05ern hatte Daniel Gunkel, der 36 Jahre alt wird. Der Frankfurter Sohn eines ivorischen Diplomaten und einer deutschen Mutter hatte schon für etliche Vereine gespielt, als er 2007 von Energie Cottbus zu den 05ern wechselte. Gunkel war sofort ein absoluter Leistungsträger im 05-Team, vor allem aber ein unglaublicher Freistoßschütze. Am 3. Spieltag schoss Gunkel gegen Borussia Mönchengladbach seine ersten beiden direkten Freistöße ins Tor, am 4., 7., 26. Spieltag weitere. Gunkels Bilanz im ersten Jahr: Neun Tore, zwölf Vorlagen - eine Menge für einen defensiven Mittelfeldspieler. Im zweiten Jahr, der Aufstiegssaison 2008/09, hatte Gunkel jedoch erhebliche Verletzungsprobleme. In der Bundesliga-Hinrunde 2009/10 war er bereits nur noch gelegentlicher Einwechselspieler; im Winter wechselte er nach vier Erst- und 31 Zweitligaspielen mit insgesamt zehn Toren zur TuS Koblenz in die 2. Bundesliga. Am ersten Spieltag allerdings rettete Gunkel noch rasch Thomas Tuchels ersten Punkt als Cheftrainer durch das Tor zum 2:2-Endstand gegen Bayer Leverkusen. Einen direkten Freistoß.

Ergebnisse am 7. Juni:

1975: FSV Mainz 05 - VfR Heilbronn 4:1  
1998: SV Meppen - FSV Mainz 05 0:3  
 

8. Juni

Heute kein Bundesliga-Rückblick

Der 10-Jahre-Bundesliga-Rückblick macht heute Pause. Morgen geht's weiter.

Am 8. Juni sind bei Mainz 05 wenige Ereignisse von größerer Bedeutung verzeichnet, lediglich der Geburtstag eines ehemaligen Junioren: Andreas Brieschke, 2003/04 bei der U19 nur manchmal eingesetzt, wird 31 Jahre alt.
 

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