Das 05-Kalenderblatt: 6. bis 9. März

Christian Karn. Mainz.
Die nullfünfMixedZone hat wieder in der Vereinschronik gekramt, in den Annalen geblättert und nachgeschaut, welche Jubiläen in diesen Tagen anstehen, was es an Besonderheiten und Ergebnissen gegeben hat, was um diese Jahreszeit so alles bei den 05ern passiert ist. Heute geht es um einen Offensivallrounder mit vergeblichen Bundesliga-Hoffnungen, den Neffen eines Dauerbrenners, einen Verteidiger, der zur rechten Zeit am falschen Ort war, ein Angriffstalent, das von vorne anfangen muss, einen alten Stammtorwart und ein Fiasko.

6. März  

Geburtstagskinder am Montag: Horst Klinkhammer...Heute vor 78 Jahren kam in Oberhausen Horst Klinkhammer zur Welt. Der Offensivallrounder gehörte der 05-Zwischengeneration der späten 1960er an, war bei den Pokalhelden von 1965 noch nicht und bei den Südwestmeistern von 1973 nicht mehr dabei, hatte aber 1968 Bundesliga-Hoffnungen.

Klinkhammer kam 1965 mit einer gewissen Regionalligaerfahrung nach Mainz; für den VfB Bottrop und den STV Horst-Emscher hatte er bereits 59 Mal in der zweithöchsten Liga gespielt. In Mainz sollte er eigentlich einer von zwei Kandidaten für die Nachfolge von Vincenz Fuchs sein; der torgefährliche Linksaußen war zum Meidericher SV gewechselt. Als Flügelstürmer eignete sich der damals 26-Jährige jedoch nicht. Erst als ihn der neue Trainer Kurt Zaro 1966 ins Mittelfeld zog, setzte sich Klinkhammer durch; sei es als hängende Spitze - "Zehner" würde man das heute nennen, mit dem Spielmacher der 1970er hatte es noch nicht allzu viel zu tun -, was der Oberhausener im zweiten und im letzten Jahr als 05er in der Regel spielte, sei es als linker Läufer, was er dazwischen zwei Jahre lang war. Für sieben Saisontore war Klinkhammer in seiner besten Phase gut. 1968/69 ging seine Karriere schon aufs Ende zu; langwierige Leistenprobleme setzten ihn in lange außer Gefecht. Erst im letzten Saisondrittel kam Klinkhammer zurück. Als die 05er 1970 ihre Mannschaft radikal umbauten und verjüngten, war er - nach 105 Regionalligaspielen und 21 Toren - einer von fünf Stammspielern, die den Verein verließen; wie Carlo Storck, Heinz Wassermann und Kurt Planitzer verabschiedete sich der 31-Jährige ganz aus dem höherklassigen Fußball; für die TSG Bretzenheim spielte er noch eine Weile.

...Thomas März...Thomas März wird heute 51 Jahre alt. Der Neffe des langjährigen 05-Flügelstürmers Franz-Peter März (227 Ligaspiele von 1974-82) gehörte 1988/89 zum Zweitligakader der 05er, spielte dort aber keine große Rolle. Dreimal wurde März eingewechselt, spät in der Saison spielte der Rechtsverteidiger beim 3:2 gegen Viktoria Aschaffenburg und beim 0:7 in Darmstadt durch; der Abstieg stand da schon fest. Nach nur einem Jahr als 05er wechselte März zurück zur SpVgg Eltville.

...Giovanni Speranza...35 Jahre alt wird Giovanni Speranza, der 2003 als 21-Jähriger von Eintracht Frankfurt mit der Erfahrung von zwei Zweitligaspielen zu den gerade in die Regionalliga aufgestiegenen 05-Amateuren kam, die Hoffnungen aber kaum erfüllte. An den ersten drei Spieltagen stand der in Gießen geborene Italiener dreimal in der Startelf, im weiteren Saisonverlauf aber wurde er nur noch zehnmal eingewechselt; dann wechselte er zurück zur Eintracht. Immerhin in der Welt kam Speranza herum; seine weitere Karriere führte ihn nach Sofia, Monza, Mannheim, Dunajska Streda (Slowakei) und Ninh Bình (Vietnam).

Und Philipp Wollscheid wird 28 Jahre alt. Der Saarländer ist, wie er vor einem Jahr bei Stoke City zeigte, eigentlich ein guter Verteidiger; in seinem halben Jahr in Mainz passte es einfach nicht. Wollscheid kam am Ende der Sommer-Transferperiode 2014 aus Leverkusen zu den 05ern; bei Bayer 04 hatte er gespielt, ordentliche 51 Bundesligapartien (sowie 16 in den DFB- und Europapokalwettbewerben), aber Leverkusen hatte sich verbessern wollen, gab ihn daher zur Ausleihe frei. Und die Mainzer schnappten ihn sich, weil sie gerade einen Ersatz für den verletzten Nikolce Noveski brauchten.

...und Philipp Wollscheid.Wollscheid - der eine ungewöhnliche Karriere hatte für einen deutschen Profi seiner Generation, nie ein Jugendleistungszentrum erlebt hatte, mit 18 erst vom SV Rot-Weiß Hasborn-Dautweiler zur zweiten Mannschaft des 1. FC Saarbrücken wechselte, erst mit 20 zur Regionalligatruppe des 1. FC Nürnberg kam, erst nach einer Weile zu den Profis befördert wurde - hinterließ im Training erst einmal einen guten Eindruck, verletzte sich aber schon nach wenigen Tagen. Und als der Kurzzeit-Nationalspieler - zwei Testspiele am Ende der Saison 2012/13 - nach ein paar Wochen zurückkam, stellte sich heraus, dass er stilistisch nicht zu den 05ern passte: Anders als Noveski oder Stefan Bell, anders als die immer nach vorne denkenden Verteidiger, die immer versuchen, vor den Mann zu kommen, die Ballannahme schon zu unterbinden, ist Wollscheid einer, der erst angreift, wenn der Stürmer den Ball hat. Am Ende der Hinrunde war er immerhin immer im Kader, spielte allerdings selten, in der Startelf nur auf Schalke, wo er eine Katastrophe anrichtete, wie allerdings auch alle seine Kollegen in der Mainzer Abwehr, sowie gegen die Bayern in einer Not-Innenverteidigung mit Gonzalo Jara, die bemerkenswert gut funktionierte, erst in der 90. Minute 1:2 verlor. Schon im Winter aber brachen die 05er die Leihe ab. Bayer Leverkusen gab den Verteidiger direkt weiter in die Premier League nach Stoke-upon-Trent, wo er eineinhalb Jahre lang klarer Stammspieler war, dann auf einmal - und das passiert in England, wo viel Geld investiert werden kann, vielen Spielern, die knapp unter Topniveau sind - nicht mehr gebraucht wurde. Der Wechsel nach Wolfsburg ging völlig schief, schon wieder sitzt Wollscheid nun zwischen allen Stühlen.

Außerdem haben zwei Mainzer Nachwuchsspieler Geburtstag: Michael Kohns, bis 2014 in der 05-A-Jugend, heute beim FSV Salmrohr, wird 22 Jahre alt, der aktuelle U23-Ersatztorwart Lukas Watkowiak, der gerade den verletzten Florian Müller vertritt und am Samstag in Magdeburg gewonnen hat, 21 Jahre.

Ergebnisse am 6. März:

1927: FSV Frankfurt - FSV Mainz 05 4:0  
1932: FSV Mainz 05 - SV 07 Waldhof 3:1  
1949: ASV Oppau - FSV Mainz 05 4:2  
1955: FSV Mainz 05 - Phönix Ludwigshafen 1:1  
1960: FSV Mainz 05 - Wormatia Worms 1:0  
1966: FSV Mainz 05 - 1. FC Saarbrücken 3:1  
1977: Hassia Bingen - FSV Mainz 05 1:1  
1983: FSV Mainz 05 - Südwest Ludwigshafen 2:3  
1988: FSV Mainz 05 - Wormatia Worms 1:0  
1993: FSV Mainz 05 - VfB Oldenburg 3:0  
2011: Hamburger SV - FSV Mainz 05 2:4  
2016: FSV Mainz 05 - SV Darmstadt 98 0:0

7. März  

Am Dienstag wird Dimitrios Tsakas, Mittelfeldspieler der 05-Amateure von 2000 bis 2004, 35 Jahre alt.

Beim Startelfdebüt zeigte der damals 19-jährige Shawn Parker, wie Derby geht. Beim 3:1 Eintracht Frankfurt schoss der talentierte Stürmer das 2:0, vorher hatte er schon das 1:0 von Andreas Ivanschitz (rechts) vorbereitet. Foto: imago24 Jahre alt wird Shawn Parker. Der Wiesbadener galt bei Mainz 05 jahrelang als großes, aber etwas kompliziertes Talent, als hochveranlagter Angreifer, der aber immer zu einer gewissen Genügsamkeit neigte, nicht gewohnheitsmäßig an die Grenzen zu gehen versuchte. In der Bundesliga kam Parker, der seit der U15 in allen Junioren-Nationalmannschaften zum Stamm gehörte, mit 19 Jahren an. Sein Debüt war noch eher belanglos, eine Einwechslung in der vorletzten Minute des längst entschiedenen Heimspiels gegen die TSG Hoffenheim für den dreimaligen Torschützen Adam Szalai. Danach saß Parker erst einmal wochenlang auf der Bank - bis zum hochbrisanten Derby in Frankfurt. Total unerwartet stellte Thomas Tuchel den jungen Stürmer in die Startelf, prompt bereitete Parker beim immer noch einzigen Liga-Sieg der 05er bei der Eintracht das 1:0 vor und schoss das 2:0. Parker blieb Startspieler, bereitete beim 2:1 gegen Hannover 96 das nächste Tor vor, wurde bald aber durch die Inkompetenz zweier Schiedsrichter weit zurückgeworfen: Im fünften Spiel sah er Gelb-Rot, was objektiv Blödsinn war, im siebten Spiel glatt Rot, was objektiv völliger Blödsinn war. Zwei unberechtigte Platzverweise so früh in der Karriere musste Parker erst einmal wegstecken. Den richtigen Durchbruch schaffte er anschließend erst einmal nicht. Insgesamt spielte er immerhin 27 Mal in der Bundesliga für die 05er, dabei schoss er vier Tore, drei bereitete er vor, eine gewisse Bundesligatauglichkeit deutete er an, aber selbst in den 18er-Kader schaffte er es häufig nicht.

Nach seinem zweiten Profijahr wechselte Parker recht überraschend für gut eineinhalb Millionen Euro zum FC Augsburg, seitdem ist er eigentlich nur verletzt. 2014/15 spielte er immerhin achtmal, 2015/16 kurierte er einen Kreuzbandriss aus. Als Leihspieler beim 1. FC Nürnberg mit sechs Zweitliga-Einwechslungen und einem Tor fängt Parker gerade wieder von vorne an.

Ergebnisse am 7. März:

1954: FSV Mainz 05 - TuRa Ludwigshafen 1:0  
1965: FSV Mainz 05 - Eintracht Trier 0:1  
1971: FSV Mainz 05 - VfB Theley 8:0  
1976: 1. FC Nürnberg - FSV Mainz 05 3:1  
1981: FK 03 Pirmasens - FSV Mainz 05 1:2  
1982: FSV Mainz 05 - 1. FC Kaiserslautern (A) 3:0  
1997: FSV Mainz 05 - FC Gütersloh 3:0  
2003: SC Freiburg - FSV Mainz 05 1:0  
2004: FSV Mainz 05 - LR Ahlen 0:0  
2010: TSG Hoffenheim - FSV Mainz 05 0:1  
2015: FSV Mainz 05 - Borussia Mönchengladbach 2:2  

8. März  

Mainz 05 anno 1952 mit Torwart Walter Jäschke.Am Mittwoch vor 91 Jahren kam Walter Jäschke zur Welt. Der Torwart aus Thüringen kam 1952 von Eintracht Braunschweig zu den 05ern und wurde spätestens im zweiten Jahr ein sicherer Rückhalt. Bis 1955 spielte Jäschke 70 Mal für die Mainzer, dann wurde er vom jungen Otto Schedler verdrängt und wechselte zu Rot-Weiss Essen.

Ergebnisse am 8. März:

1953: FSV Mainz 05 - TuS Neuendorf 0:2  
1959: Borussia Neunkirchen - FSV Mainz 05 4:1  
1964: VfR Kaiserslautern - FSV Mainz 05 2:0  
1975: Borussia Neunkirchen - FSV Mainz 05 1:1  
1987: FSV Mainz 05 - ASC Dudweiler 1:0  
1991: Fortuna Köln - FSV Mainz 05 3:1  
1994: Carl Zeiss Jena - FSV Mainz 05 2:0  
1998: FC Gütersloh - FSV Mainz 05 3:2  
1999: FSV Mainz 05 - Arminia Bielefeld 3:1  
2009: FSV Mainz 05 - FC Augsburg 1:1  

9. März  

Am Donnerstag vor 69 Jahren verloren die 05er gegen Hans Mechnig. Der Rekordspieler der Oberliga Südwest (394 Spiele von 1948 bis 1963) schoss bei Wormatia Worms' 5:2-Sieg im Derby gegen Mainz 05 alle fünf Tore. Weniger glücklich war ein Ex-Mainzer: Wormatia-Abwehrchef Heinz Kirchner verschuldete den Elfmeter, den Fritz Kleemann beim Stand von 0:2 vergab, und schoss das Eigentor zum Endstand.

31 Jahre alt wird am Donnerstag Steffen Lang, der Linksverteidiger der ersten Mainzer U19-Bundesligamannschaft.

Weitere Ergebnisse am 9. März:

1952: FSV Mainz 05 - Eintracht Bad Kreuznach 3:4  
1969: FSV Mainz 05 - FC Homburg/Saar 2:0  
1980: FSV Mainz 05 - FSV Salmrohr 0:0  
1985: SC Birkenfeld - FSV Mainz 05 0:0  
1996: VfB Leipzig - FSV Mainz 05 0:0  
2002: SSV Reutlingen 05 - FSV Mainz 05 2:0  
2008: FSV Mainz 05 - Offenbacher Kickers 1:0  
2013: FSV Mainz 05 - Bayer Leverkusen 1:0  
2014: FSV Mainz 05 - Hertha BSC 1:1 

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