Das 05-Kalenderblatt: 8. bis 10. Februar

Christian Karn. Mainz.
Die nullfünfMixedZone hat wieder in der Vereinschronik gekramt, in den Annalen geblättert und nachgeschaut, welche Jubiläen in diesen Tagen anstehen, was es an Besonderheiten und Ergebnissen gegeben hat, was um diese Jahreszeit so alles bei den 05ern passiert ist. In der zweiten Hälfte dieser Woche geht es um eine der ganz großen 05-Legenden - die am gleichen Tag Geburtstag hatte wie einer mit ähnlicher Ämterhäufung. Außerdem um Kloppos kleinen Freund, ein überragendes Abwehrtalent, zwei Mittelstürmer und um einen verblüfften Neuzugang.

 

8. Februar  

Am Rosenmontag ist er, genau genommen, nicht geboren, aber am Rosenmontag hätte er Geburtstag in Mainz am Rhein. Gerd Higi, einer der wenigen Ehrenspielführer der 05er, würde 97 Jahre alt werden, ist jedoch bereits vor fast 26 Jahren verstorben. Higi war bereits als Elfjähriger ein 05er, dann jahrzehntelang eine wichtige Figur in mehreren Rollen: 1936/37, als der Vorkriegsspielbetrieb der Mainzer zum ersten Mal zusammenbrach, als 17-jähriger Linksaußen, der bereits beim Debüt seine erste Torvorlage schaffte. Nach dem Krieg war Higi bis 1951 ein routinierter Innenverteidiger; 86 Spiele in der Oberliga ab 1948 sind nachgewiesen, 115 Spiele und zwei Tore sollen es ab 1945 sein. Mit einem letzten Einsatz am vorletzten Spieltag der Saison 1951/52 beendete der Bäckermeister seine aktive Karriere, blieb aber als Spielausschussmitglied bei den 05ern. 

Vorne rechts kniet einer der größten 05er von allen, der Ehrenspielführer Gerd Higi, der heute vor 97 Jahren zur Welt kam.

Im Laufe der Saison 1954/55 löste er den erfolglosen Emil Izsó als 05-Trainer ab, beendete die Niederlagenserie prompt im Januar mit einem 9:0 gegen die Spfr. Saarbrücken (bis 1979 der höchste 05-Sieg in einem Ligaspiel), musste aber bald auf seinen ehemaligen Partner in der Innenverteidigung verzichten: Jupp Amadori, der Standardschütze und Abwehrroutinier, kündigte bereits im Februar seinen Vertrag. Mit einer zu alten Mannschaft blieben die 05er lange im Abstiegskampf, retteten sich am vorletzten Spieltag durch ein völlig unerwartetes 3:2 nach 0:2 bei der Spitzenmannschaft der TuS Neuendorf. In den beiden folgenden Jahren blieb Higi ehrenamtlicher 05-Trainer, dann legte er das Traineramt aus beruflichen Gründen nieder. Der ewige 05er blieb jedoch im Spielausschuss, wurde bald dessen Vorsitzender und war in den 1970ern noch zweimal Interimstrainer seines Vereins; in er zweiten Liga gab es für ihn jeweils zwei Siege, Unentschieden und Niederlagen.

Kurzzeitig war Higi Scout des Bundesligisten 1. FC Kaiserslautern; als er 1971 zu den 05ern zurückgekommen war, brachte er als Chef der Jugendabteilung die brachliegende Nachwuchsarbeit wieder in Gang. 1977 führte das zu Ergebnissen: Die U19 mit Rudi Collet, Ali Oehrlein, Günther Martin, Werner Reinhard, Sigi Iser und Axel Brummer standen im Halbfinale um die Deutsche Meisterschaft (4:1 und 0:4 gegen den MSV Duisburg), ebenso die U17 mit Rechtsaußen Charly Mähn. Brummer und Collet schafften es in die Bundesliga, Oehrlein schaffte es in die 2. Liga, Mähn wurde seinerseits eine 05-Legende.

Uwe Stöver, einst Profi, Marketingchef, Nachwuchstrainer der 05er, neuerdings Manager bei Holstein Kiel, wird heute 49 Jahre alt.Außerdem wird Uwe Stöver heute 49 Jahre alt. Der Wuppertaler kam 1995, als Holger Greilich die 05er verlassen hatte und Michael Müller verletzt war, vom VfL Bochum an den Bruchweg, in den Profifußball gekommen worden war er bei Bayer Leverkusen - allerdings erst mit Mitte 20; Stöver war einer von den Spätstartern, spielte wahrscheinlich auch deshalb nicht lange in der Bundesliga. FÜr damalige 05-Verhältnisse war der Verteidiger eine große Nummer, allerdings brauchte er eine Weile, um in Mainz ein Leistungsträger zu werden. Wegen Verletzungsproblemen hatte Wolfgang Frank, der erst ein paar Wochen nach Saisonbeginn die 05er übernahm, schnell keine Geduld mehr mit dem verletzungsanfälligen Stöver, sortierte ihn vorübergehend aus. Erst zum Saisonende hin wurde der Sommer-Neuzugang Stammspieler, nicht auf seiner klassischen Position als Manndecker neben einem Libero, sondern als Linksverteidiger - obwohl er ein Rechtsfuß war, machte Stöver das gut, verstand die Viererkette sofort, war ein Stabilisator in einer Mannschaft, die sich in einer überragenden Rückrunde vor dem unabwendbar geglaubten Abstieg rettete.

In der folgenden Fast-Aufstiegssaison 1996/97 war Stöver wegen weiterer kleiner Verletzungen kein absoluter Stammspieler, aber während Jürgen Klopps Kreuzbandriss als Rechts-, danach wieder als Linksverteidiger sehr regelmäßig dabei. Und wäre sicherlich noch länger ein Leistungsträger gewesen, hätte sein Knie das zugelassen. Im Laufe seiner Karriere aber musste Stöver sieben Mal operiert werden, daher schaffte er nur 122 Partien im Profifußball, davon 45 für Mainz 05. 1997/98 spielte er bereits nur noch am ersten Spieltag mit, im Folgejahr gab es einen fünf Minuten kurzen, erfolglosen Comebackversuch. Aber auch nach seinem Karriereende blieb Stöver im Fußballgeschäft, war zunächst Marketingchef und Nachwuchstrainer der 05er, dann Amateurcoach und Nachwuchschef beim 1. FC Kaiserslautern, Geschäftsführer beim SV Wehen, zuletzt sechs Jahre lang Manager des FSV Frankfurt. Warum die Bornheimer ihn kurz vor Ende der vergangenen Saison feuerten, verstand keiner so ganz; Stöver hatte jahrelang die bemerkenswerte Fähigkeit, immer sehr günstige, erfahrene Spieler zu finden, die den FSV ordentlich in der zweiten Bundesliga halten. Seit Januar ist der Ex-Verteidiger nun Manager des Drittligisten Holstein Kiel.

Ergebnisse am 8. Februar:

1953: FV Speyer - FSV Mainz 05 0:1  
1970: Röchling Völklingen - FSV Mainz 05 7:1  
1981: FSV Mainz 05 - TuS Mayen 6:0  
2009: FSV Mainz 05 - TSV München 1860 2:2  
2014: VfL Wolfsburg - FSV Mainz 05 3:0  

9. Februar  

Am 3. Februar 1963 gewann Mainz 05 im tiefen Abstiegskampf völlig überraschend 2:1 beim 1. FC Saarbrücken - Ausgleich und Siegtor fielen erst in der 86. und 88. Minute. Hier gratulieren die Kollegen dem Siegtorschützen Vincenz Fuchs, Zweiter von rechts ist Erwin Bader, der am Dienstag vor 77 Jahren geboren wurde.Vor einer Woche haben wir Charly Tripp zum Geburtstag gratuliert, nun seinem direkten Vorgänger als Mittelstürmer der 05er: Erwin Bader kam am Dienstag vor 77 Jahren zur Welt. Die 05er holten den damals 22-jährigen Angreifer 1961 aus der Nachbarschaft, vom TSV Trebur. Zwar schoss der neue Mann schon beim Debüt sein erstes Tor, den 2:1-Siegtreffer beim späteren Absteiger Südwest Ludwigshafen, ein Torjäger wurde er jedoch nicht sofort. Mit sechs Saisontoren in allerdings auch nur 19 Spielen stand Bader im ersten Jahr klar im Schatten seiner Nebenleute, dem Rechtsaußen Erich Bäumler, einem Ex-Nationalspieler, und des Linksaußen Vincenz Fuchs, der mit ihm aus dem hessischen Amateurfußball gekommen war, vom SV Kriftel. Beide trafen jeweils zwölfmal. Auch im zweiten Jahr schaffte Bader den Durchbruch noch nicht, freilich fehlte ihm und seinen Kollegen die Unterstützung aus dem Mittelfeld; Bäumler war weg, Fuchs schoss immerhin zehn Tore, Bader trug sechs Treffer zur zweitschwächsten Offensive der Liga bei. 

Dann aber holten die 05er zwei neue Umschalter: Kurt Sauer aus Marburg und den kürzlich verstorbenen Günther Dutiné aus Aschaffenburg. Davon profitierte der Angriff wesentlich: Fuchs schoss 20 Tore, Manfred Nehren als neuer Rechtsaußen 14 (und damit mehr als in den 58 Spielen seit seinem Wechsel nach Mainz vier Jahre zuvor), Erwin Bader im Sturmzentrum 18 in 32 Spielen.

Den Durchbruch bedeutete das jedoch nicht. Bereits im folgenden Jahr war Charly Tripp als neuer Mittelstürmer da, Bader spielte nur noch viermal für die 05er und verließ dann den Verein.

31 Jahre alt wird Manuel Rebstock, der 2003/04 im U19-Kader der 05er stand.

Am Dienstag jährt sich zum zwölften Mal eins der legendärsten Mainzer Zweitligaspiele: 0:2 lagen die 05er am 9. Februar 2004 zur Halbzeit gegen den direkten Aufstiegskonkurrenten Alemannia Aachen zurück - völlig verdient nach einer fürchterlichen Leistung. Neuzugang Markus Dworrak erzählte nachher, er hätte mit einem Kabinendonnerwetter gerechnet und sei total irritiert gewesen von Jürgen Klopps Zuversicht in der Halbzeitpause. Der Trainer redete sein Team so stark, dass der Sieg eine Selbstverständlichkeit wurde. Manuel Friedrich traf zum Anschluss, Dworrak selbst erzwang das Eigentor zum Ausgleich, Christof Babatz schoss das Siegtor. Und Klopp redete davon, das Spiel in die Geschichtsbücher genagelt zu haben.

Weitere Ergebnisse am 9. Februar:

1936: FSV Mainz 05 - Hassia Bingen 3:2  
1958: FSV Mainz 05 - Eintracht Bad Kreuznach 1:1  
1969: FSV Mainz 05 - Wormatia Worms 1:3  

10. Februar  

Am Mittwoch vor 90 Jahren kam Friedel Reichert zur Welt. Der Angreifer war lange Zeit der älteste Mainzer Neuzugang: Im Alter von fast 32,5 Jahren kam er erst zu den 05ern; zuvor hatte er schon für Eintracht Frankfurt und Eintracht Bad Kreuznach 36 Oberligatore geschossen. In Mainz wurde der Routinier kein Torjäger, sollte er auch gar nicht. Dennoch war er mit nur acht Saisontoren 1959/60 der beste Mainzer Schütze; ein Zeichen dafür, dass die Mainzer im ersten Jahr mit ihrem innovativen Trainer Heinz Baas im Angriff dramatisch unterbesetzt waren. In seinen beiden Jahren als 05er war Reichert vor allem als kleiner, giftiger Außen- und Mittelfeldspieler für den Aufbau zuständig.

Jürgen Menger hätte in den 1980ern eigentlich der 05er sein müssen, der es in die Bundesliga schafft. Der Libero wird am Mittwoch 55 Jahre alt.Jürgen Menger wird am Mittwoch 55 Jahre alt. Der Libero war eins der größten Talente, die es lange in Mainz gab. Als 19-Jähriger kam "Schorsch" Menger 1980 von der kleinen TuS Schornsheim zu Mainz 05 und war sehr schnell Stammspieler in einer Oberliga-Spitzenmannschaft. Der junge Kicker war ein glänzender Techniker, extrem leichtfüßig, elegant, mit Überblick, ihm fehlte eigentlich nichts, was man für eine Bundesligakarriere brauchte. Wie ein paar Jahre später Michael "Schorsch" Müller kam Menger aber nie ganz oben an. Zwar verließ er die Mainzer nach vier erfolgreichen Jahren mit zwölf Toren in 112 Spielen, einer Südwestmeisterschaft, einem Südwestpokalsieg und dem großen Erfolg in der Deutschen Amateurmeisterschaften und wechselte zum Zweitligisten SC Freiburg, was aber eigentlich nur eine Zwischenstation auf dem Weg zur Bundesliga werden sollte, war am Ende sein Karrierehöhepunkt. Drei Jahre lang war Menger so etwas ähnliches wie ein Stammspieler, aber richtig funktionierte das nicht. Schon mit 26 Jahren verabschiedete sich Menger vom Profifußball, wechselte zum SV Wiesbaden, später zum SV Wehen, bei dem er nach dem Karriereende 1994 noch einige Jahre Juniorentrainer war.

Gernot Ruof wird 52 Jahre alt.Gernot Ruof wird 52 Jahre alt. Der Pfälzer, einst Schüler von Robert Jung am Gymnasium, war in den 1980ern eine Zeit lang ein guter Torjäger des damaligen Zweitligisten Alemannia Aachen. Ruof war nicht besonders groß, aber bullig, nicht der feinste Fußballer, aber ein Strafraumstürmer, der wusste, wie man Tore macht. Mit dem riesigen Günter Delzepich, der ihm jeden Weg freiblockte, hatte Ruof in Aachen den perfekten Nebenmann; als er nach kurzen Stationen in Belgien, Saarbrücken und Kassel 1990 zu Mainz 05 kam, dem Klub seines Ex-Lehrers Jung, fehlte ihm so ein Sturmpartner. Ruof hatte trotzdem seine Bedeutung im ersten Jahr nach dem Wiederaufstieg der Mainzer, wurde oft eingewechselt, schoss seine Jokertore, wurde nach Charly Mähns Verletzung im März auch Stammspieler. Letztlich war der fleißige Wühler und Arbeiter aber schon etwas zu altmodisch für den Fußball der 1990er, zu abhängig von Vorlagen seiner Mitspieler. Bereits mit 29 Jahren verabschiedete er sich vom Profifußball, war noch eine Zeitlang Spieler und Trainer in Amateurligen. Sein Studium, durch das er nun auch selbst Lehrer wurde, begann Ruof schon als 05-Profi.

17 Jahre alt wird Nik Rosenbaum, Allrounder der aktuellen Mainzer U17-Mannschaft.

Am Mittwoch vor neun Jahren schoss Mohamed Zidan den ersten von mittlerweile vier Mainzer Bundesliga-Hattricks - dank seines Trainers. Beim Stand von 1:0 - Debütant Elkin Soto hatte nach sieben Minuten das Führungstor von Leon Andreasen vorbereitet - verzockte der Ägypter mal wieder am gegnerischen Strafraum ohne Not den Ball, Konter, Ausgleich. Worauf Jürgen Klopp den Stürmer zu sich zitierte, in den Arm nahm, ihm einen Spruch ins Ohr flüsterte - "I give you all my power" - und ihn zurück aufs Feld schickte, direkt in den Steilpass von Fabian Gerber auf den Weg zum 2:1. Per Elfmeter (eigentlich ein Job von Andreasen, der Zidan drohte: "Wenn Du nicht triffst, schieße ich Dir den Kopf ab") erhöhte Zidan auf 3:1, nach einem sagenhaften Diagonalball von Ruman schoss er noch das 4:1.

He gave him all his power und bekam am Mittwoch vor neun Jahren den ersten Mainzer Bundesliga-Hattrick: Jürgen Klopp freut sich mit seinem Torjäger Mohamed Zidan. Foto: imagoWeitere Ergebnisse am 10. Februar:

1935: Opel Rüsselsheim - FSV Mainz 05 2:1  
1952: FSV Mainz 05 - TuS Neuendorf 2:4  
1957: FSV Mainz 05 - TuS Neuendorf 1:0  
1963: FSV Mainz 05 - Saar 05 Saarbrücken 2:1  
1974: FSV Mainz 05 - FK 03 Pirmasens 3:3  
1980: 1. FC Kaiserslautern (A) - FSV Mainz 05 6:0  
2008: FSV Mainz 05 - SpVgg Greuther Fürth 1:2  
2013: FC Augsburg - FSV Mainz 05 1:1  

 

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