Das 05-Kalenderblatt

Christian Karn. Mainz.
Auch in dieser Woche hat die nullfünfMixedZone wieder tief in die Vereinschronik gegriffen, in den Annalen geblättert und nachgeschaut, welche weiteren Jubiläen in diesen Tagen anstehen, was es an Besonderheiten und Ergebnissen gegeben hat, was um diese Jahreszeit so alles bei den 05ern passiert ist. Eingangs der zweiten Juni-Hälfte geht es tatsächlich noch um die letzten Saisonspiele, außerdem haben neben weiteren Spielern ein Westernheld, ein FCK-Aufsichtsrat und ein Stammtorwart Geburtstag.

18. Juni  

Heute vor 74 Jahren geboren: Gerhard Görlach, einst Regionalliga-Verteidiger der 05er.

Heute vor 87 Jahren wurde Rudi Naffin geboren. Der Verteidiger spielte in der Saison 1948/49 zweimal für den FSV Mainz 05, später unter anderem für die SG Weisenau und Wacker 04 Berlin.

Genau zehn Jahre jünger ist der Stürmer Günter Sauerzapf, der am 9. September 1956 beim 0:2 in Andernach sein einziges Ligaspiel mit der ersten Mannschaft der 05er absolvierte und später für die FVgg Mombach 03 spielte. Sauerzapf verstarb ab 30. Oktober 2013 im Alter von 75 Jahren.

Gerhard Görlach, heute vor 74 Jahren geboren, hatte eine größere Karriere: Der damalige 05-Nachwuchsspieler debütierte bereits 1959 im Oberligateam der 05er, ab dem Frühjahr 1963 spielte er regelmäßig. Zunächst wurde Görlach auf verschiedenen Mittelfeldpositionen eingesetzt, gelegentlich sogar als Außenstürmer. 1965/66 war Görlach in jedem Spiel dabei: In der Hinrunde vertrat er den verletzten Carlo Storck als Libero, in der Rückrunde war er zentraler Manndecker bei den 05ern. Im Frühjahr 1967 fiel Görlach selbst lange aus; nach 14 Oberliga- und 66 Regionalligaspielen und insgesamt sechs Toren verließ er die 05er anschließend. Für die SpVgg Weisenau absolvierte der Verteidiger bis 1971 weitere 76 Partien in der zweithöchsten Liga.

Der höchste Zweitliga-Sieg

Vor genau 20 Jahren sicherten sich die 05er mit ihrem höchsten Sieg in der 2. Bundesliga mal wieder den Nichtabstieg. Es war ein kurioser Abstiegskampf: Ihren Trainer Josip Kuze hatten die 05er früh in der Saison entlassen. Sein Assistent, der junge Hermann Hummels, wurde Chef, begann gut, hatte aber nicht die notwendige Autorität. Hummels holte den ersten Sieg beim Angstgegner FC Homburg seit 1966, verlor aber, auch weil Manndecker Holger Greilich mit einer Leistenverletzung fehlte, fünf der nächsten sechs Spiele und trat schließlich zurück. Zum ersten, aber nicht zum letzten Mal sprang zunächst Amateurtrainer Manfred Lorenz ein, dann sollte Horst Franz, ein Trainer ältester Schule, die 05er vom vorletzten Platz auf einen Nichtabstiegsrang führen. 

Wo dieser genau war, war jedoch lange unklar: Am 22. Mai gab es vier Lizenzverweigerungen: Der Erstligist Dynamo Dresden sowie die Zweitligisten 1. FC Saarbrücken, 1. FC Nürnberg und Hertha BSC mussten in die Regionalliga, wodurch es keinen sportlichen Abstieg aus der 2. Liga gab. Jedoch wurden Nürnberg und Hertha am 8. Juni in zweiter Instanz begnadigt. Mit sieben Punkten Vorsprung bei noch zwei ausstehenden Spielen waren die Mainzer damit immer noch vorzeitig gerettet, aber die Gefahr bestand, dass auch Saarbrücken und Dresden die Lizenz doch noch erhalten könnten. Der Drittletzte, der FSV Zwickau, war nur einen Punkt entfernt und gewann prompt gegen die Mainzer.

Um auf jeden Fall sicher zu sein, mussten die 05er den FSV Frankfurt schlagen. Die Bornheimer waren Tabellenletzter mit gewaltigem Rückstand und fast 100 Gegentoren. Schon lange vor dem 22. Mai hatten sie Sprüche gemacht, sie bräuchten nur vier Lizenzverweigerungen, um Zweitligist zu bleiben. Tatsächlich wussten sie, dass der Abstiegskampf längst verloren war, und nahmen das Endspiel am Bruchweg nicht mehr ernst. Ihr Notaufgebot kam mit den Privatautos nach Mainz, der Stammtorwart Thomas Ernst spielte im Feld. Und die 05er überrannten den Gegner einfach: 1:0 nach zwei Minuten durch Hendrik Weiß, 2:0 nach fünf Minuten durch Sergej Schukow, 3:0 nach neun Minuten durch ein Eigentor von Jürgen Klopps Kumpel Alexander Schur, 4:0 nach 17 Minuten durch Abdul Ouakili. 7:1 am Ende durch weitere Treffer von Thomas Ziemer (2) und Sven Demandt sowie Weiß' Eigentor und kurz darauf die Gewissheit: Weil Nürnberg in Rostock verloren hat, haben sich die 05er auch sportlich gerettet. Letztlich war die ganze Aufregung aber ohnehin umsonst. Saarbrücken und Dresden mussten tatsächlich runter, auch Nürnberg und Zwickau blieben Zweitligisten.

Sechs Jahre zuvor, nur der Vollständigkeit halber sei das erwähnt, hatten sich die 05er mit einem 1:1 gegen den VfL Osnabrück aus der 2. Liga vorübergehend verabschiedet.

Die 05er vor dem bedeutungslosen letzten Aufstiegsrundenspiel in Aschaffenburg: Hinten von links Trainer Horst-Dieter Strich, Betreuer Rocky Meyer, André Häuser, Norbert Hönnscheidt, Erik Kunz, Bernd Münch, Bernd Wilhelm, Patrick Mohr, Frank Haun, Michael Schuhmacher, Teamchef Jürgen Gabriel, Präsident Bodo Hertlein. Vorne Masseur Hess, Michael Schmitt, Hendrik Weiß, Micky Becker, Charly Mähn, Manfred Petz, Engin Özdemir, Stephan Kuhnert, Ernst-Ludwig Karsch, Colin Bell, Michael Müller.

19. Juni  

Am Freitag wird Marco Tautenhahn 30 Jahre alt. Der Mittelfeldspieler schoss von 2005 bis 2010 in 95 Oberliga- und Regionalligaspielen für die zweite Mannschaft der 05er acht Tore.

An Tautenhahns drittem Geburtstag schlossen die 05er die Aufstiegsrunde zur 2. Bundesliga mit einem 3:3 in Aschaffenburg ab; als Aufsteiger standen sie bereits vorher fest.

20. Juni  

Am Samstag wird das 0:0 gegen Fortuna Köln in der Bundesliga-Aufstiegsrunde 42 Jahre her sein. Die 05er hätten sehr hoch gewinnen müssen, um die minimalen Aufstiegshoffnungen noch aufrechtzuerhalten. Dennoch sahen sich 12.000 Zuschauer das auch ohne Tore hochklassige Spiel an. Es war das zweitspäteste Pflichtspiel in der Historie der 05er.

21. Juni  

Miroslav Karhan gegen "Django" Metzen, den Mann, der schneller Gelb zieht als sein Schatten. Foto: imagoAm Sonntag haben vier Ex-05er Geburstag. 39 Jahre alt wird Miroslav Karhan, der grimmige Schweiger aus der Slowakei. Als Rekordnationalspieler seines Landes und Rekord-Bundesligaspieler des VfL Wolfsburg kam Karhan 2007 zu den gerade abgestiegenen 05ern. Drei Jahre lang war er eine große Autoritätsperson im zentralen Mittelfeld, ein Arbeiter, ein Organisator, aber auch ein Elfmeterschütze und ein Mann, der gute Pässe aus dem finsteren Wald spielen konnte. In seinem ersten Zweitligajahr schoss Karhan fünf Tore und bereitete zehn vor, im zweiten sind ebenfalls fünf Tore und sieben Vorlagen notiert - außerdem galt dem Slowaken eine Hälfte des berüchtigten Simultan-Doppel-Gelbs von "Django" Metzen. In der Bundesliga trat Karhan offensiv kaum noch in Erscheinung; legendär wurde sein Pass ins Leere beim Heimspiel gegen die Bayern: Das Spiel war fast vorbei, die 05er waren müde, es stand 2:1 und weil es keine Anspielstation mehr gab für Karhan, spielte dieser den Ball etwa von der Mittellinie mit einem präzisen langen Pass kurz vor die Eckfahne der Bayern. Diesen Ball wieder einzusammeln, kostete wertvolle Sekunden. Jene Saison endete für Karhan mit einer gewissen Tragik: Mit dem Ziel der ersten slowakischen WM-Teilnahme vor Augen hatte der nicht mehr ganz junge Mittelfeldspieler nochmal bemerkenswerte Leistungen gebracht - aber wegen einer Verletzung in der WM-Vorbereitung konnte er in Südafrika nicht mitspielen. In der folgenden Bundesliga-Hinrunde war Karhan noch eine Art Stammspieler, aber im Winter kam Malik Fathi und der Slowake wurde nicht mehr gebraucht.

Weitere Geburtstagskinder am 21. und 22. Juni: Oben Simon Goldhammer und Luka Tankulic, unten Mathias Abel und Nikita Rukavytsya.Zehn Jahre jünger ist Simon Goldhammer, der von 2005 bis 2007 13 U19-Bundesliga- und 30 Oberligaspiele für die 05er bestritt. Dogan Cevik, noch ein Jahr jünger, spielte zehnmal in der Junioren-Bundesliga für die Mainzer, Luka Tankulic, der 24 Jahre alt wird, in der Saison 2011/12 26 Regionalligapartien.

22. Juni  

28 Jahre alt wird am Montag Nikita Rukavytsya. Der aus der Ukraine stammende Australier spielte 2012/13 achtmal für die 05er, erreichte aber zu selten Bundesliganiveau.

Am gleichen Tag wird der Mainzer Stammtorwart 22 Jahre alt: Loris Karius, der 2011 von Manchester City in die Regionalligamannschaft der 05er wechselte, im zweiten Jahr erstmals in der Bundesliga gebraucht wurde und im dritten Jahr Heinz Müller und Christian Wetklo überholte. Karius entwickelte sich bei den 05ern zu einem guten Bundesligatorwart, 27 Regionalligaspielen folgten bislang 57 Erstligapartien. Und wenn auch die Konkurrenz groß ist, wäre Karius möglicherweise zur U21-EM mitgefahren, wenn er dieser Tage nicht körperlich etwas lädiert wäre.

Loris Karius, seit November 2013 05-Stammtorwart, wird 22 Jahre alt. Foto: imagoAuf einem noch direkteren Weg kam 2002 Mathias Abel von den 05-Amateuren zu den Profis. Der Verteidiger aus Kaiserslautern rückte schon nach wenigen Vorbereitungstagen in die erste Mannschaft auf, spielte zunächst selten, wurde aber nach der Verletzung von Spasoje Bulajic im November 2002 Stammspieler in der 2. Bundesliga. Mal als Innenverteidiger, mal als Rechtsverteidiger war Abel bis zur Winterpause 2003/04 ein wichtiger Leistungsträger bei den 05ern. Im zweiten Rückrundenspiel riss sein Kreuzband - es war ein Glücksfall für die 05er, dass sie gerade erst Manuel Friedrich von Werder Bremen zurückgeholt hatten. In der Bundesliga war Abel wieder dabei, wenn auch nicht immer als Stammspieler - und gut genug offenbar, um für größere Vereine interessant zu werden: 2006 wechselte der Verteidiger zu Schalke 04. Es war ein Bruch in seiner Karriere: Wegen mehrerer Kreuzbandrisse bestritt Abel in vier Jahren für Schalke, den HSV und den 1. FC Kaiserslautern nur acht Ligaspiele. Erst 2010 schaffte er ein Comeback in der Bundesliga; er wurde gar Kapitän des FCK. Seit dem vergangenen November gehört Abel dem FCK-Aufsichtsrat an. Am Montag wird er 34 Jahre alt.

23. Juni  

Der 23. Juni kommt in den Aufzeichnungen der 05er bislang nicht vor.

24. Juni  

Am 24. Juni hingegen spielten die 05er 1973 ihr spätestes Saisonspiel aller Zeiten. Nachdem sie, siehe oben, auch die allerletzten Aufstiegshoffnungen hatten aufgeben müssen, hatte auch das 2:3 bei Blau-Weiß 90 Berlin, das bis dahin keinen einzigen Punkt in der Aufstiegsrunde geholt hatte, keine Tragik mehr. Lediglich die Tabelle ist ein bisschen verzerrt; der FC St. Pauli verdrängte die 05er auf den dritten Platz, ohne selbst jemals Chancen gehabt zu haben, Fortuna Köln anzugreifen.

Ein Jahr zuvor war in Nordhausen Marco Weißhaupt geboren worden. Bekannt ist der offensive Mittelfeldspieler vor allem vom SC Freiburg; als Leihspieler vom Hamburger SV schoss er am 9. Juni 1996 eines der wichtigsten Tore der Mainzer Vereinsgeschichte. Im letzten Spiel des größten Abstiegskampfs von allen schlugen die 05er durch Weißhaupts Tor den VfL Bochum 1:0. Eine Woche zuvor hatten sie zum ersten Mal in jener Saison auf einem Nichtabstiegsplatz gestanden. Der Heimsieg gegen den Zweitliga-Meister krönte die überragende Rückrunde, die die 05er im folgenden Jahr zu einem Aufstiegskandidaten machte.

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