Das 05-Kalenderblatt: 9. bis 11. November

Christian Karn. Mainz.
Die nullfünfMixedZone hat wieder in der Vereinschronik gekramt, in den Annalen geblättert und nachgeschaut, welche Jubiläen in diesen Tagen anstehen, was es an Besonderheiten und Ergebnissen gegeben hat, was um diese Jahreszeit so alles bei den 05ern passiert ist. In der ersten Hälfte dieser Woche geht es um einen Meistertrainer, um ein Spiel, das die 05er mit neun Mann beginnen mussten und mit elf Mann gewannen, den König der kroatischen Zocker und eine Reihe weiterer Spieler.

9. November  

Die heutigen Geburtstagskinder: Von links Eugen Hupp, Torsten Ziegner und Bakary Diakité.Heute wird Eugen Hupp 63 Jahre alt. Der Linksaußen spielte von 1975 bis 1977 für Mainz 05, ohne aber große Spuren zu hinterlassen. Nach 15 Zweitligaspielen (ein Tor) und 21 Amateurligaspielen (zwei Tore) feuerten die 05er den Angreifer an Ostern 1977, weil er sich geweigert hatte, in der Reserve zu spielen. Für den VfR Bürstadt schoss Hupp in 73 Zweitligaspielen zehn Tore.

38 Jahre alt wird heute Torsten Ziegner. Der Thüringer war 2003/04 der Standardkönig der 05-Amateure in deren erster Regionalligasaison. Bei den Profis saß Ziegner lediglich einmal auf der Bank. Die restliche Karriere des zentralen Mittelfeldspielers fand beim FSV Zwickau (wo er inzwischen Trainer ist), den Stuttgarter Kickers, Rot-Weiß Erfurt, aber vor allem bei Carl Zeiss Jena (1990-98, 2004-11) statt.

Bakary Diakité wird 35 Jahre alt. Der Frankfurter Angreifer ist ein Aufstiegsheld der Eintracht: Drei Tore schoss er nur in seinen wenigen Spielen für die SGE, darunter aber das 4:3 und 5:3 beim 6:3 gegen Reutlingen, mit dem die Frankfurter am letzten Spieltag der Saison 2002/03 die 05er in letzter Sekunde vom Aufstiegsplatz schubsten. Über OGC Nizza und den SV Wehen landete Diakité schließlich 2006 bei den 05ern. Technisch war der schnelle Frankfurter mit westafrikanischen Wurzeln gut genug für die Bundesliga, aber ihm fehlte das Durchsetzungsvermögen. Diakité war zu zurückhaltend, spielte daher erst wieder ab 2007 beim SV Wehen wieder eine ernsthafte Rolle.

Am Montag vor neun Jahren verstarb im Alter von 83 Jahren Eugen Csákány. Der am 12. März 1923 in Rumänien geborene Ungar spielte 1946/47 in der Oberliga Süd für Eintracht Frankfurt und im folgenden Jahr 16 Mal in der Südwest-Oberliga für die 05er, dabei schoss er sieben Tore. Später zählte Csákány lange zum Inventar des SV Wiesbaden, später Trainer des SV-Stadtrivalen Germania.

Weitere Ereignisse am 9. November:

1930: Viktoria Urberach - FSV Mainz 05 3:3  
1958: FSV Mainz 05 - FK Pirmasens 1:6  
1969: FC Homburg/Saar - FSV Mainz 05 3:3  
1980: FSV Mainz 05 - TuS Landstuhl 1:0  
2007: FSV Mainz 05 - VfL Osnabrück 4:1  
2008: FSV Mainz 05 - FC Ingolstadt 04 0:3  
2012: FSV Mainz 05 - 1. FC Nürnberg 2:1  

10. November  

Am Dienstag vor 31 Jahren haben die 05er ein Spiel in Unterzahl begonnen: Weil der Schiedsrichter mit den Stollen von Hans Keller und André Häuser nicht einverstanden war, pfiff er die Partie bei Südwest Ludwigshafen ohne die beiden an. Prompt ging der SV Südwest nach 23 Sekunden in Führung. Ernsthaft geschadet hat das den 05ern nicht: In der zweiten Minute hatten der Manndecker und der Rechtsverteidiger ihre Ausrüstung in Ordnung gebracht, nach einer halben Stunde stand es durch Tore von Armin Maier (2) und Ronny Weimer 3:1 für die Mainzer, kurz vor Schluss schoss Werner Orf noch ein viertes Tor.

Zwei Fußball-Legenden der 1950er: Links der ehemalige 05-Trainer Paul Oßwald, rechts der Weltmeister Fritz Walter.Vor 22 Jahren, am 10. November 1993, verstarb im Alter von 88 Jahren Paul Oßwald. Der Thüringer war bereits mit Mitte 20 ein sehr erfolgreicher Trainer, gewann 1930 und 1932 mit Eintracht Frankfurt die Süddeutsche Meisterschaft und wurde 1932 Deutscher Vizemeister wegen eines 0:2 gegen Bayern München. In der Vorbereitung auf die WM 1934 war Oßwald Assistent des Reichstrainers Otto Nerz, nebenher betreute er die Südwestauswahl und war 1933/34 Trainer des FSV Mainz 05. In seiner weiteren Karriere wurde Oßwald 1938 Südwestmeister mit der Eintracht, 1949 und 1955 Südmeister sowie 1950 Deutscher Vizemeister mit den Offenbacher Kickers, 1959 schließlich endlich Deutscher Meister mit Eintracht Frankfurt; Gegner im Finale war sein Ex-Klub, den er erst ein Jahr zuvor verlassen hatte, der Nachbar aus Offenbach. 1960 schließlich stand Oßwald mit der Eintracht im Europapokal-Finale (3:7 gegen Real Madrid). Außerdem war er der Mitbegründer des Bundes Deutscher Fußballlehrer.

Weitere Ereignisse am 10. November:

1929: FSV Mainz 05 - Wormatia Worms 1:0  
1935: Hassia Bingen - FSV Mainz 05 4:4  
1957: VfR Kaiserslautern - FSV Mainz 05 0:4  
1963: FSV Mainz 05 - SV Niederlahnstein 6:1  
1968: FSV Mainz 05 - TuS Neuendorf 3:5  
1974: FSV Mainz 05 - SpVgg Fürth 2:3  
1990: FSV Mainz 05 - Stuttgarter Kickers 3:3  
1991: SC Freiburg - FSV Mainz 05 2:0
1995: FSV Mainz 05 - Waldhof Mannheim 0:0  
2002: MSV Duisburg - FSV Mainz 05 1:0  
2013: FSV Mainz 05 - Eintracht Frankfurt 1:0  

11. November  

Vlado Kasalo (zweiter von rechts in der Mauer) wird am Mittwoch 53 Jahre alt.Ein überragender Fußballer mit merkwürdigem Humor und merkwürdigen Moralvorstellungen wird am Mittwoch 53 Jahre alt. Ein mehrmals verurteilter, aber auch mehrmals freigesprochener Delinquent. Ein Spieler, ein Zocker, der König des Zwielichts: Vlado Kasalo. Der Kroate, der eigentlich viel zu gut war, um nur drei Länderspiele zu absolvieren, der eigentlich viel zu gut war, um je für die 05er zu spielen, absolvierte trotzdem von 1992 bis 1994 55 Zweitligapartien im Mainzer Trikot.

Der ehemalige Weltauswahlspieler, der Libero mit dem besten Defensiv- und Offensivkopfball, den die 05er zu jener Zeit hatten, hatte zuvor seinen Ruf beim 1. FC Nürnberg ruiniert. Zwei absichtliche Eigentore wurden Kasalo vorgeworfen, Spielmanipulation, um Schulden bei der kroatischen Wettmafia zu begleichen. Nachweisen konnte man ihm nichts, aber der Vorwurf allein reichte dem DFB, um Kasalo die Spielerlizenz zu entziehen, dem FCN, ihn zu suspendieren. Kasalo verschwand darauf 1991 im kroatischen Unabhängigkeitskrieg, aus dem ihn ein Jahr später der neue 05-Trainer, sein Landsmann Josip Kuze, nach Mainz lockte.

Kasalo blieb eine illustre Figur, ein Lebemann, der den Luxus liebte, der für jeden Skandal zu haben war, über den bis heute die wildesten Geschichten kursieren, die häufig mit großen Mengen Bargeld zusammenhängen. Sportlich war er ein absoluter Gewinn für die 05er. Kasalos zweibeinige Fluggrätsche war so präzise, dass der Kroate nur einmal Gelb-Rot, nie glatt Rot sah. In der Abwehrschlacht war Kasalo immer der unbezwingbare Fels, mit seiner weltmännischen Ausstrahlung der Chef auf dem Platz. Bis er unter gewohnt merkwürdigen Umständen Anfang 1994 einfach verschwand. Die Gerüchte blieben, irgendwann wurde Vlado Kasalo sogar für tot gehalten, Jahre später tauchte er plötzlich wieder in der Öffentlichkeit auf. Kasalo war Sportdirektor bei Dinamo Zagreb, saß wegen illegalen Waffenbesitzes im Gefängnis, war weiterhin die Hauptfigur in den wüstesten Anekdoten. Auf seine Weise eine Fußballlegende.

Julian Koch hat ebenfalls am Mittwoch Geburtstag; der heutige Düsseldorfer wird 25 Jahre alt.25 Jahre alt wird Julian Koch. Der Defensivallrounder ist eine der tragischeren Figuren in der jüngeren Vergangenheit der 05er. Borussia Dortmund sah einst im jungen Verteidiger einen großen Hoffnungsträger für die nähere Zukunft. Als Leihspieler beim MSV Duisburg, der ihm in der 2. Liga Spielpraxis verschaffen und auf die Bundesliga vorbereiten sollte, präsentierte sich Koch als einer der überragenden Spieler der Liga - bis zu einer fürchterlichen Verletzung, nach der sogar die Amputation seines rechten Unterschenkels drohte. 609 Tage dauerte es, bis der zwischenzeitlich nach Dortmund zurückgekehrte und später erneut nach Duisburg verliehene Defensivspieler im Oktober 2012 sein Comeback schaffte. Im folgenden Sommer holten die 05er den Rechtsverteidiger an den Bruchweg, wo er aber nie die nötige Fitness und Frische hatte. Wegen weiteren Verletzungen wurde Koch nur viermal in der Bundesliga eingesetzt. Als Leihspieler des FC St. Pauli spielte er hingegen vor einem Jahr eine gute Rückrunde und auch bei Fortuna Düsseldorf ist Koch derzeit ein wichtiger Mann. Die großen Hoffnungen aus der Zeit vor seiner Verletzung wird er nicht mehr erfüllen können, aber vielleicht wird es trotzdem eines Tages doch noch etwas mit einer Bundesligakarriere.

Weitere Ereignisse am 11. November:

1928: FSV Mainz 05 - Alemannia Worms 2:1  
1934: FSV Mainz 05 - Opel Rüsselsheim 3:1  
1951: FSV Mainz 05 - Phönix Ludwigshafen 3:2  
1956: FSV Mainz 05 - FV Speyer 2:1  
1962: FSV Mainz 05 - 1. FC Kaiserslautern 0:3  
1973: Wormatia Worms - FSV Mainz 05 4:3  
1979: Eisbachtaler Sportfreunde - FSV Mainz 05 4:0  
2000: FSV Mainz 05 - Hannover 96 0:2  
2006: FC Schalke 04 - FSV Mainz 05 4:0  

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