Das 05-Kalenderblatt: 9. bis 12. Juni

Christian Karn. Mainz.
Die nullfünfMixedZone hat wieder in der Vereinschronik gekramt, in den Annalen geblättert und nachgeschaut, welche Jubiläen in diesen Tagen anstehen, was es an Besonderheiten und Ergebnissen gegeben hat, was um diese Jahreszeit so alles bei den 05ern passiert ist. Diesmal im Mittelpunkt: Ein umkämpftes, torreiches und kontroverses Endspiel - und ein weiteres, viel erfreulicheres. Außerdem: Kasper Hjulmands Co-Trainer, einer der ersten Bundesligaspieler mit 05-Vergangenheit, ein Torwart, der an seinem Geburtstag nach Mainz kam, und ein kommissarischer Kapitän.

9. Juni  

Vier Spieler, die am 9. Juni zur Welt kamen: Oben Toni Burghardt (* 1942) und Otto Addo (* 1975), unten Daniel Ischdonat (* 1976) und Daniel Bohl (* 1994).Einige 05er haben heute Geburtstag. 1942, also vor 75 Jahren, kamen an diesem Datum gleich zwei spätere 05-Spieler zur Welt: Toni Burghardt und Walter Gaußmann. Der hochtalentierte Verteidiger Burghardt wechselte 1962 von Bayer Leverkusen an den Bruchweg. In der Oberliga wurde er nur 15 Mal eingesetzt, im zweiten Jahr in der Regionalliga war er bis zu seinem Platzverweis am 33. Spieltag als überragender Vorstopper ein unumstrittener Leistungsträger. Jedoch blieb Burghardt nicht lange bei den Mainzern: Über die Regionalligisten 1. FC Pforzheim und 1. FC Saarbrücken kam er 1968 in die Bundesliga; für den Meidericher SV spielte er bis 1971 60 Mal. Nach seinem Karriereende bei Eintracht Bad Kreuznach arbeitete Burghardt unter anderem als Cheftrainer für Hannover 96, Tennis Borussia Berlin und Rot-Weiß Oberhausen.

Walter Gaußmann kam erst 1965 vom 1. FC Langen nach Mainz. Der Angreifer sollte den Linksaußen Vincenz Fuchs ersetzen, der zum Meidericher SV gewechselt war, schaffte das aber zunächst ebenso wenig wie sein Konkurrent Horst Klinkhammer. Gaußmann spielte im ersten Jahr nur sechs Partien. 1966/67 war er hingegen Stammspieler, 1967/68 oft verletzt, 1968/69 wiederum Stammspieler auf dem linken Flügel. Nachdem er in seiner fünften Saison nur noch zweimal eingewechselt worden war, verließ Gaußmann die 05er 1970 nach 64 Regionalligaspielen und 17 Toren.

42 Jahre alt wird Otto Addo. Der in Hamburg geborene Ghanaer etablierte sich bei Hannover 96 im Profifußball und wurde 2002 mit Borussia Dortmund Deutscher Meister. Die überragende Karriere, zu der Addo vielleicht das Zeug gehabt hätte, blieb dem offensiven Mittelfeldspieler jedoch verwehrt: Etliche Kreuzbandrisse zerstörten ihm die Saisons 2001/02 bis 2004/05. Nach der x-ten Wiedergenesung schloss sich Addo vor zehn Jahren den 05ern an, für die er in eineinhalb Jahren aber nur 17 Mal in der Bundesliga spielte, oft nur eingewechselt wurde. Ein Jahr nach dem ordentlichen WM-Auftritt mit Ghana wechselte Addo zurück in seine Heimatstadt Hamburg, wo er für die zweite Mannschaft eingeplant war, überraschend noch viermal in der Bundesliga spielte und ab 2009 zunächst als Co-Trainer, dann als Chef die U19 trainierte. Später war Addo Co-Trainer des ehemaligen 05-Coaches Kasper Hjulmand beim dänischen Erstligisten FC Nordsjaelland, inzwischen arbeitet er für Borussia Mönchengladbach.

Ein Jahr jünger ist Daniel Ischdonat. Der in Leverkusen geborene und bei Bayer 04 ausgebildete Torwart war bereits eine Legende bei Eintracht Trier, als er 2006 - an seinem 30. Geburtstag - einen Vertrag bei den 05ern bekam. Ischdonat war zunächst nur die Nummer 3 im 05-Tor; dennoch stand er in der zweiten Saison 31 Mal im Zweitligakader der 05er und doppelt so oft im Tor wie die beiden oft und lange verletzten Konkurrenten Dimo Wache und Christian Wetklo. In zwei Spielen war Ischdonat sogar einer von extrem wenigen Torhütern, die berichten durften, Wache sei ihr Backup gewesen. Der SV Sandhausen verpflichtete Ischdonat später eigentlich als Torwarttrainer, machte ihn aber drei Jahre lang zum Stammkeeper, der erst 2013 nach 85 Zweit-, 53 Dritt- und 205 Regionalligaspielen seine Karriere beendete.

Seinen 23. Geburtstag schließlich kann Daniel Bohl feiern, der aggressive Sechser der Drittligamannschaft, der vor sechs Jahren vom 1. FC Saarbrücken zu den 05ern kam, in 184 Spielen für die U17, U19 und U23 61 Gelbe und drei Gelb-Rote Karten sah, hin und wieder auch mal ein Tor schoss und einen großen Beitrag dazu leistete, dass die 05er so lange in der dritten Liga spielten. Bohl wird den Verein nun verlassen und hofft auf einen Wechsel in die 2. Bundesliga.

An Bohls zweitem Geburtstag kam für die 05er der größte Abstiegskampf von allen zu einem erfreulichen Abschluss. Im Herbst 1995 hatte Wolfgang Frank die 05er auf dem letzten Tabellenplatz der 2. Bundesliga übernommen und im weiteren Verlauf der Hinrunde auch nicht vom letzten Platz wegbekommen. In der dreimonatigen Winterpause krempelte Frank alles um. Entscheidend: Er schaffte den Libero ab und installierte nicht die allererste, aber eine der ersten Viererketten im deutschen Profifußball. Der Rückstand zu den Nichtabstiegsplätzen wurde immer kleiner, aber das Programm war hart: An den letzten vier Spieltagen mussten die 05er gegen die drei späteren Aufsteiger spielen. Und gewann 2:0 gegen Arminia Bielefeld, 3:0 beim MSV Duisburg, der dank der Ergebnisse der Konkurrenz trotzdem nach dem Spiel feiern durfte, und am letzten Spieltag vor unglaublichen 12.000 Zuschauern am erstmals seit Ewigkeiten wieder ausverkauften Bruchweg durch ein Tor von Marco Weißhaupt 1:0 gegen den VfL Bochum. Keine Mannschaft der 2. Bundesliga holte in dieser Rückrunde mehr Punkte als die 05er; genauso viele wie sie sammelte der Hinrunden-Vorletzte Fortuna Köln. An jedem Spieltag der Saison standen die Mainzer auf einem Abstiegsplatz - nur nicht am vorletzten und am letzten.

Weitere Ergebnisse am 9. Juni:

1979: SpVgg EGC Wirges - FSV Mainz 05 1:2  
1991: FSV Mainz 05 - FC 08 Homburg/Saar 0:2  
 

10. Juni  

Morgen wird Fabian Grau 19 Jahre alt. Der Innenverteidiger war drei Jahre lang Bundesliga-Stammspieler bei den 05ern: 2014/15 in der U17, seit 2015 in der U19. Jetzt wechselt er in den Erwachsenenfußball.

Außerdem stehen morgen zwei Spiele von überschaubarer Bedeutung im Kalender:

1973: FSV - Karlsruher SC 4:1  
1990: 1. FC Schweinfurt 05 - FSV 1:0 
 

11. Juni

Tim Hoogland - im Obergeschoss hinter Félix Borja - wird am Samstag 31 Jahre alt.Am Sonntag häufen sich die Jahrestage wieder. Zunächst wird Tim Hoogland 32 Jahre alt. Der Rechtsverteidiger und gelegentliche Rechtsaußen war im Jahr nach dem zweiten Bundesliga-Aufstieg des FSV Mainz 05 kommissarischer Kapitän: Weil Torwart Dimo Wache sich in der Vorbereitung verletzt hatte und nie wieder für die 05er spielte, trug Hoogland die Armbinde - allerdings auch nur, bis er sich Anfang Februar ebenfalls verletzte und von einem gescheiterten Comeback-Versuch mit zwei Einwechslungen abgesehen nicht mehr zurückkam.

Die 05er hatten Hoogland nach dem Abstieg 2007 vom FC Schalke 04 verpflichtet. Der damals 22-Jährige wurde sofort Stammspieler, offensiv vielleicht der beste Rechtsverteidiger der Liga, defensiv aber bisweilen ein bisschen angreifbar, weswegen Thomas Tuchel den Ersatzkapitän in der Bundesliga fast ausschließlich als Außenstürmer aufstellte.

Nach 63 Zweitligaspielen (8 Tore) und 21 Bundesliga-Einsätzen (6 Tore) wechselte Hoogland 2010 zurück zu Schalke. Die Verletzung aus Mainz stellte sich jedoch als so schwerwiegend heraus, dass er im ersten Jahr gar nicht, im zweiten nur dreimal, in der folgenden Saison für den VfB Stuttgart nur viermal in der Bundesliga eingesetzt wurde. Erst nach der neuerlichen Rückkehr nach Schalke kam Hoogland wieder in einen gewissen Rhythmus; in der Rückrunde war er Stammspieler. Aber erneut blieb der Verteidiger nicht lange in Gelsenkirchen: Die Saison 2014/15 bestritt Tim Hoogland in der zweiten englischen Liga beim Fulham FC, seit 2015 ist er Innenverteidiger beim VfL Bochum.

Endspiel in Wolfsburg

An Hooglands zwölftem Geburtstag, dem 11. Juni 1997, beendete die 2. Bundesliga ihre 23. Saison mit einem Spitzenspiel: VfL Wolfsburg - FSV Mainz 05. Kurioserweise war es ein Mittwoch. Ein paar Tage zuvor hatten die 05er mit einem 2:0 gegen Fortuna Köln vor unfassbaren 10.217 Zuschauern den Tisch gedenkt, waren Vierter der 2. Liga, mussten nur noch einmal gewinnen, um 24 Jahre nach dem ersten erfolglosen Anlauf in die Bundesliga aufzusteigen. Und sie waren nicht einmal auf Schützenhilfe angewiesen, denn der Dritte, den sie überholen mussten, waren die Wolfsburger.

Überraschend? Mitnichten. Der größte Abstiegskampf von allen hatt ein Jahr zuvor gezeigt, wozu Mainz 05 in der 2. Liga fähig war. In der neuen Saison hatte die Mannschaft einfach weiter gewonnen: Die erste Niederlage gab es am ersten Spieltag, die zweite erst am elften, als die halbe Mannschaft die Grippe hatte, in Meppen viermal traf, aber fünf Tore kassierte. Zuhause waren die 05er nahezu unschlagbar; nur Hertha BSC gewann am Bruchweg.

Im Winter war auf einmal der Trainer weg. Drei Wochen Trainingslager in Zypern hatten eher geschadet als genutzt. Zweimal verloren die 05er zum Rückrundenauftakt, worauf Wolfgang Frank sich von Allem abschottete und einen Tag später zurücktrat. Reinhard Saftig, Ex-Trainer von Bochum, Leverkusen, Hannover, Galatasaray, übernahm und war überfordert: Die zweite Liga kannte Saftig nicht, die Stimmung in der Mannschaft kippte, aber das schien kein Problem zu sein: Die Mannschaft war stark genug, um keinen guten Trainer zu brauchen.

NDas Drama beginnt - und die Hauptfiguren sind noch im Hintergrund: Roy Präger links in der Lücke zwischen den Werbebanden, Steffen Herzberger rechts vor Jürgen Klopp. Foto: imagoun also das Endspiel in Wolfsburg. Siebte Minute: 1:0 für die 05er. Sven Demandt. Aber dann kam Roy Präger. "Einer, der vorher nie etwas getroffen hat", sagte Demandt Jahre später. Sechs Saisontore waren bis dahin persönlicher Bestwert für Präger. Gegen die 05er schoss er das 1:1 und das 2:1, dann fiel er im Strafraum um. "Ich hatte immer das Gefühl, dass wir dort nicht fair behandelt worden sind", darauf bestand 05-Kapitän Lars Schmidt noch jahrelang. "Wir haben zwei unrechtmäßige Elfmeter kassiert." Erst den zum 3:1. Diesen Spielstand glichen Jürgen Klopp und Abdul Ouakili aus. Dann gab es aber den nächsten Elfmeter für den VfL: 4:3, wieder ist Präger gefallen. Demandt sah das nicht ganz so extrem wie Schmidt: "Glasklare Elfmeter waren es nicht. Einen musste man nicht unbedingt geben. Aber es nutzt ja nichts." Wolfsburg erhöhte auf 5:3, Demandt traf erst in der 88. Minute zum 5:4, zu spät, um noch eine Wende einzuleiten, zumal den 05ern auch ein Unentschieden nicht gereicht hätte.

Der entscheidende Fehler: Den langen Steffen Herzberger gegen den kleinen Wuseler Präger auf die linke Abwehrseite zu stellen. "Herze", als junger Profi ein ungeheuer offensivstarker Manndecker, war gegen Präger überfordert. Beim ersten Elfmeter sah er Gelb. "Nur eine Frage der Zeit, bis er vom Platz fliegt", sagte Demandt im Rückblick. Das merkte auch der Trainer, der Herzberger noch vor der Halbzeit auswechseln wollte. Der Ersatzmann stand bereit, aber es war zu spät: Herzberger sah Gelb-Rot in der 42. Minute. Und es ist eine der Ungerechtigkeiten des Fußballs, dass Steffen Herzberger, der seine Karriere Jahre später nach fast 300 Profispielen und als elftbester Zweitliga-Torschütze der 05er (allein neun Tore in der langen Saison 1992/93, sieben im Jahr nach Wolfsburg) beendete, den Ruf des Verlierers von Wolfsburg nie mehr loswurde.

Außerdem wird Nico Pantano, bis Ende 2009 Juniorenspieler bei den 05ern, anschließend Regionalligaspieler in Worms und Kaiserslautern, mittlerweile zurück in seiner Heimatstadt bei Arminia Ludwigshafen, 25 Jahre alt.

Weitere Ergebnisse am 11. Juni:

1988: SpVgg Unterhaching - FSV Mainz 05 1:3
1989: SV Darmstadt 98 - FSV Mainz 05 7:0
1994: Stuttgarter Kickers - FSV Mainz 05 4:1
1995: FSV Zwickau - FSV Mainz 05 2:1
 

12. Juni

1976 verloren die 05er am 12. Juni beim FC 08 Homburg ihr letztes Zweitligaspiel vor der Lizenzrückgabe mit 1:7; Erwin Hohenwarter traf zum 1:6-Zwischenstand. Weiter ist an diesem Datum nichts von Belang in den 05-Annalen verzeichnet.

► Alle Artikel zur Historie

► Zur Startseite