Das 05-Kalenderblatt: 9. bis 13. Juli

Christian Karn. Mainz.
Auch in dieser Woche hat die nullfünfMixedZone wieder tief in die Vereinschronik gegriffen, in den Annalen geblättert und nachgeschaut, welche weiteren Jubiläen in diesen Tagen anstehen, was es an Besonderheiten und Ergebnissen gegeben hat, was um diese Jahreszeit so alles bei den 05ern passiert ist. Auf dem Platz war immer noch nicht viel los - allerdings brachte die Eröffnung der intensivsten Saison der deutschen Fußballgeschichte bizarre Szenen in die Stadien. Und wie jede Woche haben mehr oder wenige prominente 05er Geburtstag, unter ihnen zwei Deutsche Meister, ein Fast-Nationalspieler und ein Mann, dem seine Platzwunde im Derby vollkommen egal war.

9. Juli  

Mainz 05 1957 in Aue. Gerhard Bergner, der Lockenkopf in der zweiten Reihe, würde heute 88 Jahre alt werden. Richard Schiffmann (mit dem Ball in den Händen) kam heute vor 90 Jahren zur Welt.Der heutige Sonntag wäre der Geburtstag eines der prominentesten Fußballer, die in den 1960ern für den FSV Mainz 05 spielten: Gerhard Bergner würde 90 Jahre alt werden. Der nur 1,56 Meter kleine Mittelfeldspieler kam 1956 mit der Erfahrung von 214 Oberligaspielern und der Deutschen Meisterschaft 1948 vom 1. FC Nürnberg nach Mainz, um sein Sportlehrerexamen zu machen. Drei Jahre lang war der zweikampf- und konditionsstarke Rechtsfuß als wertvoller Aufbauspieler gesetzt. 1957/58 erreichten die 05er mit Bergner die beste Punktzahl in ihren 15 Oberligajahren: Sie gewannen fast jedes zweite Spiel, waren im Oktober und Dezember Tabellenzweiter (und zwar nicht hinter dem ständigen Südwestmeister aus Kaiserslautern, sondern hinter dem FK Pirmasens - woran das lag, erklären wir im Kalenderblatt der kommenden Woche) und beendeten die Saison mit 33:27 Punkten auf dem sechsten Platz. Nach seiner vierten Saison mit den 05ern beendete der Mittelfeldspieler seine Karriere nach 103 Spielen und acht Toren für die 05er. Seinen heutigen Geburtstag erlebt Gerhard Bergner nicht mehr: Der Franke verstarb am 16. August 2009 im Alter von 82 Jahren.

Dori Dolezilek wird heute 69 Jahre alt......Dani Schahin 28 Jahre. Foto: Jörg SchneiderDori Dolezilek wird heute 69 Jahre alt. Der Nachwuchs-Angreifer mit tschechischen Wurzeln kam 1966 in der ersten Mannschaft der 05er an; ältere Fans hatten bereits in den 1930ern einen Doleczilek im 05-Team gesehen. Dori war zunächst nur Ergänzungsspieler, setzte sich aber ab 1968 auf verschiedenen Positionen - zunächst im linken Mittelfeld, dann als Rechtsaußen - in der Mannschaft fest. Dabei profitierte er zunächst von Georg Tripps Verletzungen, dann vom Wechsel des Stamm-Rechtsaußens nach Frankreich. Bis 1971 spielte Dolezilek 54 Mal für die 05er in der Regionalliga, dabei schoss er drei Tore.

28 Jahre alt wird heute Dani Schahin. Der Mittelstürmer mit der komplizierten Familiengeschichte (geboren in der damaligen ukrainischen Sowjetrepublik als Sohn eines libanesisch-stämmigen Palästinensers und einer Russin, aufgewachsen zunächst im Libanon, dann in Deutschland, um den Jungen dem Einfluss der Hisbollah zu entziehen, zwischenzeitlich ohne Staatsbürgerschaft, erst seit 2007 Deutscher) stammt aus der HSV-Jugend. Bei Dynamo Dresden und Fortuna Düsseldorf war Schahin ein gefährlicher Torjäger, nach seinem Wechsel zu den 05ern vor zwei Jahren jedoch nicht mehr: Schahin zeigte zwar einen unbändigen Kampfgeist und eine bemerkenswerte Furchtlosigkeit, kam aber nicht an Shinji Okazaki vorbei. Als Leihspieler beim SC Freiburg setzte er sich 2014/15 ebenfalls nicht durch, beim FSV Frankfurt spielte er 2015/16 eine größere Rolle. Inzwischen ist Schahin in den Niederlanden bei Roda Kerkrade gelandet.
 

10. Juli  

Morgen haben zwei ehemalige Mainzer Drittligaspieler Geburtstag, beide haben es in die 2. Bundesliga geschafft. Dort hat Mittelstürmer Lucas Höler im ersten Jahr bereits sechs Tore für den SV Sandhausen geschossen; dort spielt er mit den weiteren Ex-05ern Damian Roßbach, Julian Derstroff, Nejmeddin Daghfous und Marcel Seegert. Höler wird 23 Jahre alt.

Ob sich der einstige Torjäger Marc Wachs, der inzwischen zum Linksverteidiger umgeschult worden ist, im Profifußball durchsetzen wird, ist völlig unklar. Zunächst wird Wachs morgen 22 Jahre alt, das allein ist schon eine gute Nachricht: Im Winter wurde der Ex-05er bei einem Raubüberfall auf den Kiosk seiner Tante angeschossen und lebensgefährlich verletzt. Für Dynamo Dresden hatte er vorher noch kein Pflichtspiel bestritten. In der Vorbereitung auf die neue Saison spielt er wieder Fußball.
 

Die Geburtstagskinder am Montag und Dienstag - von links Lucas Höler, Marc Wachs, Frank Möller und Jairo Samperio.

11. Juli  

Einer der letzten richtigen Senkrechtstarter der 05er wird am Dienstag 50 Jahre alt: Frank Möller kam 1989 aus dem tiefsten Amateurfußball von Alemannia Laubenheim zu den 05ern, wurde im ersten Spiel nur eingewechselt, war aber ab dem zweiten Spiel im besten Team der Oberliga-Historie auf dem rechten Flügel unumstrittener Stammspieler. Auch in der 2. Bundesliga verpasste Möller eineinhalb Jahre lang kaum ein Spiel. Und schon in der Winterpause 1991/92 wechselte er in die Bundesliga. Mit Eintracht Frankfurt verpasste Möller erst am letzten Spieltag die Deutsche Meisterschaft. Von Februar bis April war er sogar in dieser überragenden Mannschaft Stammspieler. Wegen Verletzungen spielte Möller ab 1992 jedoch nur noch drei Bundesligapartien für die Eintracht und acht Zweitligaspiele für den 1. FC Nürnberg. 1995 musste er seine Karriere im Alter von nur 27 Jahren beenden.

Am gleichen Tag wird ein Europapokalsieger 24 Jahre alt - beim Endspiel der Saison 2013/14 war Jairo Samperio Bustara jedoch nicht dabei. Es wäre eins seiner letzten Spiele für den Sevilla FC gewesen; in jenem Sommer wechselte der Spanier zum FSV Mainz 05. Im ersten Jahr war Jairo noch eher Einwechselspieler, immerhin mit zwei Toren und sechs Vorlagen schon durchaus effizient. Im zweiten Jahr schien der Rechts- und Linksaußen mit sieben Toren und acht Vorlagen den Durchbruch geschafft zu haben; eine Verletzung warf ihn jedoch in der vergangenen Saison weit zurück. Zwar fehlte Jairo nicht allzu lange, aber er fand kaum zur gewohnten Form. traf lediglich zweimal per Elfmeter, war auch indirekt selten an Toren beteiligt. Offenbar hat er Krafttraining gemacht, er wirkt bulliger, hat die Leichtfüßigkeit etwas verloren. Die nun beginnende Saison soll ein Neustart werden; Zeit genug hat Jairo.

Genau ein Jahr vor Jairos Geburt erreichte die bislang größte Revolution im Fußball auch die 05er: Ab Saisonbeginn 1992/93 durften die Torhüter Rückpässe nicht mehr mit der Hand aufnehmen, was zu bizarrsten Szenen führte. So knieten die Abwehrspieler des Wuppertaler SV beim 3:1-Sieg des Aufsteigers gegen die 05er am Strafraum nieder und ließen sich vom Torwart anschießen. Denn abgeprallte Bälle durfte dieser weiterhin in die Hand nehmen. Weiter unten werden wir diese Geschichte noch einmal aufgreifen. Dass überhaupt so früh schon wieder gespielt wurde - bis heute ist dieses 1:3 das früheste Ligaspiel der 05-Historie - liegt an der Einbindung der Ostvereine in den gesamtdeutschen Spielbetrieb. 1990/91 hieß die DDR-Oberliga bereits NOFV-Oberliga; sie begann in der DDR und endete in der Bundesrepublik Deutschland. 1991/92 spielten die beiden besten Ostklubs in der Bundesliga, sechs weitere wurden in die 2. Liga eingebaut, die in zwei Zwölferstaffeln mit 22 normalen Spieltagen und anschließender Auf- und Abstiegsrunde spielte. 1992/93 schließlich wurde es richtig wild in der 2. Bundesliga: Die intensivste Saison des deutschen Fußballs ließ 24 Zweitligisten an 46 Spieltagen gegeneinander spielen. Es gab fünf englische Wochen in den ersten zwei Monaten, 25 Spieltage vor der Winterpause und sieben Abstiegsplätze.

Jannik Mause schließlich, der Außenstürmer der U19, der nun in die U23 aufrückt, wird 19 Jahre alt.
 

12. Juli  

Holger Greilich, Roland Nagy, Zouhair Bouadoud, Dennis Franzin und Linus Radau (von links) haben am Mittwoch Geburtstag.Einer der erfolgreichsten 05-Spieler der 1990er wird am Mittwoch 46 Jahre alt: Holger Greilich, 1991 als 19-Jähriger aus Ingelheim verpflichtet, ab 1992 Stammspieler in der Mainzer Innenverteidigung. 1995 wechselte Greilich in die Bundesliga zum TSV München 1860. Ein echter Stammspieler war der Manndecker bei den "Löwen" selten, dennoch kam er auf 114 Bundesligaspiele - für 05er seiner Generation eine absolute Ausnahme. Selbst Berti Vogts interessierte sich bald für Greilich; nur eine Verletzung verhinderte seine Berufung in die A-Nationalmannschaft. Nach sieben Jahren bei den Münchnern und jeweils einer Saison für Omonia Nikosia und den Regionalligisten 1. FC Saarbrücken, für den er nur noch dreimal spielte, beendete Greilich 2004 seine Karriere.

Am gleichen Tag wie der Mainzer Verteidiger kam im rumänischen Arad Roland Nagy zur Welt. Als hin und wieder eingesetzter Defensivspieler, der dreimal die rumänische Meisterschaft gewonnen hatte, kam Nagy im Laufe der Saison 1997/98 von Steaua Bukarest zu den 05ern. Legendär wurde sein zweites Spiel: Im Derby gegen Eintracht Frankfurt hatte der Mainzer Libero früh wegen einer Platzwunde einen dicken weißen Verband am Schädel, der nach und nach rot wurde. Weil Nagy trotzdem furchtlos in jedes Kopfballduell ging. Den Durchbruch in Deutschland schaffte Nagy nicht: Für die 05er spielte er nur 15 Mal in der 2. Bundesliga, für Darmstadt 98 anschließend 37 Mal in der Regionalliga.

Ein lustiger Ersatztorwart wird 32 Jahre alt. Gianluca Curci unterhielt das Publikum 2015 und 2016 in seinen Testspiel-Einsätzen mit akrobatischen, wagemutigen, nicht immer gelungenen Abwehraktionen, glänzte außerhalb des Platzes mit scharfem Verstand und Humor. Körperlich hatte der langjährige Erstligatorwart der AS Rom, der AC Siena, der UC Sampdoria und des Bologna FC allerdings schon abzubauen begonnen. Und als es im vergangenen Sommer kurz so aussah, als könne er den Neuzugang Jonas Lössl tatsächlich angreifen, kam eine langwierige Verletzung dazwischen. Im vergangenen Winter kam bei mehreren Probetrainings kein Vertrag zustande, Curci ist seitdem ohne Verein.

Helmut Schneider, einer der erfolgreichsten deutschen Trainer der späten 1950er, kam am Donnerstag vor 104 Jahren zur Welt. Foto: imago31 Jahre alt wird Zouhair Bouadoud. Der Elsässer schoss 2006/07 beim 4:0 von Eintracht Trier gegen die 05-Amateure drei Tore und wechselte im folgenden Sommer nach Mainz. Mit fünf Toren in den ersten drei Oberligaspielen der 05er kam Bouadoud überragend in die neue Saison, aber er ließ schnell nach. Bereits nach einem Jahr wechselte er zum Drittligisten VfR Aalen, bei dem er keine große Rolle spielte, später zu Wormatia Worms, den SV Elversberg, den Karlsruher SC und zuletzt 2013 zu den Spfr. Siegen.
 

13. Juli

Am Donnerstag vor 104 Jahren kam Helmut Schneider zur Welt. Der gebürtige Altriper, einst aktiv bei Bayern München, dem SV Waldhof und der SpVgg Fürth, viermaliger Gauliga- und einmal Oberliga-Meister sowie Nationalspieler mit einem A-Länderspiel-Einsatz beim 13:0 der zwei Jahre zuvor erzwungenen und nie recht zusammengewachsenen großdeutschen Nationalmannschaft gegen Finnland, war von 1946 bis 1948 der erste Nachkriegstrainer und gleichzeitig der Abwehrchef der 05er. Nach seinem Abschied aus Mainz wurde Schneider einer der erfolgreichsten deutschen Trainer der 1950er: Von 1956 bis 1960 gewann er jedes Jahr die Meisterschaft seiner Oberliga-Staffel. 1956 und 1957 wurde er mit Borussia Dortmund anschließend auch Deutscher Meister, in den folgenden Jahren scheiterte er zwar mit dem FK Pirmasens in den Gruppenspielen um den nationalen Titel, stand aber im Südwesten jedes Mal vor dem renommierten 1. FC Kaiserslautern. Anschließend trainierte Schneider Bayern München, den 1. FC Saarbrücken, den Karlsruher SC, Wormatia Worms und noch einmal den FKP und den BVB. Schneider verstarb 1984 im Alter von 70 Jahren in Mannheim.

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