Das Auf und Ab in der Tabelle

Christian Karn. Mainz.
Seit kurzem ist sie vorbei, die zehnte Saison des FSV Mainz 05 in der Bundesliga. Es waren zehn mal mehr mal weniger turbulente, oft spannende, häufiger euphorisierende als deprimierende Spielzeiten, die häufiger in den Europapokal als in die 2. Bundesliga führten, in denen die 05er einen Rekord einstellten und wieder verloren, in denen sie ein neues Stadion bekamen, neue Helden begrüßen durften und alte verabschieden mussten. Zehn Jahre, deren verschiedene Aspekte die nullfünfMixedZone aufbereitet hat und in den kommenden Tagen in einer Serie vorstellen wird. Heute: Das Auf und Ab in der Tabelle.

Grün: Siege. Blau: Remis. Rot: Niederlagen. Eingekreist: Tore und Gegentore.34 Spiele hat eine Bundesligasaison, insgesamt 34 Siege, Unentschieden und Niederlagen sammelt demnach jede Mannschaft im Laufe einer Spielzeit an. Daraus resultiert die Punktzahl, die wiederum den Tabellenstand bestimmt - so weit, so offensichtlich.

Proportional ist das seit 21 Jahren nicht mehr. Bis 1995 gab es 2-0 Punkte für einen Sieg, 0-2 für eine Niederlage, 1-1 für ein Unentschieden. Die Minuspunkte hätte man schon längst abschaffen können; sie hatten sowieso keine Bedeutung. Ab 1995 aber gibt es für jeden Sieg einen Bonuspunkt. Ein 2:0 und ein 0:2 sind seither mehr wert als ein 1:1 und ein 1:1.

Vordergründig verzichten wir in unserer heutigen Grafik völlig auf Punktzahlen. Wir zeigen in der Mitte, hübsch zentriert, die Unentschieden, lassen nach oben und unten die Siege und die Niederlagen ausschlagen, zeigen außerdem die Tore und Gegentore.

Vieles lässt sich aus der Grafik ablesen. Dass beispielsweise der Abstieg von 2007 nicht nur am schlechten Angriff lag - im Comebackjahr 2009/10 brachten die 05er den Ball auch nicht wesentlich häufiger ins Tor -, auch nicht an nur an der schlechten Abwehr - 2013/14 kam Thomas Tuchel mit kaum weniger Gegentoren als damals Klopp in den Europapokal -, sondern am Zusammenspiel beider Faktoren: Eine gute Defensive glich zunächst die unterdurchschnittliche Offensive aus und man mag sich erinnern, dass es in Tuchels erster Saison eine ganze Menge 2:1- und 1:0-Heimsiege gab. Als der Erfolgstrainer die 05er schließlich verließ, hatte seine Mannschaft zwar 54 Tore kassiert, aber mit 52 eigenen Treffern den eigenen Rekord eingestellt.

Versteckt in den Daten aber sieht man doch auch die Bedeutung der Drei-Punkte-Regel: Viermal kamen die 05er in den Europapokal - in den Spielzeiten mit den wenigsten Unentschieden. Unter Jürgen Klopp mag es 2004/05 ehrenhalber geschehen sein, aber die angriffslustige Hopp-oder-Topp-Mentalität, die zu 50:55 Toren führte, die späte Niederlagen (2:4 gegen die Bayern), aber auch und späte Siege (2:1 in Freiburg, 2:1 gegen Werder Bremen, 2:1 in Nürnberg) brachte, dürfte in den weichen Kriterien mit ausschlaggebend gewesen sein.

2010/11 sahen die 05er, dass die zwölf Niederlagen (über ein Drittel der Saison!), die es eigentlich immer gibt, kein Grund sind, nicht Fünfter zu werden, sofern man die restlichen Spiele konsequent gewinnt. Die Jahre 2013/14 und 2015/16 bestätigen den Eindruck, während die Jahre dazwischen zeigen, dass Unentschieden nicht nur kurzfristig unbefriedigend sind, sondern auch in der Summe wehtun.

Weitere Interpretationen überlassen wir den Fußballphilosophen unter unseren Lesern. Und denjenigen, denen das alles heute zu abstrakt war, versprechen wir: Morgen kommt in unserem Zehn-Jahres-Rückblick etwas völlig anderes an die Reihe!

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