Das Comeback der Espoirs

Christian Karn. Mainz.
Das unnötige 0:1 in der Ukraine hatte die EM-Hoffnungen der französischen U21-Nationalmannschaft und ihres Defensivallrounders Jean-Philippe Gbamin vom FSV Mainz 05 schwer beschädigt. Mit einem 2:0 gegen die Isländer, die als Tabellenführer ins Spiel gingen, haben sich die "Espoirs" kurz vor Schluss der Qualifikation wieder zurückgemeldet. Ihre deutschen Kollegen haben dagegen nach ihrem mühseligen 1:0 gegen Finnland die EM-Teilnahme nahezu sicher. Der 05er Levin Öztunali stand wieder in der Startelf.

Alle Termine

Mi., 31.8.
20.00: DEN - LIE 5:0
20.15: TUR - RUS 0:0

Do., 1.9.
12.35: JPN - UAE 1:2
16.30: 05 - SVS 1:3

Fr., 2.9.
18.00: U19 - RUS 0:1
18.15: U21 - SVK 3:0
21.00: UKR - FRA U21 1:0

Sa., 3.9.
18.00: NGR - TAN 1:0

So., 4.9.
18.00: DEN - ARM 1:0

Mo., 5.9.
18.00: U19-NED 1:2
20.45: CRO  - TUR 1:1
20.45: FIN - KOS 1:1

Di., 6.9.
14.15: THA - JPN 0:2
18.00: FIN - U21 0:1
18.45: FRA U21 - ISL 2:0
20.45: SUI - POR 2:0

Fr., 9.9.
19.00: U17 - NED

So., 11.9.
16.00: U17 - ITA

Di., 13.9.
11.00: U17 - ISR

Ehe am späten Dienstagabend die Schweiz zum Abschluss der Länderspielwoche den Europameister Portugal ohne die Mithilfe des Mainzers Fabian Frei 2:0 schlug - Schalkes Breel Embolo und Leverkusens Admir Mehmedi schossen die Tore, der ehemalige Gladbacher Granit Xhaka, jetzt beim Arsenal FC, sah Gelb-Rot -, machten die U21-Nationalspieler der 05er zwei große Schritte zu ihrer Europameisterschaft, die im Juni 2017 in Polen stattfinden wird. Neben dem Gastgeber sind bereits die Portugiesen und die Dänen qualifiziert. Deutschland ist nach dem 1:0-Sieg in Finnland nahezu sicher dabei, Frankreich nach dem 2:0 gegen Island zumindest wieder im Rennen um mindestens den Playoff-Platz.

Der Trainer der "Espoirs" ("Hoffnungen") Pierre Mankowski hatte in Caen - wo er selbst acht Jahre lang Vereinstrainer war - den 05er Jean-Philippe Gbamin wieder als Rechtsverteidiger aufgestellt. Gegen die Isländer, die als Tabellenführer in die Partie gingen, machte der Mainzer ein gutes Spiel: wieder so offensiv wie bei der unglücklichen Niederlage in der Ukraine, diesmal auch nach vorne etwas enger an der Seitenlinie. Gbamin machte im Kombinationsspiel mit, er schlug gute Flanken, er war am 1:0 beteiligt, indem er in der elften Minute mit einem Kopfball am eigenen Strafraum einen Überfallkonter einleitete. Andrien Rabiot von PSG nahm mit einem wunderbaren Querpass auf Corentin Tolisso (Olympique Lyon) schon vor dem gegnerischen Strafraum die Abwehr aus dem Spiel, Tolisso tunnelte den Torwart.

Jean-Philippe Gbamin machte ein gutes Spiel als offensiver Rechtsverteidiger, war defensiv kaum gefordert. Foto: imagoEine verdiente Führung, die Franzosen waren ganz klar überlegen. Zweimal hätte Gbamin fast das 2:0 vorbereitet: Seine lange Flanke von der Mittellinie schoss Marcus Coco (vor kurzem noch Jonas Lössls Mitspieler in Guingamp) ans Außennetz (16.), eine weitere Flanke köpfte Maxwel Cornet (Lyon) am Tor vorbei (22.).

Ob Gbamin, der die Position augenscheinlich gut kennt, in der französischen ersten und zweiten Liga ja auch schon häufig rechts verteidigt hat, auch in der Bundesliga ohne weiteres als Backup für Giulio Donati und Daniel Brosinski in Frage käme, das ließ sich freilich aus der Partie gegen Island nicht ablesen. Defensiv wurde der 05er überhaupt nicht gefordert, in der Regel reichten die beiden Innenverteidiger und gelegentlich ein Sechser, um das abzuwehren, was die Gäste nach vorne versuchten. Die Franzosen ihrerseits erhöhten in der 62. Minute auf 2:0. Man kann es nicht "Flanke" nennen, was Rabiot in den Strafraum schickte, weil es zu zentral, zu steil war, vom Bewegungsablauf des Spielers und des Balls war's eine. Tolisso verlängerte den Ball mit dem Kopf ins lange Eck. Der starke isländische Torwart Rúnar Alex Rúnarsson, normalerweise Ersatzmann in Dänemark bei Kasper Hjulmands FC Nordsjaelland, verhinderte mehrmals Schlimmeres, das Abseitstor von Jean-Kévin Augustin (PSG) in der Nachspielzeit zählte schließlich nicht.

Wirklich gut ist die Situation für die Franzosen allerdings immer noch nicht. Ein Spiel haben sie noch, am 11. Oktober gegen die bisher überforderten Nordiren, um den Tabellenführer Mazedonien anzugreifen, der einen knappen Vorsprung von einem Punkt hat. Als Zweiter käme Frankreich in eine Relegationsrunde - und mit zwei Punkten Rückstand, aber noch zwei ausstehenden Partien lauern hinter ihnen auf dem am Ende wertlosen dritten Platz die Isländer.

Levin Öztunali wurde beim knappen Sieg der deutschen U21 in Finnland anfangs oft ignoriert, hatte in der zweiten Hälfte mehr Anteile. Foto: imagoDer DFB-Nachwuchs dagegen hat nach dem 1:0 gegen Finnland die Qualifikation fast in der Tasche. Lediglich Deutschland und Österreich kommen für den direkten Qualifikations- und den Playoff-Platz in Frage, zwei Spiele vor Schluss ist der Vorsprung fünf Punkte groß. Gegen Russland könnten die Deutschen am 7. Oktober einem Endspiel gegen in Österreich am 11. Oktober aus dem Weg gehen.

Es war allerdings eine schwere Geburt im Stadion des finnischen Meisters Seinäjoen JK. Stefan Kuntz hatte die U21 in einem 4-3-2-1-System auf den Platz geschickt, ohne Jannik Huth, mit Levin Öztunali im rechten Mittelfeld. Der neue 05er hatte in der ersten Hälfte gar nichts mit dem Spiel zu tun. Öztunali hatte kaum Ballkontakte, kaum konstruktive Aktionen, was nicht nur an ihm selbst lag, sondern auch an der Spielanlage. Fast alles ging über die linke Seite mit dem stürmischen Wolfsburger Außenverteidiger Yannick Gerhardt, seinem Vereinskollegen Maximilian Arnold und mit dem neuen Bremer Serge Gnabry. Rechts wollte der aufgekratzte Berliner Mitchell Weiser zu sehr mit dem Kopf durch die Wand, um seine Kollegen ins Spiel einzubeziehen. Öztunali lief nach vorne und hinten mit, rückte oft als zweiter Mittelstürmer in den Strafraum ein, hatte sonst nichts zu tun, war selten da, wo gespielt wurde.

Die Finnen glaubten in der 34. Minute, in Führung gegangen zu sein. Der Dresdner Torwart Marvin Schwäbe hatte einen harmlosen langen Freistoß fallengelassen, aber das Abstaubertor des norwegischen Zweitligaspielers Dani Hatakka zählte nicht - abseits. In der 41. Minute hatte Öztunali nach einem Eckball mit einem harten Schuss von der falschen Seite, vom linken Strafraumeck, die Chance zum 1:0, aber der gute Torwart Otso Virtanen (Hibernian Edinburgh) hielt den Ball. Eine Minute später hatte der Mann aus der zweiten schottischen Liga keine Chance mehr: Gnabry dribbelte links an drei Verteidigern vorbei in den Strafraum, schoss aufs lange Eck, der finnische Kapitän Sauli Väisänen (AIK Solna) fälschte den Ball ins eigene Tor ab. Und direkt vor der Pause hatte Öztunali seine zweite Torchance, stoppte den flachen Querpass von Gnabry vorbei an den zwei Verteidigern, die ihm im Wege waren, aber der Ball sprang ein bisschen zu weit, das Tor war schon sehr nahe, Virtanen holte sich den Ball. Ein direkter Abschluss wäre kaum möglich gewesen, groß war die Chance nicht.

In der zweiten Hälfte wurde das Spiel etwas konstruktiver, etwas flexibler. Anders als Mittelstürmer Timo Werner, den man immer noch nicht sah, war Öztunali nun besser eingebunden. Bis zur Auswechslung in der 70. Minute hatte der 05er nun in zweiten Bahn von rechts seine Aktionen, seine Spielanteile. Dem 2:0 kam das deutsche Team hin und wieder nahe, aber wirklich gut war's nicht. Kuntz musste durch die zumindest im Ansatz vorhandene Schlussoffensive der Finnen, die in der 81. Minute ihre beste Chance hatten, lange um seinen ersten Pflichtspielsieg als Nationaltrainer bangen.

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