Das halbe 05-Kalenderblatt

Christian Karn. Mainz.
Wie jeden Donnerstag hat die nullfünfMixedZone in der Vereinschronik gekramt, in den Annalen geblättert und nachgeschaut, welche weiteren Jubiläen in diesen Tagen anstehen, was es an Besonderheiten und Ergebnissen gegeben hat, was um diese Jahreszeit so alles bei den 05ern passiert ist. Damit wir nicht schon wieder den Rahmen sprengen, gibt es heute aber nur ein halbes Kalenderblatt, diesmal mit einem ewigen 05er, der seit 50 Jahren dabei ist und immer noch jedes Heimspiel besucht, mit einem großen Talent, das nicht lange zu halten war, und mit einem gefährlichen Scharfschützen. Die zweite Hälfte folgt am Sonntag.

3. September  

Der langjährige Profi Helmut Zahn zu Beginn seiner Karriere im Mainzer Trikot.Ein großes Talent des FSV Mainz 05 wird heute 60 Jahre alt: Helmut Zahn, der als Profi in weit über 300 Erst- und Zweitligaspielen im süd- und südwestdeutschen Raum am Ball war. Die 05er hatten den talentierten Außenstürmer 1974 als 18-Jährigen vom FV Weinheim verpflichtet und wegen gewisser technischer Defizite schnell zum Rechtsverteidiger umgeschult. Zahn brauchte ein Jahr zur Eingewöhnung, im zweiten wurde er Stammspieler, als die Verletzung des Liberos Jürgen Richter die Abwehr durcheinanderbrachte: Der als Vorstopper gestartete Gerd Schwickert wurde neuer Libero, der Rechtsverteidiger Herbert Scheller kümmerte sich fortan um den gegnerischen Mittelstürmer. Und für Zahn wurde zunächst im Mittelfeld, schnell aber hinten rechts ein Platz frei in der Startelf. Die Bilanz des klassischen dynamischen Offensivverteidigers: Nach acht Spielen (drei in der Startelf) in seiner ersten Saison spielte er im zweiten Jahr 30 Mal, 25 Mal von Anfang an. In einer chaotischen Saison kassierten die 05er jedoch die zweitmeisten Gegentore der Liga, allein 19 von 92 allerdings erst in den letzten vier Spielen, als auch Schwickert und Zahn verletzt waren.

Am Ende jener Saison zogen sich die 05er freiwillig in den Amateurfußball zurück. Zahn, eins von zwei Toptalenten, ging mit in die Verbandsliga, war aber unter diesen Umständen nicht lange zu halten: 1977, nach 27 Spielen im Mittelfeld, wechselte er wieder in den Profifußball. Für Wormatia Worms, den Freiburger FC, Darmstadt 98, den Karlsruher SC und den 1. FC Saarbrücken spielte Zahn bis 1986 in der ersten und zweiten Bundesliga. Bei allen Klubs war Zahn Stammspieler.

Der erste Mainzer Torjubel in der Bundesliga galt Christof Babatz. Fotos: imago, Mainz 05.Einer der gefährlichsten Scharfschützen der ersten Jahre unseres Jahrhunderts war das nicht - zum Glück für die 05er: Hätte Christof Babatz beim Hamburger SV von 1997 bis 2000 eine größere Rolle gespielt, wäre er für Mainz 05 unerschwinglich gewesen. Der harte Arbeiter kam im Herbst 2000 - als noch während der kompletten Hinrunde Spielerwechsel möglich waren - vom HSV, um den in der 2. Liga mal wieder überforderten 05ern im defensiven Mittelfeld etwas mehr Stabilität zu verleihen. Der größte Künstler war er nicht, aber dank seiner Kompromisslosigkeit und seines gewaltigen Weitschusses war "Bummbumm" Babatz schnell ein ganz wichtiger Leistungsträger. Hin und wieder schoss er den gegnerischen Torhütern aus 30 Metern oder mehr die Finger weg, seinen größten Beitrag zum Aufstieg allerdings leistete der Niedersachse als Vorbereiter: Nach dem berüchtigten 1:3 in Fürth gaben die 05er bekanntlich die Aufstiegshoffnungen auf; in den verbleibenden fünf Spielen traf Babatz zweimal selbst per Elfmeter, vor allem aber legte er seinen Kollegen sechs Tore auf, darunter das 2:0 und das 3:0 im entscheidenden Spiel gegen Eintracht Trier. Nur gerecht also, dass Babatz am 8. August 2004 das erste Bundesligator der 05er schoss - natürlich ein harter Freistoß.

Im ersten Bundesligajahr der 05er war Babatz ein wichtiger Stammspieler. Durch Verletzungen verlor er diesen Status ab Sommer 2005. Im Winter 2006/07 schließlich trennten sich die 05er von ihrem Aufstiegshelden - eine Liga höher als zur Zeit seines Wechsels nach Mainz waren sie ähnlich überfordert wie damals, für die Verpflichtungen von Leon Andreasen und Elkin Soto musste Platz geschaffen werden im Kader. Bei TuS Koblenz und Waldhof Mannheim ließ Babatz seine Karriere ausklingen. Mittlerweile ist der A-Lizenzinhaber als Leiter einer Fußballschule im Nachwuchsförderprogramm der 05er aktiv. Heute wird "Bummbumm" Babatz 41 Jahre alt.

34 Jahre alt wird Stephan Maas, der torgefährliche Linksaußen der 05-Amateure in den Oberligajahren 2001 bis 2003 und im Regionalligajahr 2003/04. Der gebürtige Frankenthaler, aus der Jugend von Waldhof Mannheim verpflichtet, traf in 94 Ligaspielen 26 Mal, gewann dreimal den Südwestpokal, wechselte dann zum SV Wehen, zur SpVgg Elversberg und zum Waldhof zurück.

Weitere Ereignisse am 3. September:

1961: Eintracht Trier - FSV Mainz 05 3:2  
1967: Wormatia Worms - FSV Mainz 05 2:1  
1978: FSV Mainz 05 - Eintracht Bad Kreuznach 1:1  
1983: FK Pirmasens - FSV Mainz 05 5:0  
1986: ASC Dudweiler - FSV Mainz 05 0:1  
1989: FSV Mainz 05 - Eintracht Trier 2:0  
1994: Waldhof Mannheim - FSV Mainz 05 4:0  

4. September  

Benjamin Weigelt, einer der ersten Bundesliga-Linksverteidiger der 05er, wird am Freitag 33 Jahre alt.Ein in der Bundesliga letztlich gescheitertes, in der Regionalliga aber durchaus erfolgreiches Linksverteidigertalent wird am Freitag 33 Jahre alt. Benjamin Weigelt übersprang 2004 eine Liga, als er vom Zweitliga-Aufsteiger Rot-Weiss Essen zu den 05ern wechselte. Im Laufe der Saison setzte er sich gegen den älteren, erfahreneren, defensiveren Marco Rose durch - und es war schön anzusehen, wie der 21-Jährige von Spiel zu Spiel mutiger, selbstsicherer wurde. Während seiner zweiten Saison ließ Weigelt aber schon wieder nach, in der dritten war er nur noch Ergänzungsspieler. Auch bei den Zweitligisten Alemannia Aachen, 1. FC Kaiserslautern und FC St. Pauli kam Weigelt nicht zurecht; beim SV Wehen fing er sich wieder, in Kassel und Oberhausen war und ist er ein Leistungsträger.

17 Jahre alt wird Benjamin Zecovic, der in der vergangenen Saison fünfmal in der U17-Bundesliga eingewechselt wurde und die 05er im Sommer verlassen hat.

Weitere Ereignisse am 4. September:

1927: Wormatia Worms - FSV Mainz 05 5:1  
1932: FSV Mainz 05 - FVgg Kastel 06 3:2  
1955: Eintracht Trier - FSV Mainz 05 3:4  
1960: FSV Mainz 05 - FK Pirmasens 0:0  
1966: FSV Mainz 05 - 1. FC Saarbrücken 3:2  
1977: FSV Mainz 05 - FC Rodalben 5:3  
1982: FSV Mainz 05 - Hassia Bingen 2:0  
1988: FSV Mainz 05 - SpVgg Bayreuth 1:0  

5. September  

Horst Hülß verabschiedete sich 1980 mit dem Südwestpokalsieg (vorübergehend) von Mainz 05.Am Samstag wird ein ewiger 05er 77 Jahre alt, ein gebürtiger Franke, der mit gelegentlichen Unterbrechungen seit 1965 in Mainz ist, in diesem Jahr also sein 50. Jubiläum feiert: Horst Hülß, einst Spieler, mehrmals Trainer bei den 05ern, heute noch bei jedem Heimspiel im Stadion.

Als Hülß 1965 von Viktoria Köln nach Mainz kam, war er bereits mehr als nur ein technisch starker Spielmacher. Ebenso wie seine Mitspieler Erich Ribbeck und Gero Bisanz hatte er als Schüler des legendären Hennes Weisweiler den Trainerschein erworben. Hülß war dadurch auch ein taktisch sehr versierter Spieler, für die seit Jahren nicht angemessen besetzte Position hinter den Spitzen der perfekte Mann, ein Regisseur, der es verstand, je nach Situation zwischen der Halbstürmerposition und dem klassischen Mittelläuferspiel zu wechseln, zwischen 4-3-3 und 4-2-4 umzuschalten, eine Schlüsselfigur in Heinz Baas' Konzeptfußball.

Drei Jahre lang spielte Hülß für die 05er. Während der kurzen Renaissance des Vereins in den späten 1960ern war er der Chef; 1968 kam er mit seinen Kollegen recht nahe an die Bundesliga-Aufstiegsrunde. Nach jener Saison entschied sich Hülß bereits gegen den Profifußball. Er wurde Spielertrainer in seinem Wohnort Ginsheim, später auch Trainer in Weisenau und Nierstein. Im Winter 1975/76 holten die 05er ihren einstigen Regisseur zurück. In jener chaotischen Zweitligasaison brachte auch Hülß das verwöhnte Team nicht unter Kontrolle; sportlich hielt er die 05er immerhin in der Liga. Und trotz des freiwilligen Rückzugs des Vereins blieb er.

Die schnelle Stabilisierung der 05er in der Spitzengruppe der Oberliga ist auch Hülß' Verdienst. Ein Jahr nur brauchte der Trainer für den Neuaufbau, im zweiten wurde er mit den 05ern bereits Südwestmeister. Nach der langen Saison hatte das junge Team jedoch in der Aufstiegsrunde keine Chance gegen die erholtere Konkurrenz aus Neunkirchen und Koblenz, deren Ligasaison schon lange vorher vorbei war. Im folgenden Regenerationsjahr wurden die 05er nur Dritter, durch die Verluste einiger Schlüsselspieler im vierten Amateurjahr sogar nur noch Fünfter. Hülß, der mit den 05ern neben der Südwestmeisterschaft dreimal den SWFV-Verbandspokal gewonnen hatte, wechselte nach jener Saison nach Bingen. Über die Zwischenstationen SV Wiesbaden, Kastel 06 und SV Wehen kam er zur Zweitligasaison 1988/89 noch einmal zurück, blieb aber nur ein halbes Jahr. 

Neben seiner Trainerkarriere war Hülß Lehrer am Schlossgymnasium, außerdem Pressesprecher im Bund Deutscher Fußballlehrer.

Jürgen Halm wird 58 Jahre alt. Der Verteidiger aus dem eigenen Nachwuchs debütierte bei den 05ern am letzten Spieltag der Saison 1975/76. Zwei Tage zuvor hatten die 05er den Rückzug aus der 2. Bundesliga beschlossen, dementsprechend wenig nahmen sie das Spiel noch ernst. Halm wurde beim Stand von 0:6 gegen den FC Homburg für den rechtsaußen stürmenden Ersatztorwart Wolfgang Orben eingewechselt. In der folgenden Hinrunde war Halm wochenlang Linksverteidiger der 05er, aber bereits ab November wurde er nicht mehr eingesetzt.

Der Mittelfeldspieler Issaka Mouhaman, im vergangenen Jahr Kapitän der Mainzer U17 und nach einer langwierigen Verletzung inzwischen kurz vor dem Debüt in der U19-Bundesliga, wird am Samstag schließlich 17 Jahre alt.

Weitere Ereignisse am 5. September:

1926: Wormatia Worms - FSV Mainz 05 1:1  
1954: FSV Mainz 05 - Eintracht Bad Kreuznach 4:1  
1965: Eintracht Trier - FSV Mainz 05 1:0  
1971: FSV Mainz 05 - Südwest Ludwigshafen 3:0  
1976: FK Clausen - FSV Mainz 05 1:2  
1981: SpVgg EGC Wirges - FSV Mainz 05 1:6  
1990: 1. FC Saarbrücken - FSV Mainz 05 0:0  
1992: FSV Mainz 05 - Waldhof Mannheim 1:2  
2000: MSV Duisburg - FSV Mainz 05 0:0  

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