„Das sind die Einheiten, in denen du besser wirst“

Jörg Schneider. Colorado Springs.
Temperaturen von 35 Grad, dünne Höhenluft auf 1840 Metern, noch etwas Jetlag und ein hartes Auftaktprogramm in den Knochen: Das alles hat die Profis des FSV Mainz 05 an ihrem zweiten Tag des einwöchigen Trainingslagers in Colorado Springs nicht davon abgehalten, einer Delegation amerikanischer Soccer-Trainer eine konzentrierte und intensive Trainingsvorstellung zu präsentieren. „Das war Top“, sagte Martin Schmidt nachher zufrieden. „Heute sind wir zum ersten Mal in der Vorbereitung eigentlich in unsere Prinzipien reingegangen. „Wir haben ja bisher hauptsächlich alle Spielformen der Konditionierung unterstellt“, betonte der 05-Coach, der anschließend ein Referat hielt vor den US-Kollegen.

Pressing, Gegenpressing, Balleroberung, Umschalten: Die 05er (hier beim Versuch Jhon Cordoba den Ball abzunehmen) präsentierten eine interessante und gute Trainings-Vorstellung. Foto: Jörg SchneiderDer zweite Tag im Trainingslager in Colorado Springs begann für die Profis des FSV Mainz 05 am Montagmorgen mit einer extrem anstrengenden und schweißtreibenden Vormittags-Einheit im Air Force Stadium. Bei Temperaturen von gut 35 Grad und noch die heftige Belastung des Auftakttrainings in den Knochen, brauchten die Spieler eine Weile und einige Aufforderungen ihres Trainers, um sich reinzufinden ins Programm. „Wir hatten jetzt drei intensive Trainings“, erklärte Martin Schmidt hinterher. „Da hat man heute schon beim Einlaufen gemerkt, dass einige der Jungs etwas zäh reinkommen. Den anstrengenden Sonntag stecken die Spieler nicht so schnell weg. Deshalb haben wir ja auch diese Dreierblöcke. Da gehen wir in den Bereich rein, der weh tut. Das ist Überwindung. Das sind dann die Einheiten, in denen du besser wirst.“ Den 05-Profis macht dazu immer noch die dünne Höhenluft auf 1840 Metern zu schaffen. Einige klagen auch noch über Jetlag.

Referat vor den amerikanischen Kollegen

Der 05-Coach war jedoch sehr zufrieden mit dem, was seine Leute auf der Anlage der Air Force Academy anboten. Die Mainzer trainierten diesmal vor Publikum. Ein gutes Dutzend amerikanischer Trainer, darunter die Verbandstrainer von Colorado, saßen auf der Tribüne und sahen sich die Vorstellung sehr interessiert an, machten sich Notizen und trafen nachher die 05-Trainer in einem Sitzungssaal auf dem Gelände, wo Schmidt dann einen Vortrag hielt mit nachfolgender offener Diskussion. „Wir haben ihnen zuerst kurz die Strukturen von Mainz 05 vorgestellt, wie wir so gebaut sind. Etwas über unsere Philosophie, was uns ausmacht, was uns stark macht“, erzählte der 49-Jährige. „Wir haben über die Bundesliga erzählt. Stefan Hofmann hat das NLZ vorgestellt. Wie wir da arbeiten. Wir wollten, dass die hiesigen Trainer nachher mehr wissen über die Bundesliga und über Mainz 05. Wir haben ihnen Szenen gezeigt von unserem Konterfußball. Wir haben schöne Videos gezeigt, wie den Umzug vom Bruchweg damals in die neue Arena. Das war eine coole Sache“, schwärmte der Schweizer.

Interessierte Tribünengäste beim 05-Training: Soccer-Trainer aus Colorado. Foto: Jörg SchneiderWas das Mainzer Spiel ausmacht, davon konnten sich die amerikanischen Trainer zuvor zumindest ansatzweise überzeugen beim Betrachten der Spielformen, die das 05-Trainerteam mit den Profis bearbeitete. „Heute sind wir zum ersten Mal in der Vorbereitung eigentlich in unsere Prinzipien reingegangen“, sagte Schmidt. „Wir haben ja bisher hauptsächlich alle Spielformen der Konditionierung unterstellt. Jede Spielform hatte als Hintergrund, im Ausdauerbereich zu arbeiten. Jetzt standen unsere Prinzipien an. Sprich: Umschalten, Balleroberung, Umschalten, Pressing und Gegenpressing und das Ganze dann am Schluss im Spiel zu vereinen.“ Unterteilt war die Geschichte in drei Abschnitte über 90 Minuten. „Beim  ersten Spiel ging’s um Ballbesitz. Sechs, sieben Pässe, dann Seitenwechsel, hinterher rennen, sofort Druck machen und unter Druck wieder Pässe spielen. Das ist Umschaltfußball. Allerdings noch ohne hohen Druck, ohne das ganz große Tempo“, erklärte Schmidt. „Die zweite Form war Technik unter Druck, aber schon mit Pressing und Gegenpressing. Also nach Ballverlust volles Rohr drauf. Ballgewinn. Möglichst groß im Feld stehen. Und schon auf den Positionen rausspielen mit zwei Spieler innen, zwei breit aufgestellten, zwei vorne drin und drei Joker als Sechser oder mit zwei Sechsern und einem Zehner. Und beim letzten Spiel über drei Zonen war es eigentlich dasselbe. Man hat gesehen, sobald man in der Mitte drehen kann und mit dem zweiten Kontakt in die Tiefe spielt, kriegst man Tempo ins Spiel. Das ist das, was wir in unser Spiel reinbringen wollen. Wir wollen Tempo.“ Und genau das sei gelungen an diesem Morgen. „Da machen wir einen Haken drunter. Das war ein Top-Training. Wenn man die Bedingungen in Betracht zieht, sogar ein sehr gutes Training.“

Die Bedingungen im Air Force Stadion sind für den Bundesligisten immer noch gewöhnungsbedürftig. Der Rasen ist zwar inzwischen kurz geschnitten. „Es ist aber ein anderer Rasenschnitt, eine andere Rasenqualität. Das Problem ist auch, dass wir nicht alle 20 Minuten bewässern können wie bei uns daheim. Das ist das, was hier etwas fehlt. Die Plätze sind gut, aber wenn es um zehn Uhr schon 30 Grad hat, fehlt etwas Wasser im Laufe der Einheit.“ Doch das kann der 05-Coach akzeptieren. „Wir werden in der Bundesliga Spiele haben, in denen du auch 45 Minuten nicht wässern kannst. Diese Verhältnisse gibt‘s immer“, sagte der 49-Jährige und betonte, sein Kader habe es insgesamt sehr gut angetroffen in den USA.

Nach dem Mittagessen war dann Entspannung angesagt. Ein Teil der Profis verabschiedete sich zu einer Autogrammstunde in der Academy. Danach stand Sportartfremdes auf dem Hotelgelände auf dem Plan fürs Team. „Wir haben uns auf Tennis spielen geeinigt“, sagte Schmidt. „Eine andere Bewegung. Allerdings nicht sehr lange. Die Spieler brauchten ihre Regeneration und Pflege.“ Der Rest des Tages war frei. Ab dem heutigen Dienstag wird die Belastung dann wieder aufgebaut. Morgens Training, am Abend das erste Testspiel. Am Mittwochmorgen wieder Training, gefolgt vom nächsten Testspiel am Abend. Die Mainzer treffen am Dienstag  auf den ortsansässigen Klub Switchbacks FC (Switchbacks Stadium) und am Mittwoch auf  den mexikanischen Zweitligisten Leones Negros (Air Force Academy). Beide Begegnungen werden um 19 Uhr Ortszeit (3 Uhr deutscher Zeit des Folgetages) angepfiffen.

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