De Blasis: „Dynamik schnell verändern“

Jörg Schneider. Freiburg.
Die 05er sind zusammen mit dem FC Augsburg die großen Verlierer dieser Englischen Woche. Inzwischen geht es nicht mehr nur darum, den Sturz auf den Relegationsplatz zu vermeiden. Mit nur noch einem Punkt Vorsprung auf den Tabellenvorletzten geht’s nun darum, nicht zum zweiten Mal nach 2007 direkt aus der Bundesliga abzusteigen. Die Klub-Verantwortlichen haben entschieden, Martin Schmidt die Verantwortung für diese Mission zu überlassen. Der Trainer und die 05-Profis sind nun endgültig gefordert, den gravierenden Formverlust in Teilen des Teams umzukehren, allen Widrigkeiten zum Trotz an einem Strang zu ziehen, die Negativerlebnisse hinter sich zu lassen, an ihre Grenzen und darüber zu gehen, in dieser extremen Drucksituation die Nerven zu behalten, ihre Leistung abzurufen und sich bedingungslos gegen den drohenden Abstieg zu stemmen.

Pablo De Blasis und Giulio Donati: Geschlagen trotz beherztem Einsatz in Freiburg. Foto: René Vigneron  Für den Fall, dass der eine oder andere im Team des FSV Mainz 05 darauf gesetzt hat, Martin Schmidt werde vom Verein freigestellt und mit einem neuen Trainer werde die Wende schon funktionieren, dann wird er sich neu orientieren müssen. Die Verantwortlichen des Bundesligisten haben sich positioniert. Rouven Schröder hat am Sonntag die Entscheidung verkündet, dass der 49-jährige Schweizer definitiv der Trainer bleibt, mit dem die 05er diesen Abstiegskampf durchziehen. Ob das gelingt, weiß im Moment keiner. Genauso wenig wie jemand sicher sein kann, dass die Mission mit einem anderen Coach gelingen würde. Es gibt keine Garantie. Es gibt nur Beispiele dafür, dass die eine wie die andere Maßnahme schon von Erfolg gekrönt war. Und wahrscheinlich genauso häufig auch nicht. Sechs Spieltage vor dem Ende der Saison gibt es jedenfalls keine Ausreden mehr für niemanden. Schmidt steht in der Verantwortung, aber auch seine Spieler müssen nun zeigen, dass sie in der Lage sind, allen Widrigkeiten zum Trotz an einem Strang zu ziehen, die Negativerlebnisse hinter sich zu lassen, an ihre Grenzen und darüber zu gehen, in dieser extremen Drucksituation die Nerven zu behalten, ihre Leistung abzurufen und sich bedingungslos gegen den drohenden Abstieg zu wehren.

Die 05er sind zusammen mit dem FC Augsburg die großen Verlierer dieser Englischen Woche. Mit null Punkten aus den vergangenen drei Spielen haben sie neun Zähler auf den zur Aufholjagd blasenden FC Ingolstadt verloren. Inzwischen geht es nicht mehr nur darum, den Relegationsplatz zu vermeiden. Mit nur noch einem Punkt Vorsprung auf den Tabellenvorletzten geht’s nun darum, nicht zum zweiten Mal nach 2007 direkt aus der Bundesliga abzusteigen. Beim 0:1 in Freiburg haderten die 05-Profis vielleicht noch zu Recht mit Pech im Spiel, fehlendem Glück im eigenen Abschluss und dass zu viel Ungutes zusammenkam. Die Tatsache, dass in der Rückrunde nur Schlusslicht Darmstadt 98 weniger Punkte gesammelt hat als die 05er, kann jedoch nicht alleine mit fehlendem Matchglück begründet werden. Da hat auch ein schleichender und gravierender Formverlust in weiten Teilen des Personals stattgefunden. Das kann man vielleicht dem Trainer anlasten, vielleicht aber auch nicht. Zu oft wirkten diverse 05-Profis zuletzt uninspiriert, lieferten belanglose Leistungen ab. „Es kann doch nicht sein, dass es ewig so weitergeht“, sagte Stefan Bell in Freiburg zerknirscht. „Es war nicht das Problem, dass wir keinen Plan hatten oder falsch eingestellt waren. Es war eher so, dass wir in vielen Szenen als Spieler einfach zu unsauber gespielt haben.“ Im Passspiel, in der Ballannahme, im Offensivspiel am und im Strafraum, im Konter, in den Standards, in den Flanken vors Tor. Und letztlich in der Abwehr, die immer wieder zu billige Gegentreffer kassiert. Das alles zieht sich wie ein roter Faden durch die Rückrunde.

„Wir haben jetzt fünf Spiele mit einem Tor Unterschied verloren. Ich weiß keine Erklärung“, sagte Pablo De Blasis in Freiburg. „Wir müssen diese Dynamik schnell verändern, weiterarbeiten und versuchen Punkte zu holen. Das ist kompliziert genug.“ In Freiburg und zuvor gegen die Leipziger sei es mal wieder gelungen in den Sechzehner zu kommen,  betonte der 05-Kapitän, „aber es waren wieder nicht so viele Großchancen, die rausgesprungen sind. Da wurden oft Schüsse geblockt oder wir haben noch mal quer gespielt, statt den Abschluss zu suchen. Wir waren oft in gefährlichen Räumen und es kam nichts bei rum. Auch bei den Standards nichts. Wir haben zu oft zu kurz gespielt und was auch immer“, fasste Stefan Bell zusammen. „Natürlich hängt das schon mit den letzten Spielen zusammen, dass die breite Brust fehlt. Wir brauchen eine 110 prozentige Chance, um ein Tor zu machen. Gegen uns geht jede zweite Halbchance im Moment rein. Wir brauchen mal ein Zufallsding oder so etwas, aber das geht im Moment gar nicht.“ Unbeirrbar weitermachen sei die einzige Möglichkeit sagte Bell. „Wir als Mannschaft müssen weiter das machen, was wir in Freiburg und gegen Leipzig gemacht haben. Zweikämpfe annehmen, mutiger spielen. Das war heute schon der Fall, auch wenn nicht alles geklappt hat. Wir haben nach vorne gespielt. Bis zum Gegentor war es schon ein guter Weg. Wir glauben dran, aber wir brauchen auch mal wieder eine Führung.“

"Wir hätten noch drei Stunden spielen können..."

 Die Möglichkeiten dazu hatte die Mainzer im Breisgau. „Wenn du unten drin bist, gehen die Dinger nicht rein. Das ist  wohl einfach so“, sagte Fabian Frei nachher. Der Schweizer war nach der Pause für den schwachen André Ramalho auf die Sechserposition gekommen, um mehr fußballerische Impulse zu geben und die Angriffe einzuleiten. „Der Auftrag lautete, etwas Ruhe rein zu bringen, etwas mehr spielerische Akzente zu setzen. Es muss ja nicht jeder Ball hoch nach vorne geschlagen werden“, erklärte der 28-Jährige. „Aber was soll ich sagen? Es hat ja letztlich nicht funktioniert. Als ich reingekommen bin, stand es 0:0, am Ende 0:1.“ Der Schweizer selbst war mit am nächsten dran am Tor. Seinen abgefälschten Schuss kurz vor dem Ende meisterte jedoch Alexander Schwolow im Tor des SFC.

„Es bringt jetzt alles nichts. Wir hätten noch drei Stunden spielen können, und es wäre keiner reingegangen. Bis zu den letzten 15 Metern war es echt okay. Nicht überragend, aber okay. Wichtig wäre mal, dass wir ein frühes Tor machen, um uns das nötige Selbstvertrauen zu holen, damit wir mal wieder einen Spiel gewinnen können. So aber fängt man an zu hadern. Das ist ja vollkommen menschlich. Die Mannschaft hat auch heute wieder bis zur 95. Minute alles probiert. Ich hatte nicht das Gefühl, dass sich jemand hat gehen lassen. Es ist zwar das fünfte Spiel, das wir verlieren, aber es ist ja auch nicht so, dass wir ständig untergehen. Wir sind nah dran, aber im Moment fehlt sich auch etwas das Glück. Das müssen wir auf unsere Seite zwingen, ganz klar. Wenn der Ball an den Pfosten geht und dann raus, dann hat das nicht viel mit Können zu tun. Und da kann auch der Trainer nix dafür. Natürlich ist es so, dass im Moment der letzte Glaube daran fehlt, dass auch mal ein Weitschusse reingeht, weil er wahrscheinlich auch nicht reingehen würde, aber wenn du nicht schießt, kann er sowieso nicht reingehen“, sagte Frei. „Ich will nicht alles nur auf Glück und Pech reduzieren, aber das Glück steckt im Moment sicher nicht wirklich auf unserer Seite.“ Die Mannschaft habe nur die Möglichkeit weiterzumachen, konzentriert und fokussiert zu bleiben und die Punkte beim nächsten Mal holen, die das Tam in Freiburg verspielt habe. „Wir werden weiter hart trainieren, uns intensiv vorbereiten auf Hertha BSC und am besten drei Punkte gegen die Berliner holen.“

 

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