Den Ball erobern und davonlaufen

Jörg Schneider. Mainz.
Die Chance ist groß für den FSV Mainz 05, heute Nachmittag im Heimspiel gegen den VfL Wolfsburg einen wichtigen Schritt zu machen hin zu einem angenehmen Verlauf der Restsaison. Mit einem Heimsieg gegen diesen qualitativ hochwertig aufgestellten, aber aufgrund seiner Tabellenposition unter gewaltigem Druck stehenden Gegner, würde das Team von Martin Schmidt sein Punktekonto auf 31 Zähler ausbauen und sich mit hoher Wahrscheinlichkeit aus dem Abstiegskampf verabschieden. „Wir trauen uns das natürlich zu, denn es ist nicht der erste große oder hochkarätig besetzte Gegner, der zu uns kommt. Wir brauchen wieder eine derart konzentrierte Leistung, wie es in Leverkusen war oder gegen Augsburg. Da werden wir den Faden wieder aufnehmen“, sagt der Trainer.

Beim 2:0-Heimsieg gegen den VfL Wolfsburg in der vergangenen Saison legte Pablo De Blasis mit seinem Treffer zum 1:0 auf Vorarbeit von Jairo den Grundstein zum Sieg. Der Argentinier dürfte auch heute wieder in der 05-Startelf stehen. Foto: Ekkie VeyhelmannDie Partie heute Nachmittag in der Opel Arena dürfte wieder einmal zu jenen Bundesliga-Spielen gehören, in der die Gastgeber nachher in der überregionalen, medialen Betrachtung und Nacharbeitung eher eine Nebenrolle spielen werden. Als Gegner des VfL Wolfsburg, der mit einem neuen Trainer antritt, dazu noch einen Co-Trainer vom FC Arsenal mitbringt, der ein Superstar war in der Großzeit des Londoner Klubs Anfang des 21. Jahrhunderts. Die Kameras dürften auf Andries Jonker, den Nachfolger des Anfang der Woche entlassenen Valérien Ismael gerichtet sein. Sowie auf dessen Assistenten, den schwedischen Ex-Nationalspieler Freddie Ljungberg. Und natürlich auf Yunus Malli, der zum ersten Mal seit seinem Blitztransfer Anfang Januar an seine alte Wirkungsstätte zurückkehrt. Das sind die großen Themen vor dieser Begegnung.

Beim FSV Mainz 05 kennt man diese Situationen, wenn hauptsächlich der Gegner im Fokus steht. Ein Grund mehr für die Beteiligten, sich vor und in diesem Spiel in erster Linie mit sich selbst zu beschäftigen. Nach dem überraschenden 2:0-Erfolg am Fastnachtssamstag bei Bayer Leverkusen haben die Mainzer nun wieder die große Chance vor Augen, sich mit einem Heimsieg weitgehend zu entfernen von der gefährlichen Tabellenregion, ihr Punktekonto auf 31 Zähler auszubauen, einen Kontrahenten, der hinter ihnen liegt, deutlich auf Distanz zu halten. Die 05er können heute einen großen Schritt machen hin zu einem angenehmen Verlauf der Restsaison. Denn mit 31 Punkten und dem Gefühl im Bauch, auch in dieser Saison nichts mit dem Kampf gegen den Abstieg zu tun zu haben, könnte das 05-Team in den verbleibenden elf Spielen befreiter aufspielen. Das sollte Motivation genug sein gegen ein Team, das mitten drin steckt im Abstiegskampf und bewirken, dass die 05er nicht wieder wie gegen Werder Bremen in punkto Zweikampf, Leidenschaft, Aggressivität und Laufbereitschaft Defizite aufzeigen.

Martin Schmidt hat den Trainerwechsel beim VfL registriert, hat sich auch am Rosenmontag mit seinem Mitarbeiterstab zurückgezogen und Analysematerial studiert über Jonker und dessen bevorzugte Prinzipien und Spielweisen. Ansonsten aber stand die eigene Vorbereitung am Bruchweg an erster Stelle. „Auf uns hat dieser Trainerwechsel keinen großen Einfluss“, sagt der 05-Coach. „Weil wir uns absolut auf unser Spiel fokussieren. Wir führen unsere Linie durch und arbeiten an den eigenen Dingen, an unseren Prinzipien. Man weiß ja eh nicht, was beim Gegner umgestellt wird. Welches System gespielt wird, welche Spieler letztlich auf dem Platz stehen. Wir gehen mit einem guten Selbstbewusstsein ins Spiel. Da ist es manchmal gar nicht so entscheidend, was der Gegner macht, sondern was wir machen, und das werden wir beeinflussen.“

Er werde das Spiel seiner Mannschaft sicherlich nicht komplett dem Gegner anpassen, betont der 49-Jährige. „Ich weiß es ja sowieso nicht genau, wie die spielen, wie sie vorne anlaufen, in welcher Systematik sie auftreten. Jonker kennt unser Spiel, wir ihres nicht. Das Beste ist, wir konzentrieren uns auf unsere eigenen Dinge und drücken unser Spiel durch.“ Aus Wolfsburg war zu hören, dass der neue Trainer das 3-5-2-System seines Vorgängers abschafft und zum 4-4-2 zurückkehrt. Wie das dann taktisch aussehen wird, hat Jonker nicht verraten. Auch nicht welche Rolle Malli im Offensivbereich der Wolfsburger einnimmt bei der Rückkehr des 25-Jährigen.

„Zuletzt war es oft so, dass Yunus zusammen mit Didavi und Arnold auf dem Platz stand. Das ist eine hohe spielerische Qualität. Das sind alles Zehner, die können alle auch die zehn alleine spielen“, sagt Schmidt. „Wenn alle drei auf dem Platz sind, ist es besser, wenn die den Ball nicht haben, sondern dass wir den Ball erobern und ihnen davonlaufen.“ Ungeachtet der Tabellenposition der Wolfsburger, die nur zwei Punkte vom Relegationsplatz entfernt sind, richten sich die 05er auf eine hochwertig besetzte Mannschaft ein, mit viel Qualität vor allen Dingen im Offensivbereich. „Eine Qualität, die erst verteidigt werden muss“, wie der 05-Coach betont. „Das wird auch der Ansatz sein. Wir trauen uns das natürlich zu, denn es ist nicht der erste große oder hochkarätig besetzte Gegner, der zu uns kommt. Wir brauchen wieder eine derart konzentrierte Leistung, wie es in Leverkusen war oder gegen Augsburg und auch gegen Köln und Dortmund. Da werden wir den Faden wieder aufnehmen.“

Andries Jonker sagte, er rechne mit einer „sehr organisierten Mannschaft, deren Stärken im Konterspiel und bei sehr guten Standards liegen. Mainz 05 ist eine sehr gefährliche Mannschaft für jeden Gegner. Wir haben Respekt, aber keine Angst.“

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