Der Abstiegskampf im Überblick

Christian Karn. Mainz.
Fünf Spieltage stehen der Fußball-Bundesliga nun noch bevor, bis alle Entscheidungen getroffen sind. Ganz oben ist von Spannung nicht mehr viel zu spüren. Unten hat sich Borussia Dortmund wohl aus dem Abstiegskampf verabschiedet. Mainz 05, Hertha BSC und der 1. FC Köln sind auf dem besten Weg zu einem weiteren Bundesligajahr. Aber so ganz lässt sich die Spannung noch nicht auf das Schlussquintett reduzieren. Die nullfünfMixedZone fasst hier erneut die Situation und das Restprogramm der Klubs in den unteren Tabellenbereichen zusammen.

Fünf Punkte trennen den Dreizehnten vom Vierzehnten, zwei weitere Punkte sind es bis zum Relegationsplatz. Eine Menge, fünf Spiele vor Schluss, aber es sind schon merkwürdige Dinge passiert in vergangenen Jahren.Wenn die Ereignisse des Vorjahres sich wiederholen, können Hannover 96 und der SC Freiburg ihre Spieler heute schon in Urlaub schicken. Nach 29 Spieltagen der Saison 2013/14 sah das Tabellenende so aus: 18. war Eintracht Braunschweig mit 25 Punkten, 17. der 1. FC Nürnberg mit 26, 16. der Hamburger SV mit 27. Und am Saisonende war Eintracht Braunschweig 18. mit 25 Punkten, der 1. FC Nürnberg 17. mit 26, der Hamburger SV 16. mit 27 Punkten. Von Abstiegskampf keine Spur.

Aber auch dann, wenn sich die Tabellenletzten mehr wehrten als im vergangenen Sommer, half es ihnen oft nicht mehr. 1995 wurde in der Bundesliga die Drei-Punkte-Regel eingeführt. Neunzehn Saisons sind seither vergangen, 57 Teams standen nach einem 29. Spieltag auf einem der drei letzten Plätze. 46 sind dort geblieben, nur elf standen nach 34 Spieltagen auf dem 15. Tabellenplatz oder höher. Oft wurde die Rettung erschwert durch größere Rückstände als in diesem Jahr, in dem der HSV als Tabellenletzter vier Punkte vom 15. Platz entfernt ist. Aber auch knappere Abstände blieben oft bestehen.

Den besten Abstiegskampf lieferten die Tabellenletzten in der Saison 2009/10: Der SC Freiburg, Hannover 96 und Hertha BSC standen nach 29 Spieltagen auf Platz 16, 17 und 18. Die Breisgauer und Niedersachsen retteten sich und brauchten dafür nicht einmal die Relegation. Nur Hertha blieb Letzter.

Das ist normal: Alle, die seit 1995/96 an diesem Zeitpunkt der Saison auf dem letzten Platz standen, sind abgestiegen - bis auf den Sonderfall Borussia Mönchengladbach. Diese rettete sich 2010/11 allerdings erst in der Relegation. Den 15. Platz erreichte auch sie nicht mehr.

Schlechte Aussichten also für den HSV, den VfB Stuttgart und den SC Paderborn - aber es gibt etwas, das diesen drei Klubs Hoffnung macht: Das Verhalten des Fünfzehnten. Hannover 96 hat zuletzt dreizehn Mal nicht gewonnen, zuletzt 2:0 gegen den FC Augsburg am 16. Dezember. Nach dem 19. Spieltag, dem 1:1 gegen Mainz 05, ärgerte man sich in Niedersachsen noch über den Punktverlust im Rennen um den Europapokal. Jetzt beträgt der Vorsprung auf die letzten drei Plätze nur noch zwei, drei und vier Punkte und der Klub hat den Trainer gewechselt. Die 96er retten soll nun Michael Frontzeck.

Das ist bemerkenswert, denn dieser Trainer hat bisher noch jeden Klub in die 2. Liga geführt, der ihn nicht rechtzeitig herausgeworfen hat: 2007 stieg Frontzeck mit Alemannia Aachen ab, 2009 mit Arminia Bielefeld. Und sein Heimatklub stand - 2010/11, im zweiten Jahr mit dem gebürtigen Mönchengladbacher! - auf dem letzten Platz, rettete sich aber, siehe oben, in der Relegation. Allerdings hatte schon zum 23. Spieltag Lucien Favre übernommen und bis zum 34. Spieltag einen Sieben-Punkte-Rückstand aufgeholt.

Mainz 05, der 1. FC Köln und Hertha BSC sind mit sieben Punkten und etlichen Toren Vorsprung auf den Relegationsplatz noch nicht ganz gerettet, aber zumindest auf einem exzellenten Weg. Der Blick in die alten Abschlusstabellen zeigt seit Einführung der Drei-Punkte-Regel keinen einzigen Bundesligisten, der nach 29 Spielen noch so weit von den Abstiegsplätzen entfernt war. Der 1. FC Köln (1998) und Arminia Bielefeld (2003) gaben jeweils einen Fünf-Punkte-Vorsprung ab - das waren die extremsten Fälle.

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