Der Achter ist auf dem Rückweg

Christian Karn. Mainz.
Ein lange vermisstes Gesicht war beim Dienstagstraining des FSV Mainz 05 auf dem Platz zu sehen: Christoph Moritz trainierte erstmals seit Monaten wieder komplett mit. Eine Option für das Spiel in Augsburg ist der Achter nicht. Die 05er wollen den Mittelfeldspieler mit der nötigen Geduld wieder zu einem Kaderkandidaten aufbauen. Trainer Martin Schmidt freut sich sehr auf Moritz' Rückkehr: "Seine Positivität ist ansteckend."

Den alleroffensichtlichsten Anteil am Erfolg des FSV Mainz 05 im ersten Saisonviertel mag Christoph Moritz nicht haben. Dennoch lässt sich spätestens auf den zweiten Blick schon in den Statistiken der Wert des Mittelfeldspielers erkennen: Achtmal blieben die 05er zu Saisonbeginn ungeschlagen. In sieben dieser Spiele war der Mann mit der Rückennummer 8 auf dem Platz, lediglich gegen Eintracht Frankfurt saß er nur auf der Bank.

Für kurze Ärmel wie hier im Sommer-Trainingslager reicht es noch nicht, aber immerhin ist Christoph Moritz zurück im Mannschaftstraining. Als Wasserträger sollte der Mittelfeldmann aber vorsichtig sein. "Solche Verletzungen kommen nicht im Training, sondern im Alltag zurück", sagte Trainer Martin Schmidt. "Wenn man ein Kind hochhebt oder ein Sixpack Wasser." Foto: Jörg Schneider.

Mit dem kurzfristigen Ausfall bei der Partie in Wolfsburg Ende Oktober ging die Herbstmisere der Mainzer los. An diesem komplizierten Sonntag, an dem Wolfsburg mal wieder vom ICE-Netz abgeschnitten war, wurde noch gewitzelt, dass Moritz auch den Zug über Hannover genommen haben könnte. Tatsächlich fehlte der Mittelfeldspieler wegen Rückenproblemen, die ihn seitdem aus dem Bundesliga-Spielbetrieb nahmen. Am heutigen Dienstag, fast fünf Monate nach Moritz' letztem Einsatz, dem Heimspiel gegen den FC Augsburg, kam der Achter ins Mannschaftstraining zurück.

"Ich war ja nicht komplett weg", sagte Moritz. "Aber es war schön, mal wieder im Wettkampf zu sein. Und wir haben kein Spiel verloren!"

05-Trainer Martin Schmidt hatte der Mannschaft Pressingübungen verordnet. Drei Mannschaften, die reihum auf engem Raum gegeneinander spielten. Aggressivität war dabei zu sehen, Zweikämpfe, schöne Tore, darunter ein wunderbarer Heber von Shinji Okazaki von links in den rechten Winkel. "Wir wissen, wie selbstbewusst Shinji ist, wenn er trifft", sagte Schmidt. "Daran zieht sich die ganze Offensive hoch. Man weiß dann wieder, warum man presst. Das Tor gegen Gladbach war für ihn ein Schlüsselerlebnis." Gegen die Borussia hatte der Stürmer, der im Sommer 2013, im Sommer 2014 und im Winter 2014/15 wegen diverser Turniere mit der japanischen Nationalmannschaft keine angemessene Regenerationszeit hatte, sein erstes Bundesligator seit 756 Spielminuten geschossen. "Jetzt weiß er: Ich kann wieder treffen", sagte Schmidt. "Und er hat im Training wunderschöne Tore geschossen."

Die Trainingsgruppe ist überschaubar groß in diesen Tagen. Neben Pierre Bengtsson, der so kurz nach seiner Erkrankung nur lief, und dem verletzten Todor Nedelew fehlen Benedikt Saller, Devante Parker, Patrick Pflücke und Robin Zentner, die am Dienstagabend mit der U23 in Unterhaching spielen - Damian Roßbach, der im Team von Sandro Schwarz wegen einer Gelbsperre aussetzen muss, war dabei. Außerdem fehlen Jairo, der im Sonntagstraining umgeknickt ist und nun Probleme mit dem Sprunggelenk hat, und Christian Clemens wegen Adduktoren- und Leistenbeschwerden. Wann die beiden wieder zur Verfügung stehen, ob Moritz ihnen gar zuvorkommen wird, ließ sich so schnell nicht prognostizieren.

Dieser ist für das Rückspiel gegen den FC Augsburg am Samstag noch keine Option. Gleichwohl freut sich Martin Schmidt sehr über die Rückkehr des Achters: "Seine Positivität, im Geiste und in den Fußballfähigkeiten, ist ansteckend. Er macht uns besser. Aber er war lange raus. Ihm fehlt jetzt viel im Ausdauerbereich. Er wird jetzt eine oder zwei Wochen hüpfen wie der Osterhase, aber dann kommt die Zeit, in der man ihn wegpacken muss." Das Ziel des Trainers: Moritz innerhalb von zwei oder drei Wochen zu einem Kaderkandidaten aufbauen. Das sieht der Spieler genauso: "Ich werde Kontakt zu Sandro Schwarz aufnehmen, um schon einmal in der dritten Liga zu spielen." Auch Schmidt kündigte an: "Er braucht einen Check, wie er mit Gegnerdruck umgeht. Aber er ist ein offener Typ, er bietet das an. Er kann in der U23 mal 20 Minuten spielen, vielleicht 45, wenn er das schon schafft. Er wird ein Riesengewinn für uns."