Der dreifache Danny

Christian Karn. Mainz.
Zwischendrin war der FSV Mainz 05 auf dem Weg zur vierten Niederlage in Folge. Dass es am Ende stattdessen einen 3:1-Heimsieg gegen den Hamburger SV gab, lag nicht nur an Danny Latza. Der Hattrick des defensiven Mittelfeldspielers, der binnen 33 Spielminuten plus Halbzeitpause sein erstes, zweites und drittes Bundesligator schoss, entschied aber ein bisweilen hektisches, selten schönes, oft wildes Kampfspiel und gab den Mainzern den lange erhofften Stand von 20 (oder mehr) Punkten bis Weihnachten.

FSV Mainz 05 - Hamburger SV 3:1 (1:1)

Samstag, 17. Dezember 2016, 30.179 Zuschauer.

FSV Mainz 05: Lössl - Donati, Bell, Hack, Brosinski - Ramalho (83. Frei), Latza (90. Bussmann) - Onisiwo (76. Öztunali), Malli, de Blasis - Córdoba.
Reserve: Huth, Balogun, Jairo, Seydel. Trainer: Schmidt.

Hamburger SV: Mathenia - Diekmeier (70. Hunt), Jung, Spahic, Santos - Sakai, Ostrzolek - N. Müller, Gregoritsch (70. Waldschmidt), Kostic - Wood (84. Lasogga).
Reserve: Mickel, Jatta, Ekdal, Götz. Trainer: Gisdol.

Schiedsrichter: Aytekin (Oberasbach).

Tore: 0:1 Wood (21., Ostrzolek), 1:1 Latza (35., nach Fehlpass), 2:1 Latza (56., nach abgeblocktem Schuss), 3:1 Latza (67. Malli).

Gelbe Karten: de Blasis, Latza - Spahic, Gregoritsch, Ostrzolek.

Der Held des Spiels ging in der 90. Minute vom Platz. "Wir bedanken uns bei unserer Nummer 6", rief Klaus Hafner ins Mikrophon, "dem dreifachen Danny!" Gaetan Bussmann kam rein für die letzten Minuten, Danny Latza bekam den Applaus für den unerwartetsten Hattrick seit David Kinsombis Abstauber-Triple im U17-Spiel gegen den FC Augsburg vor fünfeinhalb Jahren. Die 05er waren gegen den Hamburger SV auf den Weg zur nächsten Niederlage, hatten das 0:1 kassiert, kamen nicht in den Strafraum - drei Weitschüsse des defensiven Mittelfeldspielers machten daraus einen am Ende nicht mehr gefährdeten 3:1-Heimsieg. Viel später, das Stadion war schon fast leer, die meisten Spieler in der Kabine, wartete Latza noch mit dem Matchwinnerball unter dem Trikot und einer warmen Decke über den Schultern aufs Interview, als drei junge Männer von links auf den Platz rannten, mit dem Torjäger des Tages ihre Erinnerungsfotos schießen wollten. Die Ordner kassierten die Jungs ein, das eine oder andere Bild dürfte es geben.

Vier Änderungen hatte es wieder in der Mainzer Startelf gegeben: Nach seiner Sperre kam Jhon Córdoba zurück in die Mannschaft, Karim Onisiwo rückte zurück auf die linke Seite, Jairo Samperio blieb draußen, ebenso gegenüber Levin Öztunali, für den Pablo de Blasis spielte. Im Zentrum ersetzte André Ramalho den erneut gesperrten Jean-Philippe Gbamin, links hinten verteidigte Daniel Brosinski anstelle von Gaetan Bussmann. Der HSV spielte exakt wie erwartet.

Die Mainzer begannen offensiv, ohne es aber in den Strafraum zu schaffen. Lediglich Alexander Hack rutschte in der achten Minute in einen Eckball, aber ohne das HSV-Tor zu gefährden. Einwürfe hatten die 05er gegen die destruktiv verteidigenden Hamburger, ihre Seitenwechsel kamen nur an, wenn die Hamburger Außenverteidiger sie unterschätzten. Die erste gute Flanke kam in der 14. Minute von Giulio Donati; Córdoba wurde gerade entscheidend genug gestört, dass sein Kopfball für den HSV-Torwart Christian Mathenia kein Problem war. Stefan Bell verpasste die nächste, die Yunus Malli in der 17. Minute vom linken Strafraumeck schlug. Es war ein Freistoß, nach einem zu hohen Abwehrbein; die vielen Ringergriffe von Gideon Jung gegen Córdobas Hals dagegen interessierten Deniz Aytekin nicht.

Aber in Führung ging der HSV. In der 21. Minute ließen die 05er dem Angriff auf ihrer halblinken Abwehrseite zu viel Platz, Bobby Wood zog ein Stück außerhalb des Strafraums einfach ab, Jonas Lössl flog, aber der Ball war drin. Eine Minute später hätte die Führung wieder fallen können; Córdoba kam vielleicht etwas zu weit seitlich an den Ball, schoss hart am langen Eck vorbei. Statt dessen verhinderte reiner Zufall in der 26. Minute das 0:2. Wieder bekamen die 05er einen Angriff auf ihrer linken Seite nicht in den Griff. Filip Kostic schoss Ramalho den Ball ans Hinterteil, Nicolai Müller nahm den Ball wohl eher zufällig als vorsätzlich mit dem Arm mit, lupfte über Lössl. Der Ball kam von der Latte zurück, Alex Hack räumte in einer Bewegung Ball und Gegner ab, verhinderte den zweiten Nachschuss des Ex-05ers. Statt des Elfmeters, den die Hamburger bereits zum zweiten Mal wollten (in der 2. Minute hatte Hack den Ball aber mit der Brust abgewehrt), gab es Eckball. Und den schnappte sich Lössl. Und in der 30. Minute rannte Michael Gregoritsch André Ramalho einfach davon, kam ohne Mühe in eine gute Schussposition, passte aber lieber quer auf den nicht vorhandenen Mitspieler.

Die 05er dagegen hatten viele Ballkontakte am Strafraum, in den Sechzehner kamen sie nur mit dem Rücken zum Tor. Gefährlich war das nicht - bis in die 35. Minute. Gerade erst hatte Jonas Lössl seinen kleinen Fehler gutgemacht; zwar erst einen harmlosen Freistoß ins Toraus springen lassen, den Eckball aber gefangen. Vom Abschlag an ging es schnell. Onisiwo war auf einmal rechts durch, hatte aber keinen brauchbaren Winkel zum Tor. Den Pass des Österreichers auf de Blasis fingen Douglas Santos ab, sein Pass auf der Abwehr heraus ging aber direkt Danny Latza vor die Füße. Der hielt knapp innerhalb des Strafraums kurzerhand aufs linke Eck, ganz unhaltbar sah's nicht mal aus, der Ball war nicht hart geschossen, war lange unterwegs, aber er war gut platziert, Mathenia fehlten die entscheidenden Zentimeter. Córdoba ging nochmal mit dem Kopf durch die Wand, schoss aber übers Tor (40.), dann drohte das Spiel kurz zu eskalieren: De Blasis wollte zu expressiv Gelb gegen Jung, der mal wieder Córdoba gehalten hatte, bekam selbst die Karte vors Gesicht gehalten, wurde beim folgenden Freistoß wegen Abseits zurückgepfiffen, diskutierte das noch einmal mit Aytekin aus. Die 05-Tribüne tobte, der Schiedsrichter blieb ruhig, auch de Blasis kam wieder runter.

In 33 Bundesligaspielen für Schalke 04 und Mainz 05 hatte Danny Latza gar nicht getroffen, im 34. gleich dreimal. Dafür gab's den Matchwinnerball unters Trikot. Foto: imagoUnd begann den schönen ersten Angriff der zweiten Hälfte in der 48. Minute. Unter Druck bekam der Argentinier am eigenen Strafraum den Ball nach links zu Yunus Malli. Der lief und lief, spielte quer auf Latza, dessen fieser Wackelschuss am Tor vorbei flatterte. Auch Hack hätte das 2:0 machen können, bekam aber mit dem Kopf keinen Druck hinter Mallis Freistoßflanke. Nur eine Minute später aber gingen die 05er in Führung: Yunus Malli spielte nach Pass von Brosinski fein und direkt vors Tor, Emir Spahic wehrte den Querpass ab vor die Füße von Onisiwo, blockte auch dessen Schuss, aber wieder zog Latza aus dem Hintergrund ab. Aus gut 20 Metern ging der Ball an den linken Innenpfosten und ins Tor.

Und die Führung tat den 05ern gut. Sie spielten hinten selbstbewusster, hatten vorne ihre Szenen, machten den HSV nervös. Mathenia kam zuerst an die Steilpässe, die um die 60. Minute auf ihn zu flogen, aber es war eng. Und gegen Latza hatte der gebürtige Mainzer sowieso keine Chance: Der Sechser machte in der 67. Minute seinen Hattrick voll. Donati flankte, Malli schoss sich selbst an, Latza hielt wieder drauf und diesmal war's sein schönstes Tor, fast aus der gleichen Position, nur etwas weiter rechts, ein Kracher oben ins linke Eck.

Die Entscheidung? Noch nicht. Der HSV wehrte sich, machte Druck, war nicht immer ungefährlich. Die 05er konterten, Malli, der sich auf einmal viel mehr zutraute, und Onisiwo, der viel Einfluss aufs Spiel hatte, an allen drei Latza-Treffern beteiligt war, hatten Szenen vor dem Tor. De Blasis ließ Mathenia nach einer Ecke nochmal fliegen, der HSV hatte bei aller Hektik, die er in die Mainzer Abwehr bringen wollte, keine Torchancen mehr. Am Ende war's nicht mehr spannend, die 05er haben nun ihre 20 Hinrundenpunkte.

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