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Christian Karn. Mainz.
Seit kurzem ist sie vorbei, die zehnte Saison des FSV Mainz 05 in der Bundesliga. Es waren zehn mal mehr mal weniger turbulente, oft spannende, häufiger euphorisierende als deprimierende Spielzeiten, die häufiger in den Europapokal als in die 2. Bundesliga führten, in denen die 05er einen Rekord einstellten und wieder verloren, in denen sie ein neues Stadion bekamen, neue Helden begrüßen durften und alte verabschieden mussten. Zehn Jahre, deren verschiedene Aspekte die nullfünfMixedZone aufbereitet hat und in diesen Tagen in einer Serie vorstellen wird. Heute beenden wir die Weltreise zu den Geburtsorten der 05-Profis in Asien, Afrika und Amerika.

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Gut zehn Jahre ist es her, dass die gerade erst neu geregelte Beschränkung von Nicht-UEFA-Ausländern im deutschen Profifußball gefallen ist. Eigentlich sollte das Kontingent an außereuropäischen Spielern pro Verein bis 2006/07 sukzessive auf maximal drei heruntergefahren werden, statt dessen aber wurde bereits 2006 beschlossen, die Begrenzung komplett wegfallen zu lassen, statt dessen eine Mindestanzahl von einheimischen Spielern vorzuschreiben; momentan sind es acht Mann pro Verein, die in Deutschland ausgebildet worden sein müssen, vier davon im eigenen Klub - wobei "ausgebildet werden" definiert ist als "im Alter von 15 bis 21 Jahren mindestens drei Jahre spielberechtigt sein".

Natürlich lässt das viele Hintertüren offen. Mainz 05 ging in die vergangene Saison mit fünfzehn in Deutschland ausgebildeten Spielern, aber nur vier davon - die Mindestzahl - kamen aus dem eigenen Nachwuchs. Stefan Bell war Stammspieler, Jannik Huth, Devante Parker und Robin Zentner jedoch kommen auf insgesamt genau zwei Bundesliga-Einsätze. Mit Suat Serdar kam bald ein Fünfter dazu, der bereits regelmäßig spielt. Gemogelt ist das nicht, Regeldehnung ebenso wenig.

Das aber sei nur ein Exkurs. Es soll an dieser Stelle um die Konsequenzen des anderen Aspekts gehen, um die Nichteuropäer der 05er. Drei stehen momentan unter Vertrag, nämlich der Argentinier Pablo de Blasis, der Kolumbianer Jhon Córdoba und der Japaner Yoshinori Muto. Erst kürzlich verabschiedet hat sich Córdobas Landsmann Elkin Soto, im Winter ist der Chilene Gonzalo Jara gegangen, im vergangenen Sommer der Japaner Shinji Okazaki, die Koreaner Ja-Cheol Koo und Joo-Ho Park, der Costaricaner Junior Díaz und der Chilene Nicolás Castillo.

Das bedeutet, dass die 05er erst kürzlich für Ostasiaten interessant wurden - und nun, da von vier Mann nur noch einer übrig ist, der wiederum fast die komplette Rückrunde verpasst hat, auch dieses Interesse gewaltig nachgelassen hat. Die vielen japanischen Journalisten und Fans hat man in der Coface Arena schon eine ganze Weile nicht mehr gesehen, und dass man sich durch eine Horde koreanischer Groupies drängeln musste, die allesamt in den damaligen Leverkusener Heung-Min Son verliebt waren, ist auch erst einmal Geschichte. Immer mal wieder zeichnete sich eine Asienreise am Horizont ab, um auch mögliche Sponsoren zu becircen, aber das scheint sich einstweilen erledigt zu haben. Erst einmal fliegen die 05er im Juli als Botschafter der Bundesliga in die USA zu ihrem ersten Interkontinentaltrip seit 1988 - Trainingslager im asiatischen Teil der Türkei und ein Europapokalspiel im geographisch zu Asien gehörenden Armenien zählen wir hier nicht mit.

Unsere Landkarte zeigt auch, dass Afrikaner zuletzt nicht auf den 05-Listen standen: Mohamed Zidan ist seit einer Weile weg, muss aber sowieso fast eher als Däne denn als Ägypter geführt werden, Mimoun Azaouagh als Frankfurter. Haruna Babangida war letztlich ein Fehlgriff, Anthony Ujah war am Ende froh, nicht wieder nach Mainz zu müssen. Da bleibt Aristide Bancé, der an der Elfenbeinküste geborene Stürmer Burkina Fasos. Keiner aus den wichtigen Fußballnationen Kamerun, Senegal, Ghana - jedenfalls keiner, der dort zur Welt kam: Otto Addo ist Hamburger; Daniel Gunkel, Karim Onisiwo, Leon Balogun haben jeweils europäische Mütter und wurden in Berlin, Frankfurt, Wien geboren.

So stammen die meisten außereuropäischen Fußballer der 05er aus Amerika, fast alle aus den spanischsprachigen Ländern des Südteils. Denn auch Brasilianer gewöhnte sich Christian Heidel bald ab, "da hängen immer Sklavenhändler drin", sagte der ehemalige 05-Manager einmal, mit dem brasilianischen Talente-Großhandel wollte er nach schlechten Erfahrungen mit dem Stürmer Romulo und dem Flügelspieler Wellington nichts mehr zu tun haben.

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