Der lange Weg zurück

Jörg Schneider. Mainz.
Seit Oktober vergangenen Jahres hat Christoph Moritz kein volles Bundesligaspiel mehr bestritten. Anhaltende Rückenprobleme kosteten den damaligen Stammspieler des FSV Mainz 05 die fast komplette Restsaison. In der Vorbereitung hat sich der technisch starke 25-Jährige wieder einen Platz im Kader erkämpft, weiß aber, dass er seine Ziele zunächst nicht allzu hoch stecken sollte. „Wenn ich gut trainiere, bin ich auch zuversichtlich, dass ich meine Einsatzzeiten kriege“, sagt der Mittelfeldmann.

Christoph Moritz hat sich nach einer sechsmonatigen Verletzungspause in der Saisonvorbereitung wieder nahe ans 05-Team herangearbeitet. Foto: Jörg Schneider.Christoph Moritz hat am 18. Oktober des vergangenen Jahres sein letztes volles Bundesligaspiel für den FSV Mainz 05 bestritten. Beim 2.1-Erfolg gegen den FC Augsburg in der Coface Arena. Als Stammspieler, der bis dahin, damals noch unter Trainer Kasper Hjulmand, nicht immer, aber regelmäßig in der Startelf der 05er stand. Die Leidenszeit des 25-jährigen begann mit Rückenproblemen. Schwierigkeiten, die sich verstärkten und nicht in den Griff zu bekommen waren, die den Mittelfeldspieler die komplette Restsaison kosteten. Immer wieder Arzttermine, Untersuchungen, Behandlungen, Reha-Arbeit, missglückte Arbeitsversuche.

Seite Ende April geht es aufwärts. Moritz bekam grünes Licht von den Ärzten, begann mit dem Training und arbeitete intensiv an seinem Comeback. In dieser Saisonvorbereitung des Bundesligisten arbeitete sich der technisch starke und vielseitige Profi wieder heran an den engeren Kreis der Mannschaft. Mit Erfolg, denn beim 1:2 im Abschlusstest beim englischen Zweitligisten Rotherham United gehörte Moritz zum 16er-Kader der Feldspieler, die Martin Schmidt nominierte und auch im DFB-Pokalspiel am Sonntag bei Energie Cottbus dürfte der 05-Profi auf der Bank sitzen.

„Das war wirklich kein gutes Jahr für mich. Das ist alles nicht gut gelaufen“, sagt Moritz, der nach seiner Verletzung weit unten anfangen musste. „Ich war noch nie der Schnellste. Durch die Verletzung bin noch ein wenig langsamer geworden. Daran musste ich als erstes arbeiten. Ich war aber froh, überhaupt wieder im Training zu sein, eine Vorbereitung mitzumachen.“ Der 05-Profi zeigte sich schon zu Beginn topfit, wirkte sehr präsent und ehrgeizig im Training und tauchte in den Testspielen auf allen möglichen Positionen im Mainzer Team auf. Anfangs als Innenverteidiger, später als Rechtsaußen, zuletzt auf der linken offensiven Seite. „Das war so abgesprochen, weil wir anfangs eine ungünstige Situation und im Kader zu wenig Leute hatten für die Innenverteidigerposition“, erzählt der 25-Jährige. „Für einen Mittelfeldspieler ist es nicht das absolut große Problem in den anfänglichen Freundschaftsspielen Innenverteidiger zu spielen. In den ersten drei Spielen war das sowieso einfach. Aber gegen St. Etienne war da schon eine andere Qualität gefragt“ Er wolle nicht behaupten, dass er der geborene Zentrumsverteidiger sei. Besonders beim Gegentor zum 1:1 gegen die Franzosen habe er Lehrgeld bezahlt. „Da hat mir Stefan Bell, mit dem ich das Zimmer im Trainingslager geteilt habe, nachher bestens erklärt, was ich da alles falsch gemacht habe. Trotzdem hat es mir Spaß gemacht.“

"Man braucht die gleiche Zeit, um wieder reinzukommen"

Das Gefühl, dass die Einsätze auf den ihm fremden Positionen, seinen Chancen auf ein Bundesliga-Comeback abträglich gewesen sein könnten, hat Moritz nicht. „Mir war vor der Vorbereitung schon bewusst, dass ich in den ersten vier Wochen nicht auf meinem Top-Niveau bin. Ich war sechs Monate raus, bin im April eingestiegen. Man sagt, man braucht die gleiche Zeit, um wieder reinzukommen. Solange hat es nicht gedauert, aber mir war klar, dass ich ein, zwei Monate Training brauche, um mein normales Niveau zu erreichen“, sagt Moritz. „Das hat sich von Woche zu Woche gesteigert. Aber es gab auch Situationen, in denen du denkst, du hast dich doch im Oktober gut gefühlt, hast mit Selbstbewusstsein Fußball gespielt, und plötzlich scheint sich alles verflüchtigt zu haben im Spiel mit dem Ball. Du musst dir alles step by step zurückholen. Es war für mich nicht hinderlich, dass ich nicht von Anfang an im Mittelfeld dem Druck von allen Seiten ausgesetzt war. Hinten zu spielen oder auch auf der rechten und linken Seite waren kleine Schritte für mich, um wieder hin zu kommen.“

Damals, im 05-System des dänischen Trainers, war Moritz als Achter gesetzt. Diese Position gibt es in Martin Schmidts Grundordnung nicht. Der Mittelfeldspieler muss sich als Sechser beweisen oder halt auch auf dem Flügel. Und überall ist die Konkurrenz groß. „Das ist Bundesliga“, sagt der Profi. „Johannes Geis ist gegangen. Fabi Frei und Danny Latza sind gekommen. Klar, dass es nun in unserem 4-2-3-1 mehr Kandidaten gibt, die für die Rollen in Frage kommen. Wenn ich gespielt habe, dann ja meistens im Systemwechsel. Doch das entscheiden letztlich die Trainer.“

Er müsse zunächst seine Arbeit tun, sich optimal vorbereiten und auf den Punkt genau bereit sein. „Wenn ich gut trainiere, bin ich auch zuversichtlich, dass ich meine Einsatzzeiten kriege. Auch wenn es zunächst immer nur ein paar Minuten sind. Ich mache mir da eigentlich keine Sorgen“, sagt Moritz, der zu den technisch besten Akteuren im Kader gehört und aufgrund seiner Vielseitigkeit immer eine Alternative für den 05-Trainer sein wird. „Letztendlich waren wir bei Mainz 05 ja auch immer sehr flexibel, was die Position oder die Taktik angeht. Ich bin jedenfalls bereit, richtig Gas zu geben.“

Das gute Teamgefüge, das Zusammengehörigkeitsgefühl innerhalb der Gruppe erleichtere vieles, sagt Moritz. „Ich verstehe mich gut mit allen Leuten und bin der Letzte, der irgendwo schlechte Stimmung macht. Ich weiß, dass ich gut kicken kann, wenn ich in Form bin. Wir alle sind ein großes Team. Das muss man immer betonen. Es ist immer ein gutes Gefühl vor den Spielen, wenn die Leute, die mit dir in Konkurrenz stehen, dir kein schlechtes Spiel wünschen. Das kannte ich vor Mainz 05 so nicht.“

Falsche Einsatzstatistiken in der Einleitung des Artikels wurden nachträglich korrigiert.
 

► Alle Artikel zur Kaderplanung

► Zur Startseite