Der Papa sorgt für die Bodenhaftung

Jörg Schneider. Mainz.
Das ist ein im heutigen Profi-Geschäft ungewöhnlicher Werdegang, der Florian Niederlechner in den Kader des FSV Mainz 05 geführt hat. Der 24-Jährige hat nicht wie inzwischen üblich die Förderung in einem Nachwuchs-Leistungs-Zentrum durchlaufen, sondern sich mit zweistelligen Trefferquoten von der Kreisliga über Landes- und Bayernliga, über die Dritte und Zweite Liga kontinuierlich nach oben gearbeitet. Jetzt will er sich in der Bundesliga durchsetzen. „Raus auf den Platz, volle Kanne Gas geben und Tore schießen. Das ist mein Ziel“, sagt der Stürmer selbstbewusst.

Florian Niederlechner erzählt auf der Bruchweg-Tribüne von seinem ungewöhnlichen Werdegang. Foto: Jörg SchneiderDer Kindheitstraum, Profi-Fußballer zu werden, war früh geplatzt. Bei seinem Lieblingsverein, dem TSV 1860 München, bei dem er als glühender Fan in der Kurve stand, fiel er nach kurzer Zeit durchs Raster. Aussortiert aus der U13. Zu klein. Zu langsam. Also zurück zum TSV Ebersberg, seinem Heimatverein, 30 Kilometer vor den Toren Münchens, in die Jugend-Kreisliga. Statt Löwen-Internat, Ausbildung als Industriekaufmann und nebenher kicken.

„Meine Karriere ist etwas anders verlaufen als die der meisten“, sagt Florian Niederlechner. Der Neuzugang des FSV Mainz 05 sitzt auf der Tribüne des Bruchwegstadions und erzählt im Pressegespräch, wie es dennoch dazu gekommen ist, dass er heute zum Kader eines etablierten Bundesligisten gehört. Niederlechners Werdegang ist heutzutage eine Seltenheit im Profi-Geschäft. Der 24-Jährige kommt nicht aus der Förderung in einem Nachwuchs-Leistungs-Zentrum, doch sein Weg hat trotzdem kontinuierlich nach oben geführt. „Ich hatte Glück, dass die Vereine zum richtigen Zeitpunkt bei mir draufgeschaut haben“, sagt der Neu-05er. Jugend-Kreisliga, Landesliga, Bayernliga, Dritte Liga und Zweite Liga. „Ich bin ein Stürmer, der immer viel für die Mannschaft arbeitet, der sich als erster Defensivarbeiter sieht. Und ich habe überall zweistellig getroffen.“

Einer der bei Niederlechner richtig hinschaute, war Manfred Schwabl. Der Ex-Profi des FC Bayern München suchte 2011 als sportlicher Leiter der SpVgg Unterhaching junge, hungrige, vor allem preisgünstige Spieler, weil dem Klub der Hauptsponsor abgesprungen war. Eine Chance, die Niederlechner nutzte. Mit zwölf Drittliga-Toren und drei Vorlagen machte der 1,86 Meter lange Stürmer auf sich aufmerksam und rief den FC Heidenheim auf den Plan. Beim Zweitligisten folgten 15 Treffer und zehn Torvorlagen in 33 Spielen. „Ich kann selbstbewusst sagen, dass ich eine super Saison dort gespielt habe“, erklärt der Angreifer. Zwei Millionen Euro Ablöse war den 05ern diese Leistung wert.

In dieser Szene scheitert Florian Niederlechner an Torhüter Robin Zentner. Doch der neue 05-Stürmer hat in den wenigen Trainingseinheiten schon etliche Treffer erzielt. Foto: Jörg SchneiderUnd in den ersten Trainingseinheiten am Bruchweg deutet der Neu-05er an, dass er gewillt ist, sich auch in der Bundesliga durchzusetzen. Niederlechner schuftet im Training, stürzt sich in die harte Arbeit gegen den Ball. „Diese Art zu spielen mag ich. Das passt zu meinem Charakter. Gegenpressing spiele ich sehr gerne.“ Und dabei fällt auf: Der Stürmer kann was an der Kugel und weiß, wo das Tor steht, wie man so sagt. Wenn sich im Trainingsspiel die Chance auftut, dann vollstreckt Niederlechner auch regelmäßig, zeigt vielversprechende Ansätze.

„Die Tore in der vergangenen Saison haben mir als Stürmer viel Selbstvertrauen gegeben. Klar, ich muss mich immer neu beweisen, aber wenn ich richtig Gas gebe und das umsetze, was der Trainer will, glaube ich an Einsatzzeiten“, sagt er. Auch in der Startelf und am liebsten schon im ersten Spiel gegen den FC Ingolstadt. „Gegen die habe ich im letzten Jahr zweimal verloren. Da ist noch etwas gutzumachen.“

Florian Niederlechner wirkt sehr selbstbewusst, aber dabei auch geerdet und bodenständig. „Ich bin Oberbayer“, betont er so, als sei damit alles gesagt. Er wolle sich hier in Mainz durchsetzen. Er wolle, dass die Leute hier sagen, da komme einer, der Gas gebe und Spaß dabei habe. „Als Stürmer willst du Tore machen. Das ist mein Ziel.“ Die Gefahr, dabei abzuheben, bestehe nicht. „Da ist der Papa mit der Hand schnell drauf und drückt mich wieder runter“,

Niederlechner, der mit seinem vom FC Heidenheim nach Wiesbaden gewechselten Kumpel Michael Vitzthum in eine WG gezogen ist, fühlt sich auf Anhieb wohl in Mainz. „Das ist jetzt keine Standardfloskel“, sagt er, „vom Zusammenhalt her ist es hier super. Die Mannschaft macht einem den Einstieg leicht. Da wurde direkt gesagt, wir gehen zusammen Essen und reden. Ich glaube, da passe ich ganz gut rein.“

Mit dem Interesse der 05er habe er sich erst spät beschäftigt. „Nach dem vorletzten Zweitligaspiel in Aalen ist es konkreter geworden.“ Vorher habe er gesagt, er wolle sich nur auf seine Mannschaft konzentrieren, sich nicht von Wechsel-Ambitionen ablenken lassen. „Deshalb bin ich auch in Heidenheim gut gegangen worden.“ Das sei ihm wichtig, sagt der 05-Profi. Und auch, dass es der Verdienst der kompletten Heidenheimer Mannschaft gewesen sei, dass er selbst den Sprung in die Bundesliga geschafft habe.

Was daraus wird, muss Niederlechner nun zeigen. Dass der Klub noch einen Stürmer holen will, um den Abgang von Shinji Okazaki zu kompensieren, stört ihn nicht. „Ich komme aus der Zweiten Liga und will mich durchsetzen. Raus auf den Platz und volle Kanne. Wenn dabei Tore rauskommen, umso besser. Das ist mein Ziel.“

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