Der Volksheld ist wieder zuhause

Christian Karn. Mainz.
Nur fühlt es sich noch nicht so an, denn zwei Tage nach seiner Rückkehr zu seinem Heimatklub Once Caldas fühlt sich Elkin Soto noch ein bisschen fremd in seiner Heimatstadt Manizales. Zehn Jahre beim FSV Mainz 05 haben ihre Spuren hinterlassen. Der Mittelfeldspieler, in Mainz sowieso ein Volksheld, in Kolumbien seit dem Sieg in der Copa Libertadores vor zwölf Jahren auch, hat nun aber einen ganzen neuen Einjahresvertrag plus Option auf Verlängerung Zeit, um sich wieder an Once, an Manizales, an die kolumbianische Liga, nach seiner langen Verletzung auch wieder an den Profifußball zu gewöhnen. Darauf freut sich Elkin Soto.

Als junger, langhaariger Nationalspieler von Once Caldas hat Elkin Soto (vorne, zweiter von rechts) 2004 im Finale der Copa Libertadores seinen Elfmeter verwandelt und mit Erfolg den Kollegen die Daumen gedrückt. Auf den Tag genau zwölf Jahre später unterschrieb der Held der Mainzer und der Manizaleños einen neuen Vertrag bei seinem Heimatklub. Foto: imagoDa steht er im Bauch des Estadio Palogrande und streift sich über seinen schwarzen Pullover ein weißes Trikot, das mit seiner vielen Werbung eher an den Radsport erinnert als an Fußball. Aber er trägt es mit Stolz und seinem bekannten scheuen Lächeln, denn seine große Hoffnung nach dem Abschied aus Mainz hat sich erfüllt. "Der Held von 2004" sei wieder daheim, verkündet der kolumbianische Erstligist Once Caldas. Elkin Soto ist zurück bei seinem Ex-Klub, für den er sieben Jahre lang gespielt hat, ehe er über die Zwischenstation Barcelona Guayaquil nach Europa kam. Gestern unterschrieb der langjährige 05er einen Einjahresvertrag mit Option auf eine weitere Saison.

Für Once ist das eine große Sache, ist doch Soto ein Symbol für den größten Erfolg der Vereinsgeschichte. Der Klub aus der regnerischen Andenmetropole Manizales ist keine ganz große Nummer in Kolumbien, zwar eine feste Größe in der ersten Liga, aber selbst in einem Wettbewerb, der zweimal im Jahr einen Meister kürt, nur viermaliger Titelgewinner. Es war eine Sensation, dass Once Caldas 2004 mit gnadenlosem Defensivfußball die Copa Libertadores gewann, die südamerikanische Champions League. In der Gruppe hatte Once sich gegen UA Maracaibo aus Venezuela, Vélez Sarsfield aus Buenos Aires und Fénix Montevideo aus Uruguay durchgesetzt, in den K.o.-Spielen gegen Barcelona Guayaquil, den Santos FC und den Sao Paulo FC aus Brasilien und im Finale gegen die Boca Juniors aus Buenos Aires. Die Entscheidung fiel in einem torarmen Elfmeterschießen; nur zwei von acht Schützen trafen an jenem 1. Juli 2004. Einer davon war der junge Elkin Soto.

"Der 1. Juli ist ein wichtiger Tag für uns und für Kolumbien", sagt der alte Fußballprofi Soto jetzt. "Darum bin ich besonders froh, dass ich wieder an einem 1. Juli hier im Palogrande sitze." Tatsächlich wurde Soto als Volksheld empfangen; er hatte alle Mühe, die Euphorie zu dämpfen: Die neue Saison beginnt für Once am Sonntagabend mit einem Auswärtsspiel bei Deportivo Pasto, nahe der ecuadorianischen Grenze, aber noch ohne den Rückkehrer. Wann Soto zum 195. Mal für seinen Heimatklub auflaufen wird, kann er nicht einschätzen. "Ich fühle mich fit und gut", sagt Soto, "hoffe, der Mannschaft bald helfen zu können, aber leider war die Saison in Deutschland schon im Mai vorbei." Seine individuelle Arbeit konnte das seit fast zwei Monaten fehlende Mannschaftstraining nicht ersetzen. Soto, mit fast 36 Jahren ohnehin nicht mehr der Jüngste, fühlt nach 377 Tagen Verletzungspause und nur einer Trainingswoche vor seinem sehr kurzen Comeback im 05-Trikot noch einen gehörigen Rückstand.

"Aber ich will hart arbeiten, um mein Niveau wieder zu erlangen", sagt der Ex-Mainzer. "Ich habe immer gesagt, dass ich noch einmal zu Once zurück will. Es war nicht leicht für mich, Mainz nach zehn Jahren zu verlassen, meine Freunde dort, die Fans. Ich habe mich dort sehr wohlgefühlt, auch in der Kabine mit den Kollegen zusammen zu sein, hat mir gefehlt. Ich freue mich darauf, das mit Once wieder zu erleben. Ich freue ich mich darauf, mich hier wieder zuhause zu fühlen." Zwei Tage nach seiner Rückkehr sei das noch schwierig. "Wenn ich im Urlaub nach Manizales gekommen bin, hatte ich nie Zeit für alles, was ich gern getan hätte. Ich hatte nie genug Zeit, um meine Verwandtschaft zu sehen, ich hatte nie genug Zeit, um alle Dinge zu erledigen. Auch jetzt fühle ich mich unter Zeitdruck. Ich muss mich erst daran gewöhnen, dass hier wieder meine Heimat ist."

Als erfahrenen, glatzköpfigen und kein bisschen fitten Routinier verabschiedeten die 05er Soto vor knapp zwei Monaten. Der Spieler und seine alte und neue Umgebung werden sich erst wieder aneinander gewöhnen müssen - Soto weiß das und freut sich darauf. Foto: imagoSotos Frau und Kinder sind noch in Mainz; die älteste Tochter geht seit vergangenem Sommer zur Schule. Wenn demnächst die Schulferien beginnen, kommt die Familie nach. Auch ihretwegen war Soto die Rückkehr nach Manizales wichtig: Kurz vor dem Abschied aus Mainz sprach der Mittelfeldspieler über seine Eltern und seine Schwiegereltern, deren Enkelkinder über die halbe Welt verstreut sind. "Nur eine Enkelin ist in Manizales, alle anderen weit weg, und sie vermissen ihre Enkelkinder. Unsere Eltern sollen die Rolle als Großeltern spielen können, sie sollen die Kinder groß werden sehen können. Und die Kinder sollen ihre Großeltern haben. Die Große hat jetzt das erste Schuljahr fast hinter sich, das ist noch ein guter Zeitpunkt zum Wechseln." Die Familie spiele eine Hauptrolle in Kolumbien, erklärte Soto Ende April, "wenn eine Tante Geburtstag hat, feiert man schon mit vierzig Leuten, man isst zusammen, so oft es geht, das vermisse ich."

Wie sehr Manizales ihn vermisst haben muss, merkte der Held von 2004 schnell. "Als die Fans mitbekommen haben, dass ich wieder hier bin, war bei Twitter und Facebook so viel los", strahlt Soto. "Ich spüre die Anerkennung und Liebe der Fans, ich freue mich über die vielen herzlichen Wünsche. Auch als ich im Ausland war, habe ich gemerkt, wie viel ich ihnen bedeute, gerade nach meiner Verletzung. Auch darum bin ich froh, wieder hier zu sein."

Alles weitere, sagt Soto, müsse man jetzt sehen. "Die Fans wünschen sich den Titel", sagt er, "aber so weit will ich noch nicht denken. Die Meisterschaften sind hier so schnell, so kurz - erst einmal will ich daran arbeiten, auf den Platz zurückzukommen. Dann wollen wir die Top 8 erreichen" - damit die Playoffs um die Meisterschaft, die Once trotz des famosen Starts in der abgelaufenen Saison verpasst hat. "Ich will gewinnen." Aber ein Spiel nach dem anderen.

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