DFB reduziert Balogun-Sperre auf zwei Spiele

Jörg Schneider. Mainz.
Das Sportgericht des DFB hat am Dienstagmittag in der mündlichen Verhandlung die Sperre für Leon Balogun von drei auf zwei Spiele reduziert, den Profi des FSV Mainz 05 aber zu einer Geldstrafe von 10.000 Euro für seine Tätlichkeit gegen Carlos Zambrano im Frankfurter Derby verurteilt. Der Innenverteidiger, der bereits beim 0:0 gegen den HSV gesperrt war, fehlt den 05ern am Samstag in Stuttgart, kann aber im Finale gegen Hertha BSC Berlin wieder dabei sein. Balogun und die 05er haben die Strafe akzeptiert.

Im Auswärtsspiel am Samstag beim VfB Stuttgart muss Martin Schmidt noch einmal auf Leon Balogun verzichten. Im Saisonfinale gegen Hertha BSC darf der Trainer den Innenverteidiger wieder einsetzen. Die Hoffnungen, dass Leon Balogun dem FSV Mainz 05 am Samstag im letzten Auswärtsspiel der Saison zur Verfügung stehen könnte, waren gering und haben sich auch nicht erfüllt. Das Sportgericht des DFB verurteilte den Innenverteidiger in der mündlichen Verhandlung am Dienstagmittag wegen eines krass sportwidrigen Verhaltens in Form einer Tätlichkeit gegen den Gegner in einem leichteren Fall nach einer zuvor an ihm begangenen sportwidrigen Handlung mit einer Sperre von zwei Meisterschaftsspielen der Lizenzligen und einer Geldstrafe in Höhe von 10.000 Euro. Damit änderte das Gremium das vorangegangene Einzelrichterurteil des Sportgerichts vom 28. April, das nicht von einem leichteren Fall ausgegangen war und den Spieler mit drei Spielen Sperre belegt hatte. Stephan Oberholz, der als stellvertretender Vorsitzender des DFB-Sportgerichts die Verhandlung leitete, sagte zur Urteilsbegründung: „An dem Tatbestand einer Tätlichkeit bestand kein Zweifel. Das Sportgericht konnte wegen zweier Aspekte aber noch von einem leichteren Fall ausgehen: Einerseits war der Kontakt zwischen Leon Balogun und seinem Gegenspieler Carlos Zambrano weniger heftig, andererseits trug Zambrano nach eigener Aussage keine Verletzung davon und musste auch auf dem Spielfeld nicht behandelt werden.“ Balogun hatte Zambrano im Derby in Frankfurt mit dem rechten Knie in den Bauchbereich gestoßen. Schiedsrichter Felix Zwayer (Berlin) hatte dies übersehen, weshalb der Kontrollausschuss nachträglich ermitteln und Anklage erheben konnte.

Zambrano, der als Zeuge geladen war, erklärte vor dem Gremium, er glaube nicht, dass Balogun ihn bewusst getroffen habe. Er habe sich dann aber behandeln lassen, um in der Schlussphase des Spiels noch etwas Zeit zu gewinnen. Der 05-Profi, der sich kämpferisch verteidigte, hatte zuvor erklärt, er habe nicht bewusst getreten. Balogun akzeptierte die Strafe, ebenso wie der Kontrollausschuss. Der 27-Jährige kann demnach im Heimspiel am letzten Spieltag gegen Hertha BSC wieder eingesetzt werden.

Im Mannschafstraining am Vormittag hatte Trainer Martin Schmidt angesichts des Engpasses auf der Innenverteidiger-Position auf Niko Bungert und Stefan Bell verzichtet, um den beiden Spielern die Möglichkeit zu geben, ihre Verletzungen in Ruhe auszukurieren. Bungert hatte bekanntlich im Spiel gegen den HSV eine Nasenprellung davon getragen. Inzwischen ist ein Auge des Verteidigers zugeschwollen. Bell läuft seit dem Derby in Frankfurt mit einem angeschwollenen Fuß herum. „Wir können da jetzt nullkommanull Risiko eingehen. Wir müssen mit Niko sowieso etwas schonungsvoller umgehen. Er hat seit Leverkusen kein Spiel über 90 Minuten gemacht. Wenn wir ihn in den letzten beiden Spielen fit auf dem Platz haben wollen, müssen wir behutsam mit ihm umgehen“, sagte der Coach. Sollte einer der beiden Routiniers ausfallen, müsste der Trainer improvisieren, da ihm neben Balogun auch der gesperrte Alexander Hack fehlt.

„In der Vorbereitung hat Gaetan Bussmann oft linker Innenverteidiger gespielt, auch schon in ein paar Testspielen im vergangenen Herbst. Der kann das spielen. Auch Giulio Donati könnte einspringen. Da haben wir schon Möglichkeiten. Das wären keine Optimal-Lösungen, aber Auffangmöglichkeiten“, erklärte der Schweitzer, der am Dienstag auch den angeschlagenen Danny Latza (Adduktoren) und Suat Serdar (Ziehen in der Wade) eine reduzierte Trainingseinheit gönnte. Karim Onisiwo absolvierte nur ein Reha-Training. Der Außenbahnspieler klagte nach der HSV-Partie über muskuläre Probleme am hinteren Oberschenkel. „Karim hat seit einem halben Jahr keine 90 Minuten mehr absolviert“, sagte Schmidt. „Die Belastung hat ihm am Ende zugesetzt.“ Der Coach hatte jedoch viel Lob übrig für den Österreicher, der auch am Samstag in Stuttgart wieder gute Chancen haben wird, von Beginn an zu spielen. „Ich war sehr zufrieden mit ihm. Sehr positiv war, wie er angelaufen ist, seine Intensität des Anlaufens, seine Aggressivität gegen den Ball, er hatte viele Balleroberungen. Karim hat sich offensiv immer besser reingefunden, hatte dann eine Großchance. Übers ganze Spiel gesehen war das ein überraschend gutes Startelf-Debüt, ein Zeichen, dass er in der Bundesliga angekommen ist und uns verstärken kann. Jetzt gilt es, ihn in die Abläufe noch mehr einzubinden, dass er noch mehr Bälle hat und die Laufwege abzustimmen.“

Für die Partie in Stuttgart ist Bussmann nicht nur als Innenverteidiger-Ersatz ein Thema. Der Franzose ist fit, hat nach seiner Verletzung wieder die nötigen Trainingseinheiten in den Beinen und könnte auf seine angestammt Position links hinten in der Viererkette zurückkehren. „Bussmann ist fit genug für die Startelf, ob der Trainer ihn dann einsetzt, müssen wir sehen“, sagte der 49-Jährige und deutete an, dass er im Moment seine Abwehr nicht noch weiter umbauen möchte. Schmidts Ausführungen klangen so, dass er weiterhin auf Donati setzt, der als Rechtsfuß auf der falschen Seite spielt. „Ich sehe das Handicap nicht im falschen Fuß, sondern dass er die linke Seite nicht so gewohnt ist und deshalb im Spiel nach vorne einer Stärke beraubt ist“, erklärte der Trainer. „Auf der anderen Seite verteidigt Giulio außerordentlich gut und aggressiv. Man sieht, er ist ein Impulsgeber, die Trittfeder, er schiebt viel an, bringt Emotionen rein und verteidigt vieles weg. Er ist wichtig für uns. Es fehlen sicher ein paar Läufe über links, aber die Seite ist zu und das ist für mich das Wichtigste.“

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