Die alten Tugenden wiederbeleben

Jörg Schneider. Mainz.
Der FSV Mainz 05 muss am Sonntag zum höchst brisanten Derby nach Frankfurt und bei der abstiegsgefährdeten Eintracht Wiedergutmachung für die enttäuschende 2:3-Heimniederlage gegen den 1. FC Köln betreiben. Gelingen soll dies mit den Stärken, die das Team zu einem Europapokal-Aspiranten gemacht haben: Laufbereitschaft, Zweikampfstärke, Pressing, Balljagd, effizientes Umschalten. „Die Situation hat sich nicht verschlechtert für uns, aber wir müssen uns davon lösen, welcher Platz am Ende für was reichen könnte. Wir müssen dahin, wo wir vor zwei, drei Wochen waren, als wir unbekümmert gekickt und uns nur um unser eigenes Spiel gekümmert haben“, sagt der Trainer.

Sportlicher Überlebenskampf gegen Europapokal-Ambitionen: Die Neuauflage des Rhein-Main-Derbys am Sonntag (17.30 Uhr) in der Commerzbank Arena steht unter besonderen Vorzeichen. Eintracht Frankfurt sieht in der höchst brisanten Partie gegen den FSV Mainz 05 so ziemlich die ultimative Chance, mit einem Sieg dem drohenden Abstieg in die Zweite Liga noch zu entgehen und wenigstens die Relegation erreichen zu können. Das Team vom Bruchweg hat im Rennen um die Europapokalplätze durch die 2:3-Heimniederlage gegen den 1. FC Köln gegenüber den punktgleichen Kontrahenten aus Mönchengladbach und Schalke Zähler liegen lassen und ist deshalb mächtig angefressen. Die Elf von Martin Schmidt ist auf Wiedergutmachung aus, will in Frankfurt ihr Zwischenziel von 48 Punkten abhaken und zeigen, dass die Köln-Pleite im eigenen Stadion nur ein dummer Ausrutscher war.

Beobachten, anleiten, alte Prinzipien wieder beleben: 05-Trainer Martin Schmidt bei der Trainingsarbeit in der Woche vor dem Derby. Foto: Jörg SchneiderDas zeigt sich schon in dieser Woche im Training. Da wird am Bruchweg mit hoher Intensität und Einsatz an bekannten Dingen gearbeitet. An den Grundprinzipien des Mainzer Spiels, die das Team nach einem vermeintlich beruhigenden 2:0-Vorsprung gegen die Kölner sträflich vernachlässigte, die auch vorher nicht derart ausgeprägt waren wie sonst, die aber elementar sind dafür, dass die 05-Profis in der Bundesliga erfolgreich sein können.

„Wir haben in der Analyse ganz klar gesehen, dass die Daten nach der 35. Minute nachgelassen haben“, sagt Martin Schmidt. „In der zweiten Hälfte hatten wir dann ganz schlechte Werte in allen Bereichen. Läuferisch, zweikampfmäßig, aber auch spielerische Dinge wie die Passgenauigkeit haben bei allen nachgelassen. Sprints, die wir nicht gemacht haben, Zweikämpfe, die wir nicht mehr gewinnen. Dazu kam, dass wir nicht mehr hundertprozentig verteidigt haben, und dass wir fahrlässig mit unseren Torchancen umgegangen sind“, betont der 05-Trainer, für den diese Daten nur einen Rückschluss zu lassen. „Das zeigt mir schon, dass es eine Kopfsache war. Nach dem Motto: der Deckel ist drauf.“ Er sei überhaupt nicht zufrieden mit der Arbeit gegen den Ball gewesen. „Im Zentrum, aber auch vorne beim Anlaufen. Ich musste dauernd reinrufen, dass wir eine Absicherung, eine Sechser-Sicherung brauchen. Jeder Ballverlust war gefährlich. Wir haben es nicht mehr geschafft, uns im Verlauf der zweiten Halbzeit von den Rahmenbedingungen zu lösen und uns auf unsere Leistung zu konzentrieren. Vor allem in der Arbeit gegen den Ball waren wir nicht mehr aggressiv genug. Da fehlten dann im Kollektiv die nötigen Prozente.“

Nicht den Kopf in den Sand stecken

Nun sei es wichtig, was die Mannschaft daraus lerne. Was sie mitnehme. Wie sie sich auf die nächste Aufgabe einstelle. „Deshalb sind wir in dieser Woche direkt mit einer massiven Trainingseinheit gestartet, damit jeder weiß, das wird am Sonntag giftig, das wird hart, da geht’s um beißen, kämpfen, brennen, rennen. Da muss alles drin sein.“ Genau auf diese Art trainieren die Mainzer in diesen Tagen. Mit klaren Schwerpunkten in den Spielformen auf Angriffspressing, Gegenpressing, Balleroberung. Schmidts Marschrichtung für Frankfurt wird da deutlich: Die Mainzer wollen im Derby den Gegner mit intensiver Lauf- und Zweikampfstärke angreifen, zu Fehlern zwingen, frühzeitig Bälle erobern, um dann schnell und direkt Umschaltaktionen zu generieren. So, wie das in etlichen Auswärtsspielen zuvor gelungen ist. Mainz 05 rangiert mit seinen 19 Punkten schließlich nicht zufällig auch in der Auswärtstabelle im oberen Drittel.  

„Also ran an das Ding und weiter“, betont der 05-Trainer. „Wir stecken wegen eines verlorenen Spiels daheim nicht den Kopf in den Sand. Nach acht guten Heimspielen muss man vielleicht eine solche Partie mal akzeptieren. Die Situation hat sich nicht verschlechtert für uns, aber wir müssen uns davon lösen, welcher Platz am Ende für was reichen könnte. Wir müssen dahin, wo wir vor zwei, drei Wochen waren, als wir unbekümmert gekickt und uns nicht von etwas haben ablenken lassen, sondern nur um unser eigenes Spiel gekümmert haben.“ Die 05er wollen und müssen in Frankfurt punkten. „Das Derby steht für uns im Vordergrund und unter einem ganz speziellen Stern, wenn die ganze Liga vorher schon gespielt hat“, sagt der Schweizer. „Das Wichtigste ist aber das Team jetzt hochzutreiben, einzustellen auf den Kampf, auf das Besondere in diesem Derby gegen einen Gegner, für den das ein Alles-oder-nichts-Spiel ist. Für uns gilt das sicher genauso. Dafür müssen wir gewappnet sein.“

Was die Kaderbesetzung angeht, bleibt die Frage offen, ob es für Danny Latza und Gaetan Bussmann bis Sonntag reicht. Latza musste gegen die Kölner zu Beginn der zweiten Halbzeit wegen seiner Adduktorenprobleme das Feld räumen. Der Sechser soll im heutigen, nicht öffentlichen Training einen Arbeitsversuch unternehmen. Beim französischen Linksverteidiger, der im zweiten Spiel hintereinander verletzungsbedingt passen musste, hängt alles davon ab, ob Bussmann das Abschlusstraining absolvieren kann. Im gereizten Knie des 25-Jährigen hatte sich nach einer Trainingseinheit wieder Flüssigkeit gebildet. Ein neues MRT soll nun Aufschluss über die Ursachen geben.   

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