Die Daten sagen was Anderes

Jörg Schneider. Mainz.
Mit dem Beginn der Vorbereitung auf das erste Auswärtsspiel am Samstag beim VfB Stuttgart hat sich bei Sandro Schwarz der Ärger über die Auftaktniederlage gegen Hannover 96 verflüchtigt. „Wir alle haben uns noch zwei Tage lang geärgert und waren extrem frustriert darüber, dass die Leute im Stadion frustriert nach Hause gegangen sind“, sagt der Trainer des FSV Mainz 05, der aber immer noch der Meinung ist, dass die Partie hätte gewonnen werden müssen. „Wir sind nicht datenverrückt, aber wenn du die Zahlen noch mal siehst, ärgerst du dich doppelt, weil die Leistung, die wir auf den Platz gebracht haben, allemal für ein Ergebnis reichen muss.“

Nach dem Training am Dienstag war Sandro Schwarz in der obligatorischen kleinen Medienrunde im Pressezentrum am Bruchweg wieder bester Laune. Der Ärger über die 0:1-Niederlage vom Samstag gegen Hannover 96 mit der verpatzten Heimspielpremiere hatte sich mit der Vormittagseinheit der Profis auf dem Trainingsplatz verflüchtigt. „Wenn du die Jungs siehst auf dem Trainingsplatz, wie die marschieren, wie die sofort wieder alles reinlegen, dann kriegst du schnell ein gutes Gefühl“, verriet der 05-Trainer. Der 38-Jährige gesteht jedoch ein, dass ihm diese unglückliche und unnötige Niederlage noch am Montag nachgehangen hatte. „Wir alle haben uns noch zwei Tage lang geärgert und waren extrem frustriert darüber, dass die Leute im Stadion, die sich nach der guten Vorbereitung genau wie wir einen Sieg gewünscht hatten, frustriert nach Hause gegangen sind. Wir hätten dieses Spiel ganz klar gewinnen können.“

Mittelfeldmotor Danny Latza: Balleroberungen im Zwei-Minuten-Takt. Foto: Ekkie VeyhelmannDies habe die intensive Analyse der 90 Minuten noch einmal deutlich bestätigt. „Wir sind nicht datenverrückt, aber wenn  du die Zahlen noch mal siehst, ärgerst du dich doppelt, weil die Leistung, die wir auf den Platz gebracht haben, allemal für ein Ergebnis reichen muss.“ 48:13 Pässe in den Strafraum. Balleroberungen 60 zu 45 im Spiel. Torschüsse 15:6, elf im Sechzehner. 13:1 Ecken. „Du machst das gleiche Spiel, gewinnst aber 1:0 und alles ist gut“, sagt Schwarz. „Was mich am meisten dabei ärgert und wo wir am meisten draus lernen, ist die Tatsache, dass wir so ein Spiel nicht mit 0:0 beenden, wenn wir schon vorne unsere Chancen nicht nutzen.“ Doch von den einzigen beiden Kontern, die das 05-Team dem Aufsteiger im gesamten Spiel erlaubte, nutzte Martin Harnik einen zum Siegtreffer.  „Das hat uns das Genick gebrochen, da stimmte unser Raumverhalten im Zentrum nicht“, erklärt der Coach, der auch drei Tage nach der Niederlage noch der Meinung war, die Torchancen hätten reichen müssen für ein besseres Ergebnis. „Wir hatten nach anderthalb Minuten die Situation, dass Pablo De Blasis blank vor der Kiste steht mit dem Pass von Viktor Fischer. Das wird am Ende keine Torchance, ist aber ein Paradebeispiel für einen guten Spielzug. Das war eine Parallele zum Tor gegen Newcastle im Testspiel. Wenn du in 45 Minuten gegen einen tiefstehenden Gegner, der nur verwaltet und das 0:0 als gutes Ergebnis sieht, solche Spielzüge hast, vier Chancen herausspielst, plus die ganzen Ecken, dann ist das ein herausragender Wert. Was man uns vorwerfen kann und was wir brauchen, sind in der zweiten Hälfte nochmal einige solcher Situationen.“

Voraussetzung dafür wäre unter anderem ein solches Gegenpressing wie in der ersten Hälfte gewesen. „Bei Danny Latza hattest du in der ersten Halbzeit Gefühl gehabt, der erobert alle zwei Minuten einen Ball“, sagt Schwarz. Seine Mannschaft habe viel Aufwand betrieben mit großer Bereitschaft und Intensität Chancen herausgespielt. „Dabei bleibe ich. Mit der Leistung kannst du Spiele gewinnen. Trotzdem gehen wir extrem kritisch damit um. Wir wissen, dass wir da Fahrt aufnehmen müssen“, sagt der Coach.  

Er habe eine Reihe von Dingen gesehen, die das Team besser machen müsse in Zukunft. Zum Beispiel das Tempo hoch halten über 90 Minuten. Die erarbeiteten Gelegenheiten konsequenter zu Ende bringen. „Was wir als Mannschaft nochmal weiterentwickeln müssen, ist im letzten Drittel mehr Torgefahr zu entwickeln über einen langen Zeitraum. Nicht nur ein Halbzeit lang.“ Zwischen der 45. und 60.Minute habe man zu viele unsaubere Aktionen aus dem Ballbesitz heraus gehabt. „Da hast du die Ungeduld gemerkt. Den Wunsch eine schnelle Erlösung zu kriegen aus der Dominanz heraus, die Spieler wollten am liebsten sofort das Tor erzielen“, so Schwarz. „Dann hast du drei, vier Ballverluste, den einen Konter über Felix Klaus, dann merkst du, es wird weniger flüssig. Du bist nicht mehr ganz so drin in der Struktur, in der Tiefe des Spiels. Und dann wird es zäh.“ Ein Manko dabei war das Spiel über die Außen in dieser Phase. „Der Gegner hat mit seinen äußeren Mittelfeldspielern sehr stark das Zentrum verdichtet. Da hätten wir die Dinge außen vorbei regeln können und diagonale Verlagerungen gebraucht. Dazu haben wir die eine oder andere falsche Entscheidung getroffen. Da ist vieles stecken. Ab der 60. Minute waren wir wieder etwas besser drin und hatten sofort die Chance von Levin Öztunali.“ Die erneute Möglichkeit zur Führung entstand genau aus der vom Trainer geforderten Diagonalverlagerung. „Dennoch haben wir insgesamt das Bewusstsein, wenn wir die Dinge richtig machen, sieht unser Spiel gut und sehr gefällig aus.“

Bleiben die Standardsituationen. 13 Ecken, etliche Freistöße. Dennoch wenig Gefahr. Gleich zu Beginn resultierte daraus die Möglichkeit für Stefan Bell per Kopf. „Danach haben Kleinigkeiten gefehlt. Wir haben nicht den Eindruck gehabt, dass wir da komplett ungefährlich waren. Man darf dabei auch nicht die robuste Innenverteidigung der Hannoveraner vergessen. Trotz allem hätten wir aus diesen Situationen heraus mehr machen können“, betont der 05-Trainer, der nun bis zum ersten Auswärtsspiel der Saison, am Samstag beim VfB Stuttgart, dem zweiten Aufsteiger, Zeit hat, an den Defiziten zu arbeiten, die Stärken zu intensivieren und in den nächsten Auftritt zu transportieren.

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