Die Fahndung nach Sprintern

Jörg Schneider. Mainz.
An diesem Wochenende herrscht Ruhe beim FSV Mainz 05. Trainingsfrei bis Montag Nachmittag. Martin Schmidt ist schnell mal zum Skilaufen ins Wallis gefahren, um etwas Kraft zu tanken für die heiße Phase in der Bundesliga. Die beginnt für die 05er am Samstag mit dem Auswärtsspiel beim SV Werder Bremen. Und der 05-Trainer muss sich nach dem wahrscheinlichen Saisonaus für Jonas Hofmann Gedanken über die offensiven Außenbahnen machen. Denn Christian Clemens und Jairo sind noch nicht wieder voll fit.

Der Trainer des FSV Mainz 05 ist mal kurz in den Heimaturlaub abgedüst. Martin Schmidt hat den Fußballprofis, die keine Länderspielverpflichtungen haben, das Wochenende frei gegeben und nutzt selbst die Zeit für eine Stippvisite im Wallis. "Ich muss schnell mal in die Berge, etwas Ski fahren", hatte der Schweizer schon unter der Woche angekündigt. Seit Januar war der 47-Jährige nicht mehr zuhause auf der Belalp am Aletschgletscher. 

Entspannung im Gebirge am Wochenende, am Montagnachmittag beginnt dann die Trainingswoche mit der Vorbereitung auf das Auswärtsspiel am Ostersamstag beim SV Werder Bremen in dem Takt, wie die Nationalspieler an den Bruchweg zurückkehren.

Drei Spieler, die die Außenbahnen mit ihren Sprints aufwerten könnten, aber in Bremen wohl ausfallen: Jonas Hofmann, Christian Clemens und Jairo.Das wahrscheinliche Saisonaus für Pechvogel Jonas Hofmann ist ein Thema, das Schmidt und sein Team hart trifft. Hofmann musste sich bekanntlich erneut einem arthroskopischen Eingriff unterziehen am bereits operierten Knie. Dass der 22-Jährige, der bis Rundenende von Borussia Dortmund ausgeliehen ist, noch einmal für die 05er zum Einsatz kommt, steht nicht zu vermuten. Wirklich kein gutes Jahr in Mainz für den Leihspieler. Und dem Trainer fehlt weiterhin ein wichtiger Offensivspieler auf der Außenbahn. Da auch Christian Clemens und Jairo, zwei weitere schnelle Flügelspieler, noch nicht wieder hundertprozentig fit sind, muss sich Schmidt für Werder Bremen etwas einfallen lassen. 

Beim 1:1 gegen den VfL Wolfsburg war deutlich geworden, dass den 05ern außen etwas an Tempo mangelte. "Wir hatten da zu wenig Konsequenz in unseren Kontern", sagt Schmidt rückblickend. "Drei- bis viermal sind wir nicht zu den Chancen gekommen in der zweiten Halbzeit, die möglich waren vom Ansatz des Konters her", kritisierte der 05-Coach. Falsche Entscheidungen, ungenaues Passspiel, in Zweikämpfen steckengeblieben. "Da haben wir zu viel liegengelassen", so Schmidt. "Nicht zuletzt deshalb, weil uns das Tempo auf der Bahn gefehlt hat, um das Spiel komplett einzutüten."

Daniel Brosinski, eigentlich Rechtsverteidiger, ist eine Option für die rechte Offensivposition.Rund 30 Sprints, hat Schmidt analysiert, haben den 05ern da gefehlt, durch die Abwesenheit von Hofmann, Clemens und Jairo. "Ja-Cheol Koo und Pablo de Blasis kommen von ihren Gewohnheiten her nicht so in diese Sprintsituationen hinein", sagt Schmidt. "Deshalb griff der Coach nachher zum Stilmittel, Daniel Brosinski auf die vordere rechte Position zu schieben und Gonzalo Jara als rechten Verteidiger ins Rennen zu schicken, um mehr Tempo auf der Bahn zu haben, um die Offensive mehr zu beleben. Das könnte auch in Bremen eine Variante werden. Brosinski, laufstarker und unermüdlicher Kämpfer auf der rechten Außenlinie, könnte mit seiner Schnelligkeit die offensive Lücke füllen, falls Clemens oder Jairo bis Bremen noch nicht wieder einsatzbereit sind. Das wird sich diese Woche zeigen, wobei Clemens Ende der vergangenen Trainingswoche positive Signale gesendet hatte.

Ansonsten überwiegt vor dem schweren Match beim SV Werder die Zuversicht, dass die 05-Profis ihre gezeigten Qualitäten weiterhin in der Konstanz der vergangenen Wochen abrufen können. Die Mannschaft wirkt in einer schwierigen und hart umkämpften Saisonphase sehr gefestigt, hat klare Belege dafür geliefert, dass sie die nötigen Mechanismen im Abstiegskampf-Gemetzel auf Lager hat. "Ich bin stolz auf das Team", sagt der 05-Trainer. "Das ist im Kern alles gut. Die Spieler zeigen dauernd gute Reaktionen, die sie noch besser machen. Das zeigt mir als Trainer: Sie haben das Spiel verstanden und das ganze richtig eingeordnet." Und trotzdem bleibe genügend Arbeit, sehr harte Arbeit notwendig. "Denn bei allem, was wir gut gemacht haben: Es war nicht gut genug, um den VfL Wolfsburg auch zu schlagen."