Die Fanabteilung entsteht

Christian Karn. Mainz.
Der FSV Mainz 05 - das ist schon seit ein paar Monaten beschlossen - soll neben der Fußball-, Handball- und Tischtennissparte eine vierte Abteilung bekommen, die Fanabteilung. Was das bedeutet, war lange vage. Am Dienstag aber stellte der 05-Fanverband "Supporters Mainz" konkrete Pläne zur baldigen Gründung der Abteilung vor. Diese muss bis Mitte Juni über die Bühne gehen, entstehen soll innerhalb des Vereins eine Organisation, in der sich die 05-Fans als Mitglieder sammeln und organisieren können, um untereinander, aber auch mit den bisherigen Offiziellen des Vereins besser vernetzt und im Verein besser vertreten zu sein.

Die im vergangenen Jahr in Aussicht gestellte Fanabteilung des FSV Mainz 05 gibt es noch nicht, sie wird es auch in den nächsten Tagen noch nicht geben. Sie nimmt jedoch Gestalt an. Einzelheiten zu ihrem Entstehungsprozess und die inhaltlichen und formalen Vorstellungen der Entwickler wurden am Mittwoch von den Supporters Mainz vorgestellt.

Grundsätzlich geht es darum, dass die 05-Fans auch als 05-Mitglieder sammeln und organisieren können sollen. Von einer engeren Verbindung der Fans untereinander, aber auch zwischen der organisierten Basis und den übrigen Offiziellen des Vereins, sollen laut dem Entwurf einer Präambel der Abteilung "Gesamtverein und Umfeld" profitieren. Als Aufgaben der Abteilung sehen die Planer die interne Kommunikation innerhalb der Fanszene, die Unterstützung der übrigen Abteilungen (Fußball, Handball, Tischtennis), die Zusammenarbeit mit dem Vorstand sowie die Organisation und Repräsentation aller Mitglieder der Fanabteilung.

Darin liegt eine erste große Neuerung. Bisher sind die weit über 10.000 05-Mitglieder jeweils einer der drei sportlichen Abteilungen zugeordnet. Das können sie bleiben, das können auch Neumitglieder wählen, grundsätzlich aber geht es den Planern darum, die Basis in ihre Abteilung hinüberzuholen. Zwar beziehen sie sich im Statutenentwurf darauf, ihre Abteilungsmitglieder zu repräsentieren, in der Praxis und in aller Regel dürfte ihre Arbeit jedoch auch die übrigen 05-Mitglieder betreffen.

Die Rede war von sechs Segmenten der Fanabteilung:

Ein Aspekt der Arbeit der bald entstehenden Fanabteilung ist die organisatorische Unterstützung der 05-Fans bei Auswärtsspielen.1.: "Auswärts" - zusammengefasst: Organisation und Promotion der Auswärtsfahrten, vor allem von auf diese oder jene Weise organisierten Fangruppen, aber auch Unterstützung von Individualfahrern. Danach würde die Fanabteilung das Auswärts-Ticketing übernehmen, Fanbusse, Sonderzüge und Schiffsfahrten zu Auswärtsspielen organisieren, eine Mitfahrzentrale einrichten und generell Stehplätze wollen.

2.: "Soziales Engagement" - wenige Überraschungen, das gängige Programm von Zusammenarbeit mit 05-Projekten (Kids-Club, Mainz 05 hilft, Team Barrierefrei), Bewerbungstraining, aber auch das Putzen von Stolpersteinen.

3.: "Infrastruktur" - hier geht es nicht nur um optische Verschönerung der Fanbereiche im Stadion, sondern auch um die Einrichtung einer Stadionkneipe, um die Verbesserung der Wege zum Stadion und um die Erhöhung des Komforts - an windigen Tagen ist es durchaus oft ungemütlich am Anlaufpunkt der Fans unter dem Block A der Arena. Ein besserer Windschutz steht hier im Programm der Fanabteilung.

4.: "Fanservice" - die tatsächliche Basisarbeit. Die Fanabteilung will ein offenes Ohr haben für Ideen und Sorgen der 05-Fans, sie will sich mit Fanclubs, aber auch mit weiteren Vereinsgremien vernetzen, sie will die Kontakte zwischen Spielern und Fans pflegen und verstärken, sie will auch über den Fußball heraus Veranstaltungen organisieren, sie will auch juristische Hilfestellung leisten, wenn Fans mal mehr, mal weniger selbstverschuldet Ärger mit der Justiz oder der Polizei haben.

5.: "Öffentlichkeitsarbeit" - Sichtbarkeit am Spieltag, in der Stadt, in elektronischen und klassischen Medien.

Schließlich 6.: "Identifikation" - der vielleicht am schwierigsten fassbare Aspekt. Die emotionale Bindung der Fans an ihren Verein soll wieder in den Vordergrund rücken anstelle der kalten Kundenbindung des Unternehmens Mainz 05, das sich innerhalb des eingetrangenen Vereins entwickelt hat. Die Vereinsgeschichte soll dabei eine Rolle spielen, die Tradition, die Mainz 05 auch als einer der jüngeren Bundesligisten nun einmal hat, sogar ein Museum soll eines Tages entstehen. Und: Der Bruchweg soll als Herz des Vereins etabliert werden. "Das nehmen wir ernst", sagt Udo Seyfarth, der Vorsitzende der Supporters, "wie es auch der Verein tut." Das einigermaßen innenstadtnahe alte Zweit- und frühe Bundesligastadion der 05er, das heute noch Spielstätte der U23 und U19 ist, auf dessen Nebenplätzen sämtliche Mannschaften von den Profis bis zu den Kleinsten trainieren und teils spielen, wo Teile der Geschäftsstelle, darunter die Nachwuchs- und die Presseabteilung, ihre Räume haben, soll auch im Alltag ein Anlaufpunkt für die Fans werden. Hier spielen auch die Umbaupläne eine Rolle, die ja schon seit ein paar Jahren am Horizont zu sehen sind, der Abbau der beiden Hintertortribünen, der Bau eines Vereinsgebäudes dort, wo früher der 05-Fanblock war. "Unsere Wunschvorstellung für Räumlichkeiten der Fanabteilung wäre schon der Bruchweg", sagt Seyfarth, "wenn wir dort nicht alleine sind. Die Jugend, das Training, das ist alles dort. Nur die Spielstätte ist eine andere."

Um die Abteilung tatsächlich zu gründen, sind die 05er in eine gewisse Zeitnot geraten. Da sie laut neuer 05-Satzung einen Vertreter in den Aufsichtsrat schicken darf, dieser aber bei der Mitgliedsversammlung der 05er bestätigt werden muss, muss die Abteilungsgründungsversammlung vor der nächsten Generalversammlung am 25. Juni stattfinden. Bei dieser konstituierenden Sitzung, an der diejenigen 05-Mitglieder teilnehmen dürfen, die sich vorher dazu einschreiben, deren Termin jedoch noch nicht feststeht, soll über die Abteilungsordnung, die geschäftsführende Abteilungsleitung und eben dieses Aufsichtsratsmitglied abgestimmt werden. Der Abteilungsleiter und die Abteilungsordnung müssen anschließend vom 05-Vorstand bestätigt werden. Der am Dienstag vorgestellte Entwurf war mit dem Vorstand bereits abgesprochen worden; sollte die Gründungsversammlung also keine andere Ordnung beschließen, sollte das eine Formalität sein.

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