Die ganze Welt ein Lazarett

Christian Karn. Mainz.
In 77 Tagen hat Mainz 05 16 Pflichtspiele bestritten und dabei wegen Verletzungen und Krankheiten (114) sowie Sperren oder fehlender Spielberechtigung (14) insgesamt 128 Ausfälle hinnehmen müssen, acht im Schnitt pro Spiel, vom Pechvogel Emil Berggreen, der bei seinem letzten Profitraining noch Braunschweiger war, Gianluca Curci und Danny Latza über mittelschwer Verletzte wie Fabian Frei oder Christian Clemens sowie den Sonderfall Niko Bungert bis zu kleinen Blessuren, die beispielsweise Jhon Córdoba und Leon Balogun kurzzeitig aus dem Kader warfen. Die Lage entspannt sich in dieser Länderspielpause, aber schließen können die 05er das Lazarett noch nicht.

Die meisten Verletzungen passierten unbemerkt im Training oder durch Überbelastung. Die Muskelverletzung von Gianluca Curci im Trainingslager war einer der wenigen Spiel-Unfälle mit Folgen. Foto: RSCP16 von mindestens 42, maximal 51 Pflichtspielen der Saison 2016/17 hat der FSV Mainz 05 in nur 77 Tagen hinter sich gebracht. Heute, am 80. Tag seit dem Pokalspiel in Unterhaching, beginnt zum dritten Mal eine Regenerationsphase für diejenigen Profis, die nicht von ihren Nationalmannschaften angefordert wurden. Die 05er begannen die Länderspielpause am Vormittag mit einem leichten einstündigen Training. Für den Nachmittag ordnete Martin Schmidt ein Athletiktraining in der Bruchweg-Halle an. Vielspieler wie Giulio Donati oder Stefan Bell, die nur zwei Spiele verpassten, wie Pablo de Blasis und Jhon Córdoba, die sogar 15 Mal dabei waren, dürfen aussetzen; für sie steht ein Entmüdungsprogramm im Trainingsplan. Es gehe darum, die Intensität zu verringern, langsam zu machen, den hochbelasteten Spielern eine Pause zu geben, um die Grundmüdigkeit aus den Knochen zu bekommen, erklärt 05-Trainer Martin Schmidt. Die beiden Spieler ausgerechnet, die bisher in jedem Spiel dabei waren, der dabei zweimal eingewechselte Yunus Malli und der Torwart Jonas Lössl, den beiden entgeht die Entlastung. Man habe mit dem Gedanken gespielt, beim türkischen Nationaltrainer Fatih Terim um eine Pause für Malli zu bitten, aber weil der Zehner der 05er seine internationalen Chancen nicht mindern wird und in der Nationalelf ohnehin kein Stammspieler ist, haben sich die 05er dagegen entschieden.

Auch in den kommenden Tagen wird es ruhiger weitergehen. Am Donnerstag steht nur das Testspiel beim Oberliga-Spitzenteam FC Karbach (19 Uhr in Emmelshausen) an, am Freitag ein leichtes Training. Den Samstag und Sonntag bekamen die 05-Profis frei. Ab Montag beginnt die ernsthafte Vorbereitung auf das kommende Bundesligaspiel gegen den SC Freiburg.

Die großen Verletzungssorgen, die die 05er durch die bisherige Saison nicht loswurden, sollen sich bis dahin ein bisschen weiter auflösen. Nimmt man die 16 Spiele zusammen, addierten sich allein wegen Verletzungen und Krankheiten 114 Ausfälle, weitere 14 Mal verpassten vier Spieler wegen Sperren (bzw. der Nicht-Meldung für die Europa League) die eine oder andere Partie. Das sind im Schnitt pro Spiel etwas mehr als sieben Verletzte, inklusive der Sperren exakt acht Ausfälle pro Spiel. Oft neun, wenn man Kapitän Niko Bungert, der mehr als einmal eher der Form halber auf der Bank saß, kaum einsatzbereit gewesen wäre, mitzählt.

Ihren Stammplatz im Lazarett hatten bisher Danny Latza und Emil Berggreen. Während der dänische Stürmer, der seit seinem Wechsel vor fast einem Jahr von Eintracht Braunschweig an den Bruchweg noch nicht eine ernsthafte Trainingseinheit komplett absolvieren konnte, sich beim ersten Trainingsversuch am 28. Juli das bis dahin intakte Kreuzband riss, ein Bundesligadebüt im März anpeilt, könnte es für Latza, den Mittelfeldspieler und Leistungsträger der vergangenen Saison, noch vor Weihnachten ein Comeback geben. Latza begann heute ein leichtes Teamtraining. Was genau den Sechser seit Mitte April außer Gefecht setzt, ist dabei immer noch nicht absolut klar; es dürfte eine Schambeinentzündung gewesen sein, vergleichbar mit der Blessur, die den heutigen Kölner und damaligen Mainzer Marcel Risse vor fünf Jahren ebenfalls acht Monate lahmgelegt hatte. Auch Gianluca Curci wurde bisher in jedem Spiel als Ausfall gezählt. Der Ersatztorwart begann zwar schon in der vergangenen Länderspielpause mit dem Training, musste sich aber vier Wochen lang stabilisieren und kann sich jetzt erst wieder dem Kampf um die beiden Kaderplätze stellen.

Mit Latza begann heute auch Fabian Frei. Der Schweizer soll ab Montag ernsthaft trainieren und gegen den SC Freiburg zumindest im Aufgebot sein. Am Montag sollen auch Yoshinori Muto und Christian Clemens wieder vorsichtig beginnen; auf ihr Comeback werden die 05er aber noch bis Ende November oder Anfang Dezember warten müssen.

Die diversen Blessuren und Verletzungen der 05-Profis in der laufenden Saison, ihre Fortschritte und die Prognosen fassen wir hier in einer Bilderstrecke zusammen:

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