Die Hürde Startelf soll hoch sein

Jörg Schneider. Mainz.
Die Chancen, dass die angeschlagenen Jonas Hofmann und Christian Clemens am Sonntag, im Heimspiel in der Coface Arena gegen den VfL Wolfsburg zum Einsatz kommen, sind nicht sonderlich hoch, da beide aufgrund ihrer Verletzungsprobleme die Hochbelastungsarbeiten dieser Woche verpassen. Das dürfte die Chance sein für Ja-Cheol Koo, den Torschützen des 2:0 in Augsburg, seine stark ansteigende Form in der Startelf zeigen zu können. Martin Schmidt, der Trainer des FSV Mainz 05, beschäftigte sich am Mittwoch im Mediengespräch intensiv mit dem Koreaner. Sein Fazit: „Koo hat ganz klar die Kurve bekommen.“

Am Bruchweg haben die Vorbereitungen auf das Heimspiel am Sonntag gegen den VfL Wolfsburg begonnen. Martin Schmidt, der Trainer des FSV Mainz 05, rechnet nach seinen ersten Analysen des Gegners mit einer ähnlichen Partie wie sie die 05er am Wochenende in Augsburg bestreiten mussten. Mit einem gravierenden Unterschied: Die individuelle Qualität beim Tabellenzweiten ist ungleich höher als die des FCA, „ohne den Augsburgern zu nahe treten zu wollen“, sagte der Schweizer am Mittwoch in der kleinen Medienrunde. „Wir sind uns schon bewusst, dass der Gegner mitspielen muss, um es mal so auszudrücken.“ Das heißt, dass Dieter Heckings Team in der Coface Arena mal nicht einen dieser herausragenden Auftritte hinlegen kann wie zuletzt. Sei es, wegen der permanenten Dreifachbelastung der vergangenen Wochen, mit dem Rhythmus Bundesliga, Europacup oder DFB- Pokal, Bundesliga. Oder weil die Mainzer in der Lage sind, Lösungen zu finden.

„Wenn die einen Rosentag ziehen wird es schwer für uns“, sagt Schmidt. Also wollen die 05er alles dafür tun, die Wolfsburger nicht zur Blüte kommen zu lassen. „Die müssen sich nicht unbedingt darauf freuen nach Mainz zu kommen“, betont Schmidt, „wir wollen das schon so gestalten, dass die hier keinen Spaß haben.“ Personell sieht es so aus, dass der 05-Coach auf drei Außenbahnspieler verzichten muss. Jonas Hofmann hat sich bekanntlich am Dienstag zu einer weiteren ärztlichen Untersuchung nach Heidelberg begeben. Ergebnisse liegen noch nicht vor, „aber Jonas verpasst zwei Hochbelastungstage in dieser Woche im Training. Das wird sehr eng für ihn.“ Dasselbe gilt für Christian Clemens, der wegen einer Adduktorengeschichte noch im Aufbautraining steckt und maximal eine Option für die Bank sein könnte. Jairo ist noch nicht wieder fit.

Starke Leistung und ein sehenswerter Treffer zum 2:0-Endstand: Ja-Cheol Koo (rechts) dürfte nach seiner Vorstellung in Augsburg gegen die Wolfsburger in der 05-Startrelf stehen. Foto: ImagoDamit tut sich die Chance auf für Ja-Cheol Koo, gegen seinen Ex-Klub von Beginn  an aufzulaufen. Der Koreaner gab in Augsburg eine starke Vorstellung, erzielte das Tor zum 2:0 und zeigt nach vielen Durchhängern der vergangenen Wochen stark aufsteigende Tendenz. „Ja-Cheol hat ganz klar die Kurve bekommen“, sagt Schmidt. Das zeige der Nationalspieler in jedem Training. Koo war schon zu Hause gegen die Gladbacher ein Kandidat, um früher ins Spiel zu kommen als in der Schlussphase. „Doch da hatten wir eine Aufholjagd, da macht man als Trainer keine neue Baustelle auf“, sagt Schmidt.

Doch schon der Kurzeinsatz des 27-Jährigen habe ihm gezeigt, dass Koo mehr spielen müsse. Das Problem, dachte Schmidt, in Augsburg passe Koos Stil nicht optimal. Da wollte der Coach mehr Tempo auf der Außenbahn haben und begann mit Pablo De Blasis und Hofmann. Dann aber zeigte Koo viele Stärken nach seiner Einwechselung für Hofmann (21. Minute). „Er hatte als Angreifer über 50 Prozent gewonnene Zweikämpfe, hat alle Kopfballduelle gewonnen, viele Bälle gehalten und verteilt.“ Das zweite Problem für den koreanischen Nationalspieler ist Yunus Malli, der als Umschaltzehner in der Gunst des Trainers derzeit weiter vorne steht.

„Yunus macht das gut. Er ist stark in der Rückrunde, er spielt im Moment konstant hoch, hat Pässe und Läufe in die Tiefe, er schleppt Bälle, ist unser schnellster Spieler am Ball“, sagt der Trainer. Malli habe im Vergleich zu früheren Zeiten enorm an Konstanz zugelegt, er sei für den Gegner unberechenbar. „Nur im Abschluss hat er sich jetzt etwas zurückgehalten“, so Schmidt, der allerdings froh ist, mit diesen beiden Spielertypen für diverse Ansätze Optionen zu haben.

„Außerdem ist es so, dass es nicht leicht sein soll, bei uns ins Startteam zu kommen. Da soll die Hürde schon hoch sein.“ Diejenigen, die es schafften, einen Startplatz zu ergattern, seien auf der Höhe des Schaffens. Koo müsse dies annehmen und habe es angenommen. „Es geht für uns nur darum Punkte zu holen“, sagt der Schweizer. „Das beste Team muss auf den Platz. Wir sind im Abstiegskampf. Ich habe keine Zeit, neue Dinge und Systeme auszuklügeln während der Woche.“

Ja.-Cheo Koo jedenfalls sei auf dem Weg zu einer tragenden Säule zu werden. „Seine Eigenmotivation ist unheimlich hoch. Er gibt immer alles, arbeitet volles Rohr. Ob im Kraftraum oder auf dem Trainingsplatz“, weiß Schmidt. „Er ist genau wie Shinji Okazaki ein intelligenter Spieler, der keinen Extra-Antrieb braucht. Mit dem man aber als Trainer trotzdem viel reden kann und viel reden muss. Diesen speziellen Ansatz vom Trainer benötigt er schon.“