Die Mainzer Asiaten treffen

Christian Karn. Mainz.
Für die beiden ostasiatischen Offensivspieler des FSV Mainz 05 begann die aktuelle Länderspielperiode erfolgreich: Shinji Okazaki und Ja-Cheol Koo schossen beim 2:0 Japans gegen Tunesien und beim 1:1 Südkoreas gegen Usbekistan jeweils das 1:0, Okazaki bereitete ein weiteres Tor vor. Joo-Ho Park kam erst in der Schlussphase seiner Partie aufs Feld. Die Spiele der asiatischen Spitzenteams hatten eines gemein: Die Trainer nutzten die Möglichkeit, um in B-Mannschaften neue Akteure auszuprobieren.

Shinji Okazaki - hier links mit dem japanischen Rekordnationalspieler Yasuhito Endo - verhalf seinem neuen Nationaltrainer Vahid Halilhodzic zum Sieg beim Debüt.

Der neue japanische Trainer Vahid Halilhodzic muss seine Mannschaft erst noch kennenlernen, vor allem die zweite Reihe. Der Bosnier nominierte für die Länderspiele gegen Tunesien und Usbekistan einen riesigen Kader und ließ eine B-Elf die Partie gegen die Nordafrikaner beginnen: Neben dem Kapitän Makoto Hasebe von Eintracht Frankfurt waren Hiroshi Kiyotake und Hiroki Sakai von Hannover 96, Maya Yoshida vom Southampton FC und Yoshinori Muto, der junge Stürmer vom FC Tokyo, die Prominentesten in der Startelf; fünf Spieler, die bei der Asienmeisterschaft in der Regel von der Bank kamen oder aber gar nicht nominiert waren. Der Dortmunder Shinji Kagawa, der Frankfurter Takashi Inui, Keisuke Honda vom AC Milan, Stammtorwart Eiji Kawashima von Standard Lüttich, Stamm-Rechtsverteidiger Gotoku Sakai aus Stuttgart und der Mainzer Mittelstürmer Shinji Okazaki waren zunächst Reservespieler.

Tunesien lief mit dem ehemaligen Bremer Aymen Abdennour auf, der mit AS Monaco im Viertelfinale der Champions League steht, mit dem ehemaligen Ingolstädter Ahmed Akaichi und mit dem Berliner Änis Ben-Hatira, für den später der Hamburger Mohamed Gouaida eingewechselt wurde. Große Mühe mit den Japanern hatten die Afrikaner zunächst nicht: Zwar waren die "Samurai Blue" gewohnt wuselig und überall in Überzahl, aber auch sie mussten sich erst noch kennenlernen. Der Zusammenhang fehlte ihnen. In der ersten Hälfte passierte nicht viel.

Mit den Einwechslungen der Stars bekamen die Japaner das Spiel besser in den Griff. Kagawa und Honda kamen nach einer Stunde, Letzterer brachte in der 66. Minute den Eckball zum vermeintlichen Führungstor in die Mitte. Yoshidas Flugkopfball konnte jedoch wegen eines Stürmerfouls ein paar Meter vor ihm nicht gewertet werden. Japan wurde aber besser, bekam Chancen. Und Okazakis Einwechslung führte direkt zum Sieg. Der Mainzer kam in der 71. Minute ins Spiel, hatte nach fünf Minuten seine erste Kopfballchance und traf in der 78. nach einer Flanke von Honda. Beim Kopfball aus spitzem Winkel am langen Pfosten rasselte der Mainzer mit dem massiven Abdennour zusammen, tat sich dabei aber nicht weiter weh.

Fünf Minuten später spielte Okazaki den vorletzten Pass zum entscheidenden 2:0. Seinen kurz und steil in den Strafraum gesteckten Pass flankte Kagawa in die Mitte. Der Torwart klärte nicht konsequent, Honda staubte ab.

Am Dienstag treffen die Japaner auf Usbekistan.

Südkorea spielt zu umständlich

Die Zentralasiaten trotzten gleichzeitig dem mal wieder enttäuschenden Südkorea ein 1:1 ab. Bei der Neuauflage des Viertelfinales der Asienmeisterschaft (0:0, 2:0 nach Verlängerung für die Koreaner) stand der Mainzer Mittelfeldmann Ja-Cheol Koo in der Startelf. Sein Vereinskollege Joo-Ho Park wurde erst in der 72. Minute als Linksverteidiger eingewechselt. Nicht im Kader war der Hoffenheimer Jin-Su Kim. Die TSG hatte den koreanischen Trainer Uli Stielike darum gebeten, den Linksverteidiger, der wie Park in der laufenden Saison schon an den Asienspielen im September und an der Asienmeisterschaft im Januar teilgenommen und dadurch in etlichen Bundesligaspielen gefehlt hatte, diesmal nicht zu nominieren, was Stielike abgelehnt hatte. Nun fehlte Kim wegen einer Gehirnerschütterung, eine Diagnose, die die koreanischen Offiziellen zumindest angezweifelt hatten.

Ja-Cheol Koo brachte Südkorea gegen Usbekistan in Führung. Sein zweites Tor zählte wegen Abseits nicht. Fotos: imagoKoo hatte in der ersten Minute schon den ersten Torschuss, der aber nicht symptomatisch für das Spiel seiner Mannschaft wurde. Die Koreaner waren zwar klar überlegen, neigten aber in der umgebauten Abwehr zu einer gewissen Konfusion und brachten ihre teils gar nicht mal schlechten Angriffe nicht zum Abschluss. Sie waren zu umständlich, viele Spielzüge brachen an der Strafraumgrenze zusammen, weil die Akteure in Sackgassen liefen, die Pässe nicht zum Mitspieler brachten oder sich in ungefährliche Räume lenken ließen. Oder, wie nach einer wunderbaren direkt gespielten Kurzpasskombination über etliche Stationen in den Strafraum in der 12. Minute, weil am Ende der Leverkusener Heung-Min Son einen schwachen Rückpass zum usbekischen Torwart spielte.

Trotzdem bekamen die Koreaner ihr erhofftes frühes Führungstor, als Son einen Eckball vors Tor schlug und Koo sich vor seinen Gegenspieler zu drängeln vermochte. Der Kopfball des Mainzers, vom Verteidiger noch etwas abgefälscht, landete im Netz (14.). 

Aber auch das gab dem koreanischen Spiel keine weitere Klarheit. Statt dessen fiel nach einer halben Stunde, kurz nach einer weiteren Kopfballchance von Koo, der überraschende Ausgleich. Viel Glück brauchten die Usbeken für den Treffer: Der Pass auf Sardor Rashidov war zwar ausgezeichnet, der Angreifer ließ sich aber ebenfalls abdrängen. Von der Grundlinie brachte Rashidov den Ball zwar dicht vors Tor, aber dort verpatzte der Debütant Zokhir Kuziboyev den Abschluss, schoss den Ball fast wieder zurück in Rashidovs Richtung, erwischte dabei von hinten auf der Torlinie den koreanischen Verteidiger Ki-Hee Kim. Der musste sich aber umdrehen und ehe er den Ball gefunden hatte, war dieser die letzten paar Zentimeter ins Tor gekullert.

In der Schlussphase der ersten Hälfte kamen die Usbeken gar der Führung nahe. Zwar gelangen ihnen kaum gefährliche Abschlüsse, aber sie setzten die experimentell aufgestellte koreanische Verteidigung unter großen Druck, erzwangen Fehler.

In der zweiten Hälfte passierte erst einmal nichts Nennenswertes. Den ersten (harmlosen) Torschuss gab Rashidov in der 68. Minute ab. Direkt nach Parks Einwechslung traf Koo zum zweiten Mal: Nach der Balleroberung von Ju-Sang Lee im gegnerischen Strafraum verteidigte der 05er den Ball gegen den Torwart und schoss ihn ins leere Tor. Der Treffer zählte jedoch nicht: Bei Lees Pass war Koo deutlich abseits. Weitere Höhepunkte hatte die zähe Partie nicht.

Südkorea erwartet am Dienstag die Mannschaft Neuseelands.