Die Message heißt gewinnen

Jörg Schneider. Mainz.
Unabhängig und unbeeindruckt von dem, was sich aktuell in der Führungsetage des FSV Mainz 05 abspielt, bereiten sich die Bundesliga-Profis auf das Heimspiel am Samstag vor. Martin Schmidt hat für die Tage vor der Partie gegen Werder Bremen eine klare Richtung vorgegeben. „Für mich geht es nur um eines: Das nächste Spiel muss gewonnen werden. Das ist die einzige Message, die das Team diese Woche kriegt“, sagte der 05-Trainer am Dienstag.

Martin Schmidt und sein Assistenzcoach Peter Perchtold in der Disussion beim Dienstagtraining am Bruchweg. Foto: Jörg SchneiderDie Unruhe, die atmosphärischen Störungen, die Diskussionen um Christian Heidel und darüber, ob die Zukunft des Managers beim FSV Mainz 05 oder in Gelsenkirchen liegen wird, geht an der Arbeit der Profis relativ locker vorbei. Außer dass ein paar Journalisten mehr zum Trainingsplatz pilgerten als gewöhnlich, Martin Schmidt nach der Morgeneinheit am Dienstag ein paar mehr TV-Interviews geben musste als sonst, bestimmte ruhige und konzentrierte Arbeit die Szenerie am Bruchweg. Und der 05-Trainer ließ in der anschließenden kleinen Medienrunde keinen Zweifel daran, wo für ihn die Priorität liegt. „Wenn Fakten da sind, rede ich über Fakten. Wir haben hier das Tagesgeschäft zu erledigen.“, betonte der Schweizer. „Für mich geht es nur um eines: Das nächste Spiel muss gewonnen werden. Das ist die einzige Message, die das Team diese Woche kriegt. Das ist ein sehr wichtiges Spiel und ich will immer ein Team auf den Platz bringen, das gewinnen will.“

Der SV Werder Bremen kommt am Samstag in die Coface Arena. Das zweite Heimspiel hintereinander soll im Ergebnis erfolgreicher enden als die Partie zuletzt gegen Borussia Dortmund, die das Schmidt-Team mit 0:2 verloren hat. Deshalb hatte der 48-Jährige am Wochenende auch keine Zeit, wie er sagte, sich mit den Geschehnissen um seinen Manager zu beschäftigen. Er habe rund 20 Stunden mit der Analyse dieser Partie verbracht, erklärte Schmidt. Und er habe dabei genügend gesehen, was in dieser Woche auf dem Trainingsrasen relevant sei.

„Wir haben das Spiel rauf und runter geschaut und geschnitten, eine Power-Point-Präsentation erstellt und heute Morgen in einer fast 40-minütigen Mannschaftssitzung vorgestellt. Schmidt hatte sich bekanntlich unmittelbar nach der Niederlage gegen den Tabellenzweiten mächtig verärgert geäußert und eine Analyse angekündigt. Weil seine Mannschaft die Partie im Endeffekt unnötig hergeschenkt hatte. Weil sich niemand etwas dafür kaufen kann, dass die 05er insgesamt eine gute Leistung absolviert hatten, aber am Ende durch fatale Fehler einmal mehr mit leeren Händen dastanden.  „Wenn ich sage, wir werden das knallhart analysieren, ist das trotzdem keine Straf-Analyse. Da werden die Leute nicht an den Pranger gestellt, sondern da wird auch Gutes gezeigt. Auch, wie man Gutes besser machen kann.“

Mehr Balleroberungen in der gegnerischen Hälfte

Der Hauptinhalt der Zusammenfassung der Szenen betreffe nach wie vor das Thema, die Balance hinzukriegen zwischen Spielaufbau, Ballbesitz und Konter. „Das war so ein Spiel, in dem wir gesehen haben, dass wir mittlerweile auf allen Ebenen Fortschritte machen. Vor allem auf der Ebene Spielaufbau und Ballbesitz. Die Konter waren so, dass immer ein Quäntchen Glück gefehlt hat, da waren wir aber fleißig“, sagte Schmidt. „Worüber wir aber zusätzlich viel diskutieren, ist die Raumaufteilung. Die drei, vier Konter, die wir nicht verteidigen konnten. Wir reden darüber, dass Aubameyang, Reus und Mkhitaryan nicht so frei durch unser Mittelfeld umschalten dürfen. Raumaufteilung in der gegnerischen Hälfte bei eigenem Ballbesitz und so weiter.“

Ein weiterer Minuspunkt war die Zweikampfquote, die klar an die Dortmunder ging. „Da geht es um die Schärfe der Zweikampfführung“, so der 05-Trainer. „Da geht es darum, die Zweikämpfe zu suchen und zu führen. Da war ich mit der ersten Halbzeit sehr unzufrieden.“ Schmidt hatte jedoch auch  viele Szenen parat, für die er seine Spieler loben durfte. „Das was gut war, müssen wir unbedingt so beibehalten. Wir haben kein einziges Mal Chancen zugelassen, die aus dem gegnerischen Spielaufbau resultierten. Das war top. Wenn die ihre Möglichkeiten hatten, dann immer durch unsere Ballverlust, oder weil wir es ihnen eingeschenkt haben. Ich hätte 20 Anlauf- und Forecheking-Senen zeigen können. Wir hatten mehr Balleroberungen in der gegnerischen Hälfte als jemals zuvor in dieser Saison. Da waren wir aggressiv, sehr mutig.“

Das müsse beim Auftritt gegen die Bremer unbedingt wieder rein ins Mainzer Spiel. „Wie wir an den Stellschrauben drehen müssen, haben wir klar angesprochen. Heute im Training haben wir es schon gesehen: Die Zweikämpfe, die Schärfe vorwärtsverteidigen, pressen, rauspumpen, gegenpressen. Das ist Mainz 05.“ Schmidt betonte, er habe alles Relevante aus der Niederlage bei der Mannschaft kritisch angesprochen. „Ich will nicht, dass man mit einer 0:2-Niederlage gegen einen Gegner wie Dortmund zufrieden ist. In den Köpfen soll sich festsetzten: wir haben verloren, es war wenig gut, wir haben die wichtigen Zweikämpfe verloren, die wichtigen Pässe verplempert. Das muss in die Köpfe rein. Und das muss in der Trainingswoche über Leistung gehen.“

Die Ansprache scheint jedenfalls gefruchtet zu haben. Die 05-Profis legten eine hochkonzentrierte und engagierte 90-Minuten-Vollgas-Einheit hin, die absoluten Wettkampf-Charakter hatte. „Heute habe ich gelobt, weil es ein geiles Training war“, sagt der 05-Coach. „Wenn es Dienstagmorgen schon um jeden Zweikampf geht, guck mal an…“

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