Die Offensivarbeit bleibt das Thema

Jörg Schneider/Christian Karn. Mainz.
Der 3:2-Arbeitssieg des FSV Mainz 05 gegen den Hamburger SV an diesem achten Spieltag gibt schon eine gewisse Richtung vor: Die 05er haben gezeigt, dass sie zu Hause erfolgreich sein können, dass sie im eigenen Stadion vor begeisterungsfähigen Fans Spiele gewinnen können. Auch wenn sie Phasen durchleben, in denen nicht alles so läuft wie gewünscht, in denen die Gegner mit deren Qualitäten dem Schwarz-Team alles und manchmal zu viel abverlangen. Doch die Mainzer zeigen Behauptungswillen, einen nie nachlassenden Siegeswillen, sie sind in der Lage, erfolgreich gegen alle Widerstände und Unwägbarkeiten anzugehen. Und am Ende ein Ergebnis zu ziehen. Mit Kampfgeist, da, wo spielerische Aspekte auf der Strecke bleiben, mit Mentalität in schwierigen Phasen. Das sind wichtige Signale für den weiteren Saisonverlauf.

Die achte Runde in der Bundesliga ist vorüber, und der FSV Mainz 05 gehört fraglos zu den Siegern dieses Spieltages. Mit dem 3:2-Erfolg in der Opel Arena hat sich die Mannschaft von Sandro Schwarz auf Platz zehn der Tabelle geschoben und sich zunächst mal drei Punkte Luft verschafft auf die gefährliche Tabellenregion. Das ist natürlich lediglich eine Momentaufnahme, die bereits am Freitag im Auswärtsspiel beim FC Schalke 04 wieder hinfällig sein kann. Doch der dritte Heimsieg der Saison gibt schon eine gewisse Richtung vor. Die 05er haben gezeigt, dass sie zu Hause erfolgreich sein können, dass sie im eigenen Stadion vor begeisterungsfähigen Fans Spiele gewinnen können. Auch wenn sie Phasen durchleben, in denen nicht alles so läuft wie gewünscht, in denen die Gegner mit deren Qualitäten dem Schwarz-Team alles und manchmal zu viel abverlangen. Doch die Mainzer zeigen Behauptungswillen, einen nie nachlassenden Siegeswillen, sie sind in der Lage, erfolgreich gegen alle Widerstände und Unwägbarkeiten anzugehen. Und am Ende ein Ergebnis zu ziehen. Mit Kampfgeist, da, wo spielerische Aspekte auf der Strecke bleiben, mit Mentalität in schwierigen Phasen. Das war gegen den HSV so, das war vorher gegen Hertha BSC und Bayer Leverkusen so und das war auch gegen die TSG Hoffenheim so, auch wenn da am Ende außer Lob für eine bemerkenswerte Leistung nichts Zählbares heraussprang. Diese Einstellung aber und diese bedingungslose Bereitschaft sind in Mainz vom Publikum immer honoriert worden. Und das könnte auf Dauer dazu führen, dass die 05er unter Sandro Schwarz und dessen taktischer Flexibilität auf Dauer wieder eine Macht werden können in der Arena.

Die Partie gegen den aktuell auf Platz 15 der Tabelle rangierenden HSV hat erneut gezeigt, dass es keine Mannschaften gibt in der Bundesliga, die das 05-Team auch in seinen besten Phasen einfach an die Wand spielen kann. Erfolge müssen hart erarbeitet werden. Dafür sind die mannschaftstaktischen Qualitäten, das Defensivverhalten im Verbund der Bundesligagegner zu stark. Im Heimspiel brachten sich die 05-Profis trotz der führen Führung in Bedrängnis, weil sie sich mit hektischen, unsauber ausgeführten Aktionen aus dem Anfangsniveau selbst herausbrachten, den auf den Rückstand reagierenden Gegner nicht mehr mit der nötigen Konsequenz und Abgeklärtheit vor solch schwierige Aufgaben stellten wie zu Beginn der Partie. Und weil sie dem HSV durch eine unglückliche Aktion in einer Standardsituation den Ausgleich schenkten. Diese Themen sind alle bekannt und begleiten das Team durch die bisherige Saison. Daran arbeiten Trainer und Mannschaft, aber dieser Entwicklungsprozess braucht offenbar seine Zeit.

Die Stärke des Trainers und dessen Team ist es jedoch, die richtigen Schlüsse aus diesen Schwierigkeiten zu ziehen, Korrekturen in der Pause oder während des Spiels vorzunehmen, diese mit großer Hingabe umzusetzen und sich zu behaupten. Das ist schon mal eine gute Basis, auf der sich aufbauen, Fortschritte erzielen lässt. „Wir sind in der ersten Halbzeit trotz der Führung nicht richtig reingekommen“, sagte der Trainer nachher. „Wir haben dann in der Pause Videobilder gezeigt, wo wir besser zustellen können, besser hinten heraus aktiver nachschieben können, wenn vorne die erste Pressinglinie attackiert. Die zweite und dritte Pressinglinie ist da zuvor mehr im Raum stehen geblieben. Gut war, es stand 1:1, und wir hatten noch viel Luft nach oben. Die Spieler haben das dann sehr gut gemacht. Alles wurde aktiver, wir haben die Zweikampfquote erhöht, vor allem in der Offensive die Duelle gewonnen mit Zielstrebigkeit Richtung Tor. Da hatten wir es im Griff. Und mussten doch wieder zittern. Das war etwas symptomatisch für dieses Spiel. Wenn wir die Ruhe hatten, sauber aufgelöst haben, dann hatten wir Räume und Platz die Dinge besser auszuspielen“, so der 39-Jährige.

Gbamin stark im Zentrum

„Am besten brauchst du in jedem Mannschaftsteil dann einen, der den ganzen Laden mitanschiebt. Jean-Philippe Gbamin war das, aber auch Stefan Bell, der in der zweiten Hälfte in der Vorwärtsverteidigung viele Bälle abgeklemmt, Kopfballduelle gewonnen, Foulspiele fabriziert hat, was auch dazu gehört“, betonte Schwarz. Bell ist ein gutes Beispiel. Vor der Pause oft hektisch, mit Schwierigkeiten in der Innenverteidigung und dem misslungenen Kopfball, der zum 0:1 führte, steigerte sich der Kapitän, erzielte dann das 2:1 und schwang sich zu einer veritablen Leistung auf. Gbamin mit seiner Dynamik, Präsenz, Zweikampfstärke und seinen fußballerisch-strategischen Möglichkeiten, wurde mehr und mehr zum Chef im Zentrum in Zusammenarbeit mit dem Siegtorschützen Danny Latza. Aber auch die Außenverteidiger Daniel Brosinski und Giulio Donati wurden aktiver, zielstrebiger. Die Hereinnahme von Suat Serdar als Kampfzehner war ein weiterer Baustein zum Erfolg. Serdar ersetzte Alexandru Maxim, der insgesamt eine gute Leistung bot, anspielbar war, eifrig malochte und den Führungstreffer, sein erstes Tor für Mainz 05, erzielte. „Das Tor gibt ihm Auftrieb. Mit der Einwechselung in Wolfsburg, wo er mit am Tor beteiligt war. Diesmal hat er sich erneut stark in den Dienst der Mannschaft gestellt, war sehr fleißig sehr agil“, so der Trainer.

Jean-Philippe Gbamin wächst mehr und mehr in die Rolle des Chefs im zentralen Mittelfeld der 05er. Foto: Ekkie VeyhelmannDer hatte Yoshinori Muto draußen gelassen, weil der Japaner müde war nach den Länderspiel- und Reisestrapazen. Dessen Vertreter Robin Quaison machte seine Sache ordentlich, wenn auch der Schwede nicht in die gefährlichen Abschlusssituationen kam. „Robin ist unheimlich viel gelaufen und hatte schon gute Aktionen. Das letzte Quäntchen zum Abschluss hat zwar gefehlt, aber er war schon drin im Spiel. Er hat auch den Eckball rausgeholt zum Tor von Bell und war zielstrebig in den Schnittstellenläufen“, betonte Schwarz.

Die größte Qual der Wahl hat Schwarz derzeit im zentralen Mittelfeld. Alle bisher eingesetzten Sechser haben ihr Ding gemacht. Diesmal spielten Gbamin und Latza zusammen, Fabian Frei und Serdar saßen auf der Bank. „Auf der Sechs haben wir sehr gute Leute“, sagte Schwarz, der viel redet mit den Spielern auf dieser Position. „Am besten geht man ganz offen da rein in die Kommunikation. Dass jeder spielen will, ist doch selbstverständlich. Ich weiß auch gar nicht, ob wir schon zweimal hintereinander dieselbe Aufstellung hatten. Das zeigt einfach, dass wir alle benötigen. Es zeigt, dass man immer bereit sein, das Trainingsniveau hoch halten muss, weil es viele Kriterien gibt für jedes Spiel. Dann suchst du im Optimalfall die richtigen Spieler aus. Es kommt dann auch mal vor, dass der Trainer die falsche Entscheidung trifft. Insgesamt gehen die Jungs da sehr gut mit um. Es ist eine gute Gruppendynamik da, weil sie wissen, sie können nächste Woche wieder dabei sein. Quaison beispielsweise war vor zwei Wochen nicht im Kader, jetzt in der Startelf. Diese Signale sind wichtig für die Spieler, dass es von Woche zu Woche anders aussehen kann.“

Der 05-Coach ist sich bewusst, dass es weiterhin viel zu tun gibt, um den Entwicklungsprozess auszubauen. Vor allen Dingen in den Sachen, die im Spiel nach vorne passieren. „Offensivzweikämpfe, Ballbehauptung. Da haben wir großes Entwicklungspotenzial“, sagte der Trainer, der am Dienstag seinen 39. Geburtstag feiert. „Das wissen wir und arbeiten dran. In der Balleroberung sind wir gut. In den Defensivzweikämpfen auch. Offensiv, das wird unser Thema bleiben. Die zweite Halbzeit gegen den HSV war ein weiterer Schritt zur Verbesserung.“

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