Die Zähne ausgebissen

Christian Karn. Mainz.
Nicht dass sie es nicht versucht hätten: In ihrem ersten Qualifikationsspiel zur Weltmeisterschaft 2018 war die japanische Nationalmannschaft hoch überlegen gegen Singapur, phasenweise flogen die Schüsse im Minutentakt aufs Gästetor zu. Dennoch stand am Ende nur ein 0:0. Bei allem Aufwand waren die zwingenden Chancen selten. Die beiden Japaner des FSV Mainz 05 hatten kaum Szenen.

Shinji Okazaki (links) hatte wenige Torchancen gegen Singapur, schoss aber womöglich ein reguläres Tor beim 0:0. Foto: imago

Bernd Stange ist seit nunmehr 45 Jahren Fußballtrainer. Der Sachse betreute in dieser Zeit unter anderem Carl Zeiss Jena, diverse DDR-Nationalmannschaften, Hertha BSC und den VfB Leipzig, Dnipro Dnipropetrowsk und ZSKA Kiew, Perth Glory, Oman und Irak, Weißrussland und seit zwei Jahren Singapur. Dass Stange nicht der schlechteste Trainer ist, zeigte seine Mannschaft im zweiten Spiel der ersten asiatischen WM-Qualifikations-Hauptrunde gegen Japan: Das Spitzenteam Ostasiens war wie erwartet hoch überlegen gegen Singapur, hatte 32:3 Torschüsse, bekam aber das 0:0 nicht weg von der Anzeigetafel.

Singapurs Torwart Izwan Mahbud, der wie fast die komplette Nationalmannschaft mit dem einheimischen Klub Lions XII in der Liga des Nachbarlands Malaysia spielt, zeigte schon in der vierten Minute eine gewisse Unsicherheit bei einem Schuss von Keisuke Honda. Es blieb die einzige Nachlässigkeit des 24-Jährigen, der sicherlich aus seiner Mannschaft herausragte, aber nicht der einzige Grund für den Punktgewinn war.

Früh war zu sehen, dass Singapur nicht stupide mauern, sondern mitspielen wollte. Das klappte nur in wenigen Momenten, aber gegen den Ball waren die Spieler aus dem Stadtstaat besser organisiert als erwartet. Mal im 4-5-1, mal im 5-4-1-System unterbanden sie das hochklassige japanische Kombinationsspiel weitgehend. Japan wurde nur mit Einzelaktionen gefährlich: Der Schuss des Dortmunders Shinji Kagawa wäre wohl auch am Tor vorbei geflogen, hätte Mahbud die Hände weggelassen (12.). Frankfurts Makoto Hasebe bekam im Fallen einen erstaunlich guten Schuss hin - gehalten (22.). Kagawa schoss zu früh und zu schwach am Tor vorbei (23.) und über das Tor (24.). Häufiger lockte Singapurs Abwehr die Japaner ins Abseits. Die wenigen guten Spielzug der ersten Hälfte endeten bei Shinji Okazaki, aber der Mittelstürmer des FSV Mainz 05 traf ebenfalls nicht: Sein erster Schuss ging vorbei (17.), den zweiten hielt Mahbud (30.). Und der dritte kam nicht; Kagawa und Okazaki verpassten nacheinander den nahezu perfekten Querpass von Gamba Osakas Takashi Usami (44.).

Die Schlüsselszene könnte die 55. Minute gewesen sein: Mahbud wehrte Okazakis Kopfball nach hinten ab, hechtete hinterher, schlug den Ball weg vom Tor - vermutlich zu spät. Aber die Schiedsrichter entschieden nicht auf 1:0.

Nach einer guten Stunde riss Honda, der japanische Star des AC Milan, das Spiel an sich. Honda versuchte es mit einem Kopfball (68., stark gehalten), einem Freistoß (73., Latte - Nachschuss gehalten), einer gelupften Vorlage (74., die Flanke von Hannovers Hiroki Sakai war zu hoch für Okazaki), einem Solo (75., schwacher Abschluss, kein Problem für Mahbud), einem Distanzschuss (76., vorbei) - keinem Elfmeter, weil es nach der kritischen Attacke von Shaiful Esah gegen Gaku Shibasaki (Kashima Antlers) keinen Elfmeter gab (69.). Hondas abgefälschter Schuss landete oben auf dem Tor (88.), sein letzter Schuss wurde abgeblockt (94.). Und nach dem abgewehrten Eckball war Schluss. Der zweite Mainzer, Yoshinori Muto, war in der 78. Minute eingewechselt worden, hatte aber keine Szene.

Gemessen an der FIFA-Weltrangliste war Singapur hinter Afghanistan und Syrien, aber vor Kambodscha der zweitschwächste Gegner Japans in der Qualifikationsgruppe. Dennoch sollte die Qualifikation für die zweite Hauptrunde auch nach diesem holprigen Start gelingen.

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