Dollarzeichen in den Augen

Jörg Schneider. Mainz.
Dass der FSV Mainz 05 Joo-Ho Park zu Borussia Dortmund hat ziehen lassen, ist nicht überall gut angekommen im Umfeld. Der Linksverteidiger sei nach dem Angebot des BVB jedoch nicht zu halten gewesen. Der Spieler habe aufgrund der Möglichkeiten beim Spitzenklub die Dollarzeichen in den Augen gehabt, sagt Christian Heidel. Der 05-Manager hat der nullfünfMixedZone außerdem erklärt, dass der Transfer von Jhon Córdoba um ein Haar daran gescheitert wäre, dass der FC Granada auf ein Rückkaufrecht beharrte und dass es beim Koo-Wechsel keinen Verhandlungs-Spielraum gegeben habe.

Ola Toivonen, der schwedische Mittelstürmer, der bei Stade Rennes unter Vertrag stand, gehörte in dieser nun zu Ende gegangenen Transferperiode zur der Zahl jener Profis, die zwar mit dem FSV Mainz 05 in Verbindung gebracht worden waren, die der Bundesligist jedoch nie auf der Rechnung hatte. Christian Heidel betonte, er habe mit Toivonen zu keiner Zeit etwas zu tun gehabt. Der 05-Manager musste jedoch in diesem Sommer feststellen, dass die diversen Spielerberater sehr emsig waren, um von sich aus eine Flut von Profis ins Gespräch zu bringen. Bei Mainz 05 und anderswo.

Die 05er hatten laut Heidel zwei Mittelstürmer ins Auge gefasst: Jhon Córdoba, den Kolumbianer vom FC Granada und „eine Lösung B, die wir hätten holen können.“ Wer der zweite Kandidat war, wollte der 05-Manager nicht verraten, doch über einen gewissen Zeitraum sah es offenbar eher danach aus, dass Heidel die Lösung zwei realisieren würde, denn die Verhandlungen mit den Spaniern waren zum Stillstand gekommen.

„Wir haben Jhon länger beobachtet als manche glauben und auch viel länger mit dem FC Granada verhandelt“, sagt der 05-Manager. „Doch wir konnten keine Einigung erzielen.“ Das Problem an der Geschichte: Der FC Granada bestand auf einer Rückkaufoption für den 22-Jährigen. „Das haben wir nicht akzeptiert“, sagt Heidel. „Das würde unser Geschäftsmodell kaputt machen, dann würde unser ganzes Konzept zusammenbrechen.“ Der 05-Manager bestand auf den Leihvertrag plus Kaufoption für den Kolumbianer und schien damit nicht zum Abschluss zu kommen. Trotzdem sei er dran geblieben, statt die einfachere Lösung B zu verwirklichen, „weil ich das Gefühl hatte, wir könnten es noch hinkriegen gegen Ende der Transferperiode.“ Doch erst am Sonntag habe er erstmals gespürt, dass in Granada die Bereitschaft wachse, auf das Rückkaufrecht zu verzichten. Und dann ging alles ganz schnell. Jhon Córdoba wird im Übrigen heute Abend im Testspiel der 05er beim Oberligisten Borussia Fulda (18.30 Uhr) nicht am Start sein. Der Spieler ist nach der Vertragsunterzeichnung in Mainz sofort in die Heimat zu einem Trainingslager der U23-Nationalmannschaft seines Landes abgereist.

Schnürt seine Fußballschuhe nun in Dortmund für ein größeres Gehalt als am Bruchweg: Joo-Ho Park Córdoba ist ein Entwicklungsspieler. Dessen sind sich Heidel und Trainer Martin Schmidt bewusst. Aber ein Entwicklungsspieler, der schon einiges an Erstligaerfahrung hat. „Wann haben wir schon mal einen Mittelstürmer geholt, der in der ersten Liga ein Torjäger war?“, stellt der Manager in den Raum. „Als Adam Szalai zu uns kam, kam er aus der Dritten Liga. Shinji Okazaki kam zwar aus der Bundesliga, hatte aber kaum Tore geschossen.“ Heidel und Schmidt setzen bei Córdoba auf Nachhaltigkeit.

Mit Gaetan Bussmann habe man sich schnell befasst, nachdem man am Bruchweg von der Geschichte um Joo-Ho Park und dessen Dortmund-Ambitionen überrascht worden war. Der Südkoreaner sei nicht zu halten gewesen. „Der Junge hat leider zu schnell vergessen, dass er nur noch wegen uns professionell Fußball spielt und nicht die Grenzen in Korea bewacht“, sagt Heidel etwas enttäuscht. „Park hatte nur noch die Dollarzeichen in den Augen.“ Also habe letztlich auch der Trainer schweren Herzens zugestimmt, den Leistungsträger ziehen zu lassen, denn einen solchen Spieler halten zu wollen, der mit dem Kopf woanders sei und nur darüber nachdenke, die große Gehaltsmöglichkeit verpasst zu haben, sei nicht sinnvoll. „Und für einen Linksverteidiger dieses Alters sind 3,5 Millionen Ablösesumme sehr viel“, sagt Heidel. Die Verantwortlichen am Bruchweg glaubten zudem, mit Pierre Bengtsson einen ähnlichen Spielertypen wie Park im Kader zu haben. Also entschieden sich die 05er schnell für den Franzosen, dessen Körpergröße, Power und Athletik. „Mit ihm haben wir wieder andere Optionen. Wir glauben das ist die beste Lösung“, sagt Heidel. Bussmann soll heute in Fulda sein 05-Debüt geben.

Überraschend kam auch der Transfer von Ja-Cheol Koo zum FC Augsburg. Der Mittelfeldspieler, dessen große Fähigkeiten in Mainz nie so richtig in Erscheinung traten, geht dahin zurück, wo der Südkoreaner seine beste Zeit hatte in der Bundesliga. Die 05er haben sich trotz der zusätzlichen Millionen, die der Koo-Wechsel in die Vereinskasse spült, dafür entscheiden, den Profi nicht zu ersetzen. „Wir wissen, dass dies eine mutige Entscheidung ist. Wir hätten da auch etwas machen können“, sagt Heidel, „aber das wollten wir nicht.“  Koo war zuletzt der Backup für Yunus Malli. Sollte der Fall eintreten, dass Malli verletzt ausfällt, sei man in der Lage dies zu kompensieren. Danny Latza könne die Position einnehmen. Yoshinori Muto. Todor Nedelew. Durch die Verpflichtung von Córdoba habe man zudem die Option, mit zwei Spitzen zu spielen. Der Klub setze da auch auf die Entwicklung von Potenzial aus den eigenen Reihen, betont der Manager. „ich denke da an Spieler wie Philipp Klement aus der zweiten Mannschaft. Der hat uns schon überzeugt.“

Fünf Millionen hat Heidel für Koo an Ablöse kassiert. Plus verschiedener Beteiligungen beim Weiterverkauf. Damit haben die 05er die Summe vom FC Augsburg erhalten, die sie selbst im vergangenen Jahr an den VfL Wolfsburg bezahlt haben. Für die Augsburger, die demnächst in die Europaliga einsteigen, war der Druck groß, Verstärkungen an Land zu ziehen nach dem misslungenen Saisonstart. „Da ist nicht mehr großartig verhandelt worden. Es gab keinen Spielraum“, sagt Heidel.

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