Drei Antipoden

Christian Karn. Mainz.
Während die meisten Profis des FSV Mainz 05 sich am Bruchweg und ab Dienstag in Andalusien auf die Bundesliga-Rückrunde vorbereiten, spielen drei ihrer Kollegen am anderen Ende der Welt um die Asienmeisterschaft. Shinji Okazaki dürfte mit Japan zu den großen Favoriten des dreiwöchigen Turniers zählen, das Gastgeber Australien am heutigen Freitag (10 Uhr deutscher Zeit) mit der Partie gegen den Außenseiter Kuwait eröffnet. Joo-Ho Park und Ja-Cheol Koo haben mit Südkorea geringere Titelchancen. Das Finale findet wenige Stunden vor dem Mainzer Bundesligaspiel gegen den SC Paderborn 07 statt. Wahrscheinlich verpassen die drei 05er mehr als diese eine Rückrundenpartie.

Ja-Cheol Koo, Shinji Okazaki und Joo-Ho Park werden den 05ern vorerst fehlen. Foto: Jörg Schneider.Zieht man von Marbella, wo die Profis des FSV Mainz 05 sich in wenigen Tagen auf die Rückrunde vorbereiten werden, eine Linie durch den Erdmittelpunkt, kommt man mitten im Hauraki-Golf wieder heraus, rund 20 Kilometer vor der neuseeländischen Metropole Auckland. Von dort sind es keine zwei Flugstunden mehr in den Südosten Australiens, wo am heutigen Freitag die Asienmeisterschaft beginnt. Wenn sie nicht gerade auf den Mond fliegen, könnten die drei 05-Spieler Shinji Okazaki, Joo-Ho Park und Ja-Cheol Koo während der Wintervorbereitung also nicht viel weiter von ihren Kollegen entfernt sein. 

„Man muss sich das mal vorstellen“, sagte 05-Manager Christian Heidel bereits im November. „Wir haben Joo-Ho Park im September vier Wochen lang abgestellt für die Asien-Spiele, jetzt fehlt er uns wieder vier Wochen lang. Da ist langsam eine Grenze erreicht.“ Das Finale der Asienmeisterschaft findet nur wenige Stunden vor dem Rückrunden-Auftaktspiel der 05er gegen den SC Paderborn 07 statt. Drei Tage später steht bereits die Auswärtspartie in Hannover an.

Die 05er sind nicht der einzige Bundesligist, der auf Australien-Rückkehrer wartet, aber der mit den meisten Abstellungen. Hannover 96 muss auf den Japaner Hiroshi Kiyotake verzichten, nicht allerdings auf dessen Landsmann Hiroki Sakai. Weitere neun Japaner, Australier und Südkoreaner fehlen ihren deutschen Klubs zunächst (siehe Kasten). Der FC Augsburg dagegen hatte Glück: Seine Südkoreaner Jeong-Ho Hong und Dong-Won Jin wurden nicht nominiert.

Bundesligaspieler bei der Asienmeisterschaft

FSV Mainz 05: Shinji Okazaki (Japan), Ja-Cheol Koo, Joo-Ho Park (beide Südkorea).

Hannover 96: Hiroshi Kiyotake (Japan).

Borussia Dortmund: Mitchell Langerak (Australien), Shinji Kagawa (Japan).

Eintracht Frankfurt: Makoto Hasebe, Takashi Inui (beide Japan).

Bayer Leverkusen: Robbie Kruse (Australien), Heung-Min Son (Südkorea).

TSG Hoffenheim: Jin-Su Kim (Südkorea).

VfB Stuttgart: Gotoku Sakai (Japan).

FC Ingolstadt: Matthew Leckie (Australien).

Die Japaner haben vier der letzten sechs Asienmeisterschaften gewonnen, zuletzt 2011 durch ein 1:0 n.V. im Finale gegen Australien. Mit einem 2:1 gegen den gleichen Gegner in der Vorbereitung, das die Überlegenheit nur unzulänglich ausdrückt, haben sie sich erneut im kleinen Kreis der Topfavoriten platziert. Mit Okazaki, Frankfurts Takashi Inui, Dortmunds Shinji Kagawa, dem Milan-Profi Keisuke Honda und dem jungen Linksaußen Yoshinori Muto steht dem mexikanischen Trainer Javier Aguirre wahrscheinlich die überragende Offensive des Kontinents zur Verfügung. In den Spielen ihrer Gruppe D treten die "Samurai Blue" gegen den Asienmeisterschafts-Debütanten Palästina (Montag, 8 Uhr deutscher Zeit), Irak (Freitag, 16.1., 10 Uhr) und Jordanien (Dienstag, 20.1., 10 Uhr) an. Im Viertelfinale würden sie auf eine Mannschaft der Gruppe C treffen: Iran, die Vereinigten Arabischen Emirate, Katar oder Bahrain.

Südkoreas Ergebnisse vor dem Turnier waren nicht immer erfreulich für den Nationaltrainer Uli Stielike: In der Generalprobe schlugen die Koreaner Saudi-Arabien 2:0, davor gab es ein 0:1 gegen Iran, ein 1:0 gegen Jordanien, ein 1:3 gegen Costa Rica, ein 2:0 gegen Paraguay und ein 0:1 gegen Uruguay. Spielerisch überzeugten die "Taegeuk Warriors" selten. Stielikes Handicap: Auch wegen der strengen Militärregeln Südkoreas spielen nicht viele seiner Akteure in großen Ligen. Neben den Bundesligaspielern Koo, Park, Heung-Min Son (Leverkusen) und Jin-Su Kim (Hoffenheim) nominierte der Europameister von 1980 von europäischen Vereinen lediglich die Mittelfeldspieler Sung-Yong Ki (Swansea City) und Chung-Yong Lee (Bolton Wanderers). Die übrigen südkoreanischen Spieler, darunter der Ex-05er Du-Ri Cha, stehen bei arabischen und ostasiatischen Vereinen unter Vertrag. In der Gruppe A spielt Südkorea am morgigen Samstag (6 Uhr) gegen Oman, dann gegen Kuwait (Dienstag, 13.1., 8 Uhr) und zum Abschluss gegen den Mitfavoriten Australien (Samstag, 17.1., 10 Uhr). Der Viertelfinalgegner käme aus der Gruppe B: Usbekistan, Saudi-Arabien, China und Nordkorea. In den letzten vier Turnieren wurde Südkorea dreimal Dritter; zuletzt stellten sie mit Koo, der kurz darauf aus der eigenen Liga zum VfL Wolfsburg wechselte, den Torschützenkönig der Asienmeisterschaft 2011. Die letzte Finalteilnahme war 1988 (0:0 n.V., 3:4 i.E. gegen Saudi-Arabien), Asienmeister waren die Südkoreaner nur in den ersten beiden Turnieren. 1956 und 1960 gab es keine K.o.-Runde.

 

► Alle Artikel zum internationalen Fußball

► Zur Startseite