Drei-Millionen-Gehälter sind nicht drin

Jörg Schneider. Mainz.
Aufgrund der noch immer ungeklärten Frage, ob der Klub auch in der kommenden Saison in der Bundesliga spielt, gehen die Kaderplanungen beim FSV Mainz 05 nicht so voran wie in früheren Jahren. Christian Heidel sieht sich mit der Situation konfrontiert, dass potenzielle Neuzugänge im Moment abwartend reagieren. Darüber hinaus geht es für den Manager derzeit darum, Verhandlungen über auslaufende Verträge mit Leistungsträgern zu führen und sich damit auseinanderzusetzen, dass 05-Profis im Fokus gut aufgestellter Konkurrenz-Klubs stehen. „Mein Job ist es“, sagt Christian Heidel, „das Beste für Mainz 05 herauszuholen.“

05-Manager Christian Heidel: Das Beste für die 05er rausholen. Foto: Jörg SchneiderIn gut sieben Wochen ist Feierabend. Dann geht diese turbulente Bundesligasaison zu Ende. Für den FSV Mainz 05 stehen noch acht Spieltage auf dem Programm, angefangen mit der Auswärtspartie am Samstag beim SV Werder Bremen. Acht Begegnungen also, in denen Martin Schmidt und dessen Team den eingeschlagenen Weg erfolgreich fortsetzen und den Grundstein für ein weiteres Erstligajahr legen können. Die 05er haben seit Schmidts Amtsantritt als Cheftrainer ihre Ausgangslage stabilisiert. Die Leistungen der vergangenen Wochen geben allen Grund zum Optimismus, dass die Mission Nichtabstieg zu einem glücklichen Ende führt.

Unabhängig von den sportlichen Bemühungen steckt der Klub in der Phase, in der auch die personellen Eckpfeiler für die neue Spielzeit eingeschlagen werden. Die Kaderplanungen am Bruchweg laufen, doch viele der Dinge, mit denen sich Christian Heidel beschäftigen muss, sind abhängig davon, ob Mainz 05 in dieser Liga bleibt. Das macht es für den 05-Manager derzeit schwierig, auslaufende Verträge zu verlängern oder konkrete Abschlüsse mit potenziellen Neuzugängen auf die Reihe zu bringen.

„Wir beschäftigen uns schon intensiv mit neuen Spielern“, sagt Heidel, „aber es ist nicht ganz so einfach wie in früheren Jahren.“ Spielzeiten, in denen die Mainzer mit dem Abstiegskampf nichts zu tun hatten und frühzeitig planen konnten. Ähnlich wie zum selben Zeitpunkt des vergangenen Jahres, als die bevorstehende Demission von Thomas Tuchel und die ungeklärte Trainerfrage die vorzeitige Verpflichtung von neuen Spielern behinderte, ist es aktuell der nicht entschiedene Abstiegskampf, der für Zurückhaltung sorgt. „Die Spieler wollen abwarten, sie wollen wissen, wo es hingeht, ehe sie sich entscheiden. Da müssen wir die notwendige Ruhe bewahren“, betont der Manager.

Ansonsten unterscheide sich die Situation jedoch nicht von der in normalen Bundesligajahren. „Die Problematik haben wir doch immer“, sagt Heidel. 05-Spieler, die einen laufenden Vertrag haben und sich aufgrund konstant guter Leistungen für andere Klubs interessant gemacht haben. Spieler, deren Verträge auslaufen und die im Moment ihre Möglichkeiten auf dem Markt sondieren. „Mein Job ist es“, sagt der 51-Jährige, „das Beste für Mainz 05 herauszuholen.“

Wenn man mal die Routiniers Nikolce Noveski und Elkin Soto außen vor lässt, für die aufgrund ihres fortgeschrittenen Alters trotz aller Verdienste wahrscheinlich kein Folgevertrag mehr bei den 05ern zustanden kommen wird und auch die diversen Leihspieler, von denen keiner eine wirklich tragende Rolle im Team spielte, geht es um vier Leistungsträger und deren sportliche Zukunft.

Johannes Geis und Shinji Okazaki, zwei herausragende Persönlichkeiten im 05-Kader, die noch bis 2017 beziehungsweise 2016 Vertrag haben, aber offenbar auch lukrative Angebote anderer Vereine. Dazu Julian Baumgartlinger und Yunus Malli, deren Verträge zum Saisonende auslaufen und bei denen offenbar ebenfalls andere Interessenten angeklopft haben.

"Die Entscheidung liegt aber am Ende ganz alleine bei uns"

„Sollten Angebote für Geis und Okazaki vorliegen, nehmen wir das zur Kenntnis und beschäftigen uns damit“, sagt der Manager kryptisch. „Die Entscheidung liegt aber am Ende ganz alleine bei uns. Sie muss auch in unsere Gesamtüberlegungen passen.“ Natürlich weiß Heidel selbst am besten, dass begehrte Spieler letztlich nicht zu halten sind, wenn gut aufgestellte Klubs die Profis unbedingt haben wollen und die Spieler mit Top-Gehältern ködern, doch der 05-Manager macht damit deutlich, dass der Verein die Hand draufhält und Ablösesummen fordert, die den Klub in die Lage versetzen, qualitativ hochwertigen Ersatz zu finden.

Ein Prozess, der zu den ureigenen Aufgaben des Vereins in der Bundesliga gehört. Spieler zu entdecken, die sich in Mainz derart weiterentwickeln, dass sie für viel Geld zu größeren Vereinen wechseln. Das hat in der Vergangenheit prächtig funktioniert, den 05ern satte Transferüberschüsse garantiert und dazu geführt, dass Heidel den Kader trotz der Abgänge von Leistungsträgern Jahr für Jahr kontinuierlich verbessern konnte.

„Bei Baumgartlinger und Malli müssen wir nun sehen, ob wir mit ihnen eine Einigung finden“, sagt der 05-Manager, der den beiden Profis zwar kein Zeitlimit setzt, um sich zu entscheiden, der aber schon deutlich macht, dass er sich nach möglichen Alternativen umschaut. „Ich habe vollstes Verständnis dafür, dass sie sich umschauen und ihre Möglichkeiten ausloten. Das ist völlig normal“, sagt der 51-Jährige und fügt hinzu: „Solange wir selbst noch nicht anders aufgestellt sind, gebe ich ihnen die Zeit dafür.“

Durch den Trainerwechsel am Bruchweg hat sich auch intern einiges geändert. Die Spieler, so Heidel, machten natürlich ihre Entscheidung auch davon abhängig, wie es bei Mainz 05 weiter gehe, wie die Mannschaft künftig aussehe, welche Ziele der Klub verfolge. Das alles müsse ohne Zeitdruck verhandelt und besprochen werden. Nur eines sei dabei unverrückbar, sagt Heidel. „Es geht bei uns immer auch um die Gehaltsstruktur. Und in diesem Bereich sind bei Mainz 05 Grenzen gesetzt.“ Gehälter in der Größenordnung von drei Millionen Euro pro Jahr seien nicht drin.

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