Drei Sterne für die Talentschmiede

Jörg Schneider. Mainz.
Die Talentförderung beim FSV Mainz 05 gehört zu den anerkannt besten ihrer Art in Deutschland. Das Nachwuchsleistungszentrum (NLZ) des Bundesligisten ist von DFB und DFL mit drei Sternen und dem Gesamtergebnis „exzellenter Level“ ausgezeichnet. Jetzt hat der Klub am Bruchweg seine Infrastruktur mit einem zusätzlichen, neuen Kunstrasenplatz sowie einer Sprintlaufbahn mit Zeitmess-Strecke erweitert. NLZ-Leiter Volker Kersting gewährte den Medien zudem Einblick in die modernen Räumlichkeiten im früheren VIP-Bereich der Bruchweg-Haupttribüne.

05-Chef Harald Strutz nahm am Dienstag den neuen Kunstrasenplatz am Bruchweg in Augenschein. Foto: Jörg SchneiderDem Präsidenten hatte es besonders die neue Sprintlaufbahn mit Zeitmess-Strecke angetan. „Da könnte kann glatt nochmal aktiv werden“, sagte Harald Strutz bei der Besichtigung der modernen Kunstrasen-Anlage am Bruchweg. Dort hat der FSV Mainz 05 nun sein Trainingsgelände um einen zusätzlichen Kunstrasenplatz sowie jener 50-Meter-Bahn für diverse Leistungstests erweitert, die das Herz des einstigen zweifachen Deutschen Vizemeisters im Dreisprung höher schlagen lässt.

Das Herz des FSV schlägt am Bruchweg. Das sportliche Zentrum des Bundesligisten beherbergt nun neben dem altehrwürdigen Stadion, zwei Rasen-Trainingsplätze und drei Kunstrasen-Spielfelder. Rund 1,2 Millionen Euro hat der Verein in den Bau der jüngsten Spielfläche investiert, um den Trainingsbetrieb für alle Mannschaften im Nachwuchsbereich ganzjährlich zu gewährleisten. Auch wenn derzeit noch diverse Bauarbeiten an den Zugängen zu Ende gebracht werden müssen, ist der neue Platz bereits in Dienst gestellt und ein weiterer Baustein des Nachwuchs-Leistungszentrums (NLZ) der 05er, das am Bruchweg zu Hause ist und zu den Top-Adressen in Deutschland zählt.

Volker Kersting, der Leiter des NLZ, gab den Medienvertretern am Dienstag bei einer Führung einen Einblick in die Räumlichkeiten, die im früheren VIP- und Logenbereich der Bruchweg-Haupttribüne entstanden sind, und in denen die Mainzer Nachwuchsförderung gemanagt wird. „Wir haben natürlich noch weitere wichtige Projekte vor unserem geistigen Auge, aber so weit wie wir heute sind, hätte unsere Vorstellungskraft damals nie gereicht.“ Kersting ist seit 20 Jahren im Mainzer Talentschuppen aktiv und präsentiert stolz die lichtdurchfluteten Räume, in denen heute rund 80 Mitarbeiter, von denen 20 hauptamtlich beim Verein angestellt sind, arbeiten. Vom Nachwuchs bis zu den Profis. Die früheren Logen sind inzwischen zu Hausaufgaben-, Nachhilfe- und Aufenthaltsräumen für die jugendlichen NLZ-Fußballer umfunktioniert worden. Etwa 200 Kinder und Jugendliche trainieren und spielen in elf 05-Mannschaften auf dem höchstmöglichen Niveau ihrer Altersklasse. In den geräumigen Büros arbeiten die hauptamtlichen Trainer des NLZ, die Analyse-Abteilung, festangestellte Physiotherapeuten, Pädagogen, Sozialarbeiter und Psychologen. Dazu gibt es Schulungs- und Besprechungszimmer. Eine gute halbe Million Euro haben die 05er in diesen modernen Umbau gesteckt.

Martin Schmidt, der Cheftrainer der Bundesliga-Mannschaft, kommt selbst aus diesem Leistungszentrum. Der Schweizer hat etliche Jahre als U23-Coach an den Strukturen mitgearbeitet. „Wir sind seit Jahren von der Zertifizierung her immer bei drei Sternen und drei Sternen plus. Das ist eine Auszeichnung“, sagt der 48-Jährige. „Da geht es nicht nur um die inhaltliche Thematik, sondern auch um die Infrastruktur, die Anzahl  der Festangestellten, um Administration, Finanzen. Das beinhaltet ja viele Punkte. Und da die höchste Auszeichnung zu kriegen, heißt, dass alles sehr breit und gut aufgebaut ist.“

Die Anstöße und strukturellen Inhalte, die Thomas Tuchel damals als neuer Cheftrainer gegeben habe, mit seinen Vorstellungen von der Vereinheitlichung der Mainzer Spiel-Philosophie, vom Athletiktraining, übers Taktische, Technische bis ins Mentale hinein, seien über die Jahre weiter ausgebaut und vorangetrieben worden. Das 05-NLZ sei nun auf einem herausragenden Level. „Das sieht man alleine an der Anzahl der Festangestellten. Da sind Physios, Athletik-Trainer, Reha-Trainer, Aushilfs-Reha-Trainer, Video-Analysten. Einer, der nur die Belastungssteuerung der Jugend im Überblick hat. Die Trainer der Jugendteams. Das ist Professionalisierung auf ganzer Ebene. Das wird gelebt. Und ich glaube auch, dass die gute Arbeit der letzten Jahre darin fruchtet, dass wir jetzt eine zweite Mannschaft in der Dritten Liga vorne dabei haben. Wir haben immer sieben, acht von uns ausgebildete Spieler in der Dritten Liga auf dem Platz. Das ist dann die Krönung“, sagt Schmidt, der etliche Talente aus der U23 seinerseits kontinuierlich im Profi-Kader aufbaut. „Inhaltlich wie funktionell sind wir mit dem NLZ auf einem sehr hohen Niveau. Das beweist schon die große Anzahl unserer Nationalspieler im Jugendbereich.“

Mainz 05 sei in der Talentförderung deutschlandweit inzwischen mit drei oder vier anderen Klubs zu einem Vorzeigeverein geworden. „Unser Ziel ist es, dass im nächsten Sommer drei, vier Spieler aus der U23 schon im Profikader drin sind und Profiverträge kriegen. Die Spitze soll es ganz nach oben schaffen. Die U19-Spieler sollen nächstes Jahr Dritte Liga spielen. Allen den Vereinen, die ihre U23 abgeschafft haben und andere Wege gehen, können wir mit dieser effektiven Arbeit ein Beispiel geben“, sagt der 05-Trainer. „Doch auch unser Weg ist nicht fertig, der muss immer weiter geführt werden.“

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Bilder vom Nachwuchsleistungszentrum am Bruchweg: