Duell der Ex-Partner?

Jörg Schneider. Mainz.
Das Duo Danny Latza und Jean-Philippe Gbamin dürfte trotz einiger Schwächen zuletzt gegen Werder Bremen am Fastnachtssamstag im Auswärtsspiel bei Bayer 04 Leverkusen wieder erste Wahl sein. Dann könnte es zu einem Wiedersehen und einem direkten Duell zwischen Latza und Julian Baumgartlinger kommen, den beiden Mittelfeldantreibern des FSV Mainz 05 in der vergangenen Saison. Außerdem sieht es so aus, dass Yoshinori Muto in die Startelf der 05er zurückkehren und Neuzugang Robin Quaison vor seinem Bundesliga-Debüt stehen wird.

Julian Baumgartlinger, der letztjährige Kapitän des FSV Mainz 05 und Mittelfeldchef, hat bei der 2:4-Niederlage seines neuen Klubs am Dienstagabend gegen Atletico Madrid in der Champions League 90 Minuten lang auf der Bank gesessen. Von daher stehen die Chancen wohl gut, dass der Österreicher am Samstag in die Startelf rotiert und im Heimspiel ein Wiedersehen mit seinen Ex-Kollegen auf dem Platz erleben darf. Baumgartlinger, vor dieser Saison zu Bayer 04 Leverkusen gewechselt, nimmt beim Werksklub nicht die Rolle ein, die er in Mainz ausfüllte. Zwölf Einsätze hatte der 29-Jährige bis jetzt in der Bundesliga, davon vier über 90 Minuten, ansonsten findet sich der Mittelfeldspieler meist in der Rolle des Ein- oder Auswechselspielers. Sollte Baumgartlinger gegen die 05er ins Team rutschen, gibt’s ein interessantes Duell mit seinem ehemaligen Partner auf der Doppelsechs. Danny Latza hat bei den Mainzern seit Ende vergangenen Jahres die Chefrolle im zentralen Mittelfeld übernommen. Der 27-Jährige dürfte in Leverkusen wieder erste Wahl sein, auch wenn Latza beim 0:2 zu Hause gegen Werder Bremen nicht in Bestform spielte und sein Auftritt im Spiel nach vorne ebenso wie der seines Nebenmannes Jean-Philippe Gbamin fehlerbehaftet war.

In der vergangenen Saison war das Duo Danny Latza und Julian Baumgartlinger der Mittelfeldmotor der 05er. Am Samstag könnte es zum direkten Duell der Ex-Partner kommen. Foto: ImagoMartin Schmidt stellt den Sechser dennoch nicht in Frage. „Gegen Bremen ist er aufgefallen wegen seiner Fehlpässe, die uns im Spiel nach vorne wehgetan haben. Ich werde aber nie einen Spieler wegen dreier Fehlpässe schlecht reden. Ich sehe auch die guten Pässe nach vorne und die Balleroberungen“, sagt der 05-Trainer. Latza, der wegen einer langwierigen Verletzung ein dreiviertel Jahr nicht Fußball spielen konnte, überzeugt seit seinem Comeback Ende vergangen Jahres den 05-Coach jedoch mit Fitness, Präsenz, Laufleistung, Raumorganisation und Zweikampfhärte. Dinge, die auch im Auswärtsspiel in Leverkusen gefragt sind. Das Duo Latza und Gbamin dürfte der 05-Trainer am Samstag wieder favorisieren. „Jean hat gegen Augsburg ein Top-Spiel gezeigt und hatte diesmal einige Fehlpässe, mit denen er den Gegner eingeladen hat. Diese Pässe haben dem Team sicher phasenweise etwas den Mut genommen, nach vorne zu spielen, aber es war nicht so, dass ich sage, das war eine Katastrophe. Sie sind beide sehr ähnliche Spieler, sehr aggressive Spieler in der Vorwärtsverteidigung und in der Balleroberung. Das war das, was ich gegen Augsburg und Bremen wollte. Das haben sie in beiden Spielen gezeigt“, so der 49-Jährige. Er müsse zwar festhalten, dass in der Spieleröffnung über die sechs etwas liegen geblieben sei, „doch wenn du ein Spiel verlierst, findest du selten eine Top-Spieleröffnung. Dann findest du in jedem Mannschaftsteil etwas Negatives. Das spielerische Element hatte Luft nach oben. Hätten wir aber dort zwei spielstarke Sechser stehen, würde uns komplett die Balleroberung und die Umschaltmöglichkeit fehlen. Latza und Gbamin gehören in der Liga zu den besten Balleroberern in des Gegners Hälfte.“

Muto ein Startelf-Kandidat

Er habe die beiden Sechser nicht so schlecht gesehen. „Sie waren die zwei aggressivsten und laufstärksten Balleroberer. Ich sehe auch die anderen 95 Prozent und nicht nur die Fehlpässe in der Spieleröffnung. Die finde ich auch bei Xabi Alonso oder bei David Alaba. Die finde ich überall in der Bundesliga.“ Die individuellen Leistungen, so Schmidt, würden mit den Spielern genauestens analysiert. „Wir arbeiten immer daran, dem Spieler zu helfen, beim nächsten mal fünf Prozent besser zu sein. Das brauchen wir, um mehr Kontinuität in unser Spiel zu bringen, damit wir es auch mal hinkriegen zwei oder drei Spiele hintereinander zu gewinnen.“ Da Suat Serdar derzeit wegen muskulärer Probleme ausfällt und erst heute wieder ins Mannschaftstraining einsteigt, André Ramalho im Moment als Innenverteidiger überzeugt, ist Fabian Frei derjenige der 05-Sechser, der im Moment trotz Trainingseifer und Fitness etwas hinten runter fällt. „Fabian ist eher das spielerische Pendant neben Latza. Es wird Spiele geben, in denen wir ihn wieder brauchen, weil wir den eröffnenden Ball mehr brauchen. Wenn man 18 Spieler hat, ist es aber nun mal so, dass nicht für jeden Platz da ist im Team“, erklärt der Coach.

Dennoch hat Schmidt Änderungen fürs Auswärtsspiel in Aussicht gestellt. Yoshinori Muto dürfte diesmal wieder ein Startelf-Kandidat sein. Der Japaner war gegen die Bremer auf der Bank geblieben, weil sich Schmidt dafür entschied, Aaron Seydel ins Angriffszentrum zu schicken und Jhon Cordoba durchspielen zu lassen. Seydel sollte die Bremer Innenverteidiger mehr binden, um damit mehr bespielbare Räume für Cordoba zu schaffen. Dazu kam Gaetan Bussmann als Flankengeber von links und direkt nach der Pause Pablo De Blasis, der neues Leben ins Team brachte und Top-Chancen hatte. Gereicht hat es nicht am Ende. „Man kann immer sagen, es wäre vielleicht besser gewesen, andere zu wechseln, Muto zu bringen. Oder direkt drei Neue nach dem 0:2-Rückstand. Wenn dann in der 80. Minute aber einer angeschlagen raus muss, war das auch falsch“, sagt Schmidt. „Im Nachhinein kann man über alles diskutieren und sagen, man hätte es auch anders machen können.“ Muto werde seine Chance kriegen. „Gegen eine Mannschaft, die höher verteidigt, ist er wieder optimal. Er ist ein Spieler, der uns auswärts gut passt. Eine Option für Leverkusen ist er in jedem Fall“, betont der Schweizer.

Das könnte auch für Robin Quaison gelten. Der Neuzugang, der seine Verletzung überwunden hat und sich im Training topfit präsentiert, steht kurz vor seinem Bundesliga-Debüt. „Wenn er so weiter trainiert, arbeitet er jedenfalls nicht gegen eine Kader-Nominierung“, betont Schmidt, der sich von dem variablen Stürmer einiges erhofft. Quaison sei vielseitig einsetzbar als Außenbahnspieler, Doppelspitze oder hängende Spitze im 4-4-2. „Der spielt außen alles und ist taktisch sehr gut geschult, schnell, aggressiv, ballsicher, ein sehr kompletter Spieler.“

Und dann ist da noch Gerrit Holtmann, der auf Einsatzzeiten drängt. „Gerrit arbeitet sich heran, ist knapp am Kader dran und macht große Fortschritte. Das haben wir ihm auch so gesagt“, berichtet der 05-Trainer. „Auch gegen den Ball, was seine Haupt-Baustelle war, ist er besser geworden. Dazu in Sachen Fitness, Aggressivität und Zweikampfführung. Das kommt alles. Er ist auf einem guten Weg.“

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