Effiziente Kanonen

Jörg Schneider. Mainz.
Nach dem 1:1 gegen AS St. Etienne und dem 1:5 gegen Monaco hat der FSV Mainz 05 im dritten Versuch seinen ersten Erfolg in der internationalen Testspielreihe eingefahren. Das 3:0 vor 12.769 Zuschauern am Bruchweg gegen ein relativ müdes Team von Lazio Rom sollte vom Ergebnis her niemand überbewerten. Interessante Aufschlüsse lieferte die flotte Partie dennoch. Da läuft schon vieles sehr ordentlich in der Mannschaft von Martin Schmidt. Besonders in der Abwehr und in Sachen Umschaltspiel, Offensivtempo und Effizienz.

Zufrieden mit dem Auftritt seiner Mannschaft: 05-Trainer Martin Schnidt. Foto: Daniel Bongartz.Drei Versuche haben die Bundesliga-Fußballer des FSV Mainz 05 benötigt, um den ersten Sieg in ihrer Testspielreihe gegen internationale Konkurrenz einzufahren. Nach dem 1:1 gegen AS St. Etienne und der 1:5-Niederlage gegen AS Monaco im Rahmen des Trainingslagers am Genfer See gelang der Mannschaft von Martin Schmidt nun also ein souveräner 3:0-Erfolg gegen Lazio Rom. 12.769 Zuschauer im Bruchwegstadion gaben dieser als Höhepunkt der Saisonvorbereitung geplanten internationalen Begegnung einen entsprechenden Rahmen, beklatschten eine durchaus gute Vorstellung der 05er und zeigten sich zufrieden mit den Fortschritten, die das Team knapp anderthalb Wochen vor dem ersten Pflichtspieltermin aufzeigte.

Bei allen Erkenntnissen, die eine solche Partie den Beteiligten liefert, das Ergebnis selbst gibt nur wenig Aufschluss darüber, ob die gezeigte Vorstellung auch reichen würde, um im Bundesligageschäft erfolgreich bestehen zu können. Denn die Leistungsstände in solchen Begegnungen sind doch meist sehr unterschiedlich. Ähnlich wie die 05er vor einer Woche in Genf gegen die Monegassen mit müden Beinen nach harter Trainingsarbeit ihre Chancen auf ein besseres Ergebnis begraben mussten, ging es am Bruchweg den Römern.

Die Mannschaft um den deutschen Weltmeister Miroslav Klose präsentierte sich in der Verfassung, in der die Mainzer gegen Monaco verloren hatten. Mit ganz guten Ansätzen, mit einigen klaren und erkennbaren Prinzipien, besonders in der Defensivorganisation, aber ohne Frische und dem Stand der Vorbereitung entsprechend müde. Die Italiener, deren Pflichtspielprogramm später beginnt, stecken noch in der Vollbelastung intensiver Grundlagenarbeit. Die 05er haben das hinter sich, sind eine Woche weiter, sind in punkto Frische und Schnelligkeit inzwischen auf einem anderen Level und wirken topfit. „Diesmal haben wir die Umschaltangriffe so herausgespielt wie Monaco gegen uns“, stellte der 05-Trainer nachher fest.

Dem eigenen Publikum ein ordentliches Spiel gezeigt und einen Sieg erarbeitet, wichtige Erkenntnisse gewonnen, die stimmungsvolle Veranstaltung im alten Stadion hat in jedem Fall ihren Sinn erfüllt. Da stimmt schon vieles im Gefüge der 05er, die sich als Team präsentierten und das auch nach der Wechselorgie in der zweiten Halbzeit. „Ich fand es interessant, dass es bei uns keinen Abbruch gab nach den Wechseln“, sagte Christian Heidel später. „Das zeigt, dass wir Qualität in der Breite haben, und dass wir eigentlich schon nicht mehr von neuen Spielern reden können, die dazu gekommen sind. Das ist in kurzer Zeit eine Mannschaft geworden.“

Ein Team, das zeigte, in welcher Spielweise künftig seine Chancen liegen können. Balljagd. Balleroberung. Schnelles Umschalten über die Flügel. Effizienz. „Das hat phasenweise schon gut ausgesehen“, beobachtete der 05-Manager. Auch deshalb, weil die Doppelsechs im Mittelfeld auf dem Weg ist, sich zu finden. Julian Baumgartlinger, der unermüdliche Zweikämpfer, der die Pressing-Impulse gibt, die Lücken zuläuft, die Defensive organisiert, Bälle erobert, spielt dabei eine zentrale Rolle. Der Österreicher erfüllt sie mit beachtlicher Frühform.

Daneben hat sich auch Fabian Frei gesteigert. Gegen Lazio wirkte der Schweizer wesentlich frischer als noch vor Wochenfrist, war auch im Defensivzweikampf präsent, stibitzte dem Gegner einige Bälle. Frei ist der Stratege im 05-Mittelfeld, kann die einfachen, aber auch die komplizierten Bälle spielen, ist der Verteiler. Auch wenn der 26-Jährige das Gesamtpaket noch nicht konstant auf den Platz brachte und phasenweise etwas abtauchte, war sein Auftritt ein deutlicher Fortschritt gegenüber der Vorwoche. „Das könnte passen“, sagte Schmidt, „wir haben da doch viele Bälle geklaut und waren kompakt.“

Loris Karius vereitelte die größte Chance der Römer in starker Manier gegen Felipe Pereira Gomes. Foto: ImagoDie 05er wirkten zentral ziemlich stabil und organsiert, unterstützt von den gut und eifrig in der Rückwärtsbewegung arbeitenden Außen. Lazio Rom hatte selten Gelegenheit zum eigenen Angriffsspiel, musste oft den langen Schlag nach vorne suchen. Nur zweimal und nur nach unnötigen Ballverlusten waren die Römer gefährlich. Doch in diesen Szenen beeindruckte Loris Karius mit starkem Torwartspiel. In der 25. Minute, in einer Eins-gegen-eins-Situation, verhinderte der 05-Keper gegen den der Abwehr entwischten Felipe Gomes den Treffer, kurz vor der Pause am kurzen Pfosten gegen Klose. Mehr gab‘s nicht für den Gegner.

Das lag auch an der Mainzer Viererkette, um die sich keiner sorgen muss. Stefan Bell schwang sich mehr und mehr zur dominierenden Figur auf, der die Zweikämpfe gewann, immer wieder im entscheidenden Moment aus dem Verbund herausrückte und die Bälle ablief, in der Luft alles wegfischte. Auf den Außen zeigten sich Daniel Brosinski und Joo-Ho Park sehr stabil als Verteidiger und in der Einleitung der Umschaltaktionen. Und Leon Balogun gab erneut eine stimmige Bewerbung als Innenverteidiger ab.

Der Ex-Darmstädter gewann fast alle Defensivduelle, befreite sich immer wieder aus bedrängten Situationen, bot für nahezu alle Situationen Lösungen an. Balogun hat zudem Qualitäten im Aufbauspiel. Das unterstrich der 26-Jährige beim Führungstreffer. Balleroberung vor dem eigenen Strafraum. Sprint mit Ball durchs Mittelfeld, präziser Pass auf Yoshinori Muto am linken Flügel. Der Japaner schüttelte den Gegner ab, marschierte in den Strafraum, behielt den Kopf oben und passte im richtigen Moment auf den freistehenden Yunus Malli, der zentral das 1:0 besorgte. Das Ganze passierte in einem Tempo, das für die Römer zu hoch war. Dieses Umschaltspiel könnte eine Waffe werden.

"Da geht schön die Post ab"

Ähnlich ging’s beim 2:0. Langer Ball von Karius, Brosinskis Kopfball-Weiterleitung, und auf dem rechten Flügel spielte Christian Clemens seine Schnelligkeit aus. Clemens zog zum Strafraum, sah Jairo am langen Pfosten relativ blank stehen. Der Spanier wackelte den Lazio-Verteidiger aus und vollstreckte. Beim 3:0 kam nach ähnlichem Muster der Ball zu Pierre Bengtson auf Linksaußen, der Schwede bediente Clemens erneut am langen Pfosten, und der Rechtsaußen unterstrich seine gute Leistung mit dem Treffer.

Martin Schmidt beklagte zwar, dass sein Team eine Reihe weiterer solcher Umschaltaktionen „verhünerte“, zeigte sich aber dennoch sehr zufrieden mit den Gegebenheiten. „Wir haben da oft noch zu lange den Ball gehalten und zu spät gespielt, aber wir haben auch erst in dieser Woche richtig damit beginnen, das Umschaltspiel zu erarbeiten.“ Bisher lag der Schwerpunkt der Trainingsarbeit mehr auf der Defensivorganisation.

„Wenn wir die Bälle erobern, läuft unser Umschaltspiel nicht schlecht. Da geht schön die Post ab“, sagte der Schweizer. „Das ist vom Tempo her jetzt schon ein anderes Bild als in der vergangenen Saison. Da haben wir jetzt ein paar richtige Kanonen auf den Flügeln.“

Muto, Clemens, Jairo, später im Spiel Maximilian Beister und Ja-Cheol Koo brachten eine Menge Geschwindigkeit über die Flügel. Dazu Malli auf der Zehn, der allerdings aufgrund seines späteren Einsteigens noch einige Rückstände aufzuholen hat. Doch auch Todor Nedelew ist in der Verlosung. Das kann was werden. Nur auf der Mittelstürmerposition muss dringend noch etwas passieren. Durch die Verletzungen von Pablo De Blasis und Florian Niederlechner, fehlt zentral der Stürmer, der Bälle festmachen und verwerten kann. Da fehlt ein Okazaki-Ersatz. Dessen Landsmann Muto rieb sich vorne drin auf, zeigte starke Ansätze im Anlaufverhalten. Mutos Stärken kommen jedoch eher auf der Halbposition oder auf dem Flügel zur Geltung. Überbewerten sollte dieses 3:0 gegen die müden Römer niemand. Ein wichtiger Schritt hin zu einer bundesligatauglichen Form und Formation war es dennoch.

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