Ein Fünferpack zur „Last Order“

Jörg Schneider. Mainz.
Klar, dass Christian Heidel nach dem 0:0 zur Heimpremiere in der Coface Arena gegen Hannover 96 der gefragteste Gesprächspartner überhaupt war und dass sich die Fragen an den Manager des FSV Mainz 05 nicht um die Spielanalyse drehten. Der 51-Jährige wirkte erschöpft, aber zufrieden. Heidel hat auf der Zielgeraden der Transferperiode kräftig Wirbel veranstaltet: Wenn am Montagmittag Punkt zwölf die Rollladen vor dem Wechselfenster runter gehen, dann hat der Bundesligist fünf neue Profis unter Vertrag, die alle an diesem Wochenende am Bruchweg angeheuert haben. Jairo Samperio, am Freitag als Neuzugang vom FC Sevilla gemeldet, eine halbe Stunde vor dem Anpfiff die offizielle Verpflichtungserklärung in Sachen Pablo de Blasis (Asteras Tripolis) und Sami Allagui (ausgeliehen von Hertha BSC). Und am Montag, nach absolvierten Medizinchecks, unterschreiben Philipp Wollscheid von Bayer Leverkusen und Jonas Hofmann von Borussia Dortmund jeweils einen Ausleihvertrag für ein Jahr.

Ausgeliehen aus Leverkusen für ein Jahr: Philipp Wollscheid. Foto: Imago

Um 12 Uhr am Montagmittag stehen alle Zugänge auf der Transferliste. „Das habe ich im Griff. Alles im Computer. Das geht rechtzeitig nach Frankfurt“, betont Christian Heidel. Maßgeblich für die Abwicklung der Transfers ist jedoch der 18-Uhr-Termin. Dann müssen alle Unterlagen, alle Verträge und Vereinbarungen bei der DFL vorliegen. „Das wird kein Problem werden. Die Spieler absolvieren die Untersuchung, unterschreiben dann die Verträge und bis 18 Uhr ist alles bei der DFL. Wenn ich dann unsere Spielberechtigungsliste bekomme und alle Spieler sind drauf, dann schnaufe ich einmal durch.“ Und Ende der Woche geht’s für den Chefeinkäufer nach den stressigen Wochen erst einmal für ein paar Tage in Urlaub.

Anfang Juli keine Chance

Bei Philipp Wollscheid und Jonas Hofmann ist am Wochenende von Mainzer Seite aus alles geregelt worden. Die Klubs sind miteinander klar, was die Modalitäten betrifft. Heidel ist sehr zufrieden mit dem, was ihm da gelungen ist. Mainz 05 habe nun alle Positionen, die infrage gekommen seien, mit Neuzugängen besetzt. „Ich gebe zu, das hat etwas lange gedauert, aber man sieht ja jetzt, dass da eine gewisse Idee dahinter steckt“, sagt der 51-Jährige. Heidel hatte im Laufe dieses Sommers immer an die Geduld appelliert. Es werde etwas passieren. Man werde dann auch verstehen, warum das so lange gedauert habe „Anfang Juli hatten wir gar keine Chance bei diesen Spielern, die wir jetzt geholt haben. Weil die Transferperiode auch für andere Klubs arbeitet“, erklärt er. „Ich muss ganz klar sagen, wenn Hertha nicht über Salomon Kalou nachdenkt, hätten wir Sami nicht ausleihen können. Wenn der BVB nicht Shinji Kagawa verpflichtet, kriegen wir Jonas Hofmann nie. So hat jeder Transfer seine Geschichte. Wir hatten auch noch andere Optionen. Hätte das nicht geklappt, hätten wir auch Flügelspieler verpflichtet, aber vielleicht nicht Jonas und Jairo. Da muss man einfach warten. Wir konnten Jairo auch erst holen, als der FC Sevilla einen vom FC Barcelona verpflichtet hat. Vorher hätten die Jairo nicht freigegeben.“

Heidel betont, dass die Arbeit für ihn in diesem Jahr besonders schwer gewesen sei. Das hängt damit zusammen, dass Thomas Tuchel seinen Kram hingeworfen hat und der Klub vor der Verpflichtung von Kasper Hjulmand nicht aktiv werden konnte auf dem Markt. „Es war eine ganz schwierige Periode. Ich hätte ja im März und April mit Tuchel schon irgendwo hingehen können, aber dann hätte ich den Spieler, mit dem wir reden, anlügen müssen, denn der Trainer war ja später nicht mehr da. Das ist kein Vorwurf an Tuchel. Wir hatten es ja so abgesprochen, dass wir nichts zum Trainerweggang sagen, um den Erfolg nicht zu gefährden. Die Ablösezeit ist dieses Jahr aber etwas an Mainz vorüber gegangen“, räumt der 05-Manager ein. „Ich kann dem neuen Trainer ja nicht am 15. Mai sieben neue Spieler vorsetzen.“ Die dieser Coach möglicherweise gar nicht haben will. 

„Das war ein Nachteil für uns, den wir aber selbst eingebaut haben. Ich bin trotzdem froh, dass wir die Jungs, die wir wollten, am Ende auch bekommen haben. Bei dem einen oder anderen haben wir gar nicht geglaubt, dass wir ihn  bekommen. Das hat sich erst in den letzten Tagen so zugespitzt.“

Alle Zu- und Abgänge des FSV Mainz 05

Abgänge: 
Eric Maxim Choupo-Moting (FC Schalke 04) 
Chinedu Ede (Anorthosis Famagusta, ausgeliehen) 
Malik Fathi (Ziel unbekannt) 
Dario Kresic (Bayer Leverkusen) 
Christian Mathenia (SV Darmstadt 98) 
Heinz Müller (Ziel unbekannt) 
Nicolai Müller (Hamburger SV) 
Shawn Parker (FC Augsburg) 
Sebastian Polter (Union Berlin, ausgeliehen) 
Zdenek Pospech (SFC Opava) 
Daniel Schahin (SC Freiburg, ausgeliehen) 
Bo Svensson (Karriereende) 
Christian Wetklo (SV Darmstadt 98) 

Zugänge:
Sami Allagui (Hertha BSC, ausgeliehen)
Daniel Brosinski (SpVgg Greuther Fürth) 
Pablo de Blasis (Asteras Tripolis)
Filip Djuricic (Benfica Lissabon, ausgeliehen) 
Jonas Hofmann (Borussia Dortmund, ausgeliehen)
Gonzalo Jara (Nottingham Forest) 
Jairo Samperio (Sevilla FC) 
Stefanos Kapino (Panathinaikos AO) 
Devante Parker (eigene U19) 
Patrick Pflücke (eigene U19) 
Damian Roßbach (eigene U23) 
Philipp Wollscheid (Bayer Leverkusen, ausgeliehen)
Robin Zentner (eigene U23)

Profis, mit denen die Post abgehen muss

Nun hat sich auf den letzten Drücker bei den 05ern enorm viel getan. Der Kader hat ein anderes, ein neues Gesicht bekommen. „Das ist doch logisch“, sagt Heidel. „Wir haben drei Stürmer verloren während der Transferperiode: Shawn Parker, Dani Schahin, Sebastian Polter. Wir nehmen zwei Stürmer dazu: Sami Allagui und Pablo de Blasis. Wir haben beide Flügelspieler verloren mit Eric Maxim Choupo-Moting und Nicolai Müller. Wir haben immer gesagt, wir müssen uns auf den Flügeln neu besetzen. Nun nehmen wir Jairo und Jonas Hofmann dazu. Außerdem haben wir auf die Verletzung von Nikolce Noveski reagieren müssen, weil wir mit Niko Bungert und Stefan Bell nur noch zwei Innenverteidiger im Kader haben. Da kommt nun Philipp Wollscheid dazu. Bei uns dauert so etwas einfach manchmal etwas länger. Natürlich sind wir auch etwas Risiko gefahren. Weil der eine oder andere Spieler vorher nicht zu verpflichten war.“

Er habe jedoch keine andere Wahl gehabt. „Wir wollten unbedingt auch deutsche Spieler kriegen, was für einen Klub wie Mainz ganz schwierig ist. Deshalb mussten wir abwarten, bis sich wirklich diese Möglichkeit auftat. Das sind jetzt im Endeffekt die Spieler, die wir im Kopf hatten. Jairo kam uns etwas später in den Sinn. Spieler, die das ein bisschen verkörpern, was Mainz 05 spielen will, die Tempo in die Mannschaft bringen. Man hat heute im Spiel gesehen, wir sind etwas schwer hinter die Abwehr gekommen. Da fehlt uns einfach Tempo. Bisher spielen bei uns zu viele Zehner auf den Außen. Jetzt haben wir wieder Profis, mit denen einfach die Post abgehen muss. Das war der Grund für diese Verpflichtungen.“

Transferbilanz leicht im Defizit

Auch wenn es so scheine, der Kader habe sich so gut wie nicht vergrößert. „Zählt doch mal durch“, sagt der 05-Manager. „Der Kader ist nun um einen Spieler gewachsen.“ Die Gruppe kann sich jedoch weiter vergrößern, wenn man die beiden Youngsters aus der A-Jugend dazu zählt. Devante Parker hat gegen Hannover 96 seine Bundesligapremiere gegeben. Und auch Patrick Pflücke kann sich dahin entwickeln. „Auch wenn jetzt geballt fünf Neue kommen, ist der Kader ähnlich groß geblieben. Wir haben drei aus der ersten Elf verloren mit Zdenek Pospech und den beiden Flügelspielern. Und wir haben die Bank ausgetauscht.“ Eine weitere personelle Überraschung wird’s am Montag nicht mehr geben. Der Prozess ist abgeschlossen. Kein weiterer Profi wird den Verein verlassen.

Heidels finanzielle Transfer-Bilanz geht nun allerdings leicht ins Minus. „Wir haben ein geringes Defizit“, sagt der 05-Manager. Obwohl Allagui, Wollscheid und Hofmann ausgeliehen werden. Bei Allagui gibt es eine Kaufoption, bei den beiden anderen nicht. „Wir haben wohlwissend auf Leihgeschäfte gesetzt, weil wir deutsche Spieler im Kader haben wollten. Ich kann keinen Wollscheid kaufen, der für siebeneinhalb Millionen Euro nach Leverkusen gegangen ist. Das macht ja keinen Sinn. In der Welt, in der der BVB inzwischen lebt, hätten die nur gelacht, wenn ich ein Kaufangebot für Hofmann abgegeben hätte.“

Im Klub sei allen bewusst, dass die Ausleihe nach einer Saison zu Ende sei und man sich darauf vorbereiten müsse, dass einige Spieler wieder weg seien. „Ich hoffe aber“, sagt Heidel, „da haben wir ein Jahr Bundesliga hinter uns und ein weiteres Jahr Bundesliga vor uns. Die einzige Möglichkeit, die wir haben, ist von eins bis 20 möglichst ausgeglichen besetzt zu sein. Das ist das A und O, um in der Bundesliga zu bestehen“, betont der 51-Jährige. „Wir müssen es mit unseren Möglichkeiten hinbekommen. Zwei, drei Verletzungen, wenn du dann hinten dran niemanden hast, hast du in der Bundesliga keine Chance. Jetzt sind wir ganz gut aufgestellt und sind zufrieden. Ich glaube, dass diese Gruppe gut zusammenpasst, aber es wird natürlich den einen oder anderen unzufriedenen Spieler geben. Das ist völlig klar. Immer dann, wenn jemand nicht dabei ist, der glaubt, dass er dabei sein müsste. Das schürt aber auch Konkurrenzdruck und Wettbewerb. Jeder muss Vollgas geben.“

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