Ein noch schmeichelhafteres 1:0

Christian Karn. Mainz.
Einen Punktgewinn Australiens gegen Oman vorausgesetzt - und den sollte man voraussetzen können - steht Südkorea im Viertelfinale der Asienmeisterschaft. Nach dem 1:0 gegen Oman gewannen die Koreaner mit dem gleichen Ergebnis gegen Kuwait. Nennen wir den Auftaktsieg aber "mühsam", müssen wir für das zweite Spiel das Wort "glücklich" verwenden, vielleicht sogar "Zufall". In der ersten Hälfte hatten die allerdings zwangsweise mit einer B-Mannschaft angetretenen Koreaner bereits nicht gerade überzeugt. In der zweiten waren sie klar unterlegen, wankten aber mit der Führung aus der 36. Minute ins Ziel.

Koreas Trainer Uli Stielike musste auf fünf Mann verzichten: Mittelfeldspieler Choung-Yong Lee von den Bolton Wanderers kann das Turnier nach einem Beinbruch im Auftaktspiel vergessen. Der Mainzer Ja-Cheol Koo und der Leverkusener Heung-Min Son haben die Grippe. Rechtsverteidiger Chang-Soo Kim und der Ersatzspieler Tae-Hwi Kwak waren auch nicht fit. Die Offensive war also völlig neu. Joo-Ho Park, der andere Mainzer, spielte als Sechser durch.

Vielleicht ereignete sich in der 25. Minute der Schlüsselmoment des Spiels. Jang Hyun-Soo, der Innenverteidiger von Guangzhou R&F (China), ließ einen harmlosen langen Pass durchrutschen. Kuwaits Mittelstürmer Yousef Nasser zwang den Koreaner ins Laufduell und was jener tat, kann man als Foul werten. Als ein Foul, das, wenn nicht Rot (denkbar), dann Gelb-Rot für den schon verwarnten Innenverteidiger bedeutet hätte. Nasser, der selbst mit den Armen arbeitete, blieb auf den Beinen, zog den Platzverweis nicht. Und die Koreaner fingen diesen Ansatz eines Konters an der Strafraumecke ab.

Joo-Ho Park, der einzige Mainzer im Spiel Koreas gegen Kuwait, hatte in der 82. Minute eine gute Chance zum 2:0. Foto: imagoKuwait war die bessere Mannschaft in dieser Phase. Die Vorderasiaten spielten mutig, aggressiv, rückten aus der Defensive heraus, pressten bisweilen bis an die Eckfahne. Gewährten Korea keine Bedenkzeit am Ball. Damit öffneten sie Räume, was die Koreaner aber nicht ausnutzten. Diese setzten Kuwait nahezu gar nicht unter Druck, hatten wieder kein Tempo im Spiel. Das war für die ohnehin gut organisierte Defensive des Gegners keine Bedrohung. Das koreanische Spiel sah aus wie das, was eine Mannschaft macht, wenn sie - möglicherweise in Unterzahl - gegen einen unterlegenen Gegner eine Führung verwalten will. Und was auf diese Weise schnell mal schiefgegangen ist, denn so unterlegen war der Gegner nicht.

Was Kuwait jedoch fehlte, war die Qualität, um selbst torgefährlich zu werden. So setzte sich am Ende der ersten Hälfte doch der große Name mit den damit verbundenen Eigenschaften durch gegen die bessere Organisation. Lee Keun-Ho hatte in der 30. Minute die erste Torchance der Partie. Nach einem tollen Pass lief der Mittelstürmer vom katarischen Klub El-Jaish SC alleine auf den Torwart Hameed Youssef zu, aber der bot ihm überhaupt nichts an, blieb einfach stehen. Lee versuchte einen Heber, der auch aufs Tor gekommen wäre, aber Youssef bekam den Arm hoch und wehrte den Ball ab. Sechs Minuten später bereitete Du-Ri Chas Flankenlauf das Kopfballtor von Tae-Hee Nam vor. Der Torwart tauchte vom Ball mehr oder weniger weg, hatte offenbar falsch spekuliert, ihn falsch eingeschätzt.

Die zweite Hälfte eröffnete Kuwait mit einem wütenden Sturmlauf und Chancen im Minutentakt. Ali Maqseed war der erste Schütze der Vorderasiaten: Sein vom Strafraumeck abgefeuerter Ball flatterte kein bisschen, klatschte aber für den Torwart unerreichbar an den langen Pfosten. Und keiner war da für den Nachschuss (49.). Dann sprang ein Verteidiger unter einer Freistoßflanke durch. Zwei Kuwaiter waren am Pfosten, aber der erste bekam den Ball zwischen die Knie und gab der Abwehr die Zeit, noch einmal einzugreifen (50.). Nach einem langen Pass mussten der koreanische Torwart Seung-Gyu Kim und der kleine Renner Aziz Al Misha'an aus verschiedenen Richtungen ins Rennen um den Ball, den die Abwehr einfach durchgelassen hatte. Der Stürmer hielt sich zurück, blieb weg vom Ball - Glück für den Torwart (52.). Und in der 53. Minute schoss Al Misha'an weit vorbei.

Die Koreaner hatten damit überhaupt nicht gerechnet. Sie reagierten miserabel auf diese Startoffensive, hatten keinen Druck auf den Ball, waren weit weg von den Gegnern, kamen nicht in die Zweikämpfe. Ali Maqseed hatte in der 55. Minute die nächste Chance. Harmlos auf den Mann. Korea erholte sich jetzt erst etwas von der Überraschung, versuchte zunächst, hinten dichtzumachen. Alle hinter den Ball. Räume schließen. Kuwait sah in dieser Phase nicht aus wie eine Mannschaft, die nur nach Australien gereist ist, um ein paar Punkte herzugeben. Al Misha'an, der kleine vollbärtige Wuseler, machte die Koreaner verrückt, bekam die Freistöße im Dutzend.

Die zweite große Chance hatte wieder Maqseed, der den Ball freistehend knapp über den entfernten Winkel schlenzte (60.). Beim ersten Entlastungsangriff kam Keun-Ho Lee am Torwart vorbei, allerdings weit außen und fast auf der Grundlinie. Der Mittelstürmer hatte zwar die Zeit für einen kontrollierten Schuss, schaffte es aber nicht, aus gut 15 Metern den Ball aufs lange Eck zu drehen (61.). Und sofort hatten Al Misha'an und Abdullah Al Buraiki die Doppelchance zum Ausgleich, bei der aber zu viele Koreaner im Weg standen. Wieder auf der anderen Seite konnte der Torschütze froh sein, einer Gelb-Roten Karte wegen wiederholter Schwalbe zu entgehen (63.). Und bekam eine Minute später die große Chance zum erlösenden 2:0 weggepfiffen. Torwart Youssef hatte den Ball alleine fallengelassen, auf Stürmerfoul zu entscheiden war übertrieben.

Kuwait verlor in dieser Phase des Spiels den Schwung. Der große Torjäger Bader Al Mutawa, mit 150 Länderspielen eine Legende im arabischen Raum kam nun ins Spiel. In der 78. Minute hatte er seine Chance, wollte den Ball am kurzen Pfosten ins Tor drücken, aber der Torwart verhinderte es.

Stielike wurde fast verrückt am Spielfeldrand. In aller Ausführlichkeit hatte der deutsche Trainer davor gewarnt, in die gleiche Situation wie gegen Oman zu kommen. Nun hatte seine Mannschaft wieder die 1:0-Führung, aber die Situation war noch kritischer als am Samstag. Park hätte seinen Trainer in der 82. Minute beinahe beruhigt, aber Youssef wehrte den harten Distanzschuss des Mainzers ab.

In der 89. Minute verhinderte der Ex-05er Cha gerade so einen Abschluss aus interessanter Position. In der Nachspielzeit ließen sich die Koreaner immer weiter hinten hinein drängen, aber sie wehrten sich. Kämpften. Spielten in der 92. Minute einen Überzahlkonter nicht zu Ende, verschwendeten in der 93. die Zeit nicht konsequent genug, fingen einen letzten Konter - und retteten das 1:0 ins Ziel. Und sind nun gespannt auf das Ergebnis Australiens, das ihnen vor dem Spitzenspiel gegen die Gastgeber einigen Druck nehmen könnte.