Ein Tor mehr schießen als der Gegner

Jörg Schneider. Brüssel.
Gelingt dem FSV Mainz 05 heute Abend (19 Uhr) der zweite Auswärtssieg in der Gruppe C der Europa League? Die Voraussetzungen für einen Erfolg beim punktgleichen RSC Anderlecht scheinen ganz günstig zu sein. Beim Tabellenzweiten der belgischen Liga hängt der Haussegen schief nach der jüngsten Niederlage in der Meisterschaft. Die Chance auf einen Erfolg in Brüssel hängt jedoch in erster Linie davon ab, wie sich die 05-Profis im Stadion Constant Vanderstock präsentieren. Martin Schmidt hat eine offensive Ausrichtung angekündigt. „Unser Weg geht nach vorne“, sagt der 05-Trainer.

Die Geburt seines Sohns nahm Karim Onisiwo kurzfristig aus der Bundesliga-Startelf. Nun ist der kleine Leroy-Zayn fünf Tage alt und der Papa wieder ein Kandidat für die Anfangsformation des FSV Mainz 05 für die Partie beim RSC Anderlecht. Foto: imago                                                                                                                                                              Die Situation im Top-Klub der belgischen Hauptstadt könnte ganz günstig sein für den Bundesligisten, um sein Vorhaben heute Abend in die Tat umzusetzen und den zweiten Auswärtssieg in dieser Gruppe C der Europaliga zu landen. Beim RSC Anderlecht hängt seit der Niederlage am Wochenende in der Meisterschaft der Haussegen schief, die Ehemaligen melden sich zu Wort und üben Kritik an allem (die nullfünfMixedZone berichtete). Trainer René Weiler hat nach wie vor Aufstellungssorgen. Doch der RSC Anderlecht empfängt den FSV Mainz 05 zu Hause im alten Stadion Constant Vandenstock, das in die Jahre gekommen ist, aber ein wunderbar kleiner, enger und atmosphärisch dichter Fußball-Kasten ist, in dem sich die 05-Profis auf ein heißes, stimmungsvolles Match einstellen müssen.

„Wenn ich denken würde, die Situation beim Gegner macht es für uns einfacher, wäre ich ein schlechter Trainer“, sagte Martin Schmidt, angesprochen auf die vermeintliche Krise der Belgier. „Da kann man schnell eine entsprechende Antwort kriegen. Vielleicht waren sie am Wochenende ja auch schon mit dem Kopf beim Spiel gegen uns. Wir rechnen damit, auf einen Top-Gegner zu treffen, der zweiter in Belgien ist und hochmotiviert“, betonte der 05-Trainer. „So nehmen wir es an und erwarten den Gegner in seiner stärksten Ausprägung und nicht als eine Krisenmannschaft, die jetzt ein wieder schlechtes Spiel gemacht hat.“

Trotzdem ist der 49-Jährige zuversichtlich vor der Partie am Abend (Anpfiff 19 Uhr). Und das gelte auch für seine Mannschaft. Man komme nicht nach Anderlecht, um auf  einen Punktgewinn zu taktieren, sagt der Coach. Mainz 05 will gewinnen. Und es wäre von Vorteil, wenn dies auch gelingen würde. Denn die Ausgangslager in der Gruppe C ist relativ einfach, nachdem alle Mannschaften einmal gegeneinander gespielt haben. Anderlecht, die 05er und die AS Saint-Etienne machen mit jeweils fünf Punkten die beiden Plätze, die zum Weiterkommen berechtigen, unter sich aus. Da die 05er nur noch ein Heimspiel haben, das im Dezember gegen Qäbälä FK, in den beiden bisherigen Auftritten im eigenen Stadion jeweils nicht über ein Unentschieden hinaus kamen, dürfte das Team mindestens einen Auswärtssieg benötigen, um seine Chancen zu wahren. Zumal nach den Eindrücken und Ergebnisse der bisherigen Spiele die Franzosen heute in Baku gewinnen sollten und dann acht Punkte auf dem Konto hätten. Auch der Gewinner der Partie in Brüssel bliebe mit acht Zählern gut im Rennen.

„Es ist sehr spannend in dieser Gruppe“, so der 05-Trainer. „Drei Mannschaften absolut auf Augenhöhe. Da kommt so langsam das Rechnen dazu. Was braucht man noch an Punkten? Wieviel könnten reichen?“ Man komme allerdings nicht daran vorbei, dass nun zwei Spiele anstünden, die man besser für sich entscheide. „Wir sind jedenfalls auf alles vorbereitet heute Abend“, sagte Schmidt. „Wir haben einen Plan und wissen, wie wir verteidigen wollen. Es bleibt aber eine große Herausforderung.“ 

Der RSC Anderlecht überzeugte im Hinspiel in der Opel Arena mit seiner variablen Offensivqualität. Mit schnellem Spiel nach vorne, mit relativ genauen Tiefenpässen in die Lücken zwischen Außenverteidiger und Zentrum, in die dann die schnellen und technisch gewandten Stürmer hineinstießen. Da muss mit viel Organisation und Laufaufwand nach vorne verteidigt werden. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass die Belgier zu Hause die Spielmacherrolle übernehmen. Das bedeutet für die 05er viel Pressing, Gegenpressing und Umschaltspiel. In Mainz offenbarten die Belgier Schwächen in der defensiven Umschaltung und eröffneten viel Platz für die Mainzer in den Räumen im Zentrum und auf den offensiven Halbpositionen. Die gilt es zu nutzen und mit Tempo und viel Konsequenz, vor allem aber mit hoher Pass-Genauigkeit die Tempo-Konter zu fahren. Und natürlich konsequent den Abschluss suchen.

„Ich glaube, dass wir auch in unseren Heimspielen bisher nicht viel falsch gemacht haben“, sagte Schmidt in Brüssel. „Das muss auch der Ansatz hier sein. Verantwortung übernehmen. Vom eigenen Offensiv-Spiel leben. Ein Tor mehr schießen als der Gegner. Das ist unser Weg. Und unser Weg geht nach vorne.“

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