Ein Torjäger wie der Vater?

Jörg Schneider/Christian Karn. Mainz.
Der FSV Mainz 05 hat den zweiten Neuzugang für die neue Saison verpflichtet: Fürs Sturmzentrum kommt vom spanischen Absteiger Club Atlético Osasuna der fast 24-jährige Bosnier Kenan Kodro, der einen Vierjahresvertrag bis 2021 beim Bundesligisten unterschrieb. Kodro soll vieles von seinem Vater, dem großen Real-Sociedad-Torjäger und Barca-Stürmer Meho Kodro, geerbt haben. In Mainz möchte der Mittelstürmer, der rund 1,7 Millionen Euro Ablöse kosten soll, nach sieben Rückrundentoren für das Team aus Pamplona im spanischen Abstiegskampf für die Nationalmannschaft interessant bleiben.

„Ein großer, zentraler Torjäger", sei er gewesen, „ein Spieler, dem es gefiel, sich während des Spielzugs davonzustehlen, um in der Abschlusszone aufzutauchen. Er war ein Spezialist für Standards und hatte einen großen Schuss mit beiden Füßen, vor allem mit dem rechten, auch einen guten Abschluss mit dem Kopf. Er war mit Erfolg und Einsatz immer zuverlässig in seiner Verabredung mit dem Tor." Es ist eine blumige Sprache, mit der das Diccionario de Jugadores del FC Barcelona den ehemaligen Barca-Stürmer Meho Kodro beschreibt, der in der insgesamt misslungenen Umbruchssaison 1995/96 wettbewerbsübergreifend (und Testspiele zählt das Barca-Standardwerk mit) 23 Tore für die Katalanen schoss. Für den FSV Mainz 05 ist das deswegen interessant, weil Kenan Kodro, sein fast 24-jähriger Sohn, zwar in einem veränderten, modernisierteren Fußball aufgewachsen ist als der Vater, aber offenbar vieles von dessen Fähigkeiten, von dessen Spielweise, vom Stil des Vaters geerbt hat. Und das künftig im Trikot der 05er unter Beweis stellen soll.

Der neue Stürmer kriegt das Soto-Trikot mit der Nummer 19: Kenan Kodro beim Fototermin mit Rouven Schröder. Foto:  instagram.com/1fsvmainz05/.„Kenan Kodro ist ein ganz ausgezeichneter Charakter, ein Teamplayer und dazu ehrgeizig in seinen persönlichen Zielen. Er ist mit seinen 1,90 Metern Körpergröße ein variabler und kompletter Angreifer. Er ist physisch robust, durchsetzungs- und abschlussstark, aber auch technisch versiert, ballsicher und gut ins Kombinationsspiel einzubinden. Er hat bei Osasuna in einer für den Klub schwierigen Saison nachhaltig auf sich aufmerksam gemacht und steckt mitten in einer spannenden Entwicklung, die wir in Mainz gemeinsam erfolgreich fortsetzen möchten", erklärte Rouven Schröder am Montag nach Bekanntgabe der Verpflichtung.

Der 05-Sportdirektor und dessen Scouting-Abteilung haben den 23-jährigen Neu-05er mehrfach beobachtet. Auch bei dessen Debüt in der bosnischen Nationalmannschaft. „Es ist immer wichtig, auf dem Markt unterwegs zu sein. Und ein solcher Spieler fällt auf“, so Schröder. „Er hat in einer Mannschaft, die in Spanien unten in der Tabelle stand, ordentliche Ergebnisse gezeigt. Kenan macht unser Spiel deutlich variabler. Er ist noch nicht fertig in seiner Entwicklung, aber er hat ein großes Potenzial.“ Kodro habe den nächsten Schritt machen wollen und passe sehr gut zum 05-Team. Der Neuzugang hat den Medizincheck absolviert, wird am Wochenende mit den Kollegen die üblichen Tests vor einer Vorbereitungsphase durchlaufen und am kommenden Montag beim Trainingsauftakt am Bruchweg erstmals zu sehen sein. Der Stürmer trägt künftig das Trikot mit der Nummer 19, das seit dem Abschied von Elkin Soto verwaist war. Über die Ablösemodalitäten vereinbarten beide Klubs Stillschweigen. In Spanien wurde zuletzt eine Summe von rund 1,7 Millionen Euro kolportiert.

Der bosnische Nationalspieler (zwei Einsätze im März und im Juni dieses Jahres, noch kein Tor) ist im Grunde ein Spanier. Zur Welt kam Kenan Kodro in San Sebastián - für die dortige Real Sociedad war der Vater vor seinem Barca-Jahr ein geradezu legendärer Torjäger. Im Nordosten Spaniens ist der neue 05er aufgewachsen, bei der Real Sociedad arbeitete er sich durch die Jugendteams bis hinauf ins damals vom Vater trainierte Drittligateam. 2014 wechselte Kodro ins nahe Pamplona zum Zweitligaverein Club Atlético Osasuna, mit dem er 2016 in die Primera División auf-, nach einem Jahr aber wieder abstieg. In 52 Zweitligaspielen traf Kodro fünfmal, in den Aufstiegsplayoffs war er mit drei Toren und einer Vorlage in vier Partien der Schlüsselspieler. In der ersten Liga war Kodro zunächst glückloser Joker - alle sieben Saisontore schoss der 1,90 Meter lange Stürmer in der Rückrunde.

„Die Bundesliga war immer mein Ziel. Ich wechsele von einer starken Liga in eine andere starke Liga. Als die Anfrage von Mainz 05 kam, war mir eigentlich klar, dass ich diesen für meine Entwicklung logischen Schritt machen möchte. Die sehr guten Gespräche mit Rouven Schröder und Sandro Schwarz haben mich endgültig davon überzeugt. Dazu kam, dass meine Nationalmannschafts-Kollegen aus der Bundesliga ausnahmslos sehr positiv über den Verein gesprochen haben. Ich freue mich auf meinen neuen Klub", sagte der Stürmer über sein Engagement in Mainz.

 

► Alle Artikel zur Kaderplanung

► Zur Startseite