Ein Trainerteam mit 05-Vergangenheit

Christian Karn. Mainz.
Im Zuge der Vorstellung von Sandro Schwarz als neuem Cheftrainer gab der FSV Mainz 05 am Mittwoch auch das restliche Trainerteam der Bundesligamannschaft bekannt. Stephan Kuhnert, die große Konstante, bleibt Torwarttrainer. Jan-Moritz Lichte kommt aus Hannover als Co-Trainer. Michael Falkenmayer kommt als weiterer Co-Trainer von Schwarz' Drittligamannschaft mit nach oben. Alle drei haben bereits gemeinsam mit dem neuen Chefcoach für Mainz 05 gespielt.

Kein Mensch wird sich noch daran erinnern, dass der FSV Mainz 05 am 30. Oktober 2002 mal beim 1. FC Eschborn zum Testspiel angetreten ist. Nichts Besonderes, Spielpraxis für die zweite Reihe, und offenbar eine eher träge Geschichte, die die 05er durch ein einigermaßen frühes Tor von Grover Gibson 1:0 gewannen. Im Tor spielte damals Christian Wetklo. Mittelstürmer war der junge Neuzugang Benjamin Auer, mit dem ja in seinen ersten Spielen für Mainz 05 kaum etwas anzufangen war, zwischen Igoris Morinas und Andy Buck. Ausnahmsweise Innenverteidiger war Sandro Schwarz neben Sven Christ. Und im Mittelfeld spielten zwei junge Gastspieler aus Hessen: im Zentrum der gerade 18 Jahre alt gewordene Henning Lichte, der knapp zwei Jahre später tatsächlich zu Mainz 05 wechselte und drei Jahre in der Ober- und Regionalliga spielte. Und links neben ihm sein großer Bruder Jan-Moritz Lichte, der 15 Jahre nach seinem einzigen Spiel im 05-Trikot nun ebenfalls nach Mainz kommt. Nicht mehr als Spieler. Sondern als Co-Trainer der Profis, als enger Mitarbeiter des damaligen Innenverteidigers Schwarz, der künftig als Chefcoach für die 05-Profis zuständig ist.

Jan-Moritz Lichte: Gastspieler vor Innenverteidiger Schwarz

Bereits bei Hannover 96 galt Jan-Moritz Lichte als exzellenter Fachmann. Als Co-Trainer musste er dort aufhören, weil Thomas Schaaf als neuer Trainer seine bewährten Assistenten mitbrachte. Foto: imagoDie große aktive Karriere hatte der heute 37-jährige Jan-Moritz Lichte nicht. Anders als der kleine Bruder kam er vom KSV Baunatal (von dem auch der 05-Torwarttrainer Stephan Kuhnert stammt) nicht weg. Seit dem Wechsel aus der U19 der Nordhessen in die erste Mannschaft im Sommer 1998 spielte Lichte 258 Mal in der Oberliga Hessen für den KSV, ehe er vor zehn Jahren zur zweiten Mannschaft des SC Paderborn wechselte. Anfang April 2009 beendete er seine Karriere, weil der SC ihn für andere Dinge brauchte: Lichte wurde Nachwuchskoordinator, parallel dazu bereits im Mai Co-Trainer seines ehemaligen KSV-Mitspielers André Schubert im Drittligateam. Als dieser 2011 den FC St. Pauli übernahm, kam Lichte mit. Mit ihm bekamen die Hamburger einen Trainer mit höchster Qualifikation - gerade erst hatte er den Fußballlehrer-Kurs als Jahrgangsbester abgeschlossen. Nach einer Saison wechselte der neue 05-Co-Trainer bereits in die Bundesliga, wo er knapp zwei Jahre im Trainerteam von Sascha Lewandowski und Sami Hyypiä arbeitete, dann mit dem Finnen entlassen wurde.

Nach einjähriger Pause kam Lichte zum Saisonende 2014/15 zurück in die Bundesliga, diesmal als Co-Trainer von Michael Frontzeck. Und natürlich ging das nicht gut. Frontzeck rettete Hannover 96 zunächst vor dem Abstieg, richtete in der folgenden Hinrunde das gewohnte Unglück an und musste im Winter gehen. Half nichts - unter den Nachfolgern wurde es auch nicht besser, Hannover stieg ab. Weil Thomas Schaaf, der neue Chefcoach, seine eigenen Co-Trainer mitbrachte, war Lichtes Zukunft ein paar Monate unklar, dann übernahm Frontzecks ehemaliger Assistent das Jugendleistungszentrum der 96er, das er bis vor wenigen Tagen leitete.

Rouven Schröder benutzte bei der Vorstellung Lichtes immer mehrmals das Wort "unglaublich". Unglaubliches Knowhow habe der neue Co-Trainer, unglaublich gute Arbeit habe er bei seinen bisherigen Stationen geleistet. "Wenn man über einen Co-Trainer spricht", sagte der 05-Sportdirektor weiterhin, "der exemplarisch einem emotionalen Trainer gegenüber stehen kann" - und seit Jürgen Klopp dürfte es keinen emotionaleren 05-Trainer mehr gegeben haben als Schwarz - "dann, glaube ich, fällt die Wahl auf Jan-Moritz Lichte, der ein sehr ausgleichendes Moment hat."

Schwarz lernte den neuen Mitarbeiter und ehemaligen Kurzzeit-Mitspieler vor gut einem Jahr richtig kennen. Der neue Chefcoach wusste daher bereits um die ähnlichen Vorstellungen, was die Spielweise, was den Umgang mit Spielern betrifft. "Wir hatten ein sehr gutes Gespräch", sagte Schwarz. "Uns war relativ schnell klar, dass er dazu stößt. Dazu kommt, dass er die nötige Erfahrung mitbringt, was unserem Trainerteam mit Falke und Kuhni unheimlich gut tut."

Stephan Kuhnert: Routinier hinter Talent Schwarz

Stephan Kuhnert ist die Konstante im 05-Trainerteam. Der ehemalige 05-Stammtorwart arbeitet künftig für seinen zwölften Cheftrainer und machte schon etliche Talente bereit für den Profifußball. Foto: Jörg Schneider.Stephan Kuhnert ist somit weiterhin die Konstante im Trainerstab der 05-Profis - Sandro Schwarz ist bereits der zwölfte 05-Cheftrainer, für dessen Torhüter Kuhnert zuständig sein wird. Der Torwarttrainer aus Baunatal ist nun seit 30 Jahren ein 05er, kam damals als bester Torwart der Oberliga Südwest von Wormatia Worms nach Mainz um eine der letzten Lücken im Oberliga-Topteam der 05er zu schließen, stieg auf, ab und wieder auf. War auch nicht immer Stammspieler, war immer wieder schwer verletzt, überstand aber auch ein zwischenzeitliches Zerwürfnis mit der Mainzer Trainerlegende Wolfgang Frank. Ab 1995 erst verlor Kuhnert nach und nach seinen Stammplatz an den jungen Dimo Wache, der aber auch seine Verletzungsprobleme hatte, so dass Kuhnert auch als 38-jähriger Torwarttrainer - diesen Posten übernahm er bereits 1997 - noch dreimal in der 2. Bundesliga aushalf, zwei seiner letzten Spiele zusammen mit dem jungen Schwarz bestritt. In den knapp 20 Jahren als Chef-Ausbilder der Mainzer Torhüter hat der Torschütze des Monats Oktober 1989 mehrere Talente in den Profifußball geholt und ähnlich wie der gefürchtete Gerry Ehrmann beim FCK seine Schüler zu Spezialisten gemacht: Christian Wetklo (114 Bundesligaspiele für Mainz 05), Daniel Davari (29 Bundesligaspiele für Eintracht Braunschweig, WM-Teilnehmer mit Iran), Pierre Kleinheider (55x 3. Liga für den Halleschen FC), Christian Mathenia, der nach 47 Bundesligaspielen für Darmstadt und Hamburg beste Aussichten hat, der neue HSV-Stammtorwart zu werden, Jannik Huth, der inzwischen seine Handvoll Bundesligaspiele für die 05er absolviert hat, vor allem aber Loris Karius bildete Kuhnert zu Torhütern aus, die vor allem im Eins-gegen-Eins nur schwer zu bezwingen sind.

Michael Falkenmayer: Rechtsverteidiger neben Sechser Schwarz

Michael Falkenmayer spielte vor und nach seiner Zeit als Anführer des SC Pfullendorf für Mainz 05 und hat bereits Erfahrung als Co-Trainer von Sandro Schwarz. Foto: FSV Mainz 05Auch der dritte Assistent von Sandro Schwarz hat eine 05-Vergangenheit, auch er ist ein ehemaliger Mitspieler des neuen Chefcoachs, wenn er auch beim Eschborn-Spiel als Einziger weder als Spieler noch als Trainer dabei war. Michael Falkenmayer, gebürtiger Bopparder war damals 19 Jahre alt und nach seinem Wechsel von den Junioren der TuS Koblenz seit einigen Wochen Stammspieler im Oberligateam. Seinen ersten Profi-Einsatz (und den einzigen im ersten Jahr als 05er) hatte Falkenmayer bereits hinter sich; beim 6:1-Testspielsieg bei Wormatia Worms spielte er bis kurz vor Schluss. Bereits im zweiten Jahr war der talentierte, elegante Mittelfeldspieler ein paar Wochen lang als Rechtsverteidiger Stammspieler der Zweitligamannschaft - Sandro Schwarz war nur in einem jener acht Spiele nicht als Sechser dabei. Falkenmayers Profikarriere endete jedoch im Prinzip am 24. April 2004 mit einer schlimmen Verletzung im Regionalligaspiel beim SV Wehen. Mehr als ein Jahr lang fiel der 21-Jährige aus, auch der Neustart bei Eintracht Trier ging schief. Erst ab 2006 kam Falkenmayer als Stammspieler des FK Pirmasens und des SC Pfullendorf wieder auf die Beine; beim SCP war er jahrelang der Chef auf dem Platz, bis er 2013 als Führungsspieler der jungen Regionalligamannschaft zurück zu Mainz 05 kam. Falkenmayer schaffte mit seinem neuen Team den Aufstieg in die 3. Liga, spielte auch da lange eine Hauptrolle, musste dann seine Karriere wegen einer weiteren Verletzung endgültig aufgeben. Ohne die Verletzung von 2004 hätte er möglicherweise ein guter Bundesligaspieler werden können.

Offiziell war Falkenmayer noch Spieler, als er nach der Beförderung von Drittliga-Coach Martin Schmidt zum Bundesligatrainer anfing, als Schwarz' Co-Trainer zu arbeiten. In dieser Rolle kommt er nun mit in die Bundesliga, wo er vor allem für Analysen zuständig sein soll. Als Video-Analyst schließlich kommt Daniel Fischer ins Trainerteam, der bereits seit einem Jahr seinem Vorgänger Stephan Degen assistierte; dieser wechselte nun zu Eintracht Frankfurt. Darüber hinaus bleiben Axel Busenkell als Reha- und Athletiktrainer sowie Jonas Grünewald als Athletiktrainer dabei.

"Das Trainerteam als Ganzes passt", sagt Schröder. "In Jan-Moritz Lichte gewinnen wir einen ausgewiesenen Fußball-Fachmann, der trotz seines jungen Alters bereits Erfahrung als Trainer ins Team einbringen kann, hoch motiviert und ein echter Teamplayer ist. Er ergänzt mit seinem Know-how und als Typ das Trainerteam perfekt. Michael Falkenmayer als Co-Trainer an der Seite von Sandro Schwarz und Daniel Fischer als Video-Analyst sind bereits fester und bewährter Bestandteil des Vereins."

► Alle Artikel zur Kaderplanung

► Zur Startseite