Eine Fünf-Minuten-Entscheidung

Christian Karn. Mainz.
Sami Allagui ist wieder zuhause. "So fühlt es sich an", sagte der tunesische Nationalstürmer im ersten Pressegespräch nach seiner Rückkehr von Hertha BSC zum FSV Mainz 05. "Ich kenne Mainz 05, ich kenne jeden Fleck auf dem Platz, ich weiß, wie man hier spielt." Und nicht nur das.

Sami Allagui über seinen neuer Trainer: "Ich habe mich in Mainz schon einmal weiterentwickelt und will mich wieder weiterentwickeln. Von ihm kann ich viel lernen." Foto: Jörg SchneiderSami Allagui kennt sich aus bei Mainz 05. Das sieht man. Schon daran, dass der tunesische Nationalspieler weiß, wie man die Tür zum Presseraum auch ohne Schlüssel aufbekommt, um die Journalisten reinzulassen. Dann sitzt er da, gut gelaunt im weißen T-Shirt, im Kreise der Medien, und freut sich, wieder zuhause zu sein.

"Vom Gefühl her ist es auf jeden Fall eine Rückkehr nach Hause, weil ich mich in den beiden Jahren hier sehr wohl gefühlt habe", sagte der Stürmer. Von 2010 bis 2012 spielte er bereit in Mainz, ein Jahr am Bruchweg, das zweite in der Coface Arena. "Ich kenne Mainz 05", erklärte Allagui, "ich kenne jeden Fleck auf dem Platz. Ich habe das erste Bundesligator in diesm Stadion geschossen. Ich weiß, wie man hier spielt. Es fühlt sich wirklich so an, als würde ich nach Hause kommen. Und wie man sich zuhause verhält, das weiß man. So wurde man erzogen."

Unbedingt zu erwarten war diese Heimkehr nicht. "Aber im Fußball passiert vieles unerwartet", sagte Allagui. "Ich hatte mehrere Angebote, auch spannende Angebote, auch aus dem Ausland, aber als ich gehört habe, dass Mainz 05 dabei ist, hat mein Herz für Mainz geschlagen. Ich bin ein Spieler, der ein bestimmtes Gefühl braucht als Basis für eine gute Zusammenarbeit, und das habe ich in Mainz gefunden." Lange Bedenkzeit brauchte der Stürmer nicht: "Natürlich bin ich das mit meiner Freundin durchgegangen. Die anderen Angebote hatten wir auch im Kopf. Aber ich wusste, was ich hier habe und wie der Verein tickt. Ich habe für die Entscheidung nur fünf Minuten gebraucht."

Was Allagui am Bruchweg vorgefunden hat, muss diese spontane Zusage gerechtfertigt haben. "Der Verein ist immer noch top aufgestellt", schwärmte Allagui. "Hier gibt es immer noch dieses familiäre Umfeld, in dem man sich zu hundert Prozent auf Fußball konzentrieren kann. Das hat der Verein beibehalten. Weil ich mit der Nationalmannschaft unterwegs war, bin ich netto erst seit drei, vier Tagen wieder hier und fühle mich sehr wohl."

Das Heimspiel gegen Hannover 96 sah Allagui noch von der Tribüne aus. Keine halbe Stunde vor Anpfiff hatten die 05er den Transfer vermeldet. Gegen Hertha BSC könnte er am Samstag spielen; die Verletzung aus dem Länderspiel gegen Botswana hat sich als nicht weiter schlimm entpuppt. "Es ist natürlich eine spezielle Konstellation, das erste Pflichtspiel für Mainz in Berlin zu haben", sagte Allagui. "Fußball kann schon verrückt sein. Vor vierzehn Tagen war ich noch Blau-Weiß, jetzt Rot-Weiß. Vor zwei Wochen bin ich noch in die eine Kabine gegangen, jetzt gehe ich wahrscheinlich in die andere. Das ist speziell. Ich habe noch viel Kontakt zur Mannschaft, habe dort viele Freunde gewonnen. Jetzt gegen die zu spielen, ist etwas Besonderes, Aufregendes, Komisches. Aber das spielt keine Rolle. Ich denke, wir fahren da hin und wollen unbedingt den ersten Dreier holen. Von mir aus kann Hertha dann bis zum Saisonende gewinnen und Meister werden. Das Spiel wollen wir auf jeden Fall gewinnen."

Eine Lieblingsposition zu haben hat Allagui sich abgewöhnt: "Als Thomas Tuchel hier noch Trainer war, habe ich manchmal schon rechts gespielt. Da fühle ich mich mittlerweile genauso wohl wie vorne." Und die Konkurrenz? "Tut gut", sagte Allagui., "Das muss so sein, die hat man sowieso jedes Jahr in jeder Mannschaft. Auch ohne Pokal und Europa League haben wir viele Spiele. Die vielen Nationalspieler haben zwei Wettbewerbe. Dass Shinji Okazaki ein Topstürmer ist, weiß die ganze Liga. Ich freue mich darauf, mit ihm zusammenzuspielen. In welcher Konstellation? Das entscheidet der Trainer. Man kann halt nicht mit allen zusammen auf dem Platz stehen. Ich will der Mannschaft helfen, so gut ich kann. Ich will so viel wie möglich auf dem Platz stehen. Und dazu muss ich meine Leistung bringen Im ersten Jahr hatten wir hier eine Top-Besetzung - und auch Adam Szalai und André Schürrle haben für mich ab und zu auf der Bank gesessen."

Bleibt die Frage nach der Perspektive. "Ich glaube, wer als Mainzer Fan mit dem siebten, achten oder neunten Platz rechnet, ist verwöhnt", sagte Allagui. "Man muss wissen, wo man herkommt. Wir wollen einfach so viele Punkte wie möglich sammeln. Dann können wir immer noch über einen einstelligen Tabellenplatz nachdenken. Gerade im ersten Jahr nach dem Trainerwechsel ist es wichtig, so schnell wie möglich den Klassenerhalt zu schaffen. Das ist das Ziel von Mainz 05, so kenne ich das. So habe ich das auch von den Offiziellen gehört. Vom siebten oder achten Platz war da nicht die Rede."

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