Eine Institution auf der Bank

Jörg Schneider. Mainz.
Rund 350 Pflichtspiele hat Nikolce Noveski seit 2004 für den FSV Mainz 05 absolviert. Der Innenverteidiger, der im nächsten Monat 36 Jahre alt wird, war eine Institution im Bundesligateam der 05er, die personifizierte Zuverlässigkeit. Ein Abwehrchef, der eigentlich immer spielte. In dieser Saison ist der Mazedonier nicht mehr erste Wahl, muss sich hinter den jüngeren Kollegen anstellen. Geht die 05-Karriere des Nationalspielers, dessen Vertrag im Sommer ausläuft, nach elf erfolgreichen Jahren zu Ende?

Niko Bungert und Stefan Bell haben Nikolce Noveski (von links) in dieser Saison aus der Stammformation der 05er verdrängt. Foto: Imago Es ist eine Situation wie es sie immer wieder mal gibt im Fußball. Ein verdienter Profi kommt in die Jahre und muss sich damit auseinandersetzen, dass er sich plötzlich hinter den jungen Leuten anstellen muss. Keine einfache Situation für einen, der im Grunde genommen immer gespielt hat, seit er seine erste Profi-Begegnung für den Klub absolvierte. Nikolce Noveski erlebt diese schmerzhafte Erfahrung in dieser Spielzeit.

Der mazedonische Nationalspieler redet nicht groß darüber. Noveski trainiert professionell wie immer in den mittlerweile elf Jahren beim FSV Mainz 05, die ihn zu einer herausragenden Persönlichkeit im Team des Bundesligisten haben werden lassen. Keine großen Worte, geschweige denn ein Lamento oder klagende Medien-Interviews. Noveski macht seinen Job, arbeitet hart und sitzt, wenn er Glück hat, auf der Ersatzbank, oft genug auch auf der Tribüne. Fast 350 Pflichtspiele hat der Innenverteidiger für die 05er absolviert. Bis zum Ende der vergangenen Saison war der eisenharte, routinierte Abwehrmann Stammspieler, Leistungsträger, die personifizierte Zuverlässigkeit im 05-Team. Hoch geachtet bei den Kollegen, Kapitän, mit seiner ruhigen Art und Bescheidenheit in Verbindung mit seinen Qualitäten auf dem Platz einer der beliebtesten Spieler überhaupt beim Publikum.

In der aktuellen Spielzeit hat der Mann, der im nächsten Monat 36 Jahre alt wird, seinen Platz im Team abgeben müssen an Jüngere. Sowohl Kasper Hjulmand als auch nun Martin Schmidt setzen auf Niko Bungert und Stefan Bell als Zentrumsverteidiger. Noveskis Karriere in Mainz, da muss niemand drumherum reden, neigt sich dem Ende entgegen. Der Vertrag des Routiniers läuft am Ende der Runde aus und es ist unabhängig davon, ob der Verein dem Spieler noch einmal ein Angebot unterbreitet, nicht zu vermuten, dass der verdiente Profi verlängern wird, wenn die Einsatzchance nicht mehr gegeben ist.

Professionell und immer hochkonzentriert im Training: Nikolce Noveski (Mitte) arbeitet hart für eine Einsatzchance. Foto: Jörg SchneiderSchmidt hat mit Noveski darüber gesprochen. „Nikolce weiß, wo er steht, er kennt die Situation“ sagt der 05-Trainer. „Er weiß, dass er im Moment hinter den zwei anderen steht. Wir sehen im Training aber auch, dass er voll dabei ist und im Fußball kann es manchmal schnell gehen, bis jemand wieder drin ist im Team.“ Doch Schmidt lässt keinen Zweifel daran aufkommen, dass er Bungert und Bell als Innenverteidiger bevorzugt. „Sie machen es so, wie ich mir das wünsche, auch wenn mal Fehler dabei sind“, sagt der 47-Jährige.

Da Schmidt seine Abwehr relativ hoch im Feld positioniert, die defensive Pressingreihe aufrücken lässt, gebe es Situationen, in denen dem 35-jährigen Verteidiger einfach die Endgeschwindigkeit fehle, auch die Handlungsgeschwindigkeit. Es sei wohl etwas von allem, sagt Schmidt, was die Stamm-Innenverteidiger dem Routinier derzeit voraus hätten. Noveski tue jedoch alles dafür, um die Chance zu nutzen, sollte sie sich ergeben. „Und das geht nur übers Training“, so der 05-Trainer.

Noveskis Situation lässt die Verantwortlichen nicht kalt. „Er ist jetzt elf Jahre hier“, sagt Christian Heidel, „da ist es völlig normal, dass man zu diesem Spieler ein anderes Verhältnis hat als zu anderen.“ Dennoch kommt auch der Manager an den Gegebenheiten nicht vorbei. „Wir haben schon häufiger darüber gesprochen, dass eine solche Situation eintreten kann, dass Spieler aus dem Kader an ihn herankommen, die dasselbe Niveau und aufgrund ihrer Jugend Vorteile haben. Wir werden in aller Ruhe gemeinsam mit Nikolce überlegen, wie es weiter geht, ohne zu sagen, dass im Sommer Schluss ist“, sagt Heidel.

Es sei selten, dass ein Spieler über zehn Jahre im Verein sei und alles miterlebt habe, eine Institution im Bundesliga-Team gewesen sei. „Das alles wird von uns gewürdigt“, erklärt der 05-Manager, „aber deshalb können wir ihm trotzdem keinen Fünfjahresvertrag anbieten.“ Ob es andere Möglichkeiten gebe für den Routinier, müsse diskutiert werden. „Egal, was kommt und was Nikolce machen wird im Sommer, Mainz 05 ist ein großer Teil seines Lebens, und er wird immer seinen besonderen Stellenwert in der Historie des Klubs haben.“

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